Zell am Ziller ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Zillertal im Bezirk Schwaz in Tirol in Österreich.
Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Zell am Ziller.
Geografie Zell liegt im hinteren Zillertal in einem Talkessel, an der rechten Seite des Ziller. Sie ist die flächenmäßig kleinste Gemeinde des Tals. Die umliegenden Hänge bilden die Gemeinden Zellberg, Rohrberg, Gerlosberg und Hainzenberg. Im Norden schließt die Gemeinde Aschau im Zillertal, im Süden die Gemeinden Hippach und Ramsau im Zillertal an Zell an.
Zell ist neben Fügen der alte Hauptort und wirtschaftliches, verwaltungsmäßiges und schulisches Zentrum des Zillertals. Dazu gehören eine Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft Schwaz, das Bezirksgericht (zum Gerichtsbezirk gehören alle Gemeinden des Tals), die Zillertaler Tourismusschulen, eine Musikschule, das Stiftungsaltersheim und weitere wichtige Einrichtungen.
Nachbargemeinden
Geschichte Die Grundlage der Gemeinde legten Mönche im 8. Jahrhundert, die vom Gerlospass aus die Bewohner des Tals zum Christentum bekehrten und eine schlichte Mönchszelle errichteten.
Zell war für das Erzstift Salzburg von großer Bedeutung. Neben umfangreichem Grundbesitz führte von hier die direkte Wegverbindung über den Gerlospass in das Salzburger Stammland.
Im Jahr 1187 wurde für die zahlreichen Pilger und Reisenden das St.-Johannes-Spital erbaut, aus dem das Stiftungsaltersheim hervorging. 1188 wird der Ortsname Zell als Cellensis parrochia (Pfarre Zell) in einer Urkunde Erzbischof Adalberts III. von Salzburg erstmals urkundlich erwähnt. Mit Goldfunden am Hainzenberg im 16. Jahrhundert stieg die Bedeutung des Orts, so dass die Verwaltung des salzburgischen Gerichts im Zillertal 1592 nach Zell verlegt wurde.
Nach dem Rückgang des Bergbaus im 19. Jahrhundert war Zell ein Ort von Viehmärkten. Das Vieh wurde im Austausch mit Wein über das Tuxer Joch und den Brennerpass nach Bozen getrieben.
Im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde Zell am 6. November 1809 während des Tiroler Aufstandes von bayerischen Truppen geplündert. Nach Beendigung der Kriege fand am 5. Juni 1816 die Erbhuldigung des österreichischen Kaisers Franz I. statt, bis er weiter nach Fügen reiste, wo das dortige Kaiserdenkmal errichtet wurde. Er war ein Verfechter der Teilnahme der damals noch salzburgischen Gebiete wie Zell am Freiheitskampf Tirols 1809 und setzte sich für eine Vereinigung dieser Gebiete mit der Grafschaft Tirol ein.
Bis zum Jahr 1930 waren noch Knappen im Bergwerk tätig, der Abbau wurde jedoch als unrentabel eingestellt.
1989 wurde Zell zur Marktgemeinde erhoben. mini|Zell am Ziller um 1890
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|hochkant|Pfarrkirche mini|Dorfplatz in Richtung Nordwesten Pfarrkirche St. Veit: 1779 erbaut, nachdem eine Überschwemmung die alte gotische Kirche bis auf den Kirchturm verschüttete Zillertaler Regionalmuseum: bietet einen Einblick in das historische Leben. Kernstück ist der Hof „Ental“ aus dem 17. Jahrhundert, der an seiner ursprünglichen Stelle abgetragen und 1995 hier neu aufgebaut wurde. Das Museum ist im Sommer geöffnet.Zillertaler Regionalmuseum
Regelmäßige Veranstaltungen Gauderfest: In Zell findet jährlich in den Tagen vor dem ersten Sonntag des Monats Mai das „Gauderfest“ statt, das zu den ältesten Volksfesten Tirols zählt. Die Bezeichnung ist wahrscheinlich auf das östlich von Zell gelegene Gauderlehen zurückzuführen. Im Mittelpunkt steht der Ausschank des Gauderbocks, eines extra für das Fest gebrauten Bockbiers der örtlichen Brauerei. Weitere Attraktionen sind ein Festumzug mit Festwägen, Musikkapellen und Trachtengruppen sowie das Ranggeln, eine Form des Ringens. Tierkämpfe wurden nach Protesten von Tierschützern aus dem Programm genommen. Wurde 2014 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Wirtschaft von Zell ist geprägt durch die Landwirtschaft, verschiedene Gewerbebetriebe und den sich seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelnden Tourismus.
Von überregionaler Bedeutung für die Ausbildung sind die Tourismusschulen, wo verschiedene Schulformen angeboten werden.
In Zell befindet sich mit der im Jahr 1500 gegründeten Brauerei (Zillertal Bier) die älteste Privatbrauerei Tirols.
Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung hat Zell zahlreiche Einpendler.
Verkehr Zell ist über die Zillertalstraße und die Zillertalbahn mit einem Bahnhof angebunden. In östlicher Richtung zweigt die Gerlosstraße (B165) zum Gerlospass (1490 m) ab.
Tourismusinfrastruktur Zillertal Arena: Die Zillertal Arena entstand im Jahr 2000 als Zusammenschluss der Skigebiete Zell, Gerlos und Königsleiten und ist das größte Skigebiet des Zillertals. Es wird unter anderem von der Rosenalmbahn und seit der Saison 2010/11 von der Karspitzbahn erschlossen, deren Talstation sich auf dem Gemeindegebiet von Rohrberg befindet. In Zell am Ziller verkehren während der Skisaison einige Skibuslinen. Bei ausreichender Schneelage werden Loipen am Ziller (Klassisch und teilweise auch Skating) gespurt. Viele große Fußballmannschaften bestreiten jedes Jahr ein Trainingslager in Zell am Ziller. mini|Schulzentrum
Bildung Als bedeutender Schulstandort verfügt Zell über eine Neue Mittelschule mit Musik-Förderschwerpunkt und eine Polytechnische Schule. Die Zillertaler Tourismusschulen ermöglichen den Berufseinstieg in das Gastgewerbe. Die Schüler werden für alle Berufe im Bereich Hotellerie und Gastronomie qualifiziert und schließen teilweise mit Matura (Diplomprüfung) ab. Außerdem befindet sich die Landesmusikschule Zillertal im Ort.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 13 Mitgliedern. Partei202220162010%Mandate%Mandate%Mandate Zukunft Zell – Team Bürgermeister Robert Pramstrahler47,486 40,64 640,20 Freie Liste Zell – Christoph Steiner28,274 25,75 3Zeller Liste8,55113,552Offene Gemeinschaftsliste „Team-für-Zell“ Bürgermeisterkandidatin Brugger Annelies15,692 SPÖ-Zell Bürgermeisterkandidatin Annelies Brugger 10,24 1 Parteifreie Liste „Für Zell“ 9,82 1Offene Gemeinschaftsliste „Für Zell“ Bürgermeisterkandidat Platzer Johann30,00Zeller Liste – für Jugend, Frauen, Arbeitnehmer und Senioren19,21Freiheitliche und unabhängige Liste Zell am Ziller10,59
Bürgermeister Bürgermeister von Zell am Ziller ist Robert Pramstrahler.
Wappen Blasonierung: In Gold ein schwarzgewandeter Mönch mit ausgestreckten Armen, rechts ein schwarzes Kreuz, links eine Kirche mit spitzem Turm haltend.Landesgesetzblatt für Tirol. Nr. 67/1975 (Digitalisat).
Das 1975 verliehene Gemeindewappen verweist auf die Geschichte des von Missionaren des hl. Rupert gegründeten Ortes und symbolisiert den Ortsnamen, der von Mönchszelle kommt.
Sonstiges Zell am Ziller wird im Lied Steirermen san very good der Stoakogler erwähnt.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Paul Öttl (1932–2020), Pfarrer von Zell am Ziller 1983–2001Zillertaler Zeitung, abgerufen am 21. November 2020. Söhne und Töchter
Erwin Aschenwald (* 1954), Komponist, Violinist und Sänger Hans Binder (* 1948), Autorennfahrer und Unternehmer Irene Crepaz (* 1945), Politikerin (SPÖ) Günter Csar (* 1966), Nordischer Kombinierer Martin Egger (1832–1898), Jesuitenpater und Physiker Siegfried Egger (* 1970), Hotelier und Politiker Anja Haas (* 1971), Skirennläuferin Brigitte Hauser (* 1955), Skirennläuferin Gabi Hauser (* 1958), Skirennläuferin Thomas Hauser (* 1953), Skirennläufer Franz Xaver Hochbichler (1733–1825), Generalvikar in Salzburg Johann Carl Hocheder (1800–1864), Montanist und Mineraloge Franz Hörl (* 1956), Politiker (ÖVP) Peter Schneeberger (* 1972), Kulturjournalist Johann Damascen von Kleimayrn (1735–1810), Benediktinerpater, Hochschullehrer und letzter Abt von Wessobrunn Johann Franz Thaddäus von Kleimayrn (1733–1805), salzburgischer Staatsmann und Gelehrter Josef Mauracher (1845–1907), Orgelbauer Balthasar Niederkofler (1906–1989), Skilangläufer und Skisportfunktionär Wolfgang Palaver (* 1958), römisch-katholischer Theologe Helmut Rehm (1911–1991), Maler und Grafiker Darshano L. Rieser (bürgerlich Ludwig Rieser, * 1956), Bergsteiger und Kletterer Hermann Sander (1840–1919), Schriftsteller und Historiker Heinz Schiestl (1867–1940), Bildhauer und Grafiker
Weitere Persönlichkeiten der Gemeinde Felix von Kraus (1870–1937), Sänger und Hochschullehrer, verbrachte seinen Ruhestand in Zell und wurde dort beigesetzt. Adrienne Osborne (1873–1951), Sängerin, lebte in Zell und wurde dort beigesetzt. Christoph Steiner (* 1988), Politiker, Abgeordneter zum Tiroler Landtag, Mitglied des Bundesrats Lisa Ungerank (* 1991), Sportschützin
Ansichten
Weblinks
Website der Gemeinde
Archivaufnahmen aus und über Zell am Ziller im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (Radiobeiträge, Interviews, volkskundlicher Film)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort am Ziller Kategorie:Gerlosbach Kategorie:Zillertaler Alpen Kategorie:Ersterwähnung 1188