Hartheim am Rhein ist eine Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Laut einem Bericht des statistischen Landesamtes Baden-Württemberg vom März 2012 ist sie in Bezug auf die Einwohnerzahl die typische Durchschnittsgemeinde des Landes.Badische Zeitung, dpa: Hartheim ist die Durchschnittsgemeinde. In: badische-zeitung.de, Nachrichten, Südwest, 10. März 2012 (10. März 2012).
Geographie Lage Hartheim liegt im südlichen Breisgau, knapp 20 km südwestlich von Freiburg im Breisgau und 45 km nördlich von Basel. Im Norden grenzt es an das Dorf Grezhausen des Breisacher Stadtteils Oberrimsingen, im (Nord-)Westen an die Bad Krozinger Stadtteile Hausen, Schlatt und Tunsel sowie im Süden an Eschbach, Heitersheim und den Neuenburger Stadtteil Grißheim.
Die Bundesautobahn 5 (Niederaula–Weil am Rhein) führt unmittelbar am nördlichen Rand des Hauptortes vorbei.
Auf der Gemarkung des Ortsteils Bremgarten reicht ein Teil des interkommunalen Gewerbeparks Breisgau in die Gemeinde, der nach Konversion auf dem ehemaligen Militärflugplatz Bremgarten seit 1996 entstand.
Gemeindegliederung Zu Hartheim gehören die ehemals selbständigen Gemeinden Bremgarten und Feldkirch. Die vor der baden-württembergischen Gemeindereform der 1970er Jahre selbständigen Gemeinden bilden die drei Ortsteile der Gemeinde. Deren offizielle Benennung erfolgt durch den vorangestellten Namen der Gemeinde und, durch Bindestrich verbunden nachgestellt, die Namen der Ortsteile. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. In den beiden Ortsteilen Bremgarten und Feldkirch sind Ortschaften mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. (PDF; 43 kB)
Zum Ortsteil Bremgarten gehören das Dorf Bremgarten, der Weiler Weinstetten und der Wohnplatz Weinstetter Mühle. Ebenfalls auf der Gemarkung Bremgarten befindet sich der nordöstliche Teil des Gewerbeparks Breisgau. Zum Ortsteil Feldkirch gehört das Dorf Feldkirch und zum Ortsteil Hartheim gehören das Dorf Hartheim und der Wohnplatz Rheinwärterhaus.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 69–71.
Geschichte
Hartheim Der Name Hartheim geht auf das mittelhochdeutsche Wort „hart“ zurück, das Wald- oder fester Sandboden bedeutet, und weist auf der Ursprung der Ortschaft als einer Siedlung im oder am Wald hin. Der Ort wird erstmals 772/773 anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch, das zu dieser Zeit im Breisgau zahlreiche Besitzungen unterhielt, im Lorscher Codex urkundlich erwähnt.
Der Name sowie die Form der Gemarkung lassen vermuten, dass schon früher hier die Franken ihre Siedlungstätigkeit aufnahmen. Alte Grabfunde weisen darauf hin, dass hier auch bereits die Römer angesiedelt waren.
Bis zum 19. Jahrhundert In den Folgejahren hat der Ort oft seinen Besitzer gewechselt. Im 11. Jahrhundert waren hier die Herren von Üsenberg mächtig, die 1072 die curtis de Hartheim der Abtei Cluny für ihre Propstei Grüningen schenkten. Im 14. Jahrhundert besaßen die Herren von Staufen die Lehensherrlichkeit über das Dorf. Otto von Staufen verlieh im Jahre 1349 das Dorff Hartheyn offenbar aus Geldnot an die Stadt Breisach. Im 15. Jahrhundert wird Hartheim nach Breisach „eingemeindet“. Einem Dokument von 1446 zufolge erlaubt Breisach den Hartheimern, eine der vielen kleinen Rheininseln zu roden, damit sie als Viehweide genutzt werden kann. Breisach wiederum suchte 1619 um Belehnung durch Erzherzog Leopold nach. Mit der Herrschaft Staufen zusammen wurde die Lehenshoheit über Hartheim im Jahre 1628 an Hannibal zu Schauenburg verpfändet.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Hartheim 1635 „demoliert, geschleift und verbrannt“. Vom Westfälischen Frieden 1648 bis zum Frieden von Rijswijk 1697 gehörte Hartheim als Zubehör von Breisach zur französischen Krone, kehrte danach aber unter österreichische Herrschaft zurück. Fortan erscheint der Ort als „untertänige Gemeinde der Stadt Breisach“. 1810 belehnte Großherzog Karl Friedrich von Baden die Stadt erneut mit dem Dorf.
Die erste Erwähnung einer Schule stammt aus dem Jahr 1768: Das Gemeindewirtshaus Schlüssel wurde geschlossen und für etwa zehn Jahre als Schulgebäude genutzt. 1823 folgte ein Neubau an der Stelle der heutigen Sparkasse. 1872 wurde die neue Kirche St. Peter und Paul eingeweiht.
Bis zum 20. Jahrhundert Bis weit ins 19. Jahrhundert waren Fischerei, Flößerei und Fährverkehr über den Rhein wichtige Einnahmequellen der Bewohner. Nach der Jahrhundertwende prägte das Dampfschiff das Bild des Rheins bei Hartheim. Zwischen 1886 und 1918 stellte eine Kahnfähre eine gute Verbindung ins benachbarte Elsass her, wovon auch die Hartheimer Mühlen profitierten. Zahlreiche Schiffer legten beim Rheinwärterhaus an, um im Dorf einzukaufen oder die Gasthäuser zu besuchen. Bis zur Rheinbegradigung durch Tulla lag Hartheim unmittelbar am Rhein.
Zweiter Weltkrieg Aus den Tagebuch-ähnlichen Aufzeichnungen des ab 1936 amtierenden Pfarrers Ernst Albert Schill Chronik der röm.- kath. Pfarrei Hartheim a. Rhein ist über die Zeit im Zweiten Weltkrieg bekannt, dass man bereits Ende August 1939 befürchtete evakuiert zu werden, was dann zwei Tage nach Kriegsbeginn am 3. September Realität wurde. Über St. Märgen ging der erste Transport zum Bahnhof Hinterzarten. Die Menschen wurden in Mühlhofen, Großstadelhofen, Pfullendorf und Lenzkirch untergebracht. 1944 erreichte das Kriegsgeschehen endgültig Hartheim. Anfang Dezember 1944 nutzten Hartheimer den Sonntag, um sich in Ehrenstetten oder im Münstertal nach Wohnmöglichkeiten für die erwartete Evakuierung umzusehen, die am 1. Dezember von Kreisleiter Fritsch angekündigt worden war. Für die Einwohner von Bremgarten und Hartheim waren diese beiden Orte neben Bollschweil und Pfaffenweiler die Hauptorte der Evakuierung. Am 26. April 1945 hielt der Pfarrer fest: "Heute ging Pfarrer Schill zu Fuß nach Hartheim. Im Dorf war niemand.[...]" Am Samstag, dem 28. April 1945, kehrten die Hartheimer zurück.
Neuere Entwicklungen mini|Alte Scheune und Gasse zur Kirche (1959) Am 1. März 1959 veränderte die Inbetriebnahme des Rheinseitenkanals die Lage am Hartheimer Rheinabschnitt grundlegend. Der Wasserspiegel fiel um bis zu drei Meter, wodurch weite Geröllflächen zutage traten. Der Pegel am Hartheimer Hafen fiel trocken. Auch die Netzfischerei ging zurück.
1961 und 1969 entstanden neue Schulgebäude, 1971 folgte die Turnhalle. 1968 war bereits das Rathaus errichtet worden.
Hartheim gehörte bis 1972 dem Landkreis Freiburg an. Mit dessen Auflösung am 1. Januar 1973 gelangte Hartheim zum neugebildeten Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Zum 1. Januar 2012 erfolgte die Umbenennung von Hartheim in Hartheim am Rhein.
Feldkirch rechts|100px Der Ort entstand im 7./8. Jahrhundert als grundherrlicher Kirchenplatz. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 761. Im Jahr 1160 erscheint der Name Veltkilcha in Dokumenten: Eine erste verlässliche schriftliche Erwähnung des Ortes war ein Pachtvertrag eines Ritters namens Burkart.https://www.badische-zeitung.de/kleines-dorf-mit-grosser-geschichte Der Ortsname geht auf eine zwischen Hartheim und Hausen an der Möhlin errichtete Pfarrkirche zurück. Die dazugehörigen Pfarrei (mit den Filialkirchen Hartheim und Hausen) wurde erstmals 1264 erwähnt.
Um 1475 sind es zehn Herdstätten, d. h. zehn Familien, die sich um die Kirche auf dem Feld niedergelassen haben. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–48) wurden das Dorf und die Kirche vollständig zerstört. Die heutige Pfarrkirche St. Martin wurde 1656 in barockem Stil gebaut – der gotische Turm eines früheren Baus ist erhalten –, und 1748/49 umgebaut und erweitert.
Herrensitz und Präsenz der Wessenberger Feldkirch war eh und je ein alter Herrensitz. Die ältesten bekannten Herren im Breisgau waren die Berthilo, zu deren Besitztum Feldkirch gehörte. 1470 ließ sich das Adelsgeschlecht von Wessenberg, das wegen des Kriegs seine vormalige Heimat in der Schweiz verlassen musste, im Elsass und in Südbaden nieder. 1520 wurde Johann, Jobst von Wessenberg, für seine Verdienste vom Hause Habsburg der Ort Feldkirch als Lehen übergeben. Durch die Heirat mit Katharina von Ambringen verschmolzen die beiden Geschlechter. Hans Jakob von Wessenberg errichtete von 1577 bis 1578 ein neues Adelshaus. Teile davon, wie die Eingangshalle mit den zwei Kreuzgewölben und dem Kamin, sind heute noch vorhanden. Um das Jahr 1690 wurde das Feldkircher Schloss grundlegend umgebaut.https://www.badische-zeitung.de/im-feldkircher-schloss-lebte-einst-ein-bischof Mit Johann Phillip Karl von Wessenberg, dem letzten Herrn der Burg im Elsass, begann die Geschichte im Feldkircher Schloss. Er wurde 1742, bei der Krönung Karls VII., zum Reichsritter geschlagen und zum Konferenzminister am sächsischen Hof in Dresden und zum Obersthofmeister der Kurfürstin ernannt. 1776 legte er seine Ämter nieder und zog sich auf sein Gut in Feldkirch zurück. Aus seiner Ehe gingen die Brüder Johann Phillip und Ignaz Heinrich hervor.https://www.badische-zeitung.de/im-feldkircher-schloss-lebte-einst-ein-bischof Ignaz Heinrich war Generalvikar und Bistumsverwalter der Diözese Konstanz war (1817–1827), der im Schloss Feldkirch seine Jugendjahre verlebte. Johann von Wessenberg war ein österreichischer Diplomat und Staatsmann, der u. a. von Juni bis November 1848 Außenminister und Ministerpräsident war. Im Jahre 1866 endet die Präsenz der Wessenberger in Feldkirch.
Am westlichen Rand des Ortes steht zudem eine 1863 errichtete, der heiligen Ottilie gewidmete Kapelle, zu der Wallfahrten führten. Auf dem Vorplatz sind ein Wegekreuz mit einem Relief der Heiligen aus Gusseisen und ein etwa einen Meter hoher Stein in Form eines alten Grenzsteins zu sehen, in dem sich eine Vertiefung befindet. Der Legende nach soll Ottilie sich auf ihrer Flucht vom Elsass nach Freiburg darauf ausgeruht haben.
Sybille Bedford Die deutsch-britische Journalistin und Schriftstellerin Sybille Bedford (* 1911, † 2006), eine geborene Sybille Aleid Elsa von Schoenebeck und frühere Vizepräsidentin von PEN International, verbrachte einen Teil ihrer Kindheit im Feldkircher Schloss. Dieses hatte ihre Mutter ihrem Vater zur Hochzeit 1912 geschenkt. Nach der Trennung ihrer Eltern im Jahr 1918 lebte die Baroness "Billi", wie sie von den Kindern im Ort genannt wurde, mit ihrem Vater und der Haushälterin alleine auf dem Schloss in ziemlicher Armut und besuchte auch – allerdings für nur wenige Monate – die örtliche Dorfschule.
Ihr autobiografischer Roman Jigsaw (dt. Rückkehr nach Sanary) aus dem Jahr 1988 zeichnet ein anschauliches Bild vom Leben im Dorf und auf dem Schloss in den frühen 1920er Jahren und damit ihrer Jugend in Feldkirch (Billi ist der Name der Hauptperson).
Neuere Entwicklungen Im Jahre 1960 konnte die umfassende Restaurierung der Martinskirche abgeschlossen werden, die bereits 1934 nochmals erweitert wurde. 1964 feierten die Feldkircher den Neubau der Wessenbergschule. Zehn Jahre später weihte man den Martinskindergarten ein. Im Jahre 1970 wurde der alte Herrensitz von einer privaten Erbengemeinschaft käuflich erworben. Das Schloss nebst Seitengebäuden (Kavalierstrakt) wurde vollständig renoviert. Zusammen mit dem Park ist somit ein wichtiges Kulturdenkmal in Feldkirch erhalten geblieben.
Bis 1972 gehörte Feldkirch dem Landkreis Freiburg an. Mit dessen Auflösung gelangte Feldkirch zum neugebildeten Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Zum 1. Januar 1973 wurde der Ort im Zuge der Gemeindereform in die neue Gesamtgemeinde Hartheim eingegliedert. Letzter Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde war Adolf Stork (ab 1969), der nach der Eingemeindung bis 1999 auch erster Ortsvorsteher war. Seitdem ist Antoinette Faller (CDU) Ortsvorsteherin.