Der Große Preis von Großbritannien 1975 (offiziell John Player Grand Prix) fand am 19. Juli auf dem Silverstone Circuit in Silverstone statt und war das zehnte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1975.
Berichte miniatur|links|hochkant=1.3|Emerson Fittipaldi im McLaren M23 miniatur|links|hochkant=1.3|Jody Scheckter im Tyrell 007 Hintergrund Die Rennstrecken Brands Hatch Circuit und Silverstone Circuit wechselten sich seit 1963 jährlich mit der Ausrichtung des britischen Grand Prix ab. 1975 war Silverstone an der Reihe. Infolge der Massenkarambolage beim Rennen 1973 hatte man zwischenzeitlich eine Schikane in die Strecke integriert, um die Geschwindigkeiten in der Woodcote-Kurve zu verringern. Damit trug man auch den neuen Sicherheitsbestrebungen Rechnung, die seit den tragischen Vorfällen beim Großen Preis von Spanien 1975 angesprochen wurden.
Graham Hill, der bereits seit seiner Nichtqualifikation beim Großen Preis von Monaco nicht mehr angetreten war, verkündete vor heimischer Kulisse das endgültige Ende seiner Rennfahrerkarriere und drehte zur Freude der Zuschauer eine Abschiedsrunde. Mit 175 GP-Starts war er zum damaligen Zeitpunkt Rekordhalter.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 185
Jacky Ickx hatte das Lotus-Werksteam aufgrund anhaltender Erfolglosigkeit verlassen.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 182 Teamchef Colin Chapman meldete daraufhin drei Exemplare des veralteten Lotus 72 für das Rennen, die er neben Stammfahrer Ronnie Peterson mit den beiden Debütanten Brian Henton und Jim Crawford besetzte, die somit beide die Chance erhielten, sich durch eine gute Leistung als Nachfolger von Ickx zu empfehlen.
Dem Beispiel von Lotus folgend, brachte auch March einen dritten Werkswagen an den Start. Dieser wurde von Hans-Joachim Stuck pilotiert, der somit nach mehrmonatiger Unterbrechung in die Formel 1 zurückkehrte. Aufgrund mangelnder Konkurrenzfähigkeit der Eigenkonstruktion PC1 entschloss sich das Penske-Team, Stammfahrer Mark Donohue fortan mit einem March-Kundenfahrzeug antreten zu lassen. Insgesamt vier Wagen des Typs March 751 wurden somit für das Rennen gemeldet.
Auch John Surtees stockte sein Team für den Heim-Grand-Prix um einen zusätzlichen Wagen auf, den er mit dem Debütanten Dave Morgan besetzte, der an diesem Wochenende seinen einzigen Grand Prix bestritt. Roelof Wunderink kehrte ins Ensign-Team zurück, wo man kurzfristig auf einen ebenfalls geplanten Einsatz eines zweiten Wagens mit Gijs van Lennep am Steuer verzichtete.
Entgegen dem allgemeinen Trend der britischen Teams, für das Heimrennen einen zusätzlichen Wagen zur Verfügung zu stellen, musste Frank Williams sein Team auf lediglich ein Fahrzeug reduzieren, da er nicht über eine ausreichende Anzahl an Motoren verfügte.
Die sporadisch antretenden Teams Lyncar und Maki komplettierten das Teilnehmerfeld.
Carlos Reutemann bestritt seinen 50. Grand Prix.
In der Fahrerwertung führte Niki Lauda mit 22 Punkten vor Reutemann und mit 23 Punkten vor Emerson Fittipaldi. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit 14 Punkten vor Brabham und mit 19,5 Punkten vor McLaren.
Mit Emerson Fittipaldi und Jody Scheckter (jeweils einmal) traten zwei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.
Training Insgesamt 28 gemeldete Fahrer nahmen am Training teil, um sich für einen der 26 Startplätze zu qualifizieren.
Die Trainingsbestzeit wurde von Shadow-Pilot Tom Pryce erzielt. Er teilte sich daraufhin die erste Startreihe mit Carlos Pace auf Brabham. Die beiden Ferrari-Piloten Lauda und Clay Regazzoni belegten die zweite Reihe der Startaufstellung, wobei der Österreicher die Zeit des Schweizers um lediglich eine Hundertstelsekunde unterbot. Es folgten Vittorio Brambilla und Scheckter in der dritten Reihe vor Emerson Fittipaldi und Reutemann in Reihe vier. James Hunt und Jochen Mass komplettierten die Top Ten.
Wunderink und Hiroshi Fushida verfehlten die Qualifikation.
Rennen Kurz nach dem Start, der statt der bis dato vom Rennleiter geschwenkten Nationalflagge erstmals durch eine Ampelanlage erfolgte, übernahm Pace die Führung vor Pryce, Regazzoni, Lauda und dem sehr gut gestarteten Hunt. Dieser wurde jedoch im Laufe der folgenden Runden wieder von Scheckter und Fittipaldi überholt.
In der zehnten Runde wurde Pryce von Regazzoni überholt. Dieser übernahm kurz darauf die Führung von Pace, der wenig später hinter Pryce zurückfiel.
Als es in der 19. Runde zu regnen begann, drehte sich der Führende Regazzoni im Bereich der Club-Kurve und beschädigte sich dabei seinen Heckflügel. Wegen des dadurch notwendigen Boxenstopps verlor er die Führung an Pryce, der jedoch zwei Runden später ebenfalls verunglückte. Dadurch gelangte Scheckter, der zwischenzeitlich Lauda und Pace überholt hatte, in die Spitzenposition. Pace erhielt die Führung zurück, als Scheckter wenig später in der Box Regenreifen aufziehen ließ. Lauda musste im Zuge eines Reifenwechsels zweimal die Box ansteuern, da beim ersten Versuch eine Radmutter nicht korrekt angezogen worden war.
Die Entscheidung der Fahrer, die auf Regenreifen gewechselt hatten, erwies sich innerhalb der folgenden Runden als richtig, da Scheckter die durch den Boxenstopp verlorenen Plätze gegen die weiterhin auf Slicks fahrenden Konkurrenten Pace, Fittipaldi, Hunt und Mass rasch wieder zurückeroberte. Als die Strecke jedoch in der zweiten Hälfte des Rennens wieder abtrocknete, war ein weiterer Stopp notwendig, wodurch Hunt in die Führungsposition gelangte. Dessen Motor verlor jedoch nach und nach an Leistung, sodass Fittipaldi in Runde 43 die Führung übernehmen konnte. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Pace und Scheckter.
Im Laufe der 55. Runde kehrte der Regen in Form eines heftigen Schauers zurück. Jean-Pierre Jarier war der erste Fahrer, der aufgrund von Aquaplaning ausschied. Während des folgenden Umlaufs geschah dies elf weiteren Piloten, wobei Pace, Scheckter, Hunt, Henton, Morgan, Tony Brise, John Nicholson und Wilson Fittipaldi jeweils im Bereich der Club-Kurve von der Strecke abkamen, und Patrick Depailler, Donohue sowie John Watson im Bereich der Stowe.
Das Rennen wurde daraufhin mit der roten Flagge nach 56 der geplanten 67 Runden abgebrochen. Zur Ermittlung des Endergebnisses zog man jedoch den Stand zu Beginn der 56. Runde heran, wodurch die während der 56. Runde verunfallten Piloten jeweils auf den Positionen gewertet wurden, auf denen sie vor ihrem Ausscheiden gelegen hatten. Von den ersten sechs Fahrern in der Wertung waren zum Zeitpunkt des Rennabbruchs nur der Sieger Emerson Fittipaldi sowie der sechstplatzierte Brambilla noch im Rennen und kreuzten die Ziellinie.
Die Scuderia Ferrari legte Protest gegen das Ergebnis ein, da die beiden Werkswagen des Teams jeweils mit zwei Runden Rückstand regulär die Ziellinie erreicht hatten und trotzdem mit ihren davor belegten Positionen gewertet wurden. Wären die in der 56. Runde verunfallten Konkurrenten als „Ausgeschieden“ gewertet worden, hätten die beiden Ferrari die Plätze drei und sechs belegt und somit WM-Punkte erhalten. Drei Tage später lehnte der RAC den Einspruch jedoch ab und bestätigte das bestehende Rennergebnis. Es war Emerson Fittipaldis 14. und letzter Grand-Prix-Sieg.
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 McLaren M23 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 2 3 Tyrrell 007 4 5 Lotus 72E 6 15 7 Brabham BT44B 8 9 March 751 10 29 11 Ferrari 312T Ferrari 015 3.0 F12 12 16 Shadow DN5 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 17 18 Surtees TS16 19 20 Williams FW04 22 Hill GH1 23 24 Hesketh 308 27 Parnelli VPJ4 28 March 751 30 Copersucar FD03 31 Ensign N175 Pinch Plant Ltd. 32 Lyncar 006 35 Maki F101C
Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:19,36 214,068 km/h 1 2 1:19,50 213,691 km/h 2 3 1:19,54 213,583 km/h 3 4 1:19,55 213,556 km/h 4 5 1:19,63 213,342 km/h 5 6 1:19,81 212,861 km/h 6 7 1:19,91 212,594 km/h 7 8 1:20,04 212,249 km/h 8 9 1:20,14 211,984 km/h 9 10 1:20,18 211,878 km/h 10 11 1:20,33 211,483 km/h 11 12 1:20,36 211,404 km/h 12 13 1:20,41 211,272 km/h 13 14 1:20,46 211,141 km/h 14 15 1:20,50 211,036 km/h 15 16 1:20,58 210,827 km/h 16 17 1:20,60 210,774 km/h 17 18 1:20,83 210,174 km/h 18 19 1:21,01 209,707 km/h 19 20 1:21,19 209,243 km/h 20 21 1:21,36 208,805 km/h 21 22 1:21,60 208,191 km/h 22 23 1:21,65 208,064 km/h 23 24 1:21,67 208,013 km/h 24 25 1:21,86 207,530 km/h 25 26 1:22,86 205,025 km/h 26 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 26 Wagen begrenzt war, scheiterten Wunderink und Fushida an der Qualifikation. 1:25,02 199,817 km/h – DNQ 1:26,61 196,148 km/h – Anmerkungen
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 56 0 1:22:05,0 7 1:21,5 (14.) 2 55 0 DNF 2 1:21,3 (47.) 3 55 2 DNF 6 1:21,2 (41.) 4 55 0 DNF 9 1:21,9 (5.) 5 55 0 DNF 15 1:21,7 (41.) 6 55 0 + 1 Runde 5 1:22,1 (43.) 7 55 1 DNF 10 1:22,0 (11.) 8 54 2 + 2 Runden 3 1:21,5 (43.) 9 54 1 DNF 17 1:21,8 (16.) 10 54 1 + 2 Runden 20 1:22,5 (14.) 11 54 0 DNF 18 1:23,1 (49.) 12 54 0 + 2 Runden 12 1:22,5 (8.) 13 54 1 + 2 Runden 4 1:20,9 (16.) 14 53 2 DNF 11 1:21,6 (14.) 15 53 1 DNF 13 1:21,6 (9.) 16 53 1 DNF 21 1:22,9 (47.) 17 51 0 DNF 26 18 50 0 DNF 23 1:24,2 (6.) 19 50 1 DNF 24 1:23,2 (12.) – 45 1 DNF 14 1:21,8 (44.) – 28 0 DNF 25 1:24,1 (15.) – 20 0 DNF 1 1:21,5 (9.) – 18 0 DNF 22 1:25,9 (7.) – 7 0 DNF 16 1:23,0 (4.) – 5 0 DNF 19 1:31,2 (4.) – 4 0 DNF 8 1:23,5 (3.)
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). In der Konstrukteurswertung zählten nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams. Es zählten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten fünf aus den letzten sechs Rennen. Streichresultate sind in Klammern gesetzt.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Ferrari 472McLaren-Ford 33 3 Brabham-Ford 254Hesketh-Ford 25 5 Brabham-Ford 246Tyrrell-Ford 197Ferrari 16 8 McLaren-Ford 14,59Tyrrell-Ford 1210Parnelli-Ford 511Penske-Ford 412Lotus-Ford 313Lotus-Ford 3 14 March-Ford 215Shadow-Ford 2 16 Shadow-Ford 1,517Williams-Ford / Hill-Ford 118March-Ford 0,519Lola-Ford / Hill-Ford 020Surtees-Ford 021B.R.M. 022Lola-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte23Hesketh-Ford 0 24 Williams-Ford 025Ensign-Ford 026Hesketh-Ford / Hill-Ford 027Copersucar-Ford 028Lotus-Ford 029Tyrrell-Ford / Williams-Ford 030Tyrrell-Ford 031Lotus-Ford 032McLaren-Ford 033Williams-Ford 034Lotus-Ford 0 35 Lyncar-Ford 036Surtees-Ford 0–Williams-Ford 0–B.R.M. 0–Ensign-Ford 0–Hill-Ford 0–Hill-Ford 0–March-Ford 0–Lotus-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 502 42 (44)3 39,5 4 255 246 67 5 8 3,59 3 Pos. Konstrukteur Punkte 10 211 112 0 13 014 0 15 016 0– 0 Einzelnachweise
Weblinks
Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1
#1975 Grossbritannien Kategorie:Sportveranstaltung in West Northamptonshire Kategorie:Silverstone Circuit