Der Bahnhof Löbau (Sachs) ist der Bahnhof der Stadt Löbau in der Oberlausitz. Er liegt an der zweigleisigen Hauptbahn zwischen Görlitz und Dresden und bildete den Ausgangspunkt mehrerer Nebenbahnen. Der Bahnhof Löbau war einst ein regionaler Eisenbahnknoten und bot Anschlüsse an den internationalen Reiseverkehr. Heute verkehren nur noch Personenzüge auf der Hauptstrecke Görlitz–Dresden mit Halt in Löbau. Der Personenverkehr auf den Nebenbahnen wurde eingestellt. Auch der nationale und internationale Fernverkehr wurde im Laufe der Jahre ausgedünnt und schließlich 2004 komplett aufgegeben.
Der Bahnhof wurde 1846 eröffnet und bildete einige Monate den östlichen Endpunkt der Bahnstrecke Dresden–Görlitz. Bis zur Jahrhundertwende wurden die Strecken nach Zittau, Ebersbach und Weißenberg gebaut. Als eine der letzten sächsischen Streckenneubauten mündete seit 1928 die Nebenbahn von Großpostwitz im Westen ein. Zwischen den beiden Weltkriegen erreichte der Bahnhof seine maximale Ausdehnung. Infolge des Verkehrsrückgangs nach der politischen Wende im Osten Deutschlands wurden die Anlagen des Bahnhofs auf wenige Gleise reduziert.
Lage Der Bahnhof befindet sich nordöstlich der historischen Altstadt von Löbau und wird in Richtung Osten durch das Tal des Löbauer Wassers begrenzt. Westlich des Bahnhofes unterqueren die Gleise die Weißenberger Straße unter einer Straßenbrücke hindurch und verzweigen sich in die Strecken nach Ebersbach und Zittau sowie die Strecke nach Dresden. Das ehemalige Heizhaus, das vom Verein Ostsächsische Eisenbahnfreunde genutzt wird, befindet sich im Dreieck zwischen den Ausfahrtgleisen nach Dresden im Norden und nach Ebersbach und Zittau im Süden. Das einstige Bahnbetriebswagenwerk (Bww) Löbau befand sich an der langgezogenen Ausfahrtskurve in Richtung Dresden. Die Gebäude existieren heute jedoch nicht mehr.
Geschichte Die Anfänge mini|Um 1846 lag der Bahnhof noch vor den Toren der Stadt Löbau lag bis zur Errichtung der Eisenbahn abseits von der bedeutenden Ost-West-Handelsstraße, die als Via Regia nördlich der Stadt verlief. Lediglich der Abzweig der Via Regia bei Kittlitz führte durch die Stadt weiter nach Zittau und über den Lückendorfer Pass nach Prag. Löbau besaß jedoch weder Stapel- noch Durchgangszollrechte und konnte somit vom Durchgangsverkehr von Bautzen nach Böhmen kaum profitieren. Die Stadt war bis zur Industrialisierung eine Ackerbürgerstadt und damit die ärmste und kleinste Stadt des Oberlausitzer Sechsstädtebundes.
Bereits Mitte der 1830er Jahre konstituierten sich in den Städten der sächsischen Oberlausitz Eisenbahnkomitees, die sich für Verbindungen in die sächsische Landeshauptstadt einsetzten. In dem am 24. Juli 1843 zwischen Preußen und Sachsen geschlossenen Staatsvertrag einigten sich beide Staaten über eine grenzüberschreitende Eisenbahnstrecke von Dresden durch die sächsische Oberlausitz bis nach Görlitz im preußischen Teil der Oberlausitz. Ab Görlitz sollte ein Anschluss an die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn (NME) nach Berlin und Breslau bestehen. Eine Bedingung des Staatsvertrages sah vor, die Strecke binnen vier Jahren fertigzustellen.
Am 11. Dezember 1843 wurde die Sächsisch-Schlesische Eisenbahngesellschaft (SSE) gegründet, deren Mitglieder des Direktoriums dem vereinigten Oberlausitzer Eisenbahnkomitee angehörten. Sie organisierten bereits seit November des gleichen Jahres die Aktienzeichnung in fünf sächsischen Städten. Der sächsische Staat beteiligte sich mit einem Drittel an dem Anlagekapital von sechs Millionen Thalern, verpflichtete die Gesellschaft jedoch zum Bau einer Zweigbahn von Löbau nach Zittau. Da die finanziellen Mittel der SSE lediglich einen Pferdebahnbetrieb auf dieser Zweigbahn zuließen und dies für die Zittauer Bürgerschaft ein unannehmbares Angebot war, konstituierte sich ein eigenes Eisenbahnkomitee. Es begann im April 1844 mit der eigenen Aktienzeichnung für die Löbau-Zittauer Eisenbahngesellschaft (LZE). Auch bei dieser Gesellschaft beteiligte sich der sächsische Staat mit einem Viertel an den mit 2,5 Millionen Talern veranschlagten Baukosten.
Die Eisenbahn erreicht Löbau mini|Ehemalige Wetschkemühle neben der eingestürzten Eisenbahnbrücke, 1855 Die Bauarbeiten begannen im Mai 1844 in der Nähe von Dresden und erreichten Löbau bereits im Dezember 1846. Am 16. Dezember 1846 sollte der Eröffnungszug von Bautzen nach Löbau den neuen Streckenabschnitt befahren, blieb jedoch bereits etwa vier Kilometer östlich von Bautzen in der Nähe von Rabitz in einer Schneewehe in einem Einschnitt stecken. Am 23. Dezember des gleichen Jahres wurde der Bahnverkehr zwischen Löbau und Bautzen aufgenommen. Auch die Bauarbeiten östlich von Löbau schritten voran, so dass am 29. April 1847 die erste Probefahrt über die sächsisch-preußische Grenze hinweg bis nach Reichenbach stattfinden konnte. Dabei überquerte er auch den 190 Meter langen Viadukt über das Löbauer Wasser hinweg, der die Strecke an der östlichen Ausfahrt in 28,6 Metern Höhe und mit neun Bögen über das Tal hinwegführt. Der planmäßige Zugverkehr wurde offiziell jedoch erst am 1. Juli aufgenommen. Am 1. September 1847 wurde die Bahnstrecke auf ihrer gesamten Länge bis nach Görlitz eröffnet und ermöglichte dort den Umstieg bzw. die Umladung von Gütern auf die Züge der NME.
Am Neujahrstag stürzten mehrere Pfeiler des Viadukts ein. Die Bahnverwaltung richtete in Wendisch-Cunnersdorf östlich von Löbau ein Interimsbahnhof und Schienenersatzverkehr mit Pferdekutschen bis zum Bahnhof Löbau ein. Die Einweihung des Viaduktneubaus unter Leitung des Regierungsbaurates Hötasch fand am 28. August 1856 statt.
Entwicklung zum Eisenbahnknoten mini|Empfangsgebäude um 1902 Am 10. Juni 1848 eröffnete die Löbau-Zittauer Eisenbahngesellschaft (LZE) die Strecke nach Zittau. Die Züge der LZE endeten anfangs in ihrem eigenen Bahnhof neben dem Bahnhof der SSE und fuhren von einem separaten Bahnsteig ab, obwohl die Gleise beider Gesellschaften bereits verbunden waren. Südlich des Bahnhofes der LZE schloss sich ein dreiständiger Wagenschuppen an. Im Norden des Bahnhofes befand sich das Heizhaus der SSE mit Wasserstation, drei private Kohleschuppen mit Ladebühne und eine Wagendrehscheibe. An jedem Bahnhofskopf befand sich ein Weichenwärterhaus, deren Beamten neben der Weichen- auch für die Signalstellung zuständig waren. An der westlichen Ausfahrt aus dem Bahnhof, im Dreieck zwischen der Görlitz-Dresdner und Löbau-Zittauer Bahn, richtete die LZE ihre Reparaturwerkstatt ein. Der Lokschuppen aus dem Jahre 1859 gilt als das älteste erhaltene sächsische Maschinenhaus. Mit der Verstaatlichung der SSE und der LZE wurde der Bahnhof ab 1851 von der Königlichen Direktion der östlichen Staatsbahnen verwaltet, die 1869 in den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen aufging. mini|Westausfahrt in Richtung Abzw. Niedercunnersdorf (links) und Bautzen (rechts) Am 1. November 1873 wurde die Bahnstrecke Ebersbach–Löbau eröffnet. Sie verlief einst vom Bahnhof Löbau bis zum heutigen Abzweig Niedercunnersdorf (Höllengrund) parallel zur Bahnstrecke nach Zittau. Als Reparationsleistung wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eines der parallel verlaufenden Gleise demontiert und der Abzweig Niedercunnersdorf (Höllengrund) eingerichtet.
Die aus Ebersbach eintreffenden Züge fuhren ursprünglich auf dem Hauptgleis 1 in den Bahnhof ein. Die Güterzüge aus Richtung Ebersbach kreuzten bei ihrer Ankunft in Löbau die Görlitz-Dresdner-Bahn und behinderten damit zunehmend den Zug- und Rangierverkehr. Zwischen 1875 und 1878 kam es deshalb zu einem Bahnhofsumbau. Die Weißenberger Brücke wurde 1876 um drei Bögen stadtauswärts erweitert und der Güterboden sowie Getreidespeicher niedergelegt, um mehr Güterzuggleise anlegen zu können. Am neu gebauten Güterschuppen befand sich nun Gleis 13. Die Güterzüge aus bzw. in Richtung Ebersbach und Zittau konnten seit dem direkt von der Nordseite des Bahnhofes ein- und ausfahren. Auch das Empfangsgebäude erhielt beiderseits flache Anbauten. Die Grundfläche des Empfangsgebäudes betrug 83,5 Meter mal 14,2 Meter. Der Hausbahnsteig am Empfangsgebäude und der sich westlich anschließende doppelseitige Bahnsteig für die Zittauer und Ebersbacher Züge erhielten eine durchgehende Überdachung. Die Zittauer Züge endeten ab 1875 auf einer Perrondrehscheibe mit einem Durchmesser von 11,65 Metern. Auch die Zufahrt über neun Einfache Weichen zum siebenständigen Heizhaus wurde aus Platzgründen durch eine 12-Meter-Drehscheibe ersetzt. Das Heizhaus wurde eine Nebenwerkstatt der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen.
Im Jahr 1877 wurde für die Wasserversorgung des Bahnhofes ein Pumpenhaus am Löbauer Wasser unterhalb des Viaduktes errichtet, da die Versorgung der Bahnhofswasserkräne durch den Lokschuppen nicht mehr gewährleistet werden konnte. Von 1871 bis 1905 befand sich auf dem nördlichen Bahnhofsgelände eine Schwellenimprägnieranstalt mit zwei Stumpfgleisen und seit 1884 die Zuckerfabrik an der Görlitzer Straße. Die mehrgleisige Anschlussbahn der Zuckerfabrik verfügte über eine Drehscheibe und drei Drehweichen. mini|Blick in Richtung Osten auf die Gleise 1 und 2 zwischen Haus- und Inselbahnsteig
Etwa zwei Jahrzehnte nach der Eröffnung der Ebersbach-Löbauer-Bahn folgte am 1. August 1895 die Einweihung der „Sekundärbahn“ nach Weißenberg. Die Nebenbahn wurde 1903 nach Baruth und bis 1906 nach Radibor erweitert. Der bisherige Zwischenbahnsteig zwischen den Gleisen 1 und 2 wurde daraufhin durch einen überdachten Inselbahnsteig ersetzt. Dieser war mit einem Personentunnel mit dem Hausbahnsteig verbunden. Die Züge nach Weißenberg begannen auf Gleis 5 auf der Nordseite des Inselbahnsteiges. Zusätzlich wurden die Gleise der Görlitz-Dresdner-Bahn von Westen kommend kurz vor dem Empfangsgebäude auf das Gleis 1 am Hausbahnsteig eingeschleift und somit das Gleis 1 in zwei Abschnitte untergliedert. Der westliche Teil wurde von den Ebersbacher Zügen genutzt.
Am 12. September 1896 fuhr ein Schnellzug, der von Dresden nach Görlitz unterwegs war, nach einem Fahrdienstleiterfehler im Bahnhof Löbau in die an zweiter Stelle eingereihte Lokomotive des dort stehenden, abfahrbereiten Hofzugs Kaiser Wilhelms II. hinein. Niemand wurde verletzt.
Nach der Jahrhundertwende gab es Pläne, den Bahnhof noch weiter auszubauen, als die Einbindung der Strecke aus Großpostwitz konzipiert wurde. An der Görlitz-Dresdner-Bahn sollte in Höhe des späteren Betriebswagenwerkes (Bww) ein Verschiebebahnhof Löbau Nord entstehen. Eine Ausfahrstraße sollte direkt auf die Ebersbacher und Zittauer Strecke führen. Dazu sollte das Maschinenhaus westlich verschoben werden und an diesem Standort mit einem Rundlokschuppen neu entstehen. Der Erste Weltkrieg verhinderte die Umsetzung der Pläne zu großen Teilen. Das Bww wurde am 1. April 1918 eröffnet. Am 14. Juni 1921 wurde der um- und ausgebaute Verwaltungsteil des Empfangsgebäudes übergeben. Anfang Oktober 1928 folgte schließlich die Eröffnung der Bahnstrecke Großpostwitz–Löbau als eine der letzten Streckenneueröffnungen in Sachsen. Nach dem Abriss des alten Zollschuppens an der Westseite des Empfangsgebäudes entstand an dessen Stelle ein neuer Kopfbahnsteig am Gleis 31 und zwei zusätzliche Abstellgleise für die Zittauer Züge. Die Ebersbacher Züge wurden von Gleis 1 auf Gleis 28 und die Cunewalder Züge auf das Gleis 27 verlegt. Der Bahnhof erreichte damit seine größte Ausdehnung. Er umfasste 51 Gleise, die über 115 Weichen miteinander verbunden waren.
Auf der Nordseite existierten drei Ladestraßen, eine Kopf- sowie eine Seitenladerampe, eine Gleiswaage und eine Ladelehre für den Ortsgüterverkehr. Seit 1924 war vom Bahnhof eine Seilbahn zur Weberei, Färberei und Appreturanstalt Römer im Tal des Löbauer Wassers in Betrieb. Sie beförderte bis 1991 Kohle in Hängeloren vom Bahnhof in das Tal.