mini|Einige Größen des schwedischen Humors: Hans Alfredson, Lissi Alandh, Mille Schmidt, Tage Danielsson und Gösta Ekman der Jüngere im Jahr 1962 (v. l. n. r.)
Schwedischer Humor wurde von namhaften Komikern wie Galenskaparna och After Shave, Albert Engström, Hasse och Tage, Lasse Åberg und Killinggänget dargestellt.
Die komödiantische Fernsehsendung Parneviks TV-Party von Bosse Parnevik aus dem Jahr 1978 wurde von vielen Schweden gesehen und hatte die höchsten Einschaltquoten, die weltweit bis zum damaligen Zeitpunkt jemals verzeichnet worden waren.Christer Persson: , abgerufen am 19. Januar 2012 (schwedisch). Zwei schwedische Fernsehsendungen gewannen den internationalen Comedypreis Goldene Rose des Schweizer Rose-d’Or-Festivals: Helt apropå (1987, dt. „Ganz nebenbei“) und HippHipp (2002).
In Schweden gibt es viele Preise, die sich dem schwedischen Humor widmen, darunter das Karamelodiktstipendiet, Kristallen (Preis für das beste Comedyprogramm einschließlich Sitcoms) sowie der Serienpreis Adamsonstatyetten, der allerdings nicht nur für Comedyserien vergeben wird.
Merkmale und Einflüsse Die Grenzen zwischen schwedischem und ausländischem Humor sind fließend, vor allem weil sich viele Komiker zwischen den Ländern hin- und herbewegen und von anderen Humorkulturen inspiriert werden. Generell wird der schwedische Humor in der Nähe des britischen Humors angesiedelt und TV-Serien wie Fawlty TowersLennier Norman: . In: Newsmill. 17. März 2009, abgerufen am 19. Januar 2012 (schwedisch).Marit Ollander Hjort: . In: Barometern Oskarshamns-Tidningen. 3. Juli 2008, abgerufen am 20. Januar 2012 (schwedisch). und The OfficeNicholas Wennö: Komiker med känsla för dramatik. In: Dagens Nyheter. 3. Juni 2005, abgerufen am 19. Januar 2012 (schwedisch).Martin Persson: . In: Dagens story. Abgerufen am 5. August 2009.Betty Skawonius: Vill den verklige Johan Glans stiga fram?. In: Dagens nyheter. 21. April 2005, abgerufen am 19. Dezember 2012 (schwedisch). haben viele schwedische Komiker beeinflusst.
Traditionell wird der Sketch Dinner for One (schwed. Grevinnan och betjänten) alljährlich am Silvesterabend gezeigt. Ferner sind Revuen ein bisher sehr erfolgreiches Format, angefangen vom Revueleiter Ernst Rolf in den 1910er Jahren bis zur satirischen Show R.E.A. (Roligt Elakt Aktuellt) in der Stockholmer Kneipe Hamburger Börs im 21. Jahrhundert.
In der sogenannten Norgehistoria werden die Einwohner des Nachbarlandes Norwegen in ethnischen Witzen des schwedischen Humors als minderbegabt verunglimpft. Zeitweise folgen sie Modeerscheinungen, so wie bei den „Alle-Kinder-Witzen“ in den 1990er Jahren. In einigen Fällen führten sie zu ernsthafteren Sticheleien zwischen Norwegen und Schweden, wie in dem Fall des satirischen Liedes Norgevisan aus dem Jahr 1968.Lars Anders Karlberg: . In: Ny teknik. 24. November 2008, abgerufen am 19. Januar 2012 (schwedisch). In: Alexandra Forslund: Rösta: Tidernas svenska tv-topp (17. Platz). In: Expressen. 28. März 2004, abgerufen am 19. Januar 2012 (schwedisch).
Geschichte Vor dem 19. Jahrhundert mini|hochkant|Then Swänska Argus, eine satirische Wochenzeitschrift des 18. Jahrhunderts
Schwedens früher Humor in der Zeit vom Mittelalter bis in die spätere Zeit von Gustav I. Wasa (schwed. Äldre vasatiden, 1521–1611) ist nur in Teilen bewahrt, da Analphabetismus weit verbreitet war. Vieles davon ähnelt dem schroffen isländischen Humor, wie etwa die lakonische Gunnlaugr Ormstungas saga. Später entwickelten sich eine Art längerer, amüsanter Witze (schwed. rolig historia), darunter unter anderem die västgötahistorier, eine Art schwedischer Yarn. Eine frühe satirische Zeitschrift ist Then Swänska Argus (1732–1734), die von englischen und französischen Vorbildern wie der englischen literarischen Zeitschrift Tatler inspiriert wurde und als Übergang vom älteren zum jüngeren Neuschwedisch gesehen wird.Litteraturhandboken: När? Var? Hur?-serien. Fünfte Auflage, Bokförlaget Forum, 1994, Kapitel: Svensk litteratur före 1900 von Daniel Andreae. Herausgeber war der schwedische Prosaschriftsteller Olof von Dalin (1708–1763). Eine Neuheit in Then Swänska Argus war unter anderem, dass man über gewöhnliche Personen lesen konnte, die in ihrer Umgangssprache über banale Probleme sprachen, gleichsam politische Satire in Märchenform.Göran Hägg: Den svenska litteraturhistorien. Wahlström & Widstrand, 1996, ISBN 91-46-17629-2, S. 132 f.
Ein Trinklied wie das des Dichters und Komponisten Carl Michael Bellman mit seinem latent schwarzen Humor und seinen komischen Figuren wird auch noch im 21. Jahrhundert gesungen. Gerade Bellman wurde nachgesagt, dass er großes Improvisationstalent besitze; bereits zu seinen Lebzeiten entstanden die Witze der Bellmanhistoria, die oft auf seiner angeblichen Respektlosigkeit gegenüber der Obrigkeit aufbauten. Die Witze der Bellmanhistoria haben sich seither allmählich verändert, sind aber fortwährend bei schwedischen Kindern zu hören. Während der Regierungszeit des schwedischen Königs Gustavs III. (reg. 1771–1792) wurden zahlreiche Komödien geschrieben. Carl Gustaf af Leopold (1756–1829) schrieb zudem Prosa-Causerien.
mini|hochkant|Comic-Serie Mannen som gör vad som faller honom in („Der Mann, der alles macht, was ihm in den Sinn kommt“) von Oskar Andersson
Juvenalerna, Blandaren und Albert Engström In den 1820er Jahren gründete eine Gruppe von Studenten der Universität Uppsala die Studentengesellschaft Juvenalerna, die verruchte und possenhafte Lieder sang. Daraus entwickelte sich später der Liederkreis Gluntarne (dt. etwa „Die jungen Männer“, 1847 bis 1850) des Dichters und Komponisten Gunnar Wennerberg (1817–1901). Einige Komiker Schwedens benutzten später die gleiche Art studentischen Humors.
Im Jahr 1863 begannen Studenten des Technologischen Instituts in Stockholm, die Humorzeitschrift Blandaren herauszugeben. Diese beinhaltete Witzzeichnungen und wurde unter anderem von der Zeitschrift Söndags-Nisse inspiriert.
1894 veröffentlichte der Autor Axel Wallengren (1865–1896) unter dem Pseudonym Falstaff, fakir das parodistisch-humoristische Buch En hvar sin egen professor. Im selben Jahr begann der Zeichner Albert Engström (1869–1940) mit der Publizierung seiner Figur Kolingen (dt. „Der Strolch“) in seiner Zeitschrift Strix.101 år med svensk humor, eine dreiteilige Artikelserie von Petter Karlsson, veröffentlicht in der Beilage Exxet des Expressen, Dezember 1995/Januar 1996 (schwedisch). Drei Jahre später debütierte der Comiczeichner Oskar Andersson (1877–1906) mit der absurden Serie Mannen som gör vad som faller honom in („Der Mann, der alles macht, was ihm in den Sinn kommt“, 1902–1906).
Grönköping, Karl Gerhard und die ersten Filmkomiker mini|hochkant|Karl Gerhard und Ernst Rolf, zwei schwedische Revuekönige (1930)
Den dauerhaftesten Einsatz am Anfang des 20. Jahrhunderts leistete der Autor und Zeitschriftenherausgeber Hasse Zetterström (1877–1946), bekannt als Hasse Z, indem er 1902 die nach wie vor bestehende Satire- und Humorzeitschrift Grönköpings Veckoblad gründete. Der Erfolg seines Werkes wurde jedoch von Karl Gerhard (1891–1964) übertroffen, der 1915 mit seiner ersten Revue debütierte und den Titel des Revuekönigs von Ernst Rolf (1891–1932) übernahm. Gerhard brachte 60 Revuen sowie rund 4000 humoristische und satirische Lieder (schwedisch kuplett) zustande, von denen die bekanntesten Jazzgossen (1922) und Den ökända hästen från Troja („Das berüchtigte Trojanische Pferd“, 1941) sind.
In den 1920er Jahren gaben zahlreiche Schauspieler ihr Debüt, deren Werke sich dank Film und Grammophon-Schallplatten verbreiten konnten. Die Schauspieler Thor Modéen (1898–1950) und Edvard Persson (1888–1957) erzielten rasch Erfolge nach ihren Debüts 1918 beziehungsweise 1919. Zu ihren Kennzeichen gehören ihre Körperfülle und ihre Repliken, wobei sie von Kritikern geschmäht aber vom Publikum verehrt wurden. Ebenso verehrt wurde der Komiker, Filmschauspieler und Revuedarsteller Fridolf Rhudin, dessen „Bauernkomik“ (schwed. bondkomik), eine vor allem in Dörfern beliebte Art schwedischen Humors, teilweise auf seinem speziellen Aussehen aufbaute. Der Schriftsteller, Revueautor und Gossenschreiber Kar de Mumma (1904–1997), eigentlich Erik Harald Zetterström und Sohn von Hasse Z, veröffentlichte 1922 seine ersten Causerien und führte seine feuilletonistische Arbeit bis zu seinem Tod 1997 fort.
Anfang der 1930er Jahre präsentierte der Emporkömmling Nils Poppe (1908–2000) seine Einflüsse verrückten Humors (crazy), der ursprünglich in den USA beheimatet war. Gleichzeitig übte sich der Revuekünstler, Komiker und Schauspieler Sten-Åke Cederhök (1913–1990) in seinen ersten Rollen. 1927 tauchte die Comicserie über den Faulpelz namens Kronblom auf, die von dem Torsåkerer Bürger Elov Persson (1894–1970) gezeichnet wurden. Dem folgte 1932 eine Serie des Künstlers und Zeichners Rudolf Petersson (1896–1970) über den ewigen wehrpflichtigen 91:an Karlsson. Beide Zeichenserien wurden bis in die Gegenwart herausgegeben und auch verfilmt.
Povel Ramel und Svenska ord mini|hochkant|Brita Borg und Povel Ramel (1958)
Inspiriert von Karl Gerhard und dem US-amerikanischen Crazy-Humor begann der Musiker, Sänger und Komiker Povel Ramel (1922–2007) seine langjährige Laufbahn 1945 mit privaten Nummern wie dem Johanssons boogie-woogie-vals und Köp inte en zebra (Kauf kein Zebra). Mit Knäppupp gründete er bald eine Revuegesellschaft, in der zu den schillerndsten Mitgliedern Martin Ljung (1917–2010), Brita Borg (1926–2010), Gunwer Bergkvist (* 1932), Oscar Rundqvist (1913–1971), Wencke Myhre (* 1947) sowie Hans Alfredson (1931–2017) und Tage Danielsson (1928–1985) zählten. Charakteristisch für Ramel, der überwiegend als Autor arbeitete, war die ausgewogene Wortwahl und Verspieltheit. 1982 stiftete er das Karamelodiktstipendiet, ein Stipendium, das jährlich für innovative Sprachkünstler oder Musikwerke vergeben wird.
Alfredson und Danielsson wurden schnell für ihre Eigenproduktionen unter dem Namen Svenska ord (Schwedische Worte) bekannt, die meist als Hasse och Tage (Hasse und Tage) benannt wurden. Zu ihrer Revuegruppe gehörten Gösta Ekman der Jüngere (1939–2017), Monica Zetterlund (1937–2005), Lars Ekborg (1926–1969) und Lissi Alandh (1930–2008). Zu ihren großen Werken werden das SR-Radioprogramm Mosebacke Monarki, die Figuren mit dem Nachnamen Lindeman sowie die Filmkomödie Att angöra en brygga von 1965 gerechnet, die in Deutschland als Der Wind hat uns ein Ding gedreht oder Wenig Wind und viel Promille bekannt ist. Ihr Humor fiel zumeist gesellschaftskritisch aus und beinhaltete zuweilen unter den Gürtel gehende Herrenwitze (fräckis). Hasse och Tage gelang mit einem Sketch in der Revue Hålligång von 1963, die Gewohnheiten der staatlichen schwedischen Telefongesellschaft Televerket in Bezug auf Telefonzuschaltungen zu ändern: einer der seltenen Fälle, in denen Satire zu echten Konsequenzen führte.
Einen der berühmtesten Sketche der 1960er Jahre ist Skattkammarön („Die Schatzinsel“), bisweilen fälschlicherweise Fia med knuff („Fia mit Puff“) genannt. In ihm geraten Margareta Krook (1925–2001), Åke Grönberg, Lars Ekborg und Gunwer Bergqvist in Streit, während sie das Gesellschaftsspiel Ludo (schwed. Fia) spielen. Der Sketch wurde von Bengt Linder geschrieben, der auch Radioprogramme wie Räkna med bråk (Bruchrechnen bzw. doppeldeutig "Rechne mit Ärger") mit Carl-Gustaf Lindstedt und Arne Källerud, Fernsehsketche und für das Theater (darunter die Ante-Monologe für Stig Grybe) schrieb. In: Alexandra Forslund: Rösta: Tidernas svenska tv-topp (15. Platz). In: Expressen. 28. März 2004, abgerufen am 20. Januar 2012 (schwedisch).