Donald „Don“ Siegel (* 26. Oktober 1912 in Chicago, Illinois; † 20. April 1991 in Nipomo, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmregisseur und Filmproduzent.

Zu seinen wichtigsten Filmen gehören der Science-Fiction-Film Invasion of the Body Snatchers, der Polizeifilm Nur noch 72 Stunden, der Kriminalfilm Dirty Harry und der Spätwestern The Shootist. Wiederholt arbeitete er mit Clint Eastwood als Hauptdarsteller zusammen, der in Siegel einen wichtigen Mentor für seine spätere Regietätigkeit sah.

Leben Don Siegel machte seinen Schulabschluss in England. Nach einem Kunststudium in Paris ging er in den 1930er Jahren nach Hollywood. Ab 1934 arbeitete er für das Filmstudio Warner Brothers, wo er sein Handwerk in der Schnittabteilung und als Second Unit-RegisseurRegisseur des zweiten Aufnahmeteams, das vor allem Actionszenen und Aufnahmen dreht, in denen die Hauptdarsteller nicht auftreten. erlernte. 1945 führte er erstmals Regie bei zwei Kurzfilmen.Essay von Deborah Allison auf Sensesofcinema.com, abgerufen am 22. März 2013. Beide wurden mit einem Oscar ausgezeichnet, aber, wie Siegel in einem Interview 1970 ausführte, ohne dass jemand Notiz davon nahm, da ein Oscar für einen Kurzfilm damals nur für das Studio zählte. Ende der 1940er Jahre, nach dem Film Night Unto Night, verließ Siegel Warner Brothers.

In der Folge drehte Siegel als unabhängiger Regisseur vornehmlich Western und actionbetonte Thriller. Für seine Regiearbeit in Terror in Block 11 (1954) wurde er für den Directors Guild of America Award nominiert. Sein Ausflug ins Science-Fiction-Genre mit Die Dämonischen (1956) blieb eine Ausnahme, doch bezeichnete er diesen rückblickend als seinen „wahrscheinlich besten Film“.Alan Lovell: Don Siegel. American Cinema. London 1975. Siegel war den Studios für schnelles und effizientes Arbeiten bekannt, mit bis zu 55 wechselnden KamerapositionenIm Original „camera set-ups“; da aus einer Kameraposition mehrere Einstellungen gedreht werden können, also mindestens 55 Einstellungen am Tag. am Tag.

Beginnend mit dem ursprünglich fürs Fernsehen produzierten Der Tod eines Killers (1964) drehte Siegel die Filme, die heute zu seinen bekanntesten zählen, darunter Nur noch 72 Stunden (1968) und den kontrovers diskutierten Dirty Harry (1971). Siegel arbeitete häufig mit Clint Eastwood und war ein Mentor Eastwoods, als dieser begann, selbst Regie zu führen.Interview mit Clint Eastwood im Guardian vom 7. Oktober 2003, abgerufen am 22. März 2013. Der Jazzmusiker Lalo Schifrin steuerte zu einigen Filmen Siegels der späten 1960er und 1970er Jahre die Musik bei.

Im Laufe seiner Karriere verhalf Siegel unter anderem den zukünftigen Regisseuren Sam Peckinpah und Michael Reeves zu ihren ersten Tätigkeiten im Filmgeschäft.Walter Mirisch: I Thought We Were Making Movies, Not History. University of Wisconsin Press, 2008, S. 47–49.Biografie von Michael Reeves auf der Webseite des British Film Institute, abgerufen am 22. März 2013. Eastwood widmete Siegel, wie auch seinem anderen Mentor, Sergio Leone, postum seinen Film Erbarmungslos aus dem Jahre 1992.

Siegel war dreimal verheiratet, mit Viveca Lindfors, Doe Avedon und Carol Rydall. Aus der von 1949 bis 1954 bestehenden Ehe mit Lindfors ging der 1952 geborene Sohn Kristoffer Tabori hervor, der später Schauspieler und Regisseur wurde. Während der Ehe mit Avedon, die von 1957 bis 1975 bestand, adoptierte das Paar vier Kinder.Norma Stevens, Steven M. L. Aronson: Avedon: Something Personal. Spiegel & Grau, New York, 2017, ISBN 978-0-8129-9443-8, S. 169. Die Ehe mit Carol Rydall, einer vormaligen Assistentin Clint Eastwoods, hielt von 1981 bis zu Siegels Tod 1991.

Rezeption Den kontrovers diskutierten Dirty Harry, einen Selbstjustiz verübenden Polizisten, hielt Siegels Biograph Stuart Kaminsky für „unmoralisch“, Kritikerin Pauline Kael sprach gar von „faschistischem Mittelaltertum“.Pauline Kael: The Current Cinema: Saint Cop. Artikel in The New Yorker vom 15. Januar 1972. Zitiert nach: Jim Dobies Magnum Fascist: Dirty Harry. Artikel auf Examiner.com vom 25. Januar 2010, abgerufen am 23. März 2013. Siegels Telefon beurteilte Filmkritiker Peter Knight als „geradlinigen Kalter-Kriegs-Film“.Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History: An Encyclopedia. ABC-CLIO, Santa barbara 2003, S. 256–257. Deborah Allison (sensesofcinema.com) verwies darauf, dass der Regisseur selbst selten moralisch oder politisch Position bezog. John Baxter schrieb zum Verhältnis Held–Verbrecher–Zuschauer in Siegels Filmen:

Ebenfalls Gegenstand gegensätzlicher Deutungen wurde Siegels Die Dämonischen, in dem Außerirdische die Körper der Bewohner eines kleinen kalifornischen Dorfes übernehmen und eine gefühllose, rein utilitaristische Gesellschaftsform aufbauen wollen. „Man spürt förmlich die antikommunistische Paranoia der Nachkriegszeit, gleichzeitig ist man versucht, den Film als Metapher für die Tyrannei der McCarthy-Ära zu deuten“ (David Wood, BBC)„The sense of post-war, anti-communist paranoia is acute, as is the temptation to view the film as a metaphor for the tyranny of the McCarthy era.“ – Besprechung von David Wood, BBC, 2001. Siegel wollte den Film weder links noch rechts ansiedeln und betonte, dass seine Filme keine politische Botschaft besäßen: „Ich finde, Spielfilme sollten primär unterhalten, und ich will nicht predigen.“„[…] I feel that motion pictures are primarily to entertain and I did not want to preach.“ – Interview mit Don Siegel in Alan Lovell: Don Siegel. American Cinema. London 1975.

Eines der wenigen offenen politischen Bekenntnisse Siegels stammt aus einem 1972 geführten Interview mit der New York Times. „Wenn Sie einen Film machen, der auf der sicheren Seite steht, haben Sie ein Problem“, erläuterte Siegel und bestand darauf, dass Clint Eastwood, Hauptdarsteller u. a. in Dirty Harry, der Konservative sei, er selbst dagegen eine politisch konträre Haltung vertrete: „Ich bin ein Liberaler. Ich sympathisiere mit der Linken.“ Gleichzeitig schränkte er ein, „ich mache keine politischen Filme“.Peter B. Flint: Don Siegel, Whose Movies Herald Tough, Cynical Loners, Dies at 78. New York Times vom 24. April 1991, abgerufen am 23. März 2013.The New York Times Biographical Service. Band 3, New York Times/Arno Press, 1972, S. 1083.

Filmografie (Auswahl)

Literatur Frank Arnold, Michael Esser (Hrsg.): Dirty Harry: Don Siegel und seine Filme. Vertigo, München 2003, ISBN 3-934028-05-5. Norbert Grob: Don Siegel 1912–1991. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-010662-4, S. 687–689.

Dokumentarfilm Don Siegel – Der letzte der Unabhängigen (The Last of the Independents.) Fernsehdokumentation über Don Siegel von Thys Ockersen, Niederlande 1980

Weblinks

(englisch)

Chris Fujiwara: An Acting Lesson in Madigan – Don Siegel's Madigan revisited, FIPRESCI, München 2006, Online-Ressource, undercurrent #2 Juli 2006 der FIPRESCI (Fédération Internationale de la Presse Cinématographique) (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Filmproduzent Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann