Krasnosnamenskoje (, deutsch Dollstädt, auch: Vogelsang, Kreis Preußisch Eylau) ist der gemeinsame Name zweier ehemals eigenständiger Orte in der russischen Oblast Kaliningrad, die zur Landgemeinde Dolgorukowskoje im Rajon Bagrationowsk gehören.

Geographische Lage Krasnosnamenskoje liegt nördlich des Flüsschens Pasmar (russisch: Maiskaja) und ist von Bagrationowsk (Preußisch Eylau) 13 Kilometer entfernt. Innerorts treffen sich zwei Nebenstraßen, die Bagrationowsk mit Slawskoje (Kreuzburg) und der russischen Fernstraße R 516 (ehemalige Reichsautobahn Berlin–Königsberg („Berlinka“)) bzw. Niwenskoje (Wittenberg) und Wladimirowo (Tharau) mit Pogranitschnoje (Hussehnen) und Bogatowo (Rositten) im russisch-polnischen Grenzgebiet verbinden.

Die nächste Bahnstation ist Strelnja Nowaja (Schultitten, bis 1945 hieß die Station Schrombehnen, heute russisch: Moskowskoje) an der Bahnstrecke von Kaliningrad (Königsberg) nach Bagrationowsk (Teilstück der ehemaligen Ostpreußischen Südbahn).

Geschichte Bis 1945 Dollstädt Der früher DollstädtOrtsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Dollstädt genannte Ort geht in seiner Gründung auf die Zeit um 1340/1350 zurückKrasnosnamenskoje – Dollstädt, mit Bildern der früheren Kirche. Im Jahre 1874 wurde Dollstädt in den neu errichteten Amtsbezirk PenkenRolf Jehke, Amtsbezirk Penken/Seeben (heute russisch: Podgornoje, 1930 umbenannt in „Amtsbezirk Seeben“ (russisch: Gruschewka, danach: Podgornoje)) eingegliedert und gehörte bis 1945 zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 zählte Dollstädt 180 Einwohner.

Am 30. September 1928 wurden die Vorwerke Dollstädt und Zwangshof (russisch: Lugowoje) aus dem Gutsbezirk Penken (Podgornoje) in die Landgemeinde Dollstädt umgegliedert. Die Einwohnerzahl belief sich 1933 auf 284 und betrug 1939 bereits 296.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Dollstädt mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Krasnosnamenskoje“.

Vogelsang Der einst VogelsangOrtsinformationen-Bildarchiv Ostpreußen: Vogelsang genannte Ort bestand vor 1945 eigentlich nur aus einem großen Hof. Er liegt nur einen Kilometer von Dollstädt entfernt und wurde um 1848 gegründet. Bis zum 24. März 1860 hieß der Siedlungsplatz „Abbau Thümmel“. Vogelsang wurde Ortsteil der Gemeinde Sollau (heute russisch: Krasnoarmeiskoje, bis 1927 in Adlig Sollau bzw. Königlich Sollau unterteilt) und war in den Amtsbezirk KilgisRolf Jehke, Amtsbezirk Kilgis (russisch auch: Krasnoarmeiskoje, früher: Saretschje) eingegliedert. Dieser gehörte bis 1945 zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.

Wie Dollstädt kam auch Vogelsang 1945 zur Sowjetunion und erhielt ebenso wie das Nachbardorf den russischen Namen „Krasnosnamenskoje“.

Seit 1946 Krasnosnamenskoje Die aus den Orten Dollstädt und Vogelsang unter dem Namen Krasnosnamenskoje vereinigte Ortschaft war bis zum Jahre 2008 in den Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Puschkinski eingegliedert. Seither ist der Ort aufgrund einer Struktur- und VerwaltungsreformNach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 253 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009 eine als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft innerhalb der Landgemeinde Dolgorukowskoje.

Kirche Pfarrkirche Eine erste Kirche entstand in Dollstädt in der Mitte des 14. Jahrhunderts und wurde wohl im Krieg 1414 zerstört. Danach errichtete man einen einfachen, chorlosen Backsteinbau auf Feldsteinfundamenten. Dieser Bau wurde 1472 bereits urkundlich erwähnt. Im Jahre 1742 ist eine umfassende Renovierung dokumentiert.

Im Jahre 1945 trug das Kirchengebäude nur wenige Beschädigungen am Dach davon. Sie diente dann noch den verbliebenen Deutschen bis zu deren Ausweisung im Jahre 1948 als Gotteshaus. Danach verfiel sie zunehmend und wurde in der ersten Hälfte der 1980er Jahre vom Militär gesprengt, um Baumaterial zu gewinnen.

Kirchengemeinde Dollstädt war schon in vorreformatorischer Zeit ein Kirchdorf. Im Jahre 1528 sollte es eigentlich nach Kreuzburg (heute russisch: Slawskoje) geschlagen werden, doch zerschlugen sich diese Pläne. Früher zur Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers zugehörig war Dollstädt dann bis 1945 in den Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Der Nachbarort Vogelsang gehörte vor 1945 nicht zum Kirchspiel Dollstädt, sondern war dem Pfarrsprengel Kreuzburg (Slawskoje) zugeordnet.

In der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben aufgrund staatlicher Restriktionen nicht möglich. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der Oblast Kaliningrad wieder evangelische Gemeinden. Die Krasnosnamenskoje am nächsten liegende ist die Dorfkirchengemeinde in Gwardeiskoje (Mühlhausen). Sie ist Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Dollstädt gehörten bis 1945 neben dem Pfarrort Dollstädt zwölf OrteWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 469: Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name Groß Park Gussewo Posmahlen Puschkino Kattlack Podgornoje Schrombehnen Moskowskoje Klein Park Lugowoje Seebenzwischenzeitlich: Gruschewka Seeben Neu Posmahlen Sewerjanka Sophienberg Sewerjanka Neu Sollau Salessje Waldkeim Walki Penken Podgornoje Zwangshof Lugowoje

Pfarrer (bis 1945) In Dollstädt amtierten von der Reformation bis zum Jahre 1945 22 evangelische Geistliche:Friedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 32 George Chönitius, 1577/1579 Heinrich Haltermann, bis 1621 Joachim Neresius, 1621–1670 Johann Philipp Hambach, 1670–1672 Bernhard Stöter, 1672–1685 Christoph Zeidler, 1685–1691 Christoph Albrecht Marquardt, 1691–1711 Christian Heinrich Gasser, 1712–1728 Johann Jungius, 1728–1747 Johann Grap, 1748–1754 Johann Peter Nesch, 1755–1776 Theodor Gotthard Fischer, 1777–1813 Friedrich Ferdinand Wenetzki, 1813–1822 Johann Gottlieb Liedtke, 1822–1860 Johann Karl Leopold Götz, 1860–1874 Emil Karl Johann Niebios, 1874–1889 Paul Ernst Albert Nietzki, 1889–1901 Adol Mallée, 1901–1909 Otto Bruno Ludwig Zippel, 1909–1910 Martin Matz, 1910–1918 Martin Christian Krüger, 1918–1922 Herbert Wensky, 1922–1945

Persönlichkeit des Ortes Söhne und Töchter Konrad Gottlieb Marquardt (1694–1749), Mathematiker, Philosoph und Hochschullehrer

Mit dem Ort verbunden Johann Karl Leopold Götz (1833–1903), 1860–1874 Pfarrer in Dollstädt, deutscher lutherischer Theologe

Einzelnachweise

Weblinks Krasnosnamenskoje bankgorodov.ru

Kategorie:Ort im Rajon Bagrationowsk