mini|Taufstein von 1750
Binzwangen ist ein Gemeindeteil des Marktes Colmberg im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Binzwangen hat eine Fläche von 11,413 km². Sie ist in 884 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 12.910,34 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Oberhegenau und Unterhegenau.
Geografie Das Pfarrdorf liegt an der Altmühl und am Lachengraben, der dort als rechter Zufluss in die Altmühl mündet. Im Osten liegen der Bergbuck und das Bergfeld, im Südwesten der Rombühl. 0,9 km nordöstlich von Binzwangen steht eine Eiche, die als Naturdenkmal ausgezeichnet ist.
Eine Gemeindeverbindungsstraße führt zur Staatsstraße 2245 (1,3 nordöstlich) bzw. zur Staatsstraße 2250 und dort als Kreisstraße AN 5 weiter nach Dornhausen (3,1 km südlich). Weitere Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Stettberg (2 km westlich) und zur St 2245 bei Oberhegenau (1,2 km östlich). Binzwangen war Station einer alten Straße, die vom westlichen Mittelfranken in die Weinanbaugebiete des Mains führte. Der Ort liegt außerdem auf dem Jakobspilgerweg von Prag nach Santiago de Compostela sowie am Fränkischen Marienweg.
Geschichte Wie Funde (Steinbeil, Pfeilspitze, kleiner Schaber) im Umfeld beweisen, zogen bereits steinzeitliche Jäger um 5000 v. Chr. durch die Altmühlauen. Die Wortendung „–wangen“„Wang“ bedeutet Weide am Fluss bzw. Feuchtwiese, was bei der Lage des Ortes an der Altmühl auch nahe liegt. ist typisch für Siedlungen, die von Alamannen (vermutlich im 3. Jahrhundert) gegründet wurden. Erstmals namentlich erwähnt wird Binzwangen in einer Urkunde des Chorherrenstiftes Herrieden vom 24. Februar 888.
Seit wann es in Binzwangen eine Kirche gibt, ist unklar. Die Patrozinia der heutigen Kirche (St. Sebastian, Cornelius und Cyprian) deuten darauf hin, dass dies bereits im 9. Jahrhundert der Fall gewesen sein könnte. Ebenfalls unklar bleibt, wessen Filiale die Kirche war und ab wann sie zur Pfarrei erhoben wurde. Es steht aber fest, dass dies bereits vor der Reformation der Fall war.
1330 kamen Ort und Kirche in den Besitz des Klosterstiftes in Spalt. Auch nach Einführung der Reformation blieb das Patronat zunächst formell beim Stift in Spalt, wurde aber vom Bistum Eichstätt verwaltet. Am 18. Februar 1601 wurde dieser Zustand von Markgraf Georg Friedrich I. gewalttätig beendet. Eine neue Heimat fanden hier in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts evangelische Glaubensvertriebene aus Österreich.
Im 16-Punkte-Bericht des brandenburg-ansbachischen Oberamts Colmberg von 1608 wurden für Binzwangen 36 Mannschaften verzeichnet, die alle das eichstättische Amt Herrieden als Grundherrn hatten. Das Hochgericht übte das Vogtamt Colmberg aus,Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 6/1, 9r. Zitiert nach was aber bereits seit 1600 vom brandenburg-bayreuthischen Schultheißenamt Markt Bergel strittig gemacht wurde. Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Colmberg von 1681 wurden für Binzwangen weiterhin 36 Mannschaften verzeichnet, die alle eichstättisch waren: 13 Anwesen unterstanden dem Kastenamt Herrieden, 16 Anwesen dem Propsteiamt Herrieden, 6 Anwesen dem Heiligen zu Binzwangen, 1 Anwesen der Pfarrei Binzwangen. Die hochgerichtlichen Verhältnisse waren auch zu dieser Zeit umstritten.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 6/2, 26. Zitiert nach
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Binzwangen mit Oberhegenau eine Realgemeinde. In Binzwangen gab es weiterhin 36 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Schultheißenamt Markt Bergel aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das eichstättische Vogtamt Aurach. Alle Anwesen hatten das Hochstift Eichstätt als Grundherrn (Propsteiamt Herrieden: 2 Höfe, 1 Gütlein, 2 Köblergüter, 2 Söldengüter, 23 Söldengütlein, 1 Mühle, 1 Schmied-Söldengütlein, 3 Tafernwirtschaften; Vogtamt Aurach: 1 Söldengütlein). Neben den Anwesen gab es noch kirchliche Gebäude (Pfarrkirche, Pfarrgut) und kommunale Gebäude (Kuh-Hirtenhaus, Ochsen-Hirtenhaus, Schulgut, freieigenes Haus, Brechhaus).
Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1799) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justizamt Leutershausen und Kammeramt Colmberg.
1806 kam Binzwangen an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Binzwangen gebildet, zu dem Oberhegenau, Stettberg und Unterhegenau gehörten. Die Ruralgemeinde Binzwangen entstand 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Stettberg eine eigenständige Ruralgemeinde. 1836 beantragten die Bewohner von Unterhegenau die Umgemeindung nach Obersulzbach. Dies wurde genehmigt unter der Auflage, die dabei entstehenden Kosten von 250 fl. zu tragen, woraufhin der Antrag zurückgezogen wurde.
Von 1862 bis 1879 gehörte Binzwangen zum Bezirksamt Ansbach, ab 1880 zum Bezirksamt Rothenburg ob der Tauber (1939 in Landkreis Rothenburg ob der Tauber umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Leutershausen, von 1880 bis 1973 war das Amtsgericht Rothenburg ob der Tauber zuständig, das 1973 zu einer Zweigstelle des Amtsgerichts Ansbach wurde. Die Finanzverwaltung wurde 1880 vom Rentamt Rothenburg ob der Tauber übernommen (1919 in Finanzamt Rothenburg ob der Tauber umbenannt), das seit 1973 eine Zweigstelle des Finanzamts Ansbach ist. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 11,384 km².
Am 1. Mai 1978 wurde Binzwangen im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Colmberg eingemeindet.
Baudenkmäler In Binzwangen gibt es elf Baudenkmäler: Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Sebastian, Cornelius und Cyprian: Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die ursprüngliche Kirche nicht verwüstet. Als sie aber Mitte des 18. Jahrhunderts als zu klein und zu baufällig galt, wurde sie weitestgehend abgetragen. 1749/51 wurde unter der Leitung des Baumeisters Johann Georg Entenberger ein neuer Turm errichtet, das Kirchenschiff erhöht und die Kirche mit einer neuen Innenausstattung versehen und insgesamt im Markgrafenstil umgestaltet. Sehenswert ist der Taufstein aus dem Jahr 1750.Bernd Kunz: Die Altmühl von der Quelle bis zur Mündung, S. 19. Friedhofsmauer Haus Nr. 1: Pfarrhaus mit Pfarrstadel Haus Nr. 2: Ehemaliges Wohnstallhaus Haus Nr. 3: Ehemaliges Wohnstallhaus Haus Nr. 12: Wohnhaus Haus Nr. 14: Gasthaus Haus Nr. 23: Hofhaus Haus Nr. 38: Wohnhaus Haus Nr. 42: An das Tor von Haus Nr. 43 anstoßender Krüppelwalmbau des frühen 19. Jahrhunderts mit aufgedoppelter Haustür.H. K. Ramisch: Landkreis Rothenburg ob der Tauber, S. 16ff. Denkmalschutz mittlerweile aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Haus Nr. 43: Wirtschaftsgebäude und ehemaliges Amtshaus
Einwohnerentwicklung Gemeinde Binzwangen Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 316 395 356 355 356 347 359 361 364 392 386 377 388 378 377 403 371 369 338 482 453 428 326 290 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 69 67 70 74 73 78 75 75 74 Quelle Für die Gemeinde Binzwangen zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Oberhegenau (S. 66) und Unterhegenau (S. 94). Zahlen der Wohngebäude und Haushaltungen sind vertauscht.
Ort Binzwangen Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2007 2020 Einwohner 211 263 237 234 253 270 243 322 240 202 207 218 194 Häuser 46 48 51 56 56 55 54 57 Quelle (Abgerufen am 8. Februar 2012). Die Einwohnerzahlen berufen sich im Abgleich mit der amtlichen Statistik vermutlich auf einen Einwohnerstand zwischen 2007 und 2008.
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Sebastian, Cornelius und Cyprian. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Johannis (Rothenburg ob der Tauber) gepfarrt.
Literatur
Bernd Kunz: Die Altmühl von der Quelle bis zur Mündung. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2005, ISBN 3-89929-047-X
Weblinks
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Fußnoten
Kategorie:Geographie (Colmberg) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 888 Kategorie:Gemeindegründung 1810 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ort an der Altmühl Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach