Die deutsch-griechischen Beziehungen bestehen in ihrer heutigen rechtlichen Form seit 1951, als die Bundesrepublik Deutschland mit zunächst zwölf Ländern wieder diplomatische Beziehungen aufnahm. Beide Staaten sind Mitglieder der NATO, der Europäischen Union, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Die heutigen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt aus; ihre Wurzeln reichen weit über die jüngere Vergangenheit hinaus bis in der römischen Expansion, als auch erstmals griechische Begriffe über das Lateinische in die deutsche Sprache gelangten. Das Byzantinische Reich pflegte im Mittelalter enge Beziehungen zu Westeuropa, was die sprachlichen und kulturellen Spuren festigte. Während der Renaissance erlebte der griechische Einfluss eine weitere Blüte, ausgelöst durch den Widerstand der griechischen Aufständischen und Philhellene gegen die osmanische Besetzung griechischer Städte und Regionen und das zunehmende Interesse an griechischer Kultur und Wissenschaft.
Trotz enger kultureller und gesellschaftlicher Verbindungen bestehen in den deutsch-griechischen Beziehungen weiterhin offene Fragen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, insbesondere zu den griechischen Reparationsforderungen und der Zwangsanleihe. Lange Zeit hat Deutschland sich Staatenimmunität berufen um Klagen abzuwehren, Griechenland sieht einen Bedarf der rechtlichen und moralische Klärung dieser Verbindlichkeiten.
2014 reagierte Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch in Griechenland und bat die Familien der Opfer um Vergebung, daraufhin wurde der Deutsch-Griechische Zukunftsfonds Auswärtiges Amt: Deutschland und Griechenland: Bilaterale Beziehungen eingerichtet, wenn auch mit sehr beschränkten finanziellen Mitteln. Die unzureichende Aufarbeitung belastet das Vertrauen zwischen beiden Staaten, schadet dem internationalen Ansehen Deutschlands und erschwert die politische Zusammenarbeit, insbesondere innerhalb der EU, da das Thema als Beispiel für noch nicht vollständig erfüllte historische Verantwortung gilt.
Vorgeschichte: Antike und Mittelalter Älteste historische Berichte über germanische Kulturen stammen von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich. Der griechische Reisende Pytheas aus Massalia berichtete um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker. Die historischen Überlieferungen über auch so bezeichnete Germanen beginnen in den Berichten antiker Schriftsteller im 1. Jahrhundert v. Chr. Der älteste Hinweis findet sich bei Poseidonios von Apameia im 30. Buch, der schildert, dass die Germanen als Hauptmahlzeit Glieder gebratenen Fleisches zu sich nähmen sowie Milch und unvermischten Wein tränken. Für seine zeitgenössischen Leser erweckte diese Charakterisierung das Bild unzivilisierter, wenig entwickelter Völker. Poseidonios nannte offenbar nur ein in der Nähe des Rheins lebendes, den Kelten nahestehendes Volk Germanen, zu denen die Kimbern am Nordrand der bekannten Welt (Oikoumene) nicht gehörten. Auch Strabon bezeichnete mit Germanen ein Volk, das er als ein mit den Galliern verwandtes ansah.
mini|Die Ύδραυλις ist der antike Vorläufer des mittelalterlichen όργανον, das den Frankenkönigen als griechisches Gastgeschenk überreicht wurde. Im Jahre 325 verlagerte der römische Kaiser Konstantin der Große die Hauptstadt von Ravenna ins griechische Byzantion. Nach der Reichsteilung von 395 unter Theodosius I. gelang es dem Ostteil des Reiches (heute als Byzantinisches Reich bezeichnet), sich politisch zu konsolidieren, während die westliche Reichshälfte zunehmend in eine außen- und innenpolitische Krise geriet und im späten 5. Jahrhundert schließlich zerfiel. Sowohl die lateinischen wie auch griechischen Herrscher in Konstantinopel sahen die Einheit des Römischen Reiches weiterhin als gegeben. Trotzdem hielten sie sich ab dem 7. Jahrhundert nach und nach aus dem Tagesgeschehen des Westens heraus, mit der Folge, dass dort fränkische Könige Einzug hielten, die sich nun als Kaiser des Römischen Reiches bezeichneten. Um ihre politische Anerkennung zu stärken, bauten sie ihre diplomatische Beziehungen zu Konstantinopel aus.
Ein reger diplomatischer Austausch begann. So berichten fränkische Chroniken, dass 757 eine Gesandtschaft aus Konstantinopel Pippin III. ein όργανοv (= Orgel) als Geschenk des dortigen Kaisers Konstantin V. überbrachte. Dieser Instrumententyp ging auf die antike Hydraulis zurück, die im griechischen Raum wegen ihrer Klangfülle bei offiziellen Anlässen gespielt wurde. Die Franken waren wegen dieses Geschenks derart beeindruckt, dass später (812) auch Pippins Sohn Karl I. von einer byzantinischen Gesandtschaft ein όργανοv zum Geschenk erhielt.Geschichtliches zur OrgelEin Blick in die Geschichte der Orgel Wenig später wurde das „kaiserliche“ Instrument in Westeuropa im religiösen Kontext übernommen, zunächst vor allem in Bischofskirchen (siehe Geschichte der Orgel).
Aus den byzantinisch-fränkischen Beziehungen erwähnt sei ebenfalls das Bemühen des Frankenkönigs Karls I. 787, seine Tochter Rotrud mit Konstantin VI., dem Sohn der Kaiserin Irene, zu verheiraten. Der zeitgenössische Chronist Theophanes berichtet sogar, dass Karl sich um die Hand Irenes selbst bemühte. Durch seine Heiratspolitik versuchte er, seine politische Stellung abzusichern und auszubauen. Die Anträge stießen aber bei der Griechin auf Ablehnung, um fränkische Ansprüche im Römischen Reich zu vermeiden. Die Expansion des Fränkischen Reiches unter Karl führte schließlich sogar zur offenen Konfrontation der beiden Reiche, als Karl die Pax Nicephori brach und sich 804 Venedig einverleibte. Irenes Nachfolger Nikephoros I. entsandte eine Flotte, die die fränkisch besetzten Küsten Norditaliens verwüstete. Daraufhin lenkte Karl ein, und es kam 810 zu einer Einigung. Dieser zeitlich begrenzte militärische Konflikt ist der einzige historisch dokumentierte Krieg zwischen Griechen und „Deutschen“ vor 1941. In der Folge verbesserten sich die bilateralen Beziehungen zwischen Römischem Reich und Fränkischem Reich wieder. Um die Lage weiter zu entschärfen, gestand 812 Michael I. Karl den lang ersehnten Kaisertitel zu, jedoch ohne ErbfolgeAugust Nitschke: Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte. Band 5. Frankfurt, 1991, S. 302. oder Hoffnung auf einen Augustus-Titel und explizit beschränkt auf das Fränkische Reich. Zur Verleihung übersandte er ihm als Geschenk das oben erwähnte όργανον.
mini|hochkant|Skulptur der Kaiserin Theophano am Rathausturm der Stadt Köln Eine eheliche Verbindung gelang erst Otto I., als dieser nach drei Anträgen 972 seinen Sohn Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophano verheiraten konnte, wenn auch wieder ohne Erbfolge für das Römische Reich. Die Verbindung von Otto und Theophano wirkte sich in vielerlei Hinsicht bereichernd und zum Teil einschneidend auf das kulturelle Leben im Ostfrankenreich aus. Nach dem Tod ihres Gatten übernahm die noch junge Theophano – für die Franken überraschend – die kaiserlichen Amtsgeschäfte vollumfänglich als „Imperator“ und regierte bis zu ihrem Tode 991 gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter Adelheid von Burgund. Theophanos Sarkophag in Köln zeigt auf seiner Stirnseite die beiden Kirchen Sankt Pantaleon (Köln) und Haghia Sophia (Konstantinopel) gleichberechtigt. Diese deutsch-griechische Verbindung dokumentiert auch die damalige Einheit der gemeinsamen Religion in den beiden kulturell so unterschiedlichen Reichen, die schon wenig später verloren ging. Noch in den 990er Jahren kam es durch die Ausrufung des griechischen Bischofs Johannes Philagathos zum Papst zu einer heftigen Auseinandersetzung, die zu einem Romfeldzug Ottos III., der Absetzung und Blendung des Gegenpapstes sowie der Wiedereinsetzung des aus dem Ostfrankenreich stammenden Papstes Gregor V. führte. Mit dem Morgenländischen Schisma wurde 1054 die Trennung von West- und Ostkirche zementiert und Rom begann, in Konkurrenz zu den östlichen Patriarchaten eigene „katholische“ Parallelkirchen zu gründen.
Neuzeit Renaissance Zwar wurde der Begriff der Renaissance („Wiedergeburt“) des griechischen Kulturkreises in Italien erst 1550 von Giorgio Vasari geprägt. Nach Vasari wurde allerdings schon im 13. Jahrhundert in Kunst und Architektur das Rinascimento ins Leben gerufen, nämlich während der Kreuzzüge. Seit der Besetzung von Konstantinopel, der Hauptstadt des Römischen Reiches, 1204–1261 durch Feudalherren des lateinischen Westens (sogenanntes Lateinisches Kaiserreich) begann der Exodus griechischer Eliten vor allem in italienische Städte, die direkte Beziehungen (familiäre, wirtschaftliche, politische) zu den Griechen unterhielten. Bis zum Jahre 1423, nur 30 Jahre vor dem Untergang des Reiches, war Giovanni Aurispa mehrfach in die Hauptstadt gereist und brachte mit Unterstützung Johannes Palaiologos hunderte antiker Texte nach Italien, darunter Werke von Homer, Herodot, Thukydides, Platon und Aristoteles, bevor er sich als Griechischlehrer an der Universität Florenz niederließ. Auf Grund seines hervorragenden Rufes und wegen seiner zahlreichen Reisen zwischen Konstantinopel, Bologna, Florenz, Basel, Mainz, Köln stellte Giovanni Aurispa seinerzeit in Italien eine kulturelle Brücke zwischen dem griechischen und dem konkurrierenden deutschen Kulturkreis her, eine Brücke, die sich gerade für das Wiedererwachen des Hellenismus im 18. und 19. Jahrhundert und dessen Adaption bei den deutschen Kultureliten als überaus positiv erwies.
Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen gehörte der größte Teil des griechischen Sprachraums 400 Jahre lang zum Osmanischen Reich. Die griechische Oberschicht begann ihre internationalen Beziehungen zu intensivieren. Sie etablierte vor allem in den europäischen Staaten permanente Außenstellen und zeigte dort zunehmend Präsenz in der internationalen Diplomatie und Geschäftswelt, gründete Kulturvereine.
Philhellenismus mini|Kartenspiel mit den Konterfeis der Protagonisten des griechischen Freiheitskampfs
Seit dem 15. Jahrhundert existiert der Gründungsmythos der Stadt Frankfurt, wonach diese entweder wie RomNach Vergils Aeneis floh Äneas nach dem verlorenen trojanischen Krieg (12. Jahrhundert v. Chr.) und gründete die Stadt Rom. Tatsächlich aber wurde Rom im 8. Jahrhundert v. Chr. gegründet. Just im selben Jahrhundert wie auch die meisten griechischen Städte in Italien und Sizilien gegründet wurden. Die historischen Daten passen somit zum älteren Gründungsmythos, wonach im 8. Jahrhundert Romelus und Remus die Stadt gegründet hätten. in Folge des Trojanischen Kriegs oder zu Ehren Helenas der Mutter Konstantin des Großen als Helenopolis (griechisch: „Stadt Helenas“) gegründet sein soll. Der Mythos war bis ins 18. Jahrhundert verbreitet. In seiner Festschrift zum zweihundertjährigen Bestehen der ersten brandenburgischen Landesuniversität Alma Mater Viadrina 1706 in Frankfurt (Oder) prägte Erdmann Wircker den Ausdruck Spree-Athen als Namen der preußischen Hauptstadt Berlin. Aber auch die bayerische Hauptstadt München wurde als „Isar-Athen“ bezeichnet.was Heinrich Heine als „unter uns gesagt etwas ridikül“ bezeichnete, siehe Stadtporträt des Bayerischen Rundfunks Etwa zur gleichen Zeit bestand eine griechische Gemeinde in Leipzig, die einerseits im Handel wirkte, andererseits zu Freundschaften zwischen Griechen und Deutschen beitrug. Johann Wolfgang von Goethe lernte dort Griechen kennen und übersetzte auch einige Gedichte aus dem Neugriechischen, Johannes Papadopoulos wiederum übersetzte Goethes Iphigenie auf Tauris ins Griechische. Werner von Haxthausen bearbeitete eine Sammlung neugriechischer Volkslieder. 1811 komponierte Ludwig van Beethoven Die Ruinen von Athen.