Johannes Kühn (* 19. November 1991 in Passau) ist ein ehemaliger deutscher Biathlet. Er lief von 2017 bis 2025 durchgehend im Weltcup und gewann dort im Dezember 2021 ein Einzelrennen. Bei den Weltmeisterschaften 2025 erreichte er die Bronzemedaille mit der deutschen Staffel. Insgesamt nahm er an sechs Weltmeisterschaften und zwei Olympischen Spielen (2018 und 2022) teil.
Karriere
Anfänge und Erfolge im Juniorenbereich (bis 2011) Kühn stammt aus Tüßling in Oberbayern. Über seine Eltern kam er als Kind zunächst zum Skilanglauf und begann im Alter zwölf Jahren ergänzend mit Biathlon, nachdem er ein Schnuppertraining bei Fritz Fischer besucht hatte. Er schloss sich dem WSV Reit im Winkl an und begann während seiner Schulzeit mit dem regelmäßigen Biathlontraining am Stützpunkt Ruhpolding.he/Mühldorfer Anzeiger: Tüßling ist "aus dem Häuschen" auf innsalzach24.de. 4. Februar 2010. Abgerufen am 22. Oktober 2023. 2010 legte er am König-Karlmann-Gymnasium Altötting das Abitur abBiathlet Kühn ist Weltmeister im Sprint auf ovb-online.de. 2. Februar 2010. Abgerufen am 22. Oktober 2023. und trat anschließend erst der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bischofswiesen bei, ehe er 2011 zum Zoll Ski Team der Bundeszollverwaltung wechselte.Profil von Johannes Kühn auf viessmann climate solutions. Abgerufen am 22. Oktober 2023. 2020 hatte er dort den Dienstgrad Erster Zollhauptwachmeister.Stephanie Brenninger: »Ich hoffe, dass möglichst viele Rennen stattfinden werden« auf traunsteiner-tagblatt.de. 11. November 2020. Abgerufen am 22. Oktober 2023.
Zwischen 2006 und 2009 gewann Kühn dreimal in Folge die Gesamtwertung des Deutschlandpokals in seiner Altersklasse.Profil von Johannes Kühn auf dsv-jahrbuch.de. Abgerufen am 22. Oktober 2023. Sein internationales Debüt gab er beim Europäischen Olympischen Winter-Jugendfestival 2009 in Schlesien, wo er den Titel mit der Mixed-Staffel gewann und Vierter des Sprints sowie Siebter der Verfolgung wurde. Mit großem Erfolg startete er bei den Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften 2010 in Torsby, wo er im Sprint (in der Altersklasse Jugend) und mit Tom Barth, Benedikt Doll und Manuel Müller im Staffelrennen (in der Altersklasse der Junioren) die Titel gewann. Im Jugend-Verfolgungsrennen musste er sich einzig Alexander Petschonkin geschlagen geben, im Einzel wurde er Sechster. Ein Jahr später konnte er diese Erfolge bei den Juniorenweltmeisterschaften 2011 in Nové Město na Moravě wiederholen. Im Sprintrennen verpasste er hinter Tom Barth noch den Sieg, gewann danach das Verfolgungsrennen und mit Steffen Bartscher, Benedikt Doll und Tom Barth erneut den Titel im Staffelwettbewerb.
Sporadische Weltcupauftritte und zwei Schulterbrüche (2011 bis 2017) Ab dem Frühjahr 2011 trainierte Kühn in der zweithöchsten Lehrgangsgruppe 1b des Deutschen Skiverbandes.Markus Lüttgens: auf biathlon-online.de. Zum Auftakt der Saison 2011/12 startete er erstmals im IBU-Cup und gewann als 31. eines Sprints in Östersund sogleich Punkte. Im weiteren Saisonverlauf verbesserte er sich bis auf Rang fünf bei einem Sprint in Obertilliach. Seine ersten internationalen Titelkämpfe bei den Männern bestritt er bei den Europameisterschaften 2012 in Osrblie. Dort belegte er im Sprint den siebten Rang und gewann mit Daniel Böhm, Matthias Bischl und Erik Lesser den Europameistertitel im Staffelrennen. Auf der dritten Station der Weltcup-Saison 2012/2013 in Pokljuka startete Kühn erstmals im Biathlon-Weltcup und belegte bei seinem Debüt im Sprint mit einem Schießfehler Rang 17, womit er seine ersten Weltcuppunkte gewann.SID: Deutsche Biathleten enttäuschen in Pokljuka auf merkur.de. 13. Dezember 2012. Abgerufen am 22. Oktober 2023. Bei den Europameisterschaften 2013 brach er sich im Zielsprint die rechte Schulter.
In den Saisons von 2013 bis 2016 startete Kühn überwiegend im IBU-Cup und erhielt nur sporadische Einsätze im deutschen Weltcupteam. Im Januar 2015 gewann er in Duszniki-Zdrój mit zwei fehlerfreien Schießen einen IBU-Cup-Sprint vor Henrik L’Abée-Lund. Nach weiteren Podestergebnissen belegte Kühn am Saisonende den vierten Platz in der Gesamtwertung der Serie. Er wurde anschließend für das Weltcupfinale im März 2015 in Chanty-Mansijsk nominiert, wo er als Zehnter des Sprints sein erstes Top-Ten-Ergebnis in dieser Wettkampfreihe erreichte. 2015/16 gehörte Kühn bei den Rennen in Ruhpolding zum deutschen Weltcupaufgebot: Im 20-Kilometer-Einzelrennen lief er dort die schnellste Zeit auf der Strecke und belegte mit vier Schießfehlern Platz 21; in der Staffel kam er als Führender zum Stehendschießen, fiel aber mit drei Strafrunden deutlich zurück. Das deutsche Quartett um Erik Lesser, Kühn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll belegte letztlich Platz fünf.Saskia Aleythe: Johannes Kühn wird es schwindelig in Ruhpolding auf sueddeutsche.de. 15. Januar 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2023. Wegen eines erneuten Schulterbruchs im November 2016 musste Kühn in der Saison 2016/17 pausieren.Biathlet Kühn muss pausieren auf deutscherskiverband.de. 16. November 2016. Abgerufen am 22. Oktober 2023; Biathlet Johannes Kühn kämpft sich zurück auf ovb-online.de. 17. Februar 2017. Abgerufen am 22. Oktober 2023.
Etablierung im Weltcupteam und Olympiateilnahmen (seit 2017) mini|links|Kühn beim Weltcup im Januar 2020 in Oberhof Im Frühjahr 2017 teilte der Deutsche Skiverband Kühn in die zu diesem Zeitpunkt siebenköpfige Lehrgangsgruppe 1a ein, in der er unter anderem gemeinsam mit den Weltmeistern Benedikt Doll, Erik Lesser, Arnd Peiffer und Simon Schempp trainierte.Andreas Mayr: Nach Dahlmeier: Bald weiterer Werdenfelser im Weltcup? auf merkur.de. 16. Juni 2017. Abgerufen am 22. Oktober 2023. In den folgenden Wintern erhielt Kühn einen festen Platz in der ersten deutschen Mannschaft und startete nahezu durchgängig im Weltcup. Läuferisch gehörte er dabei stets zu den weltweit stärksten Biathleten, während er insbesondere im Stehendschießen regelmäßig Schwächen zeigte und durchschnittlich mit weniger als 70 % seiner Schüsse traf.dpa: Neun Schuss ins Schwarze: Johannes Kühn landet auf Rang drei auf welt.de. 10. Januar 2020. Abgerufen am 22. Oktober 2023. Zwischen 2017/18 und 2022/23 traf Kühn stehend jeweils zwischen 62 % und 68 % der Schüsse, während er liegend in seiner besten Saison 2019/20 eine Trefferquote von 94 %. Beim Weltcupsprint in Nové Město im März 2021 verfehlte er im stehenden Anschlag alle fünf Scheiben und lief den Wettkampf nicht zu Ende.SID: „Ich war mental am Ende“ auf faz.net. 9. März 2021. Abgerufen am 22. Oktober 2023.
Im Gesamtweltcup platzierte sich Kühn zwischen 2017 und 2024 mit Ausnahme der Saison 2020/21 (Platz 46) jeweils unter den ersten 30. Sein bestes Gesamtresultat erreichte er als Elfter – und damit drittbester Deutscher nach Doll und Lesser – im Winter 2021/22. Zwei Jahre später wurde er als bester deutscher Biathlet in der Gesamtwertung Zwölfter.Franz Aichinger: Johannes Kühn bester Deutscher im Gesamtweltcup – Biathlet aus Tüßling beendet konstante Saison auf dem 12. Platz auf pnp.de. 19. März 2024. Abgerufen am 13. April 2024. Im Dezember 2018 stand Kühn zum ersten Mal in einem Weltcuprennen auf dem Podest: Beim 20-Kilometer-Wettkampf in Pokljuka blieb er ohne Schießfehler und belegte wenige Sekunden hinter Martin Fourcade den zweiten Platz.Volker Kreisl: Kühn rüttelt an der Biathlon-Ordnung auf sueddeutsche.de. 4. Dezember 2018. Abgerufen am 22. Oktober 2023. Den ersten Weltcupsieg feierte Kühn im Dezember 2021 im Sprint von Hochfilzen, wo er eine von zehn Scheiben verfehlte und mit Laufbestzeit vor Martin Ponsiluoma triumphierte.dpa: Biathlon-Überraschung durch Kühn - Schempp: "Hut ab" auf sueddeutsche.de. 10. Dezember 2021. Abgerufen am 22. Oktober 2023. In der anschließenden Verfolgung hielt er die Führung bis zum letzten Schießen und fiel dann mit drei Fehlschüssen aus den vorderen Plätzen zurück.Volker Kreisl: Stärker als der Oberschenkel auf sueddeutsche.de. 12. Dezember 2021. Abgerufen am 22. Oktober 2023.
Sowohl bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang als auch bei Olympia 2022 in Peking gehörte Kühn zum deutschen Kader. 2018 erfüllte er die geforderte Qualifikationsnorm im letzten Weltcuprennen vor Olympia mit einem fünften Platz im Massenstart von Antholz. In Pyeongchang kam er im Einzelrennen über 20 km als Ersatz für den pausierenden Benedikt Doll zum Einsatz.Einzel ohne Bronze-Mann Doll auf sport1.de. Abgerufen am 22. Oktober 2023. Mit sechs Schießfehlern platzierte er sich auf Rang 58. Vier Jahre später erkrankte Kühn im Monat vor den Winterspielen in Peking an COVID-19 und erklärte, er sehe sich wegen des damit verbundenen Trainingsrückstands nicht in bester Form. Angesichts seines vorherigen Weltcupsieges galt er dennoch als Medaillenhoffnung.SID: Kühn: „Null“ Erwartungen an Olympia auf sport1.de. 28. Januar 2022. Abgerufen am 22. Oktober 2023. Kühn bestritt alle vier olympischen Einzelrennen 2022 und belegte als bestes Ergebnis Rang zehn im Massenstart.Jonas Klinke: Olympia 2022 - Deutsche Biathleten bleiben in Peking erstmals seit 2010 ohne Medaille: "Bitter und enttäuschend" auf eurosport.de. 18. Februar 2022. Abgerufen am 22. Oktober 2023.
Statistiken Weltcupsiege Nr. Datum Ort Disziplin 1. Sprint
Weltcupplatzierungen
Weltcupwertungen mini|Kühn beim Stehendschießen, 2018 in Oberhof Ergebnisse bei Biathlon-Weltcups (Disziplinen- und Gesamtweltcup) gemäß Punktesystem: Saison Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Gesamt Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte 2012/13 – – 66. 25 64. 16 – – 69. 41 2014/15 – – 56. 35 45. 38 41. 22 54. 95 2015/16 45. 20 – – – – – – 80. 20 2017/18 29. 25 21. 124 39. 51 19. 90 28. 290 2018/19 13. 59 26. 127 31. 84 32. 34 28. 304 2019/20 19. 49 10. 217 16. 90 13. 119 13. 474 2020/21 26. 41 49. 43 49. 27 – – 46. 113 2021/22 – – 6. 252 20. 133 12. 99 11. 484 2022/23 19. 62 24. 104 26. 90 30. 37 26. 293 2023/24 7. 113 8. 244 15. 177 19. 83 12. 617 2024/25 42. 24 35. 63 30. 67 25. 71 32. 225 2025/26 – – – – 79. 4 – – 98. 4
Olympische Winterspiele Einzelwettbewerbe Staffelwettbewerbe Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Männerstaffel Mixed-Staffel Olympische Winterspiele 2018 58. – – – – – Olympische Winterspiele 2022 51. 33. 12. 10. – –
Weltmeisterschaften mini|320px|Kühn (rechts) neben Tarjei Bø und Vetle Sjåstad Christiansen bei der Siegerehrung zum Verfolgungsrennen, 2023 in Oberhof Einzelwettbewerbe Staffelwettbewerbe Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Männerstaffel Mixed-Staffel S.-M.-Staffel Weltmeisterschaften 2019 – 23. 24. – – – – Weltmeisterschaften 2020 26. 40. 28. 10. – – – Weltmeisterschaften 2021 23. 44. 40. – – – – Weltmeisterschaften 2023 – 8. 6. 21. 5. – – Weltmeisterschaften 2024 19. 14. 15. 14. 4. – – Weltmeisterschaften 2025 12. – – – 20px|Bronze 3. – –
Jugend-/Juniorenweltmeisterschaften Weltmeisterschaften Einzel Sprint Verfol-gung Staffel Jahr Ort Altersklasse 2010 Jugend 6. 1. 2. – Junioren – – – 1. 2011 Junioren – 2. 1. 1. 2012 Junioren 18. 4. 12. 4.
IBU-Cup-Siege Nr. Datum Ort Disziplin 1. (EM) Staffel 2. Sprint 3. Mixedstaffel
Weblinks
Johannes Kühn auf der Website des Zolls Persönliche Website von Johannes Kühn Statistische Auswertung auf realbiathlon.com (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Biathlet (Deutschland) Kategorie:Europameister (Biathlon) Kategorie:Deutscher Meister (Biathlon) Kategorie:Olympiateilnehmer (Deutschland) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2018 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2022 Kategorie:Mitglied des Zoll-Ski-Teams Kategorie:Person (Passau) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1991 Kategorie:Mann