Die Stadt und die Hunde () ist der Titel des 1963Editorial Seix Barral; Barcelona publizierten ersten Romans des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa. Erzählt wird die Sozialisation 15-jähriger Kadetten in einer durch machismo-Machtstrukturen geprägten Gesellschaft in den 1950er Jahren in Lima. Die deutsche Übersetzung von Wolfgang A. Luchting erschien 1966.Rowohlt Verlag Reinbek

Inhalt Überblick Die Haupthandlung erzählt vom Leben der ca. 15-jährigen Kadetten, die an der „Militärakademie Leoncio Prado“ in Lima nach dem Besuch der Klassen 3 bis 5 ihre Sekundarschulausbildung abschließen und zugleich das Reserveoffizierspatent erhalten. Die Familien entscheiden sich für das Militärgymnasium entweder als Vorbereitung auf eine Offizierslaufbahn oder aus Erziehungsgründen, um die Jungen in einer strengen Ordnung zu disziplinieren und, nach ihren Vorstellungen, auf ihre gesellschaftliche Männerrolle vorzubereiten. Doch in der abgeschlossenen Internatswelt mit strukturellen Machthierarchen herrschen, für alle sichtbar, harte Ordnungsstrafen für kleine Vergehen und Ausgangssperren durch die Offiziere und, im Verborgenen innerhalb der Klassen und Gruppen, brutale Männlichkeitsrituale und darauf basierende mafiöse Gruppenbildungen mit Mobbingschikanen. Im Kontrast zu diesen Auswüchsen steht das zivile Leben der Jugendlichen, wenn sie sich an den Wochenenden in der Stadt mit Freunden und Freundinnen treffen.

In diese Geschichte eingeblendet, wird, teilweise in Ich-Form, die Kindheit der Protagonisten Alberto, „Jaguar“, Ricardo und Teresa.

Vorgeschichten Die Jugendlichen wachsen in sozial unterschiedlichen, jedoch in allen Fällen konfliktbelasteten Familien-Verhältnissen auf. Alberto Fernández Temple ist der Sohn einer wohlhabenden Familie, die mit Personal in einem Villengebiet der Stadt wohnt. Wegen der Affären des Vaters leben die Eltern zeitweise getrennt und erhalten die Ehe nur formal aus gesellschaftlichen Gründen (Teil I, Kap. 1 und 3). Alberto verbringt seine Freizeit beim Fußballspiel oder Klettereien über die Klippen zum Strand. Später freundet er sich mit Mädchen seiner Gesellschaftsschicht an, die er im Club Terraza oder auf privaten Partys kennenlernt (I, 5). Als sein Vater mit seinem Zeugnis des von Padres geleiteten Colegio La Salle unzufrieden ist, weil es nicht dem Anspruch der Familientradition entspricht, ordnet er einen Wechsel des 13-Jährigen zur Militärakademie an. In der von Alberto wegen der sozial gemischten Schülerschaft als „Cholo-Schule“ bezeichneten Anstalt soll er drei Jahre lang durch Disziplin zum Lernen angehalten werden. Ricardo Aranas Familie ist aus Chiclayo, einer nordperuanischen Küstenstadt, nach Lima gezogen. Seine Mutter hat zwei Söhne aus verschiedenen Partnerschaften. Ricardos autoritärer Vater hat Angst, dass sein fleißiger, gehorsamer und sensibler Sohn durch die Nachsicht seiner Mutter verweichlicht wird, und gibt ihn gegen ihren Einspruch zur „Härtung“ in die Militärschule. „Jaguar“ wohnt als Kind zusammen mit seiner vom Vater verlassenen Mutter, Señora Domitila, in einem Außenbezirk Limas. Er versucht sich mit dem Nachbarmädchen Teresa schüchtern zu nähern, macht mit ihr gemeinsam Hausaufgaben und holt sie von ihrer Schule ab. Es entwickelt sich eine Freundschaft mit dem Austausch von Geschenken. Das Geld dafür leiht ihm großzügig Flaco Higueras, ein Freund seines Bruders. Als Jaguar eifersüchtig rivalisierende Jungen brutal verprügelt, reagiert Teresa empört. In dieser Zeit macht ihm Higueras den Vorschlag, für ihn zu arbeiten und etwas Geld zu verdienen. Higueras und seine Kumpane brechen in Villen ein und rauben sie aus. Der wendige Jaguar schlüpft durch kleine Öffnungen in die Häuser und öffnet für die anderen ein Fenster, dann steht er Schmiere. Dadurch kommt der 13-Jährige in kriminelle Kreise und in das Kneipen- und Prostituierten-Milieu und trennt sich von seiner Mutter, die sein Nachtleben ahnt und ihn vor dem Gefängnis warnt. Als er sie nach zwei Jahren wieder einmal besuchen will, ist sie bereits gestorben und Teresa ist mit ihrer Tante weggezogen. Jaguar arbeitet einige Zeit als Verkäufer im Geschäft seines Paten und überredet ihn dann, ihn für die Aufnahmeprüfung zur Militärakademie anzumelden. Teresa lebt bei ihrer Tante in Jaguars Nachbarschaft. Nach dem Tod des Vaters will ihre Mutter ein eigenes Leben führen und bringt die Tochter bei einer Tante unter. In der Haupthandlung arbeitet die 17-Jährige als Sekretärin und ist kurze Zeit mit dem Nachbarsjungen Ricardo Arana, dann mit Alberto befreundet.

Militärakademie Leoncio Prado Taufe In der Kadettenschule gibt es die von den Offizieren stillschweigend geduldete Tradition, die neuen Schüler zu „taufen“, d. h. sie in einer als Mutprobe der Männlichkeit deklarierten einmonatigen Aktion als „Hunde“ zu behandeln, sie mit unappetitlichen Aufgaben, wie den Boden mit der Zunge zu reinigen oder Urin zu trinken, zu demütigen und bei angeblich unzufriedenstellender Ausführung zu schlagen und sie mit Drohungen daran zu hindern, die Übergriffe zu melden. So ergeht es auch den Hauptfiguren der ersten Abteilung: Boa, Rulos (Löckchen), Porfirio Cava, dem schwarzen Vallano, Ricardo Arana, genannt der Sklave, und Alberto Fernández, ironisch mit „La poeta“ (mit „Dichterling“ übersetzt) tituliert (I, 2). Nur dem flinken und starken Jaguar gelingt es, durch seine Gegenwehr diesem Ritual zu entgehen. Er wird darauf der Führer der Jahrgangsgruppe, Maffia genannt, die sich durch nächtliche Überfälle an den Kadetten der höheren Klassen rächt und ihnen teils schwere Verletzungen zufügt. Als der für ihre Abteilung zuständige Teniente (Unteroffizier) Gamboa davon erfährt, erhalten sie Ausgangssperren und müssen die Maffia-Aktionen beenden.

Maffia In personell kleiner Zusammensetzung, Jaguar, Boa, Rulos und Cava, bleibt jedoch die Maffia bestehen. Sie stehlen unter anderem Uniformen, um sie weiterzuverkaufen, und schmuggeln Alkohol, Zigaretten, verbotene Erotikzeitschriften in die Schule. In Machtkämpfen haben sie eine Führungsrolle erkämpft, sie schikanieren die Klassenkameraden und beschimpfen sie mit Sexualvokabular und Fäkalwörtern. Die Schwächeren können sich oft nur mit Bezahlungen, der Übernahme von Strafpunkten oder Dienstleistungen von den Demütigungen freikaufen. Jaguar hat sich von Anfang an als Chef durchgesetzt und Ricardo Arana muss als Letzter alle bedienen. Alberto hat sich durch seine Schlagfertigkeit und seine schriftstellerische Begabung für das Schreiben von Liebesbriefen für die in diesem Metier wenig geschickten Kameraden und von erotischen „Romänchen“ zur Belustigung der Kadetten einen kleinen Freiraum verschafft. Prügeleien innerhalb und zwischen den Klassen sind an der Tagesordnung und werden aus Korpsgeist vor den Offizieren geheim gehalten, bzw. verschleiert. Die Rivalität wird durch Wettkämpfe bei Sportfesten noch verstärkt und gerät gelegentlich außer Kontrolle. Beim Tauziehen kommt es vor prominentem Publikum (General mit Frau und Botschafter usw.) zu einer Prügelei des 4. und 5. Jahrgangs mit einer Ausgangssperre als Bestrafung.

Prüfungsaufgaben Der Roman beginnt mit der Manipulation einer Semester-Chemieprüfung der Abschlussklasse Albertos (I, 1). Die Taufe und andere Ereignisse aus der Zeit davor, sind als Rückblicke eingeblendet. Die Maffia-Gruppe entscheidet durch ein Würfelspiel, dass Cava nachts in den Kopierraum einbrechen und die Aufgaben abschreiben soll. Diese sollen an die schlecht vorbereiteten Kameraden verkauft werden. Ricardo hat während seines Wachdienstes Cava auf dem Weg zu den Klassenräumen beobachtet und erzählt dies Alberto, dessen Freundschaft er sucht. Alberto will mit Jaguar den Kauf der Aufgaben vereinbaren und bietet, wie gewohnt, als Gegenleistung Geld oder Liebesbriefe an. Da bei dem Einbruch eine Fensterscheibe zerbricht und dadurch die Offiziere gewarnt sein könnten, hat die Maffia Angst vor Entdeckung, ändert ihre Strategie und verrät die Aufgaben nicht vor der Prüfung. Alberto engagiert deshalb Ricardo als „Einsager“ (I, 2). Gegen Ende der Prüfungszeit landet jedoch eine Papierkugel mit Lösungen auf Albertos Tisch. Der aufsichtführende Teniente Gamboa beobachtet dies, konfisziert Albertos Aufgabenblatt und fragt nach dem Absender. Ricardo meldet sich, obwohl er es nicht war, und wird mit Ausgehverbot bestraft. Die Einbrecher werden jedoch nicht ermittelt.

Verrat Ricardo leidet unter der Strafe, denn er hat sich in die 17-jährige Sekretärin Teresa, die bei ihrer Tante in der Nachbarschaft seiner Eltern wohnt, verliebt und sie für das nächste Wochenende ins Kino eingeladen. Alberto überbringt ihr einen Brief Ricardos mit der Entschuldigung, interessiert sich selbst für die Freundin des Freundes, geht mit ihr spontan ins Kino, trifft sich an den nächsten Wochenenden, mit ihr und korrespondiert mit ihr, ohne dies alles Ricardo zu verraten. Anschließend an sein erstes Treffen mit ihr führt er seinen eigentlichen Wochenendplan aus und besucht zum ersten Mal die bei den Kadetten beliebte Prostituierte „Pies Dorados“.

Nach vier Wochen Ausgangssperre und ausbleibenden Antworten Teresas auf seine Briefe ist Ricardo verzweifelt und misstrauisch, da sich Alberto weigert, für ihn Liebesbriefe zu schreiben, sich wenig mitfühlend für seine Leiden zeigt und ihm rät, sich eine andere Freundin zu suchen. Während die anderen Arrestanten sich im Kiosk „La Perlita“ in einer Ecke des Anstaltsgeländes betrinken und mit dem Wirt Paulino pubertäre Sexualspiele treiben (I, 5), denkt Ricardo eifersüchtig an die Rivalen in der Stadt, die mit Teresa ausgehen, und er sucht einen Weg nach draußen, indem er Teniente Huariena verrät, dass Cava vermutlich der Einbrecher war (I, 6). Er weiß, dass dies gegen den Korpsgeist verstößt und er von den Kadetten bestraft werden wird, aber er rechtfertigt vor sich seine Anzeige als Rache für seine Demütigungen durch die Maffia und mit seiner Außenseiterrolle allen, auch Alberto, gegenüber. Cava wird vom Offiziersrat für den Einbruch mit dem Ausschluss aus der Schule und von einer weiteren militärischen Ausbildung bestraft und muss in seine Heimat im Hochland zurückkehren. Die Kadetten sind über die Verurteilung empört und rätseln darüber, wer Cava bei dem Diebstahl beobachtet haben könnte oder wer davon wusste. Nachdem Ricardo nach der Verhaftung plötzlich Ausgang in die Stadt erhält, vermuten einige, dass er der Verräter ist.

Alberto hat die Information Ricardos über seine Freundschaft immer wieder aufgeschoben. Nun ist er besorgt, dass er bei seinem Besuch Teresas die Wahrheit erfährt. Er besticht die Wachen, geht in der Stadt sogleich zu Teresa, die jedoch Ricardo noch nicht gesprochen hat, weil sein Vater darauf bestand, dass er nach so langer Abwesenheit bei seiner Familie bleibt.

Feldübung Bei der letzten Feldübung zwei Monate vor dem Schlussexamen soll Teniente Gamboa mit den Kadetten unter Beobachtung des Capitáns Garrido die Eroberung eines Hügels vor der Stadt demonstrieren. Dabei lösen sich drei hintereinander aufgestellte Reihen im Schießen, Stürmen und Deckung-Suchen ab. Ein Schuss trifft Ricardo im Genick (I, 8). Er wird ins Lazarett transportiert und operiert, stirbt aber nach drei Tagen (Teil II, Kap. 2). Obwohl die Untersuchung der Offiziere vermuten lässt, dass der Schuss von einem Kadetten der hinteren Reihe, versehentlich oder absichtlich, abgegeben wurde, drängt der Coronel, der Leiter der Militärakademie, aus Furcht vor einem öffentlichen Skandal darauf, die Angelegenheit zu vertuschen und als Unfall auszugeben: Ricardo sei auf sein Gewehr gefallen und dabei habe sich der Schuss gelöst.