mini|Rittergut Cannewitz, links das Herrenhaus
Cannewitz ist ein Ortsteil der Ortschaft Nerchau der Großen Kreisstadt Grimma.
Geografie Cannewitz liegt etwa 8,5 Kilometer nordöstlich von Grimma. Durch den Ort fließt das Mutzschener Wasser, ein rechter Zufluss der Vereinigten Mulde. Südlich von Cannewitz verläuft die Bundesautobahn 14, die nächstgelegene Anschlussstelle ist Mutzschen.
Nachbarorte von Cannewitz sind Fremdiswalde im Norden, Gaudichsroda im Nordosten, Wagelwitz im Osten, Serka im Südosten, Löbschütz im Süden, Thümmlitz im Südwesten sowie Denkwitz im Nordwesten.
Geschichte mini|Cannewitz auf einer Karte von Hermann Oberreit (1836/39) mini|Das Herrenhaus des Rittergutes („Schloss“) mini|Dorfkirche mini|hochkant|Arbeiter des VEG Cannewitz (1960)
Die erste belegte Ortsnamenform datiert von 1378 als Konewicz, 1421 schreibt man Canewicz.Vgl.
Die ältesten Gebäudeteile der örtlichen Kirche datieren auf das 14. Jahrhundert. Bemerkenswert ist die mit Reliefs und dem Bildnis ihres Stifters, dem einstigen Herren auf Cannewitz, Wolf von Starschedel, versehene Sandsteinkanzel. Sie wurde 1612 von einem Meißener Bildhauer geschaffen. Ein weiteres kostbares Stück, der sogenannte „Gotteskasten“, eine aus einem eichenen Baumstamm gefertigte Truhe mit mächtigen Eisenbeschlägen, befindet sich heute im Grimmaer Museum. In dieser Truhe wurden einst der katholische Ornat und Abendmahlsgegenstände aufbewahrt.
1445 war für Cannewitz ein Rittersitz verzeichnet, ab 1551 ein Rittergut. Die Existenz reicht jedoch bis in das 13. Jahrhundert zurück, da der Ursprung der Brauerei Cannewitz, welche sich auf dem Rittergut befand und nach altem Landesrecht das Braurecht besaß, bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Als erster Besitzer ist ein Balthasar von Döben bekannt. Der Kern des Herrenhauses geht auf das späte 16. Jahrhundert zurück. Die Familie von Starschädel besaß das Gut seit 1629 und verkaufte es 1699 an den Grafen von Bünau. Bereits im Mittelalter wurde Hopfenanbau betrieben. Gemäß einem Erbregister von 1665 hatten die Untertanen des Ritterguts die Stangen für den Anbau zu liefern. – Das 1946 gegründete und 1991 aufgelöste Volkseigene Gut (VEG) versuchte von 1952 an auf 10 Hektar Fläche einen erneuten Anbau, der aber 1972 mangels Qualität eingestellt wurde. 1745 ging das Rittergut an den Grafen von Stubenberg.
August Schumann nennt 1817 im Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen Cannewitz betreffend u. a.:
Albert Schiffner ergänzt bzw. korrigiert 1830 u. a.:
1827 ging das Rittergut durch Erbschaft an die Familie von Lüttichau sowie später an die Familie von Cannewitz und nachfolgend an die bürgerliche Familie Schubert, welche das Gut 1848 an das Justizamt Grimma übertrug. Nach einem verheerenden Brand in der Nacht auf den 1. August 1897Die Geschichte der Brauerei Cannewitz, abgerufen am 7. Februar 2012. erfolgte eine umfassende Innensanierung. 1900 erwarb Max Radegast das Anwesen und führte hier einen landwirtschaftlichen Betrieb.
Mit Eröffnung der Station „Cannewitz“ am 1. November 1888 erhielt der Ort Eisenbahnanschluss an der Schmalspurbahn Mügeln–Neichen.Eisenbahnstationen in Sachsen, abgerufen am 7. Februar 2012.
Von 1946 bis 1991 wurden die Anlagen des Rittergutes vom Volkseigenen Gut bewirtschaftet, welches sich auf Tierzucht und Saatgutvermehrung konzentrierte. Nach der politischen Wende 1990 waren die Gebäude zeitweilig bewohnt und beherbergten Geschäftsräume sowie ein Jugendzentrum. Teile der Gebäude werden heute von einer Agrargenossenschaft genutzt, welche auf den landwirtschaftlichen Flächen um Cannewitz Ackerbau betreibt. Das Herrenhaus stand lange Zeit leer und verfiel zusehends. Im Jahr 2014 wurde es von der Firma Schicketanzhof erworben und umfassend saniert.http://www.architektur-blicklicht.de/schloesser-herrenhaeuser/rittergut-cannewitz-grimma-leipzig/
Am 1. Januar 1950 wurde Thümmlitz eingemeindet. Denkwitz und Serka kamen am 1. Juli 1950 hinzu. 1972 folgte Wagelwitz.
Am 28. August 1967 wurde der Personenverkehr auf der Schmalspurstrecke eingestellt, am 1. Juli des darauffolgenden Jahres folgte der Güterverkehr. Die Gleisanlagen wurden später abgebaut.
Zum 1. Januar 1994 wurden die Ortschaften Cannewitz, Denkwitz, Löbschütz und Thümmlitz nach Nerchau eingemeindet, Wagelwitz wurde nach Mutzschen umgegliedert.Gebietsänderungen ab 1. Januar 1994 bis 31. Dezember 1994 auf der Internetpräsenz des Statistischen Landesamts des Freistaats Sachsen. S. 7. (PDF; 64 kB), abgerufen am 3. Februar 2012. Zum 1. Januar 2011 wurde Nerchau wiederum nach Grimma eingegliedert, womit Cannewitz seitdem ein Gemeindeteil von Grimma ist.
Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr EinwohnerzahlOrtsteile von Nerchau auf grimma.de, abgerufen am 20. Mai 2013.1548/51 16 besessene Mann, 3 Gärtner, 14 Inwohner, Hufen1764 16 besessene Mann, 26 Häusler, 6 Hufen1834 3421871 3971890 4471910 395 Jahr Einwohnerzahl1925 3981939 4081946 5251950 7441964 6601990 620 Jahr Einwohnerzahl2011 2622008 2812019 221
Brauerei Cannewitz mini|Ruinen der Brauerei
Der Ursprung der Cannewitzer Brauerei lag, wie oben erwähnt, im 13. Jahrhundert. Nach altem Landesrecht besaß das Rittergut zu dieser Zeit das Braurecht. Die Brauerei war anfangs ein nebensächlicher Teil der Gutswirtschaft, er erstreckte sich lediglich auf den Eigenbedarf. 1377 gelangte der Ort Cannewitz in den Besitz des Ritterguts, womit auch im Dorf ausgeschenkt werden durfte. Die Schenke von Cannewitz hatte über lange Zeit das alleinige Schankrecht. Doch ging dieses später auch auf die Einwohner des Ortes über und es entstand ein so genannter Reiheschank. Das hieß, man gab das Schankrecht „der Reihe nach“ von Haus zu Haus weiter.
Im 15. Jahrhundert wollte das Rittergut das Verkaufsrecht auch auf benachbarte und fernere Orte ausweiten, dem wurde aber 1435 vom Magistrat zu Grimma nicht stattgegeben, um durch das Einfuhrverbot seine eigene Brauerei zu schützen.
In der Nacht zum 1. August 1897 brannte das Rittergut fast vollständig ab, auch die Brauerei wurde Raub der Flammen. Die Loslösung vom Rittergut begann mit dem dadurch erforderlichen Neubau. Bereits vor diesem besaß Friedrich Louis Hanschmann den Brauereibetrieb zur Pacht. Am 26. September 1898 war Grundsteinlegung, bereits am 19. Januar des folgenden Jahres wurde erstmals gebraut, Ostern 1899 erfolgte der feierliche Einzug in die neuen Gebäude.
Nachdem Friedrich Louis Hanschmann gestorben war, übernahm Sohn Alfred die Brauerei und trat in den bestehenden Pachtvertrag ein. 1933 erwarb er die Anlagen käuflich und führte das Unternehmen bis 1953. Am 15. Mai 1972 wurde das Unternehmen enteignet und in Volkseigentum überführt.
Infolge der politischen Wende konnte sein Sohn Wolfgang am 1. Juni 1990 den Betrieb zurückerwerben. Die vorhandene Substanz war durch Verschleiß jedoch in katastrophalem Zustand und erforderte umfangreiche Neuinvestitionen. Wirtschaftlich schwierige Umstände zwangen Wolfgang Hanschmann im Jahr 1999 zur Aufgabe des Betriebes.
Im Oktober 2000 erwarb das Unternehmen Klaus Fruchtsäfte & Fruchtweine in Wurzen Markenrechte sowie Teile der Brauerei. Seitdem wird das Cannewitzer Bier nach Rezepturen von Alfred Hanschmann im südwestlich von Chemnitz gelegenen Gersdorf bei der Glückauf-Brauerei GmbHrajiv.de: gebraut.
Sehenswürdigkeiten
die Kirche des Ortes ist im Kern eine gotische Saalkirche und stammt aus dem 14. Jahrhundert
Literatur
Weblinks
Ortsteile im Porträt. In: Webauftritt der Großen Kreisstadt Grimma.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Leipzig Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Leipzig) Kategorie:Gemeindeauflösung 1994 Kategorie:Geographie (Grimma) Kategorie:Ersterwähnung 1378