mini|Darstellung des Bergbaus von 1527, unten der Hauer im Schacht, oben die Haspelknechte Der Bergbau und das Hüttenwesen im Odenwald erstreckten sich urkundlich nachweisbar über einen Zeitraum von etwa 1200 Jahren. Zuvor hatten Römer bereits Gesteine abgebaut. Die Verhüttung vor Ort gefundenen Eisenerzes kann für den Heiligenberg bereits für die frühe La-Tène-Zeit (5. und 4. Jahrhundert v. Chr.) nachgewiesen werden.Peter Marzolff, Uwe Gross: Zwischen Merkur und Michael: Der Heiligenberg bei Heidelberg in Völkerwanderungszeit und Frühmittelalter, in: Heiko Steuer, Volker Bierbrauer (Hrsg.): Höhensiedlungen zwischen Antike und Mittelalter von den Ardennen bis zur Adria (Ergänzungsbände zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde; 58), Walter de Gruyter Verlag, Berlin, 2008, S. 121–163, ISBN 978-3-11-020235-9. online, abgerufen am 3. Juli 2014.
Der Höhepunkt der bergmännischen Arbeiten wurde im 16. und 17. Jahrhundert bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erreicht. Die wenigen danach eingerichteten Berg- und Hammerwerke konnten sich im Zuge der Industrialisierung sowie vor allem wegen der nicht sicherzustellenden Versorgung der Hüttenwerke mit Steinkohle nicht halten, auch litten die Bergwerke zu allen Zeiten unter Problemen mit Wassereinbrüchen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mussten die meisten Hammerwerke den Betrieb einstellen. Im gleichen Zeitraum bis zum Ersten Weltkrieg kam es aber nochmals kurz zu einer Wiederbelebung der Tätigkeiten in Bergwerken. Heute sind nur noch wenige Zeugnisse der Bergbaugeschichte des Odenwaldes erkennbar.
Abbaugebiete und antiker Abbau mini|Bergwerke, Hammerwerke und Schmelzen Aufgrund der Geologie des Odenwaldes sind zwei Abbaugebiete grundlegend zu unterscheiden. In dem an die Bergstraße angrenzenden Kristallinen Odenwald wurden Silber, Blei und Kupfer abgebaut, daneben noch verschiedene Gesteine. Östlich davon im Sandstein-Odenwald hingegen wurde überwiegend Eisenerz und Mangan gefördert, bekannt sind hier auch Schwerspatgruben.
In der römischen Antike wurden Steinbrüche betrieben, von diesen Arbeiten zeugen zahlreiche Reste von Werkstücken, vor allem im Felsenmeer bei Reichenbach.
Quellen Die älteste urkundliche Erwähnung des Bergbaus im Odenwald stammt vom 20. Januar 773. In der Beschreibung des Grenzverlaufs der Mark Heppenheim, die anlässlich einer Schenkung Karls des Großen an das Kloster Lorsch erfolgte, heißt es, dass die Grenze von der Bergstraße über den Ort Winterkasten verlaufe, über die Neunkircher Höhe gehe und von da ab zur „mittleren Arezgrefte“, also Erzgrube.Es handelt sich um eine Abschrift einer karolingischen Urkunde im Lorscher Kopialbuch aus dem 12. Jahrhundert, dem Codex Laureshamensis. Sie dürfte um 1170 erfolgt sein. Vgl. Dascher, Spuren und Hinweise auf frühe Eisenerzgruben, Schmelzen, Hammer und Waldschmieden im Umfeld des 517 Meter hohen Morsberges., S. 13. Der Standort dieser Erzgrube war in der Literatur lange Zeit umstritten. Heute geht man davon aus, dass sie eine von drei Erzgruben war,Dascher, Spuren und Hinweise auf frühe Eisenerzgruben, Schmelzen, Hammer und Waldschmieden im Umfeld des 517 Meter hohen Morsberges., S. 13. deren Relikte am oberen Brombach zu Füßen des Erzbergs (484 m) in der Gemarkung von Brombach (Fürth im Odenwald) zu suchen sind.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 8.
Über mehr als 200 Jahre gab es keine Nachweise über Bergbau. Um das Jahr 1000 wurde ein Silberbergwerk nahe Weinheim erwähnt, das dem Kloster Lorsch gehörte. Wohl um 1094 entstand eine Urkunde, in der eine jährliche Abgabe des Klosterhofes Fürth von eisernen Gebrauchsgütern an das Kloster auf dem Heiligenberg erwähnt wird.Codex Laureshamensis, Chronik 140, Reg. 3627, nach Eder, Babist, S. 4. Die Nennung der Kesselschmiede wird als Indiz für einen fortdauernden Bestand von Erzgruben gedeutet. Gottfried Ludwig Klein, der Leibarzt der Grafen von Erbach, erwähnt in seinem 1754 erschienenen De aere, aquis et locis agri Erbacensis auf der Grundlage nicht mehr existierender Urkunden einen blühenden Bergbau im 13. Jahrhundert.Gottfried Ludwig Klein: De aere, aquis et locis agri Erbacensis atove Breubergensis, largi Odenwaldiae tractus, Frankfurt 1754. Digitalisat
Eine Urkunde von 1291 erwähnt Grube Marie in der Kohlbach nahe Hohensachsen, der damalige Pfalzgraf bei Rhein, Ludwig der Strenge, kaufte es von den Strahlenbergern und übertrug es ihnen zugleich wieder als Lehen.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 12. Bekannt sind noch Akten von 1441 über Bergbau im Gebiet Kirch-Brombachs, diese lassen auf damals bereits seit langem bestehende Förderung schließen.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 35. Ein Eintrag im Zinsbuch des Schenken Georg von Erbach aus dem Jahr 1450 berichtet über einen Anteil an einem Zehnten „am Berge“.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 21 Die Urkundenlage bessert sich erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Bergordnungen
mini|Reste von Abraumhalden bei Michelstadt-Steinbach. Im Vordergrund Ackerland, etwa Bildmitte leichte Störungen, es handelt sich um mittelalterliche Abraumhalden bzw. Reste davon. Etwas oberhalb, rechts des Gehölzes der steile Anstieg ist ebenfalls eine Abraumhalde, aber aus dem 18. Jahrhundert.
Das Jahr 1472 ist für die Bergordnungen, soweit sie den Odenwald betreffen, von Bedeutung. In diesem Jahr wurden drei Bergordnungen erlassen. Einmal die erste Kurpfälzische Bergordnung von 1472, der Vorläufer der großen Kurpfälzischen Bergordnung von 1551. Danach eine Bergordnung, daran angelehnt und ebenfalls kurpfälzisch, betreffend Bergwerke im Otzberger Land. Dieses Gebiet gehörte damals zur Kurpfalz. Die dritte ist die Annelsbacher Bergwerksfreiung, das Archiv in Wertheim ist im Besitz eines Exemplars dieser frühen Bergwerksordnung. Annelsbach befand sich damals wegen seiner Zugehörigkeit zur Herrschaft Breuberg im Besitz der Grafen von Wertheim. Diese Bergwerksfreiung folgt dennoch im Wesentlichen sowohl der kurpfälzischen Bergordnung als auch der breubergischen. Auch die damaligen Schenken, ab 1532 Grafen von Erbach erließen eine Bergordnung im Jahr 1512, diese ist jedoch nicht mehr erhalten oder überliefert.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 38.
Annelsbacher Bergwerksfreiung von 1472 In den 16 Unterpunkten der Annelsbacher Bergwerksfreiung werden zunächst die sieben Personen benannt, die an der Fundstelle abbauen wollten, Annelsbach wurde in der damaligen Schreibweise als „Onolspach“ bezeichnet.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 35ff. Aussteller der Ordnung war Wilhelm Graf zu Wertheim. Es folgen die Abschnitte mit der Zusicherung freien Geleits für die Beteiligten, dann die eigentliche Verleihung des Abbaurechtes, die Regelung betreffend den Zehnten, der Vorbehalt der separierten Erlaubnis zur Schmelze des gefundenen Erzes, Schadensregulierung, Regelungen für den Einschlag und den Transport von Bau-, Zimmer- und Kohlholz und eine abermalige Zusicherung freien Geleites für die Bergarbeiter, Fuhrleute und Hintersassen. Nach der Bestimmung, dass Anteile am Bergwerk nur unter Berggenossen verkauft werden dürfen, beschäftigen sich die folgenden sechs Abschnitte mit Regelungen die das Berggericht, den Bergrichter, Schöffen, Schreiber und Ausmesser sowie deren Entlohnungen betreffen. Ausdrücklich wird dem Berggericht nur die niedere Gerichtsbarkeit zugestanden, die Blutgerichtsbarkeit nicht. Die Bergordnung schließt mit einer Schwurformel und dem Datum der Ausstellung: „der geben ist nach unsers lieben herrn geburt Dusent vierhundert und danach in dem zwei und siebenzigsten Jahre/ am Dienstag nach sant Margarethentag der heiligen jungfrauen“ (21. Juli 1472). Die Bergordnung gilt der Sprache nach als klar verständlich und allgemein als gutes Beispiel für solche Bergordnungen.
Früheste Bergwerke mini|Schachtpinge aus dem 14. Jahrhundert oberhalb Michelstadt-Steinbachs Einem Buch aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist zu entnehmen, dass man damals von florierendem Abbau im Odenwald im 13. Jahrhundert ausging. Es heißt: „Nostrae ferri fodinae ac officinae ferraria periantque sunt. Docet enim memoria publica seu tabularium, iam seculo XIII easdem florit.“Ludwig Gottfried Klein, 1754, zitiert in Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 21. (Unsere Erzgruben und Eisenschmieden sind sehr alt. Es lehrt eine Aufzeichnung, dass sie schon im 13. Jahrhundert blühten).Übersetzt von Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 21 Der Abbau geschah, indem man senkrecht in die Erde abteufte und das aufgefundene Erz in Kübeln mit einfachen Haspeln förderte. War die Fundstelle ausgebeutet, wurde einfach etwas weiter entfernt ein neuer Schacht getrieben. Beim Einsturz der alten Schächte entstanden Pingen, die sich bis heute in den Flurnamen wiederfinden, beispielsweise „Erzlöcher“ oder „Berglöcher“. Von den Flurnamen als älteste Abbauorte ausgehend, können Bad König, Momart, Langenbrombach sowie möglicherweise das Mossautal als Beispiele für früheste Bergbautätigkeiten im mittleren Odenwald gelten.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 22.
Michelstadt-Steinbach mini|Rest der Abraumhalde hangabwärts unterhalb der Schachtpinge aus dem 14. Jahrhundert oberhalb Michelstadt-Steinbachs Westlich oberhalb des Ortsteiles Steinbach der Stadt Michelstadt entlang der Bundesstraße 47 in Richtung Rehbach auf der nördlichen Hangseite finden sich an mehreren Stellen Abraumhalden frühen Bergbaus. Bei Forschungen Ende der 1990er-Jahre wurden auch Reste von Stollen gefunden. Da die verwendeten Hölzer sich nicht für die Dendrochronologie eigneten, es handelte sich um Birken- und Obstbaumgehölze, wurde die C14-Methode herangezogen, die allerdings unklare Ergebnisse brachte. Es wurden zwei Zeiträume eingegrenzt: zum einen das 14., zum anderen das 16. Jahrhundert. Aufgrund der Urkundensituation und der Art der Verbauung der Stollen kann eher vom 14. Jahrhundert als einem späteren Zeitraum der Entstehung dieses Abbaugebietes ausgegangen werden. In der Nähe der Abraumhalden findet sich auch eine Schachtpinge, zu datieren auf das 14. Jahrhundert aufgrund der einfachen Abbauweise. Nochmals im 18. Jahrhundert wurde versucht, den Bergbau an dieser Stelle in Gang zu bringen, allerdings erfolglos. Im gleichen Gelände fanden sich 1910 Reste antiker römischer Gebäude. Da die gefundenen Grundmauern für eine Villa rustica äußerst untypisch sind gibt es Spekulationen, dass bereits diese Gebäude an dieser Stelle mit Bergbau zu tun haben könnten, allerdings bislang ohne jeglichen schriftlichen oder archäologischen Nachweis des Zusammenhangs.
Erste Waldschmieden und Hämmer Die früheste Form der Weiterverarbeitung des Erzes im Odenwald geschah in Waldschmieden.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 23ff. Das Metall wurde in einfachen Schmelzöfen ausgeschmolzen und an Ort und Stelle zu den gewünschten Gerätschaften geschmiedet. Die Öfen finden sich oft an Hanglagen, weil man den Aufwind an solchen Stellen für höhere Temperaturen im Inneren der Öfen nutzen konnte, nach dem Prinzip des Rennofens. Frühe Beispiele sind auch wieder aus Flurnamen, etwa „Schmelzberg“, „Schmelzbuckel“ oder „Hüttenbuckel“ ableitbar, entsprechende Bezeichnungen finden sich für Weschnitz, Klein-Gumpen, Unter-Ostern und Groß-Gumpen.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 22/23. Ausdrücklich benannt, teilweise auch mit Namen, werden Waldschmiede und Waldschmieden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts für Mossau (1512), Hiltersklingen (1512 und 1517) und Etzen-Gesäß (1541). Der Name Hüttenthal ist für das Jahr 1366 erstmals urkundlich belegt. Die namensgebende Eisenhütte muss also schon zu jener Zeit existiert haben.Mößinger, Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald, S. 27. Die dazugehörenden Reste der Erzwäsche waren noch bis 1764 zu sehen.