Die Internationale Münchner Friedenskonferenz (IMFK) ist eine seit 2003 jährlich in München stattfindende Konferenz.

Ziele Die Konferenz sieht sich als inhaltliche Alternativveranstaltung zur Münchner Sicherheitskonferenz.Internationale Münchner Friedenskonferenz. Abgerufen am 17. August 2020. In der Konferenz, unterstützt von Podiumsdiskussionen, internationalen Foren, Workshops und zahlreichen Vorträgen, werden Ansätze und Wege vorgestellt, wie Frieden und Gerechtigkeit gestaltet werden können. Ein wesentliches Ziel der Friedenskonferenz ist es, Denkprozesse anzustoßen, die eine Kultur des Friedens fördern. Mit konkreten Beispielen aus verschiedenen Kulturen sollen Perspektiven aufgezeigt werden für ein Leben in Frieden und sozialer und globaler Gerechtigkeit sowie verantwortungsbewusstem Umgang mit der Natur. Konferenz 2025 Die 23. Ausgabe der IMFK fand vom 14. bis 16. Februar 2025 statt.

Unter dem Titel „Fundamente des Friedens“ wurde das Friedensgebot des Grundgesetzes beleuchtet. Prominente Referenten wie Heribert Prantl und Hanne-Margret Birckenbach diskutierten die verfassungsrechtlichen Grundlagen von Frieden und kritisierten aktuelle politische Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Migrationspolitik.

Im Mittelpunkt der „Wege zur Gerechtigkeit“ stand der Konflikt zwischen Israel und Palästina. Francesca Albanese und Friedensaktivist Gershon Baskin vertraten in ihren Beiträgen konträre Positionen zum Völkerrecht und zu Lösungsansätzen für den Nahostkonflikt, was zu einer kontroversen und intensiven Debatte führte.

Ergänzt wurde die Veranstaltung durch verschiedene Workshops. Trotz organisatorischer Herausforderungen wie Finanzierungsschwierigkeiten und Problemen bei der Findung von Veranstaltungsorten, gelang es den Organisatoren, eine Plattform für kritische Perspektiven auf internationale Konflikte zu schaffen und gesellschaftliche Diskussionen anzuregen.

Kündigung der Veranstaltungsräume für 2025 durch die Katholische Akademie Im Dezember 2024 kündigte die Katholische Akademie der IMFK den für 2025 angemieteten Saal. Die IMFK-Leiterin Maria Feckl vermutete einen Zusammenhang mit dem geplanten Auftritt der umstrittenen UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese bei der IMFK 2025, die sich unter anderem deshalb Antisemitismusvorwürfen ausgesetzt sieht, weil sie Benjamin Netanjahu in die Nähe von Adolf Hitler gerückt hatte. Ein Vertreter einer IMFK-Trägerorganisation sprach von „Cancel Culture“. Die Akademie gab als Grund der Kündigung hingegen an, dass Fleckl von der Akademie eine Garantie gefordert habe, dass der Mietvertrag nicht kurzfristig gekündigt werde. Vertraglich vereinbart war aber, dass sie genau dies könne. Die Akademie fühlte sich jedoch verpflichtet, darauf zu achten, „dass die Grenze des Sagbaren in unseren Räumlichkeiten auch durch Gastgruppen und deren Redner:innen nicht überschritten wird“. Deshalb wollte sie auf das Recht zur kurzfristigen Vertragskündigung eben nicht verzichten. Die Akademie erinnerte daran, dass „Irritationen“ um die IMFK dazu geführt hätten, dass „seriöse Referenz-Institutionen“ wie die Landeshauptstadt „auf Distanz“ gegangen seien.

Konferenz 2024 Die 22. Ausgabe der IMFK fand vom 16. bis 18. Februar 2024 statt.

Die Konferenz positionierte sich als kritische Alternative zur Münchner Sicherheitskonferenz, mit dem Ziel, militärische Eskalation zu hinterfragen. Zentrale Redner wie Clare Daly und Yanis Varoufakis beleuchteten die zunehmende Militarisierung und globale Machtungleichgewichte. Varoufakis’ Konzept einer neuen Blockfreiheit als Graswurzelbewegung zielte darauf ab, Menschen weltweit einzubeziehen, die unter aktuellen Machtstrukturen leiden.

Olga Karach, eine belarussische Aktivistin, unterstrich die schwierige Situation für Kriegsgegner in Europa und betonte die Bedeutung von Friedensarbeit. Der Diplomat Michael von der Schulenburg warnte vor hochentwickelten Waffensystemen, die jede Reaktionszeit minimieren.

Die Konferenz forderte mehr Diplomatie statt weiterer Waffenlieferungen. Die Kernbotschaft blieb: Frieden kann nur durch globale Solidarität und ein Umdenken in internationalen Beziehungen erreicht werden.

Konferenz 2023 Die 21. Ausgabe der IMFK fand vom 17. bis 19. Februar 2023 statt. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Zivilgesellschaft in Deutschland und die Möglichkeit des gemeinsamen Engagements für die Beendigung von Gewalt in all ihren Formen.

Das Grußwort zur Podiumsdiskussion „Die Zivilgesellschaft und die vermeintliche ,Zeitenwende‘“ im Alten Rathaus in München kam von Stadtrat Thomas Lechner in Vertretung des Oberbürgermeisters. Dort begegneten sich Vertreter verschiedener politischer und sozialer Bewegungen wie u. a. Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes und Lars Pohlmeier (Co-Vorsitzender IPPNW). Als Kompromiss wurde der Appell „Münchner:innen für den Frieden“ an die Stadt-, Landes- und Bundespolitik verabschiedet mit Forderungen zu sozialer Gerechtigkeit, Klima- und Naturschutz, Gesundheitsversorgung sowie gewaltfreier Konfliktbearbeitung.

An der Hauptveranstaltung „Kriegsinteressen und Kriegsnarrative: Afghanistan, Ukraine“ nahmen unter anderem Medienethikprofessorin Claudia Paganini, Philosoph Fahim Amir und Journalist Andreas Zumach teil. Dort wurde über Möglichkeiten und Auswirkungen der militärischen Verteidigung diskutiert.

Im Workshop „Wehrhaft ohne Waffen? Wie kann das gehen?“ beschäftigten sich die 70 Teilnehmenden mit der sozialen Verteidigung als Aspekt der gewaltfreien Konflikttransformation. Konferenz 2022 Die 20. Ausgabe der IMFK fand vom 18. bis 19. Februar 2022 statt.

Themen waren u. a. die militärische Nutzung der Atomenergie und das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine. Im „Münchner Appell“ wurde die Bundesregierung aufgerufen, für eine Politik der Kriegsverhütung ohne Atomwaffen einzutreten und Verhandlungen über den Abzug der Atomwaffen auf deutschem Boden aufzunehmen. Der Münchner Oberbürgermeister Reiter unterstützte den Appell auch als Mitglied der Mayors for Peace.

Konferenz 2020 Die ursprünglich für Februar 2020 geplante Konferenz wurde im Januar 2020 nach einem Streit um den Auftritt des Sprechers des Grußwortes abgesagt.

Im Dezember 2019 akzeptierte die Konferenz den jüdischen SPD-Stadtrat Marian Offman nicht als Sprecher eines Grußwortes bei der Eröffnung der 2020er Konferenz in Vertretung von Oberbürgermeister Dieter Reiter, weil Offman aufgrund seiner früheren Zugehörigkeit zur CSU angeblich friedenspolitisch ungeeignet sei. Zudem war er wie die Stadtratsmehrheit ein erklärter Gegner der Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS). Die faktische Ausladung Offmans wurde unter anderem vom bayerischen Antisemitismus-Beauftragten Ludwig Spaenle als antisemitisch kritisiert. Daraufhin sagten die Organisatoren die Veranstaltung ganz ab und beriefen sich dabei auf angebliche organisatorische Probleme.Martin Bernstein: Marian Offman als Redner ausgeladen. Süddeutsche Zeitung, 23. Dezember 2019.Martin Bernstein: Friedenskonferenz findet nicht statt. Süddeutsche Zeitung, 16. Januar 2020.Bernd Kastner: Warum die Friedenskonferenz abgesagt wurde Süddeutsche Zeitung, 13. Februar 2020 Den Antisemitismusvorwurf wies der Trägerkreis zurück, Offmans Religion habe keine Rolle gespielt,Rudolf Stumberger: Friedenskonferenz in München abgesagt, Neues Deutschland, 23. Januar 2020. sondern seine ablehnende Haltung gegenüber israelkritischen Gruppierungen wie der BDS-Bewegung. Allerdings hatten Stadträte, die in den beiden Vorjahren von der IMFK als Vertreter der Stadt akzeptiert worden waren, auch für einen Beschluss gegen BDS gestimmt. Von Offman befragte Fraktionskollegen waren wie dieser der Meinung, dass man das nur als „israelbezogenen Antisemitismus in Reinstform“ interpretieren könne.Dominik Bauer: Jüdischer Stadtrat ausgeladen, taz, 14. Januar 2020.

Konferenz 2007 Die fünfte Ausgabe der IMFK fand vom 2. bis 10. Februar 2007 statt. Die IMFK ist mittlerweile ein anerkanntes Forum für internationale Pazifisten.Ralph Hub: Streit um Sicherheitskonferenz, in: Abendzeitung, 31. Januar 2007, Seite 72

Bernd Niehaus (ehemaliger Botschafter der Republik Costa Rica in Deutschland) stellte Costa Rica als Modell für eine friedliche Außenpolitik vor. Dort gibt es seit vielen Jahren kein Militär mehr. Er sprach sich für eine Demilitarisierung Mittelamerikas aus und kritisierte die Dominanz US-amerikanischer Interessen in der Region.Claudia Wangerin: Brave Bananenrepublik, in: junge Welt vom 5. Februar 2007, Nr. 30, Seite 75

Johan Galtung (Soziologe und Mitbegründer der modernen Friedensforschung) stellte sein Konzept der gewaltfreien Konfliktlösung vor. Er unterschied zwischen einem sicherheitsorientierten und einem friedensorientierten Diskurs und plädierte für die Suche nach politischen Lösungen durch Dialog und Mediation. Als Schritte zur Versöhnung verwies er auf die Bedeutung von Entschuldigungen und historischen Einsichten wie etwa zum Putsch im Iran 1953 oder dem Sykes-Picot-Abkommen.https://friedenskonferenz.info/wp-content/uploads/2022/01/broschuere-2007.pdf Internationale Münchner Friedenskonferenz, Beiträge und Texte von der Konferenz, Seite 9–14

Jan Oberg (Friedensforscher und Direktor der Transnational Foundation for Peace and Future Research), Wolfgang Lohbeck (Greenpeace) und Hans-Peter Dürr (Träger des Alternativen Nobelpreises 1987) diskutierten unter dem Titel „Wege zur Sicherheit ohne militärische Gewalt“ über gewaltfreie Wege zur Konfliktlösung. Dabei wurden auch Ausschnitte aus den Reden von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vom selben Tag eingespielt und diskutiert. Die Podiumsdiskussion betonte absolute Gewaltlosigkeit und verurteilte sogenannte „gerechte Kriege“, wie sie von den USA geführt werden.Claudia Wessel und Monika Maier-Albang: 46 Festnahmen bei der Friedens-Demo, in: Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2007, Seite 77Seite 51–58 Internationale Münchner Friedenskonferenz, Beiträge und Texte von der Konferenz

Konferenz 2005 Die dritte Ausgabe der IMFK fand vom 11. bis 13. Februar 2005 statt, erstmals im Alten Rathaussaal der Stadt München. Etwa 600 Teilnehmer folgten am Eröffnungsabend einem Vortrag zum „neuen Feindbild Islamismus“.Wolfratshauser Süddeutsche Zeitung Nr. 23 vom 29./30. Januar 2005, Seite R 2Bayerischer Rundfunk, Beitrag für das „Münchner Mittagsmagazin“ vom 14.02.2005, 12:05 Uhr; Transkript in https://web.archive.org/web/20250928183330/https://friedenskonferenz.info/wp-content/uploads/2022/01/doku-2005-3.pdf Am zweiten Tag gab es Diskussionsforen und Workshops sowie eine Kundgebung auf dem Marienplatz.

Redner waren u. a. Hep Monatzeder (Bürgermeister), Hans-Peter Dürr (Schirmherr), Horst-Eberhard Richter und Kai Hafez. Dürr kritisierte das Selbstverständnis der Sicherheitskonferenz als „Dialogforum“ und das Streben der USA, ihr Modell von „Freiheit“ weltweit zu exportieren. Richter befasste sich u. a. mit dem „Feindbild Islamismus“ sowie mit Bewertungen der internationalen Lage nach den Anschlägen am 11. September 2001; Hafez äußerte sich zur Einschätzung der islamischen Welt als sicherheitspolitischem Faktor.Monika Maier-Albang in: Süddeutsche Zeitung vom 14. Februar 2005

Aus dem im Umfeld der Friedenskonferenz vorgestellten Projekt „Münchner Sicherheitskonferenz verändern“ entwickelte sich die gleichnamige Projektgruppe, die seit 2006 als eingetragener Verein organisiert ist. Sie möchte die Sicherheitskonferenz durch Gespräche und Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure verändern; seit 2009 entsendet die Projektgruppe Beobachter zur Sicherheitskonferenz.

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