Die Geschichte Korsikas umfasst die Entwicklungen auf der Insel Korsika von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.

Vorgeschichte mini|200px|Die Steinreihen von Palaggiu auch als Campu dei Morti (Friedhof) bezeichnet

Über die Kulturen, die ab etwa 6000 v. Chr. (ältestes ggf. noch präneolithisches Datum, 6570 v. Chr. die Dame von Bonifacio) die Insel Korsika prägten, ist wenig bekannt. Einzig in Filitosa und bei Terrina (ab 2600 v. Chr. Kupferverarbeitung der Terrinien-Kultur) wurden Überreste der Kulturepochen gefunden, sie lassen Rückschlüsse auf deren Abfolge zu. Ab etwa 1800 v. Chr. wurden die Megalithkulturen von der Torre-Kultur überlagert. Aus der Tatsache, dass die Statuenmenhire oftmals zerschlagen und in den Bauten der Torreaner als Baumaterial verwendet wurden, schloss der Archäologe Roger Grosjean, dass dieser Übergang zwischen den Kulturen nicht friedlich vonstattenging.Roger Grosjean: Filitosa. Hochburg des prähistorischen Korsika. 1978.

Vorgeschichtliche torreanische Plätze: Alo-Bisucce, Araggiu, Balestra, Ceccia, Capula, Cucuruzzu, Filitosa, Foce, Palaggiu, Stantari, Tappa und Torre.

Antike

mini|Italien im 6. Jahrhundert v. Chr. Die frühesten geschichtlichen Einwohner Korsikas waren wahrscheinlich Ligurer. Die Phokäer aus Ionien waren das erste geschichtliche Volk, das hier Siedlungen gründete. Um 560 v. Chr. wurde die Stadt Alalia gegründet. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts unterlagen sie jedoch den mit den Karthagern verbündeten Etruskern, die nach ihrer Entmachtung durch die Römer wiederum von den Karthagern verdrängt wurden.

Letzteren folgten die Römer, die zur Zeit des Ersten Punischen Kriegs hier Fuß fassen konnten, aber sich erst Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. niederließen. Sowohl Marius als auch Sulla gründeten Kolonien – die erste 104 v. Chr. in Mariana (bei Lucciana), die zweite 88 v. Chr. in Aleria. In den ersten Jahrhunderten der christlichen Epoche bildete Korsika eine der senatorischen Provinzen des Reichs. Obwohl es in ständigen Handelsbeziehungen mit dem italienischen Festland stand, war die abgelegene und verarmte Insel eher als Verbannungsort für politische Häftlinge bekannt. Einer der berühmtesten von ihnen war Seneca der Jüngere, der bis 49 n. Chr. acht Jahre hier verbrachte.

Während des Zusammenbruchs des Römischen Reichs im Westen war der Besitz Korsikas für eine Weile zwischen den Vandalen und den gotischen Verbündeten der römischen Kaiser umstritten. 469 machte sich Geiserich schließlich zum Herrn über die Insel. 65 Jahre lang behielten die Vandalen die Herrschaft; die korsischen Wälder lieferten das Holz für die Flotten, mit denen sie das Mittelmeer terrorisierten. Nachdem Belisar die Macht der Vandalen in Africa zum Einsturz gebracht hatte, eroberte sein Leutnant Cyril Korsika (536).

Mittelalter

Ostrom, Franken, Sarazenen mini|Italien um 751 Nun wurde es unter dem Exarchat von Karthago Teil des oströmischen Reiches und sah gelegentliche Überfälle durch die Langobarden. Überdies kamen im Jahre 713 das erste Mal Muslime von der Nordküste Afrikas auf die Insel. Korsika blieb nominell dem byzantinischen Reich zugeordnet, bis sich Karl der Große nach seinem Sieg gegen die Langobarden (774) an die Eroberung der Insel machte, die nun an die Franken kam.

Ab 806 fielen spanische Mauren und afrikanische Sarazenen auf Korsika ein. Sie besetzten seit 810 weite Küstenstriche und vertrieben die Bewohner Alerias und Marianas. Eine Gestalt der frühen Gegenwehr war Ugo Colonna (auch Ugo della Colonna), der die Mauren bei Aleria und den Maurenherrscher Nugalon bei Mariana schlug. Noch heute erinnern u. a. die korsischen Ortsnamen Campo dei Mori, Campomoro, Morosaglia und Morsiglia an die Zeit der Mauren. Bonifatius II. von Lucca (788–847; ital. Bonifacio), von 828 bis 834 Markgraf von Tuscia (Tuscien) und Präfekt von Korsika, verteidigte 833 die Insel erfolgreich gegen sarazenische Angriffe.

Aber trotz aller Bemühungen scheinen die Muslime im Besitz eines Teils der Insel geblieben zu sein. Berengar II., König Italiens, machte sich zum Herrscher über die Insel, und nach seiner Absetzung durch Otto den Großen wurde sie ein Zufluchtsort für seinen Sohn Adalbert, dem es gelang, die Insel zu halten und sie an seinen Sohn weiterzugeben, einem weiteren Adalbert. Letzterer wurde von den Truppen Ottos II. besiegt, und Korsika erneut an die Markgrafschaft Tuscien angeschlossen, von dem Adalbert einen Teil der Insel als Lehen bekam.

Mehr als 200 Jahre litten die Insulaner unter deren Schreckensherrschaft. Aus diesem Grunde zog sich der größte Teil der Korsen ins unzugängliche Inselinnere zurück. Damit wurde die sich bereits zur Römerzeit angedeutete Aufteilung der Insel verstärkt. Die Korsen lebten abgesondert von der mediterranen Welt in den Bergen, während sich die Fremdherrscher der Küstenzonen bemächtigten. Das Wappen der Insel stammt aus jener Zeit und soll an die Vertreibung der Sarazenen im 11. Jahrhundert erinnern.

Nach der Vertreibung der Sarazenen bildete sich auf Korsika ein Feudalwesen verschiedener Herren aus Ligurien und der Toskana unter der nominellen Oberherrschaft der lombardischen Malaspina. Die neuen Herren teilten das Land unter sich auf, bauten Burgen auf den Höhen und tyrannisierten das Volk. Neben den mächtigen »Signori« versuchten die kleinen »Centiluomini« ihre Macht auszudehnen. Es kam zu blutigen Fehden, Kampf und vollkommene Anarchie waren für Jahrhunderte die Folge.

Ein erster Versuch der Korsen, in Morosaglia eine Volksherrschaft mit Parlament zu bilden (1358), war von kurzer Dauer. Sambucuccio d’Alando (gest. um 1370) eroberte die Mitte der Insel, bis auf das Cap Corse im Norden und die Terra dei Signori im Süden. Dabei führte er eine Art Kollektivierung von Eigentum durch. Nach seinem Tod kamen die Signori wieder an die Macht.

Entstehung der Terra di Comune

Die Periode feudaler Anarchie begann nun, wobei unbedeutende Feudalherren darauf aus waren, ihre jeweiligen Gebiete auszudehnen. Besonders die Grafen von Cinarca, die von Adalbert abstammen sollen, zielten darauf ab, ihre Oberherrschaft über die ganze Insel herzustellen. Um dieser und anderen Ambitionen entgegenzuwirken, wurde im 11. Jahrhundert eine Art nationaler Landtag gehalten, und Sambucuccio, Herr von Alando, stellte sich an die Spitze einer Bewegung, die darin resultierte, dass die Feudalherren auf weniger als die südliche Hälfte der Insel beschränkt wurden, und in dem übrigen Teil, der künftig Terra di Comune genannt wurde, eine Art Republik aus autonomen Gemeinden gegründet wurde.

Dieses System, das bis zur Französischen Revolution überlebte, wird folgendermaßen von Jacobi beschrieben. Jede Gemeinde nominierte eine Zahl Ratsmitglieder, die unter der Leitung eines Podestà mit der Rechtspflege beauftragt waren. Die Podestà aus allen wahlberechtigten Bezirken wählten ein Mitglied des obersten Rats, der mit dem Beschließen von Gesetzen und Verordnungen für die Terra di Comune beauftragt war. Dieser Rat oder Magistrat wurde nach der Anzahl der Bezirke, die an der Nominierung teilhatten, die Zwölf genannt. Schließlich wählten die Väter der Kommune in jedem Bezirk einen Magistrat, der unter dem Namen caporale mit der Interessenvertretung der Armen und Schwachen betraut war.

Inzwischen blieb der Süden unter der Herrschaft der Grafen von Cinarca, während im Norden feudale Barone im Vorgebirge von Cap Corso ihre Unabhängigkeit aufrechterhielten. Interne Fehden setzten sich fort; Wilhelm, Markgraf von Massa, aus der Familie, die später als Malaspina bekannt wurde, wurde von den Kommunen eingeschaltet (1020), vertrieb die Grafen von Cinarca, rief die Barone zur Ordnung, und gründete in Harmonie mit den Kommunen ein Herrschaftsgebiet, das er an seinen Sohn weiterreichen konnte.

Belehnung an Pisa

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts erhoben jedoch die Päpste aufgrund der Schenkung Karls des Großen Anspruch auf die Insel, obwohl der fränkische Eroberer allenfalls die Rückgabe des Kirchenlands versprochen hatte. Der korsische Klerus unterstützte den Anspruch, und 1077 erklärten sich die Korsen in Anwesenheit des apostolischen Legaten Landolfo, Bischofs von Pisa, zu Untertanen des Heiligen Stuhls. Papst Gregor VII. verlieh daraufhin die Insel dem Bischof und seinen Nachfolgern. Die Belehnung wurde 1190 von Urban II. bestätigt und in ein Zugeständnis voller Souveränität erweitert.

Die Pisaner nahmen die Insel feierlich in Besitz, und ihre judices nahmen den Platz der päpstlichen Legaten ein. Wie zuvor die Vandalen schätzten auch die Republik Pisa Korsika als unerschöpfliches Materiallager für ihre Flotte. Korsika erblühte unter der aufgeklärten Herrschaft der großen Handelsrepublik.

Konflikt zwischen Pisa und Genua

Gründe für Uneinigkeit blieben freilich zur Genüge. Die korsischen Bischöfe bereuten ihre Unterwerfung unter den Pisaner Erzbischof; die Genuesen intrigierten in Rom, um eine Rücknahme des päpstlichen Geschenks an ihre Rivalen zu erreichen, mit denen sie um die Oberherrschaft auf See stritten.

Die folgenden Päpste folgten in dieser Hinsicht widersprüchlichen Strategien. 1138 teilte Innozenz II. als Kompromiss die kirchliche Gerichtsbarkeit der Insel zwischen den Erzbischöfen von Pisa und Genua. Dies gab den Genuesen großen Einfluss auf Korsika, und der Konkurrenzkampf zwischen Pisanern und Genuesen sprang auf die Insel über. Erst 1195 konnte Genua wirklich in dem Land Fuß fassen, indem es das Piratennest Bonifacio eroberte, das dem Handel beider Republiken nachstellte. Zwanzig Jahre lang kämpften die Pisaner darum, die Festung für sich selbst zu gewinnen, bis 1217 der Papst die Sache damit beilegte, dass er sie in seine eigenen Hände nahm.

Während des 13. Jahrhunderts ging der Kampf zwischen Pisa und Genua weiter und bildete auf der Insel die Fehde zwischen Ghibellinen und Guelfen ab, die sich in Italien abspielte. Um der ruinösen Anarchie ein Ende zu setzen, zogen die Oberhäupter der Terra di Comune den Markgrafen Isnard Malaspina hinzu; die Pisaner setzten noch einmal den Grafen von Cinarca ein. Der Krieg zwischen Markgraf, den Pisanern und den Genuesen zog sich mit wechselndem Glück dahin, weil es keinem gelang, die Vorherrschaft zu erlangen.

Korsika geht an Genua

Am 4. April 1297 trug Papst Bonifatius VIII. noch zu den Komplikationen bei, indem er König Jakob II. von Aragon mit Korsika und Sardinien belehnte. Mit langer Verzögerung griffen die Aragonesen 1325 Sardinien an und unterwarfen es, mit dem Resultat, dass die Pisaner mit ihrer zerschlagenen Seemacht sich nicht mehr in Korsika halten konnten. Eine erneute Phase der Anarchie folgte, bis 1347 eine große Versammlung der caporali und Barone entschied, Genua die Oberhoheit über die Insel anzubieten. Ein regelmäßiger Tribut sollte an die Republik gezahlt werden; die Korsen sollten ihre Gesetze und Gebräuche unter dem Rat der Zwölf im Norden und einem Rat der Sechs im Süden bewahren können; korsische Interessen sollten in Genua durch einen orator vertreten werden.

Die Genueser Herrschaft begann unter schlechten Vorzeichen, denn der Schwarze Tod tötete rund zwei Drittel der Bevölkerung. Sie sollte der Insel keinen Frieden bringen. Die Genueser Feudalbarone des Südens ähnlich wie die erblichen caporali des Nordens widersetzten sich der Autorität des Genueser Statthalters. König Peter von Aragon machte sich ihre Fehden dazu zunutze, seine Ansprüche wieder anzumelden. 1372 machte sich Arrigo, Graf von La Rocca, mit der Hilfe von Aragoneser Truppen zum Herrn der Insel. Aber gerade sein Erfolg brachte die Barone von Cap Corso gegen ihn auf, die sich erneut an Genua wandten.