Fritz During (* 31. März 1910 in Burg; † 8. April 1993 in Preetz) war ein deutscher Bildhauer und Kunsthandwerker.
Leben
Fritz During war das dritte Kind der insgesamt fünfköpfigen Familie, seine Eltern waren Schneider. Nach dem Abschluss der Dorfschule erlernte er in Cottbus das Tischlerhandwerk. Sein Bruder Paul, der in Berlin ein Studium der Malerei absolviert hatte, holte ihn 1930 nach Berlin. Auch Fritz besuchte Malerei- und Grafikseminare an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst, fühlte sich aber zum plastischen Gestalten mehr hingezogen und entschied sich für das Studium der Bildhauerei bei Ludwig Gies. Aus Fritz Durings Akademiezeit sind durch die kriegsbedingte Zerstörung der Lagerungsplätze nur noch eine geringe Anzahl von Arbeiten bekannt, diese zumeist nur anhand von Fotografien. Es handelt sich vor allem um kleinplastische Arbeiten und Reliefs, die expressionistische Züge und gelängte Proportionen aufweisen.
Nach seiner Ausbildungszeit von 1930 bis 1936 an den „Vereinigten Staatsschulen“ ging er nach Kiel, um für die Kieler Kunstkeramik Edmund Jensen Kiel, Nachfolgebetrieb der Kieler Kunst-Keramik AG, als freier Mitarbeiter zu arbeiten. Für diese Firma fertigte er zahlreiche Baukeramiken, die teilweise noch heute in Kiel und weiteren Städten Schleswig-Holsteins erhalten sind. Es handelt sich meist um Hauszeichen, Wappen, Kapitelle, figurative Baukeramik oder Türumrahmungen aus Klinker.
Beendet wurde diese Tätigkeit durch den Zweiten Weltkrieg, in den er als Soldat eingezogen wurde. Nach Kriegsende kehrte During nach Norddeutschland zurück und lebte und arbeitete von nun an in Schwentinental / OT Raisdorf als freischaffender Künstler. Kunstwerke im öffentlichen Raum sind ebenso in seinem Gesamtwerk vertreten, wie Plastiken und Reliefs für den privaten Bereich. 1993 starb Fritz During in Preetz. Die nach dem Tod seiner Witwe, Käthe During, gegründete Fritz-During-Stiftung verwahrt in Plön seinen künstlerischen Nachlass.
Werk Außenplastik mini|Pan-Skulptur von 1971 in Flensburg bei der Mürwiker Straße nahe dem Volkspark.
Fritz During hat in Schleswig-Holstein und besonders in Kiel ein überaus reiches Œuvre hinterlassen. Sein Hauptthema war der Mensch. Sein Hauptarbeitsgebiet der 1950er und 1960er Jahre war die Kunst am Bau. Hierzu gehören großplastische Werke für den Außenbereich von Schulen, für sonstige öffentliche Gebäude und für den kirchlichen Bereich.
Zu Beginn der 1950er Jahre erhielt During erste Aufträge für Kunstwerke im öffentlichen Raum in Kiel. Besonders durch die Regelung Kunst am Bau entwickelte sich für ihn im Zusammenhang mit der Vielzahl an Neubauten eine lukrative Auftragslage. Der Großteil seiner Werke für Bauten in Kiel entstand in der Zeit von 1955 bis 1962. In den darauffolgenden Jahren, bis 1972, schuf er verstärkt Kunst am Bau für Orte im übrigen Schleswig-Holstein. Die meisten dieser Arbeiten befinden sich auf Schulgeländen und stehen in der realistisch-figürlichen Tradition der Plastik. Die Plastiken Durings zeigen meist Motive mit Kindern, die in eine Tätigkeit vertieft sind. Sie zeichnen sich durch Schlichtheit, Vereinfachung und Befreiung von Momentanem aus. Die Werke integrieren sich auf anmutige Weise in den Schulbetrieb und sind ausnahmslos als kindgerecht zu beurteilen. Damit handelt es sich bei ihnen um typische Beispiele für Kunst am Bau der 1950er und 1960er Jahre.
Kleinplastik Kleinplastische Arbeiten für den privaten Bereich waren ein weiteres Standbein von Fritz Durings Kunst. Ab 1972 erhielt During kaum noch öffentliche Aufträge, was nicht zuletzt durch den Wandel im Kunstverständnis der Mitglieder der Auswahlgremien zu begründen ist. Auch die Anzahl der geschaffenen Reliefs geht zurück und During konzentriert sich zunehmend auf kleinplastische Arbeiten. Bereits ab Kriegsende, und verstärkt ab Mitte der 1970er Jahre, modellierte er im kleinplastischen Bereich humorvolle Figuren. Er suchte danach, typisch menschliches Verhalten in plastischen Gestalten zum Ausdruck zu bringen. In der Kleinplastik hat der Bildhauer eine eigene, spezifische Ausdrucksform gefunden. Seine komischen Figuren sind durch den Humor ihres Schöpfers geprägt und werfen einen kritisch-ironischen Blick auf menschliche Verhaltensweisen. Am Ende seines Lebens wendete sich der Künstler besinnlichen, mystisch-anmutenden Gestalten zu, die Rückbezüge auf seine Reliefs der Studienjahre vermuten lassen und einen tief religiösen Hintergrund aufweisen.
Reliefs Durch seinen akademischen Lehrer Ludwig Gies ist Fritz During bereits frühzeitig mit der Reliefkunst konfrontiert worden und gestaltete bereits während seiner Studienjahre kleine Medaillen und Plaketten sowie kleinformatige Reliefs mit expressionistischen Zügen. In der Nachkriegszeit wandte sich der Künstler dieser bildhauerischen Gattung verstärkt zu, wobei er mit verschiedenen Gestaltungsformen experimentierte, um schließlich meist im flachen, recht strengen Reliefstil zu arbeiten.
Erhaltene Werke von Fritz During im öffentlichen Raum Klinkerkeramik in Kiel Clausewitzstr. 2: Zwei Kapitelle, ~ 1936–39 Wrangelstr. 32: Vier Kapitelle mit Fischen, ~ 1936–39 Asmusstr. 1 + 3 (Joachimsplatz): Zwei Reliefs in Rahmen (je eine Frau), ~ 1938
Werke vor und in Kieler Schulen mini|Bronzeplastik „Mädchen mit Reifen“ an der Ricarda-Huch-Schule in der Hansastraße, Kiel-Ravensberg
Gorch-Fock-Schule: Fast lebensgroße Kindergruppe aus Keramik, 1955 Gymnasium Wellingdorf: Brunnen mit Pan, 1958 Hans-Christian-Andersen-Schule: 21 verschiedene Lampenumrahmungen, 1958 Hans-Christian-Andersen-Schule: Kleine Nixe, 1958 Hans-Christian-Andersen-Schule: Märchenerzählerin, 1959 Hans-Christian-Andersen-Schule: Vögel + Lampe, 1958 Hardenbergschule: Hahn, 1960, Keramik Hebbelschule: Hauszeichen, 1957 Jahnschule: Brunnenplastik, Raufende Jungen, 1958 Reventlowschule: Junges Mädchen, Haar ordnend, 1980 Ricarda-Huch-Schule: Mädchen mit Reifen. Brunnenfigur, 1962 Schule Holtenau: Brigitte, 1961 Schule Holtenau: Klinkerrelief mit Kindern beim Spiel + Schulgang, 1962 Schule Suchsdorf: 2 Wandreliefs, 1954, zusammengesetzte Keramikplatten
Werke im kirchlichen Bereich in Kiel Friedhofskapelle, Elmschenhagen: Riemchenrelief, 1958 Kapelle Ostfriedhof: Zwei Stuckarbeiten, 1954 Klausdorf Kirche: Kleines Altarkreuz, 1962 Matthäuskirche, Gaarden: 12 m langer Fries mit Figuren, 1967 Weinbergkapelle: Elmschenhagen: Kruzifix, 1956
Werke vor, in und an sonstigen öffentlichen Kieler Gebäuden mini|2 Kinder mit Kater vor dem Gesundheitsamt Kiel
Elmschenhagen, Bücherei: Wasserspiel, 1965 Gesundheitsamt: Zwei Kinder mit Kater, 1956 Jugendherberge: Drei Keramikreliefs, 1961 Jugendherberge: Neptun, 1961 Kieler Nachrichten: Keramiksäulen in der Schalterhalle, 1954 Klausdorf: Gemeindehaus: St. Georg mit Drachen, 1965 Krematorium Kiel: Witwe, 1957, ~ 140 cm Rathaus: Relieffolge „Bürger bauen eine neue Stadt“, 1957 (zusammen mit Alwin Blaue) Säule Sophienhof (bei Karstadt, Eingang 1. Stock) Detlev v. Liliencron, 1973 Universität Kiel: Bronzeschrifttafel für Nobelpreisträger Meyerhoff, 1971
Werke in Schleswig-Holstein außerhalb von Kiel mini|Skulptur am Schloss Plön
Ahrensburg, Realschule: Jungen mit Flieger + Drachen, 1962 Brügge, Kirche: Mahnmal, 1967 Brügge, Kirche: Tympanon, 1981 Busenwurth, Kapelle: Taufstein in Klinker mit Arche Noah, 1963. Flensburg, Europa-Universität: Primavera Flensburg, Grenzlandkaserne: Wappen für Arkadenumgang, Erkerumrahmung mit Figuren, zw. 1936–39 Flensburg, Gebäudemanagement Schleswig-Holstein: Pan, 1971 Großenbrode, Schule: Größeres Relief mit spielenden Kindern, 1969 Hansün, Dörfergemeinschaftsschule: Flöte spielender Junge, 1969 Hattstedt, Jens-Iwersen-Schule: Ringstecher, 1967. Heikendorf, Fördewanderweg (Möltenort): 2 große Stelen, 1971 Hutzfeld, Heinrich-Harms-Schule: Goldmarie, Brunnenplastik, 1967 Rethwisch b. Itzehoe, Dörfergemeinschaftsschule: 2 Jungen mit Hahn, 1964 Laboe, Kurpark: Flöte spielender Junge, 1969 Lütjenburg, Schule: Mädchen mit Frosch, 1967 Neumünster, Jugendsozialwerk: Violanda, 1961 Neumünster, Lyzeum: Keramikbrunnen mit Barbara, 1957 Oldenburg (Holstein), Kreishaus: Wasserspiel, 1965 Oster-Ohrstedt, Grund- und Hauptschule: Mädchen mit Blümchen (Lieschen), 1967 Plön, Schule am Schiffsthal, Gemeinschaftsschule des Schulverbandes Plön Stadt und Land, Am Schiffsthal: Huckepack, 1975 Plön, am Schloss: In der Sonne Sitzende, 1959 Preetz, Realschule: Mädchen mit Reifen, 1964 Puttgarden, Sporthalle: Zwei große Bronzereliefs, ~ 1964 Raisdorf, Ehrenmal auf dem Friedhof, 1962 Raisdorf, Martinskirche: Kruzifix, 1960 Raisdorf, Martinskirche: St. Martin am Tympanon, 1961 Rammsee, Schule: Wolke, drehbar im Wind, 1975 Rendsburg, Artilleriekaserne: Vier Porträts der Heerführer, die am Krieg 1864 beteiligt waren, ~1936–39 Sankt Peter-Ording, Realschule: Ringende Jungen, 1969 Schellhorn, Grundschule: Raufende Jungen, 1983 Selent, Bronzerelief für die Kirche: Personen mit Vogel, 1987 Trent, Grundschule: Junge mit Flieger, 1970 od. später Wedel, Mahnmal „Gebt die Gefangenen frei“, 1957 Wildenhorst, Kapelle Wildenhorst: Kruzifix, 1955 Wildenhorst, Kapelle Wildenhorst: Taufschale, 1955
Ausstellungen Mehr als 35 Ausstellungsbeteiligungen und zwei große Einzelausstellungen zu Lebzeiten 1994: „Fritz During zum Gedächtnis“, Museum des Kreises Plön, Plön 1998–2001: Dauerausstellung in der Galerie Diez am See, Plön 2001: „Paul und Fritz During – zwei Künstler aus Burg. Malerei – Grafik – Plastik.“ Wendisches Museum, Cottbus 2002: „Durings Frauen“, Kreisverwaltung Plön, Plön 2010: „Fritz During – Der Bildhauer und seine Modelle“, Museum des Kreises Plön, Plön 2020: „Fritz During – Künstler der Region (Die 50er)“, Probsteimuseum Schönberg, Schönberg 2020: „Fritz During – Künstler der Region (Die 60er)“, Museum des Kreises Plön, Plön 2020: „Fritz During – Künstler der Region (Die 70er)“, Künstlermuseum Heikendorf – Kieler Förde, Heikendorf
Ständige Ausstellung Im Nordflügel des Prinzenhauses zu Plön (Schlossgebiet 10, 24306 Plön) ist in zwei Räumen eine Dauerausstellung mit Werken Fritz Durings zu sehen.
Auszeichnungen
1959: Kulturpreis der Stadt Kiel 1976: Friedrich-Hebbel-Preis
Fritz-During-Stiftung im Kreis Plön Die Satzung der „Fritz-During-Stiftung im Kreis Plön“ wurde am 11. November 1997 aufgestellt und am 12. Januar 1998 genehmigt. Bereits nach dem Tode der Witwe des Künstlers im Frühjahr 1995 übernahm der Kreis den künstlerischen Nachlass. Das Stiftungskapital stammt aus der Veräußerung des übrigen, dem Kreis überlassenen Besitzes, wie des Grundstückes, des Hauses und des Ateliers von Fritz During in Raisdorf.
Kontroverse Im Februar 2023 beschloss das Präsidium Europa-Universität Flensburg nach Einholung einer Stellungnahme aus der Universitätsbereich Kunst, Durings Bronzeplastik Primavera (lateinisch „der Frühling“) aus dem Foyer der Universität Flensburg zu entfernen. Einige Frauen hätten sich beim Anblick des Kunstwerks unwohl gefühlt. Hinterfragt wurde laut Pressemitteilung der Universität nur der Zusammenhang von Figur und (prominentem) Ort, nicht die Figur an sich. Nur mit Verzögerung wurden in der Kontroverse Stimmen aus dem Kunstbereich zur Kenntnis genommen.
Literatur
Joachim Arp: Fritz During – Kleinplastik. Walter G. Mühlau Verlag, Kiel 1970. Dieter Opper: Der Bildhauer Fritz During. Zur Eröffnung der Ausstellung am 17. Mai 1982 in der Industrie- und Handelskammer zu Kiel. In: Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Plön. XII. Jg. 1982, S. 119–137. During, Fritz. In: Berend Harke Feddersen: Schleswig-Holsteinisches Künstler-Lexikon. Unter Mitarbeit von Lilianne Grams und Frauke Gloyer, Nordfriisk Instituut, Bredstedt 1984, ISBN 3-88007-124-1, S. 45. Ausst.-Kat. Salzau 1988: Fritz During – Ausstellung. Kulturzentrum Salzau. Kiel 1988. Fritz During 1930–1991, Hrsg. v. Verlag Schmidt & Klaunig. Kiel 1992.