Der Große Preis von Österreich 1975 (offiziell XIII Memphis Großer Preis von Österreich) fand am 17. August auf dem Österreichring in der Nähe von Zeltweg statt und war das zwölfte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1975. Das Rennen hatte auch den FIA-Ehrentitel Großer Preis von Europa.
Berichte Hintergrund Vor seinem Heimrennen hatte Niki Lauda 17 Punkte Vorsprung in der Weltmeisterschaftswertung gegenüber seinem Verfolger Carlos Reutemann. Titelverteidiger Emerson Fittipaldi fehlten bei noch drei ausstehenden WM-Läufen 18 Punkte auf den Österreicher. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit drei Punkten vor Brabham und mit 14,5 Punkten vor McLaren.
30 Teilnehmer wurden für das Rennwochenende gemeldet und nahmen am Training teil.
Das Team Surtees, das den Großen Preis von Deutschland wegen Schäden am Werkswagen ausgelassen hatte, kehrte nach erfolgreicher Reparatur wieder mit dem Stammfahrer John Watson ins Teilnehmerfeld zurück, woraufhin Lotus anstatt mit Watson ein weiteres Mal mit Brian Henton neben Stammfahrer Ronnie Peterson antrat.
Rolf Stommelen, der beim Großen Preis von Spanien schwer verunglückt war, kehrte ins Team Embassy Hill zurück, woraufhin Alan Jones sein Cockpit räumen musste. Ebenfalls nach mehrmonatiger Abstinenz wagte Chris Amon ein Comeback in der Formel 1 am Steuer eines zweiten Werks-Ensign.
Bei Shadow wurde einer der beiden Werkswagen mit einem V12-Motor von Matra bestückt. Dieser wurde von Jean-Pierre Jarier pilotiert, während sein Teamkollege Tom Pryce weiterhin mit dem herkömmlichen Ford-V8-Triebwerk an den Start ging.
Zwei Piloten debütierten an diesem Wochenende in der Formel 1. Dies waren Jo Vonlanthen als Paydriver im zweiten Williams sowie Brett Lunger, der den zweiten Werks-Hesketh pilotierte, während die Warsteiner Brauerei weiterhin den Einsatz von Harald Ertl finanzierte, von nun an allerdings in Form eines Privatteams.
Mit Emerson Fittipaldi, Peterson und Reutemann (jeweils einmal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an. mini|Unfallort von Mark Donohue
Training Zum siebten Mal in dieser Saison sicherte sich Lauda die Pole-Position. James Hunt erreichte mit einer um knapp eine Zehntelsekunde langsameren Trainingszeit den zweiten Platz in der ersten Startreihe. Es folgten Emerson Fittipaldi und Hans-Joachim Stuck, die sich die zweite Reihe teilten. Dahinter qualifizierten sich Clay Regazzoni, Carlos Pace, Patrick Depailler und Vittorio Brambilla.
Bereits vor dem eigentlichen Rennen wurde das Wochenende von zwei schweren Unfällen überschattet. Wilson Fittipaldi zog sich Knochenbrüche an einer Hand zu, als er mit seinem Copersucar während des Trainings verunfallte. Im Warm-Up vor dem Rennen ereignete sich jedoch ein noch weitaus dramatischerer Vorfall. Mark Donohue kam aufgrund eines Reifenschadens in der schnellen Vöst-Hügel-Kurve, die damals noch nicht durch eine Bremsschikane modifiziert war, von der Strecke ab und prallte gegen die Leitplanken sowie gegen eine Werbetafel. Zwei Streckenposten wurden dabei schwer verletzt. Einer von ihnen starb später. Donohue war zunächst bei Bewusstsein, verlor dieses jedoch wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus nach Graz. Am Dienstag nach dem Rennen erlag er dort seinen schweren Verletzungen.
Rennen Kurz vor dem Start verdichteten sich die Wolken über der Rennstrecke und es begann an manchen Abschnitten des Kurses bereits heftig zu regnen. Die Fahrzeuge wurden auf Regenreifen umgerüstet. Der Start wurde hierfür um einige Minuten verschoben.
Lauda ging vor Hunt und dem gut gestarteten Depailler in Führung. Es folgten Stuck, Fittipaldi, Brambilla und Scheckter. Der Italiener beeindruckte, indem er bereits während der ersten Umläufe an Fittipaldi, Stuck und Depailler vorbeizog und dadurch den dritten Rang einnahm.
In der 15. Runde gelangten sowohl Hunt als auch Brambilla an Lauda vorbei und verschafften sich sogar einen deutlichen Vorsprung vor ihm. Als Hunt in der 19. Runde auf den zu überrundenden Lunger auflief, nutzte Brambilla die sich ihm bietende Chance und zog an beiden Fahrzeugen vorbei an die Spitze.
Während sich die Wetterbedingungen sukzessive verschlechterten, dachten die Veranstalter über einen Rennabbruch nach. Bereits ausgefallene Teilnehmer, die die schwierigen Sichtverhältnisse und die rutschige Strecke aus dem Cockpit heraus erlebt hatten, bestärkten sie in dieser Entscheidung.
Am Ende der 29. Runde wurde das Rennen schließlich abgebrochen. Der Führende Brambilla wurde davon völlig überrascht und riss während des Überfahrens der Ziellinie jubelnd die Arme nach oben. Dabei verlor er die Kontrolle über seinen Wagen und schlug in die Leitplanken ein. Er schaffte es jedoch, auf die Strecke zurückzukehren und absolvierte die Ehrenrunde mit deutlich demoliertem Fahrzeug.
Dies war der zweite Sieg für einen Wagen des Herstellers March. Da Jackie Stewarts Erfolg beim Großen Preis von Spanien 1970 allerdings unter der Regie des damaligen Kundenteams Tyrrell zustande gekommen war, handelte es sich nun um den ersten Sieg des March-Werksteams.
Für Brambilla war dies der erste und einzige Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Gleichzeitig war dies seine einzige Podestplatzierung und er hatte zum einzigen Mal die schnellste Rennrunde absolviert. Pryce, der hinter Hunt Dritter wurde, bestieg ebenfalls erstmals das Podest. Da weniger als 75 Prozent der ursprünglich geplanten Renndistanz absolviert worden waren, wurde gemäß den Regularien nur die halbe Punktzahl vergeben.
Lauda musste in den beiden noch ausstehenden Rennen lediglich noch einen einzigen Punkt holen, um Weltmeister zu werden. Sollte ihm dies nicht gelingen, hätte Reutemann nur im Falle von zwei Siegen den Titel sicher.
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 McLaren M23 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 2 3 Tyrrell 007 4 5 Lotus 72E 6 7 Brabham BT44B 8 9 March 751 10 29 11 Ferrari 312T Ferrari 015 3.0 F12 12 14 BRM P201 BRM P200 3.0 V12 16 Shadow DN5 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 17 Shadow DN7 Matra MS73 3.0 V12 18 Surtees TS16 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 20 Iso-Marlboro FW03 21 Williams FW04 22 Hill GH1 23 24 Hesketh 308 25 27 Parnelli VPJ4 28 March 751 30 Copersucar FD03 31 Ensign N175 33 Ensign N174 Warsteiner Brewery 32 Hesketh 308 35 Maki F101C
Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:34,85 224,350 km/h 1 2 1:34,97 224,067 km/h 2 3 1:35,21 223,502 km/h 3 4 1:35,38 223,103 km/h 4 5 1:35,41 223,033 km/h 5 6 1:35,71 222,334 km/h 6 7 1:35,78 222,172 km/h 7 8 1:35,80 222,125 km/h 8 9 1:36,12 221,386 km/h 9 10 1:36,14 221,340 km/h 10 11 1:36,43 220,674 km/h 11 12 1:37,60 218,029 km/h 12 13 1:37,61 218,006 km/h 13 14 1:37,62 217,984 km/h 14 15 1:37,64 217,939 km/h 15 16 1:37,69 217,828 km/h 16 17 1:37,87 217,427 km/h 17 18 1:37,96 217,227 km/h 18 19 1:37,97 217,205 km/h 19 20 1:38,14 216,829 km/h DNS 21 1:38,19 216,719 km/h DNS 22 1:38,43 216,190 km/h 20 23 1:38,72 215,555 km/h DNS 24 1:38,75 215,490 km/h 21 25 1:39,53 213,801 km/h 22 26 1:39,56 213,736 km/h 23 27 1:40,72 211,275 km/h 24 28 1:42,58 207,444 km/h 25 29 1:42,80 207,000 km/h 26 DNQ 1:44,88 202,895 km/h –
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 29 0 0:57:56:69 8 1:53,9 2 29 0 + 27,03 2 3 29 0 + 34,85 15 4 29 0 + 1:12,66 9 5 29 1 + 1:23,33 13 6 29 0 + 1:30,28 1 7 29 0 + 1:39,07 5 8 28 1 + 1 Runde 10 9 28 0 + 1 Runde 3 10 28 0 + 1 Runde 18 11 28 0 + 1 Runde 7 12 28 0 + 1 Runde 21 13 28 0 + 1 Runde 17 14 28 0 + 1 Runde 11 15 28 0 + 1 Runde 16 16 27 0 + 2 Runden 23 17 26 0 + 3 Runden 20 – 25 0 NC 25 – 23 0 DNF 24 – 21 0 DNF 12– 17 1 DNF 6 – 14 0 DNF 26 – 10 0 DNF 4 – 10 0 DNF 14 – 2 0 DNF 22 – 1 0 DNF 19 DNSWilson Fittipaldi verunfallte im Training und konnte nicht am Rennen teilnehmen.–––––DNSDonohue verunglückte im Training schwer und konnte nicht zum Rennen starten.–––––DNSHenton verunfallte im Training und konnte nicht am Rennen teilnehmen.––––– Anmerkungen
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 10, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt(e) – aufgrund des Abbruchs des Rennens vor Erreichen von 60 % der geplanten Renndistanz jedoch nur die Hälfte des üblichen Wertes: 4½, 3, 2, 1½, 1 bzw. ½ Punkt. In der Konstrukteurswertung zählten nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams. Es zählten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten fünf aus den letzten sechs Rennen. Streichresultate sind in Klammern gesetzt.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Ferrari 51,5 2 Brabham-Ford 343McLaren-Ford 334Hesketh-Ford 28 5 Brabham-Ford 246Tyrrell-Ford 197Ferrari 16 8 McLaren-Ford 169Tyrrell-Ford 12 10 Shadow-Ford 7 11 March-Ford 6,512Williams-Ford 613Parnelli-Ford 514Lotus-Ford 415 †Penske-Ford 416Lotus-Ford 317Hesketh-Ford / Hill-Ford 218Shadow-Ford 1,519Ensign-Ford 120Williams-Ford / Hill-Ford 121March-Ford 0,522Lola-Ford / Hill-Ford 023Surtees-Ford 024Hesketh-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte25B.R.M. 026Lola-Ford 0 27 Hesketh-Ford 028Copersucar-Ford 029Lotus-Ford 030Ensign-Ford 031Tyrrell-Ford / Williams-Ford 032Tyrrell-Ford 033Lotus-Ford 034Hesketh-Ford 035McLaren-Ford 036Williams-Ford 037Lotus-Ford 038Lyncar-Ford 0 39 Surtees-Ford 0–Williams-Ford 0–B.R.M. 0–Ensign-Ford 0–Hill-Ford 0–Hill-Ford 0–March-Ford 0–Lotus-Ford 0–Williams-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 54,52 51 (53)3 41 4 285 246 8,57 7,58 7 9 6 Pos. Konstrukteur Punkte 10 511 312 213 1 14 015 0 16 017 0– 0
Einzelnachweise
Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1
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