Heptacodium miconioides, auch Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch oder kurz Sieben-Söhne- bzw. Sieben-Glocken-Strauch genannt, ist die einzige Art der monotypischen Gattung Heptacodium in der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Die Art wächst strauchförmig oder als kleiner Baum und kommt nur in wenigen chinesischen Provinzen natürlich vor. In Europa und Nordamerika wurde sie erst in den 1980er-Jahren eingeführt und gilt als robustes Zier- und wichtiges Insektennährgehölz für die verschiedensten Arten von Gärten und Grünanlagen.

mini|Knospen vor charakteristischem Blattwerk mini|Knospen und offene Blüten mini|„zweite Blüte“ (rotgefärbte Kelche)

Beschreibung Vegetative Merkmale Der Sieben-Söhne-Strauch ist ein sommergrüner, 3 bis 5 Meter, selten auch bis über 7 Meter hoher Strauch mit sich in Streifen lösender Rinde und rotbraunen, spärlich behaarten jungen Zweigen und Knospen.

Die Laubblätter stehen gegenständig und haben einen kurzen, etwa 10 Millimeter langen, rinnigen Stiel. Die Blattspreite ist einfach, 8 bis 15 Zentimeter lang und 5 bis 9 Zentimeter breit, ledrig, eiförmig, geschwänzt oder zugespitzt und mit meist leicht herzförmiger Basis und ganzrandigem oder schwach seicht gebuchtetem Blattrand. Die Spreiten sind seitlich meist etwas nach oben gebogen, womit die Spreite leicht kahnförmig wird. Die Blattoberseite ist matt dunkelgrün, die Unterseite heller und etwas an den Blattadern behaart. Die Nervatur ist dreizählig. Die Nebenblätter fehlen. Das Laub verfärbt sich im Herbst meistens purpurbraun und fällt oft erst spät ab.

Generative Merkmale Die Blüten sind in zymösen, dreiteiligen Gruppen in endständigen, lockeren, rispenartigen, thyrsigen, 5 bis 15 Zentimeter langen und 5 bis 9 Zentimeter breiten Blütenständen angeordnet, die an diesjährigen Langtrieben gebildet werden. Die Teilblütenstände sind langstielig mit zwei bis vier paarigen, fast sitzenden Blütengruppen mit jeweils verschiedenen Trag- und Deckblättern. Die sitzenden Einzelblüten sind weiß, zwittrig, dezent duftend und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Es ist ein kleiner Blütenbecher vorhanden. Der behaarte Blütenkelch ist klein, grün und bleibend. Er vergrößert sich bis zur Fruchtreife von 2 bis 2,5 Millimeter auf 7 bis 10 Millimeter und wird rosa bis purpurrot. Die fünf röhrig verwachsenen, behaarten Kronblätter mit ausladenden, länglichen Zipfeln sind rahmweiß. Die Blüten besitzen relativ kurze und weiße Staubblätter in der Mitte der Kronröhre. Der dreikammerige Fruchtknoten ist unterständig, aber nur eine Kammer enthält eine fertile Samenanlage. Der relativ kurze Griffel trägt eine kopfige, scheibenförmige Narbe. Es sind Nektarien vorhanden.

Als Früchte werden einsamige, 1 Zentimeter lange, länglich-walzenförmige und rippige, behaarte, ledrige, rötlich-grüne Achänen gebildet. Diese sind von den rosafarbenen bis purpurnen Kelchblättern gekrönt (Scheinfrucht). Die Früchte werden dann bräunlich und bleiben noch lange stehen. Die Samen erreichen eine Länge von 5 bis 6 Millimetern.

In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet blüht die Art typischerweise von Juli bis September, gefolgt von einer Fruchtbildung bis November. Die Sämlinge erscheinen im folgenden Frühjahr. Bei der Kultivierung in der gemäßigten nördlichen Klimazone beginnt die Blütezeit in der Regel Mitte oder Ende August und dauert bis Oktober, gefolgt von einer Fruchtbildung bis Anfang Dezember. Auf der Südhalbkugel blüht sie im April.

In einigen deutschsprachigen Beschreibungen wird eine rötliche Vorblüte im Juni erwähnt, für die jedoch keinerlei Bestätigungen in botanischen Datenbanken und Fachartikeln sowie einer wissenschaftlichen phänologischen Studie zu finden sind. Vielfach wird aber das Wachstum und die Rotfärbung der Kelche nach dem Abfallen der Kronen als gärtnerisch hoch geschätzte „zweite Blüte“ bezeichnet.

Die Zahlenangabe sieben in den Trivialnamen der Art ist eigentlich irreführend, denn die Blüten in jedem Blütenkopf sind in zwei Gruppen zu je drei um eine zentrale Knospe angeordnet, bei der es sich jedoch nicht um eine Blütenknospe handelt. Die zentrale Knospe ist vielmehr eine Fortsetzung der Blütenstandsachse, die sich nach oben schiebt, wenn die Blüten verblühen, und einen neuen Ring aus sechs Blüten bildet, wiederum um eine zentrale Knospe herum. Drei solcher Wiederholungen wurden beobachtet.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.

Toxizität Der Sieben-Söhne-Strauch wird in den meisten Beschreibungen als „leicht giftig in allen Pflanzenteilen“ beschrieben, teilweise aber auch als völlig ungiftig. Verschiedene phytochemische Untersuchungen der Blütenknospen und Blätter/Zweige haben ergeben, dass die Pflanze z. B. als starke Bitterstoffe bekannte Secoiridoidglykoside sowie andere pharmakologisch interessante und teilweise bislang nicht beschriebene Verbindungen enthält; sie erwähnen aber keine Inhaltsstoffe mit für den Menschen bedenklicher Toxizität.

Verbreitung, Gefährdung mini|Herkunftsregion: Bergklippen in der chinesischen Provinz Zhejiang Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Sieben-Söhne-Strauchs liegt in den drei chinesischen Provinzen Anhui, Hubei und Zhejiang, die weitgehend der subtropischen Klimazone zuzuordnen sind und sich durch sehr warme, niederschlagsreiche Sommerhalbjahre und niederschlagsarme Wintermonate auszeichnen. Dort wächst die Art in Wäldern, am Rande immergrüner Laubwälder, in Buschland und manchmal auf Bergklippen in 600 bis 1000 Metern Meereshöhe auf frischen, schwach sauren bis schwach alkalischen, sandig-lehmigen bis lehmigen, mäßig nährstoffreichen Böden an sonnigen bis lichtschattigen Standorten.

Die Wildbestände des Sieben-Söhne-Strauchs sind in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen, obwohl die Art seit 1999 in China unter nationalem Schutz steht und in den Schutzprioritäten der Nationalen Strategie und des Aktionsplans zur Erhaltung der biologischen Vielfalt Chinas enthalten ist. Im ersten Band des 1992 veröffentlichten China Plant Red Data Book (CPRDB) und in der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) ist sie als „gefährdete“ Art („vulnerable“) geführt. Derzeit (Stand 2024) sind die Vorkommen auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt und sind nur noch sporadisch in der Provinz Zhejiang (z. B. im nationalen Naturschutzgebiet Qingliangfeng) und der benachbarten Provinz Anhui zu finden. Berichten zufolge ist diese Art in der Provinz Hubei ausgestorben, wo sie zuletzt in den frühen 1980er-Jahren beobachtet wurde.

Für den Gefährdungsstatus spielen neben wahlloser Abholzung von Waldflächen offensichtlich eine eingeschränkte Samenbildung und minderwertige Fruchtqualität eine nicht unwesentliche Rolle. Dabei können eine geringe genetische Vielfalt in den wenigen, genetisch isolierten Restpopulationsinseln sowie andere, fremdbestäubungshinderliche Faktoren eine Rolle spielen.

Geschichte (Entdeckung, botanische Einordnung, gärtnerische Verbreitung)