Kellé ist eine Landgemeinde im Departement Gouré in Niger.

Geographie Lage und Gliederung mini|Landschaft in Kellé (2023)

Kellé liegt in der Sahelzone. Im Gemeindegebiet von Kellé befindet sich das schroffe Gebirge Koutous, das von in der Regenzeit Wasser führenden Trockentälern durchzogen ist. Die Nachbargemeinden sind Alakoss im Nordwesten, Tesker im Nordosten, Goudoumaria im Südosten, Gouré im Süden und Gamou im Westen.

Bei den Siedlungen im Gemeindegebiet handelt es sich um 71 Dörfer, 166 Weiler, 15 Lager und zwei Wasserstellen. Der Hauptort der Landgemeinde ist das Dorf Kellé. Es liegt auf einer Höhe von .

Klima In Kellé herrscht trockenes Wüstenklima vor. Die Niederschlagsmessstation im Hauptort wurde 1989 in Betrieb genommen.

Natur In der Gemeinde gibt es mehrere geschützte Wälder:

Es wurden folgende Vogelarten beobachtet:

Folgende Schlangenarten wurden gesichtet:

Geschichte Kellé wurde vermutlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Atari Goumsoumi gegründet, einem Prinzen aus Bornu, der den Ort im abgelegenen Bergland von Koutous zu seinem Herrschaftssitz machte. Einer seiner Nachfolger, der ebenfalls Goumsoumi hieß und von 1835 bis 1843 regierte, hatte einen Neffen namens Kosso, der von Gouré aus die Provinz Mounio südlich von Kellé beherrschte. Goumsoumi war gezwungen, Kellé unter die Oberherrschaft Kossos zu stellen. Die Nachfolger Goumsoumis waren der von 1843 bis 1850 regierende May Abdou, der von 1850 bis 1858 regierende May Dokey und der von 1858 bis 1868 regierende May Moustafa.

Im Jahr 1861 ließ Ténimoun, der Sultan von Zinder, Kellé angreifen und May Moustafa gefangen nehmen. Kellé wurde nun Zinder tributpflichtig. Als May Moustafa 1868 von einer Abordnung aus Bornu getötet wurde, annektierte Sultan Ténimoun Kellé als Teil seines Reichs. Er setzte bald Statthalter im Ort ein, die Angehörige einer neuen Dynastie waren: von 1874 bis 1877 Koura, dem dessen Söhne im Amt nachfolgten, von 1877 bis 1881 May Madi und von 1881 bis 1884 May Melé. Sultan Sélimane, ein Nachfolger Sultan Ténimouns, überlegte die alte Dynastie wieder einzusetzen und schlug 1885 Ténimou, einem Sohn des getöteten May Moustafa, vor nach Kellé zurückzukehren. Der zog es jedoch vor im Exil in Bornu zu bleiben. So wurde ein Bruder May Melés, May Koutousma, der Koutousma Arati genannt wurde, bis 1890 Statthalter des Sultans in Kellé. In den darauffolgenden zehn Jahren wurde der Ort direkt von Zinder aus verwaltet. Erst im Jahr 1900 wurde ein Angehöriger der alten Dynastie Statthalter in Kellé: Mahamadou, ein Sohn May Dokeys.

mini|Ausschnitt einer Karte von 1903 mit Kellé im Zentrum Der Ort fiel Anfang des 20. Jahrhunderts an Frankreich. Der britische Reiseschriftsteller A. Henry Savage Landor besuchte die Gegend 1906 bei seiner zwölfmonatigen Afrika-Durchquerung und passierte unter anderem den Weiler Sananawa. Er beschrieb große halbmondförmige Dünen, in denen sich oft Dörfer und gelegentlich ausgedehnte Hirsefelder befanden. Der Markt von Kellé war einer der kleinen Märkte in der Region, die damals von der französischen Verwaltung zugelassen wurden.

Die Landgemeinde Kellé ging als Verwaltungseinheit 2002 bei einer landesweiten Verwaltungsreform aus dem Kanton Kellé/Koutous hervor.

Bevölkerung Bei der Volkszählung 2012 hatte die Landgemeinde 74.425 Einwohner, die in 13.549 Haushalten lebten. Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 44.225 in 9.130 Haushalten.

Im Hauptort lebten bei der Volkszählung 2012 1.799 Einwohner in 337 Haushalten, bei der Volkszählung 2001 3.301 in 661 Haushalten und bei der Volkszählung 1988 1.220 in 242 Haushalten.

In Kellé leben Angehörige der vor allem Agropastoralismus betreibenden Kanuri-Untergruppe Dagara sowie der auf Fernweidewirtschaft spezialisierten Fulbe-Untergruppen Dabanko’en, Oudah’en, Tountoumankej und Wodaabe und Tuareg-Untergruppe Kanimatane.

Politik Der Gemeinderat (conseil municipal) hat 19 gewählte Mitglieder. Mit den Kommunalwahlen 2020 sind die Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: 11 PNDS-Tarayya, 7 MNSD-Nassara und 1 RDR-Tchanji.

Jeweils ein traditioneller Ortsvorsteher (chef traditionnel) steht an der Spitze von 65 Dörfern in der Gemeinde, darunter dem Hauptort.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Eine Wasserstelle im Koutous-Massiv in Kellé (2023)

Im Dorf Kringuim gibt es einen Viehmarkt. Der Markttag ist Dienstag. In den Siedlungen Boultoumfoutem, Kaoutchouloum und Madja Ganglédi werden Wochenmärkte abgehalten. Das staatliche Versorgungszentrum für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Materialien (CAIMA) unterhält eine Verkaufsstelle im Hauptort. Beim Weiler Maïnari befindet sich auf einem Gebiet von 150 Hektar eine Zuchtfarm für Afrikanische Strauße. In der kühlereren Jahreszeit dient das Koutous-Massiv als Weideland für die Viehherden der transhumant lebenden Fulbe und Tuareg.

Gesundheitszentren des Typs Centre de Santé Intégré (CSI) sind im Hauptort sowie in den Siedlungen Boudjouri, Boultoumfoutem, Gadjamni und Kringuim vorhanden. Der CEG Kellé ist eine allgemein bildende Schule der Sekundarstufe des Typs Collège d’Enseignement Général (CEG). Das Berufsausbildungszentrum Centre de Formation aux Métiers de Kellé (CFM Kellé) bietet Lehrgänge in Metallbau und familiärer Wirtschaft an.

Die 187,5 Kilometer lange Nationalstraße 34 zwischen der Nationalstraße 11 und Gouré führt durch den Gemeindehauptort Kellé. Es handelt sich um eine einfache Erdstraße. Im Hauptort zweigt die 125 Kilometer lange Route 731 nach Tesker ab, eine einfache Piste.

Persönlichkeiten Inoussa Ousséïni (1949–2021), Filmregisseur, Politiker und Diplomat

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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