mini|Stadtbezirke von Shenzhen

Shenzhen () ist eine der beiden provinzunmittelbaren Städte in der Provinz Guangdong und damit eine von 15 derartig bevorrechtigten Städten in der Volksrepublik China. Sie hatte 2020 über 17 Millionen Einwohner und lag damit hinter Shanghai und Peking auf Rang drei der größten chinesischen Städte. Shenzhen hat auch die drittstärkste Wirtschaft in China, nach Shanghai und Peking.

Shenzhen liegt im südlichen Teil der Provinz und grenzt im Süden an die Sonderverwaltungszone Hongkong. Die Planstadt ist aufgrund ihres Status als Sonderwirtschaftszone eine bedeutende Stadt für ausländische Investitionen und eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Shenzhen ist die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China (ohne Hongkong und Macau). Tragende Säulen der lokalen Wirtschaft sind sowohl die Elektronik- und die Telekommunikationsindustrie als auch diverse Innovationstreiber.

Seit 2008 ist Shenzhen als UNESCO City of Design Teil des Creative Cities Network.

Geografie Lage Die Boomtown Shenzhen liegt im Süden der Provinz Guangdong am Perlfluss. Das Stadtgebiet umfasst eine Größe von 1991 km². Von Hongkong trennen es die Flüsse Sham-Chun () und Sha-Tau-Kok ().

Shenzhen liegt etwa 100 km südöstlich von der Provinzhauptstadt Guangzhou, 60 km südlich von der Industriestadt Dongguan, 60 km nordöstlich von Zhuhai und 65 km nordöstlich von Macau entfernt.

Entwicklung Shenzhen war ursprünglich ein hügeliges Gebiet mit fruchtbarem Ackerland. Jedoch kam es nach der Einführung der Sonderwirtschaftszone zu tiefgreifenden Veränderungen der Landschaft. Das ehemals hügelige Fischerdorf wurde für das Stadtgebiet größtenteils eingeebnet und etwas angehoben. Vom Satelliten aus betrachtet sind nur noch Lotus Hill, Mount Bijia und Mount Wutong als Erhöhungen in der Stadt zu erkennen. Durch den anhaltenden Bauboom in der Stadt wird auch das Gebiet um die Mission Hills teilweise eingeebnet, um es nutzbar zu machen. Außerdem werden an den zahlreichen Buchten Polderflächen angelegt, um dem Meer weiteres bebaubares Land abzuringen.

Administrative Gliederung Die Unterprovinzstadt Shenzhen setzt sich auf Kreisebene aus zehn Stadtbezirken () zusammen. Vier dieser Stadtbezirke sind neu gegründete, sogenannte „funktionale Stadtbezirke“ (), die kurzerhand „neue Stadtbezirke“ () genannt wurden. Die „alten“ Stadtbezirke sind Verwaltungsgliederungen ersten Grades, d. h., sie verfügen über beide Parlamentskammern (Volkskongress und Konsultativkonferenz) sowie über eine Volksregierung (), die vom Volkskongress des Stadtbezirks gewählt wird. Die funktionalen Stadtbezirke sind hingegen Verwaltungsgliederungen zweiten Grades, nämlich „Stadtmittelbehörden“, d. h., sie haben keine Volkskongresse, keine Konsultativkonferenzen und vor allem keine Volksregierungen. Ihre Verwaltung wird direkt von der Stadt Shenzhen bestimmt und eingesetzt.

Die „neuen“ Stadtbezirke Longhua und Pingshan verloren im Oktober 2016 ihre Bezeichnung als „neu“, der „neue“ Distrikt Guangming verlor diese Bezeichnung 2018. Sie wurden damit zu regulären Stadtbezirken.

+ Die sechs „alten“ Stadtbezirke Name Chinesisch Pinyin Lage Farbe Fläche km² Einwohnerzahl1 Dichte Ew./km² Bao’an Bǎo’ān Qū Westen Hellblau 398,4 4.476.554 11.237 Futian Fútián Qū westlicher Süden Dunkelrot 78,65 1.553.225 19.749 Guangming Guāngmíng Xīnqū Nordwesten Türkisblau 155,4 1.095.289 7.046 Longgang Lónggǎng Qū zentraler Norden Orangebraun 387,8 3.979.037 10.260 Longhua Lónghuá Xīnqū westlicher Norden Ockergelb 175,58 2.528.872 14.403 Luohu Luóhú Qū zentraler Süden Violett 78,75 1.143.801 14.524 NanshanNanshan Lokalregierung. Nánshān Qū Südwesten Grün 185,5 1.795.826 9.682 Pingshan Píngshān Xīnqū Nordosten Rosa 167 551.333 3.301 Yantian Yántián Qū Südosten Blau 74,63 214.225 2.870 1 Zensus 2020.

+ Der „neue“ Stadtbezirk Name1 Chinesisch Pinyin Lage Farbe Fläche km² Einwohnerzahl2 Dichte Ew./km² Dapeng Dàpéng Xīnqū Osten Hellbraun 295,1 156.236 529 1 Guangming wurde am 31. Mai 2007, Pingshan am 30. Juni 2009, Dapeng am 27. Oktober 2011 und Longhua am 30. Dezember 2011 gegründet. 2 Zensus 2020

Die Sonderwirtschaftszone (SEZ, englisch Special Economic Zone) wurde am 1. Juli 2010 um die zwei Stadtbezirke Bao’an und Longgang erweitert und umfasst seitdem das gesamte Stadtgebiet. Das traditionelle Finanz- und Handelszentrum befindet sich in dem an Hongkong angrenzenden Stadtteil Luohu. Futian, der Stadtbezirk, in dem sich die Stadtregierung befindet und der sich im vergangenen Jahrzehnt zum neuen Finanz- und Handelszentrum der Stadt entwickelt hat, liegt im Herzen der SEZ. Im Stadtbezirk Nanshan im Westen der SEZ ist die High-Tech-Industrie angesiedelt. Der Stadtbezirk Yantian ist der Knotenpunkt für die logistischen Aktivitäten von Shenzhen.

Ethnische Gliederung der Bevölkerung (2000) Beim Zensus 2000 wurden in Shenzhen 7.008.831 Einwohner gezählt. mini|Satellitenbild des Grenzgebietes Shenzhen (nördlich der Bucht) – Hongkong (im Süden), Juli 2005 mini|Klimadiagramm Shenzhen

Name des Volkes Einwohner Anteil Han 6.782.986 96,78 % Zhuang 112.559 1,61 % Tujia 25.987 0,37 % Miao 25.567 0,36 % Dong 12.707 0,18 % Yao 8.802 0,13 % Hui 6.784 0,1 % Manju 5.061 0,07 % Mongolen 4.555 0,07 % Bouyei 4.398 0,06 % Koreaner 4.004 0,06 % Yi 2.257 0,03 % Bai 1.645 0,02 % She 1.640 0,02 % Li 1.292 0,02 % Mulam 1.209 0,02 % Tibeter 1.153 0,02 % Gelao 1.082 0,02 % Sonstige 5.143 0,07 %

Bevölkerungsentwicklung Die Agglomeration Shenzhen wuchs von ca. 3000 Einwohnern im Jahr 1950 auf über elf Millionen im Jahr 2017 an. Ein Bericht der Vereinten Nationen nennt Shenzhen im Zeitraum von 1980 bis 2010 als die am schnellsten wachsende Stadt in der Geschichte der Menschheit. Die Volkszählung 2020 ergab eine Einwohnerzahl von 17,56 Millionen. Für 2024 wurden offiziell 17,98 Millionen angegeben.

Shenzhen ist Teil des Perlflussdelta-Ballungsraums mit über 45 Millionen Einwohnern.

+ Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration laut den Vereinten Nationen Jahr Einwohnerzahl 1950 3.000 1960 8.000 1970 22.000 1980 59.000 1990 845.000 2000 6.550.000 2010 10.223.000 2017 11.693.000

Klima Shenzhen hat ein subtropisches Ostseitenklima (Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger: Cfa). Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 23,0 °C, und die Jahresniederschlagsmenge beträgt 1933 mm. Im Frühjahr und im Herbst ist mit dem häufigen Auftreten tropischer Wirbelstürme (Taifune) zu rechnen.

Geschichte Der Name der Stadt Der Name der Stadt taucht zum ersten Mal während der Ming-Dynastie 1410 auf. Damals war das Gebiet von unzähligen Flüssen und Bächen durchkreuzt, die zur Entwässerung der Reisfelder dienten. Die Leute bezeichneten diese Entwässerungsgräben als „zhèn ()“. „Shēn ()“ bedeutet „tief“.

Shēnzhèn in chinesischer Schrift kann somit in etwa als „tiefe Entwässerungsgräben“ übersetzt werden.

Die Zeit vor der Gründung der Sonderwirtschaftszone Ursprünglich lag auf dem Gebiet der heutigen Stadt der Kreis Bao’an (), dessen Zentrum bis 1979 eine Stadt mit nur 30.000 Einwohnern an der Grenze zu Hongkong war. Im März 1979 entschied sich die Zentralregierung zusammen mit der Provinzregierung von Guangdong, aus dem Kreis eine Stadt mit dem Namen Shenzhen zu machen. Im November des gleichen Jahres erhielt Shenzhen die Stadtrechte und wurde somit direkt der Provinzregierung unterstellt.

Gründung und Erweiterung der Sonderwirtschaftszone mini|Blick von Hong Kong nach Shenzhen im März 1997

Shenzhen liegt am Perlflussdelta und nördlich der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Diese günstige Lage war der Grund dafür, dass unter Deng Xiaoping im Mai 1980 in Shenzhen die erste Sonderwirtschaftszone Chinas gebildet wurde, unter anderem auch, um von der wirtschaftlichen Entwicklung Hongkongs zu profitieren. Am 6. August 1980 autorisierte der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses die Ausweisung eines 327,5 Quadratkilometer großen Areals um Shenzhen als Sonderwirtschaftszone. Dengs Parole im Zusammenhang mit der Stadt Shenzhen lautete „Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll“. Dies beschrieb sehr treffend das, was in der Stadt in den kommenden Jahren passieren sollte, ein extremer Bauboom, wie er selbst in China selten war.

mini|Wachstumsrate und Export-Gesamtwert in Shenzhen in ausgewählten Jahren zwischen 1979 und 2008

Shenzhens Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 1978 belief sich auf 2,87 Millionen US$, und das jährliche pro-Kopf-BIP lag bei 88,86 US-Dollar. Die Bevölkerung wies ein niedriges Bildungsniveau auf und hatte einen niedrigen Lebensstandard. Zwischen 1980 und 2008 stieg Shenzhens BIP von 40 Millionen US-Dollar auf 114,47 Milliarden US-Dollar, mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 26,9 Prozent. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen stieg im selben Zeitraum dramatisch von 122,43 US-Dollar auf 13.196,21 US-Dollar. 1978 gab es in Shenzhen nur 174 Fabriken mit einem Gesamtwert der Industrieproduktion von weniger als 10,25 Millionen US-Dollar. Von 1980 bis 2007 betrugen die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten der drei Sektoren (Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen) 3,3 Prozent, 37,8 Prozent bzw. 24,8 Prozent. Shenzhens Industrie erlebte eine massive Expansion. +BIP und Pro-Kopf-BIP in Shenzhen in ausgewählten Jahren zwischen 1980 und 2025 19801985199019952000200520062007200820232024BIP (Mrd. US$)0,040,572,5212,3532,0772,6085,2599,74114,47488,1511,84Pro-Kopf-BIP (US$)122,43705,131.279,182.866,574.809,388.915,1010.183,2811.678,1513.169,2127.535,9628.611,12

Shenzhen entwickelte sich neben Guangzhou und heute bereits über dieses hinaus zu der größten Stadt im Perlfluss-Delta, das neben dem Beijing-Tianjin-Gebiet und dem Jangtsekiang-Delta als eine der wirtschaftlich bedeutendsten Regionen Chinas gesehen wird. Da in der gesamten Provinz Guangdong viele Unternehmen im produzierenden Gewerbe tätig sind, war die Region die erste, die in Medien als „Werkbank der Welt“ bezeichnet wurde.

Die Sonderwirtschaftszone erreichte bis 2009 eine Größe von 396 Quadratkilometern und übertraf damit die Pläne aus dem Jahr 1980 um ein Vielfaches. Im Jahr 2009 erarbeitete die Stadtregierung einen Plan zur erneuten Erweiterung, der vom Staatsrat Chinas bestätigt wurde. Demnach wurden ab dem 1. Juli 2010 in die Sonderwirtschaftszone auch die Stadtbezirke Bao’an und Longgang eingeschlossen und mit einer Größe von 1953 Quadratkilometern verfünffacht.

Erdrutsch im Jahre 2015 Am 20. Dezember 2015 löste sich nach anhaltenden Regenfällen eine gewaltige Schlammlawine aus Erde und Abfällen von einem ca. 100 Meter hohen künstlichen Berg im Gewerbegebiet Neu-Guangming von Shenzhen. Die Geröllmassen bedeckten eine Fläche von 380.000 Quadratmetern. Seither werden 85 Menschen vermisst; unter dem Morast liegen 14 Fabriken mit Wohngebieten der Arbeiter. Von den eingesetzten elf Feuerwehreinheiten der Stadt, unterstützt von 151 Baggern, konnte am 23. Dezember 2015 eine Person lebend aus dem Murenabgang gerettet werden.Lawine aus Schutt und Schlamm, Frankfurter Rundschau, S. 38, vom 22. Dezember 2015.

Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 Im Zuge der Covid-19-Pandemie verbot die Stadt den Verzehr von Hunden und Katzen. Offiziell begründet wird das Verbot mit dem „Geist der menschlichen Zivilisation“. Zuvor war in ganz China wegen des Ursprungs des Coronavirus schon der Konsum von Wildtieren untersagt worden.

Politik Beziehungen zwischen Hongkong und Shenzhen