Tumaco, oder vollständig San Andrés de Tumaco, ist eine kolumbianische Hafenstadt und Gemeinde (municipio) im Departamento Nariño.

Geografie Tumaco liegt in der Provinz Tumaco-Barbacoas, eines der 64 Gebiete im Departement Nariño am Pazifik auf der Höhe zwischen und . Sie liegt am südwestlichen Ende der pazifischen Küstenebene Kolumbiens, nahe der Grenze zu Ecuador, 304 Kilometer von der Hauptstadt des Departements San Juan de Pasto entfernt. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 26,2° C und die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei 2843 mm/Jahr. Die relative Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 80 und 95 %. Da das Land überwiegend flach ist, ist der Grundwasserspiegel in einem großen Teil des Gebiets hoch und die Böden fast immer gesättigt. Die Gesamtfläche der Gemeinde Tumaco beträgt 3778 Quadratkilometer und ist damit die zweitgrößte Gemeinde des Landes (11,4 % der Gesamtfläche des Departements Nariño), wovon 3740 Quadratkilometer auf das ländliche Gebiet und etwa 38 Kilometer auf das Stadtgebiet entfallen. Das Stadtgebiet besteht aus drei Inseln: El Morro, La Viciosa und Tumaco, die in fünf Gemeinden und 82 Stadtteile unterteilt sind. Das ländliche Gebiet ist in fünf Zonen unterteilt: die Zona de carretera, die Hochgebirgszone, die Zone des Río Mira Mataje, die Flusszone der Ensenada de Tumaco und die Küstenzone, zu der dreizehn Corregimientos (nicht kollektive Gebiete), fünfzehn Consejos Comunitarios und sechzehn indigene Reservate gehören. Insgesamt gibt es 365 ländliche Bevölkerungszentren. Die Gemeinde grenzt im Norden an Francisco Pizarro und Mosquera, im Süden an die Provinz Esmeraldas in Ecuador, im Osten an Barbacoas und Roberto Payán und im Westen an den Pazifik.

Bevölkerung Im Jahre 2023 hatte San Andrés de Tumaco 265.599 Einwohner: 135.117 Frauen (50,9 %) und 130.482 Männer (49,1 %). San Andrés de Tumaco ist die zweitbevölkerungsreichste Gemeinde im Departement Nariño und stellt 15,6 % der Gesamtbevölkerung des Departements. Im Jahr 2023 hatte San Andrés de Tumaco 60.709 Kinder unter 12 Jahren: 29.958 Mädchen (49,2 %) und 30.921 Jungen (50,8 %), sie machten 22,9 % der Gesamtbevölkerung aus. 11,0 % (29.267, davon 14.858, 50,8 %, männlich) der Gesamtbevölkerung von San Andrés de Tumaco sind jugendliche Personen zwischen 12 und 17 Jahre. 56,4 % (149.797) leben in der Gemeindehauptstadt und 43,6 % (115.801) im ländlichen Raum. Die Bevölkerungsdichte beträgt 70,3 Einwohner/km². Die Bevölkerungswachstumsrate beträgt 2,15 pro Jahr. Die ethnische Zusammensetzung der Gemeinde verteilt sich wie folgt: Afro-Nachkommen 95 %, Indigene 3 % und Mestizen 2 %.

Geschichte Gründung Über die Gründung von Tumaco gibt es mehrere Versionen. Eine Version besagt, dass die Spanier den Ort 1610 unter dem Namen San Andrés de Tumaco über der bereits bestehenden indigenen Siedlung gründeten, als Pater Onofre Esteban 1598 seine Missionsarbeit an der Pazifikküste vorantrieb, die 1613 ihren Höhepunkt erreichte. José María Garrido, Anthropologe und katholischer Priester, schätzt, dass die Gründung von Tumaco am 30. November 1640 durch Francisco Ruggi erfolgte; dieses Datum gilt als offizielles Datum und wird zu Gedenkzwecken geehrt. Der erste Bürgermeister von Tumaco war Don Juan de Molinas. 1861 wurde Tumaco von Präsident Tomás Cipriano de Mosquera zur Stadt ernannt. Der Colón-Park wurde 1903 unter Verwendung von Zement, Piangua-Muscheln und Austernschalen unter dem Kommando von Oberst Pío Quiñones errichtet, zwei Jahre später (1905) entstand der Der Nariño-Park unter der Leitung von Donaldo Velazco, im gleichen Jahr wurde das Departement Tumaco gegründet, das nur bis 1908 bestand.

Erdbeben und Tsunami vom 31. Januar 1906 – Das „Wunder von Tumaco“ Am 31. Januar 1906, um 10:00 Uhr, wurde Tumaco von einem „verheerenden Zitter“ erschüttert. Das Meerwasser zog sich einen Kilometer vom Strand zurück, ein unbestreitbares Zeichen für die Bewohner, dass eine riesige Flutwelle kommen würde. Die panische Bevölkerung floh in die Kirchen und fand nach dem Erdbeben die Bilder der Heiligen auf dem Boden liegen. Die Gläubigen unternahmen daraufhin mit den Heiligenbildern eine Prozession zum Meer. Am Ufer angekommen sahen die Menschen „eine furchterregende Wasserwand von der Größe des Felsens von El Morro“, die mit hoher Geschwindigkeit vorrückte. Der Priester Gerardo Larrondo zog mit der Monstranz ein großes Zeichen des Kreuzes, worauf sich „die Wasserwelle auf bedeutungsvolle Weise abrupt beruhigte und das Wasser nur die Höhe der Taille der Mönche benässte und ohne das Heiligenbild zu berühren“. Daraufhin begannen sich die Wellen allmählich zurückzuziehen. Der Ruf des Paters Larrondo: „Ein Wunder!“ erfüllte die Atmosphäre mit Überraschung und Glauben und hinterließ einen tiefen Stempel auf die Erinnerung an diejenigen, die das Glück hatten, Zeugen eines solchen übernatürlichen Ereignisses zu sein. Von diesem Tag an begannen sich die Menschen jedes Jahr zu versammeln, um dem „göttlichen Wunder“ zu danken.

Jahre von 1940 bis 1970 Der Flughafen La Florida wurde 1940 gebaut. 1948 erfolgte die Gründung der Hafengesellschaft (Sociedad Portuaria). Die 304 Meter lange Morro-Brücke wurde 1951 unter der Leitung des Ingenieurs Samuel Muñoz und während der Amtszeit von Präsident General Gustavo Rojas Pinilla gebaut. Die Transandino-Pipeline mit einer Länge von 305 km transportiert Öl von Orito im Departement Putumayo zum Pazifikhafen von Tumaco, sie wurde von 1966 bis 1969 mit Durchmessern von 10 Zoll (250 mm) bis 18 Zoll (460 mm) gebaut. Die Pipeline hat eine Kapazität von 190.000 Barrel (30.000 m³) pro Tag und wird von Ecopetrol betrieben. Seit 1970 gibt es den Rundfunksender Radio Mira mit einer Leistung von 1190 kW, er wurde von Miguel Ángel Lecunberri unter der Leitung von Pater Feliz Ezcota gegründet.

Die Tumaqueña María Stella Márquez de Araneta (als Márquez Zawadski am 17. Juni 1937 geboren), wuchs in New York City auf und zog zurück nach Tumaco, wo sie 1958 den Titel der Miss Kolumbien errang und 1960 zur ersten Miss International gekrönt wurde.

Erdbeben und Tsunami vom 12. Dezember 1979 – Papstbesuch Am 12. Dezember 1979, um 2:59 Uhr, wurde die Stadt vom bisher schwersten Erdbeben Kolumbiens im 20. Jahrhundert heimgesucht. Das Naturphänomen verursachte einen Tsunami, der die Küsten der Departements Nario und Cauca betraf, insbesondere die Sektoren zwischen Guapi und San Juan de la Costa. Drei Wellen, die drei Meter hoch waren, zogen Menschen, Nutzpflanzen, Tieren mit sich und zerstörten 3.000 Häuser, die aus Holz gebaut waren, weitere 2.000 Häuser wurden beschädigt. Berichten von Hilfsorganisationen zufolge verloren 454 Menschen ihr Leben und mehr als 1.000 wurden verletzt. Die Katastrophe nahm als Erdbeben von Tumaco 1979 seinen Platz in der Geschichte ein.Sismo del 12 de Diciembre de 1979 en el Pacífico Colombiano gc.gov.co. Abruf am 8. Mai 2020 (es) Am Freitag, dem 4. Juli 1986, besuchte Papst Johannes Paul II. Tumaco anlässlich der Tragödie, die sich sieben Monate vorher im Dezember 1979 ereignete. Zu seinen Ehren wurde das Polideportivo San Judas errichtet.

El Tumacazo Die Stadt war immer wieder vom bewaffneten Konflikt in Kolumbien betroffen. Einer der letzten größeren lokalen Aufstände war 1988. Von Juni bis August 1988 gab es permanente Stromausfälle, nach 22 Tage ohne Strom und ohne Wasser forderte die Bevölkerung angesichts der Sprachlosigkeit auf Anfragen nach Serviceverbesserungen, verschärft durch die sozioökonomischen Probleme, Korruption, Straflosigkeit, Gewalt, Entführungen, Erpressung, staatliche Veruntreuung und Arbeitslosigkeit, die politische Unabhängigkeit von Kolumbien. Einer Versammlung vom 13. September 1988 entsprang der Trennungsgedanke, die notleidende Gemeinde rief: „Tumaco ist auch Kolumbien, Tumaco frei, unabhängiges Tumaco!“ und setzte ein Ultimatum zum 16. September, 14:00 Uhr. Bis zum Abend dieses Tages hatte sich eine Vielzahl von Demonstranten, insbesondere schwarzen Nachkommen von Afrikanern, vor dem Gelände von „Cancha San Judas Carnavales del Fuego“ versammelt. Als die Lage eskalierte, setzte die Armee Tränengas und Schusswaffen ein, in deren Folge Alex Quizez, einer der Rädelsführer, schwer verletzt wurde. „Es war der letzte Auslöser, der in kollektiver Hysterie explodierte ... der wütende Mob griff alles an“. Bis zum Rückzug der Sicherheitskräfte in die Kasernen wurden 53 Verletzten und 100 Festgenommene gezählt. Die Lage hatte sich erst 1993 unter der Präsidentschaft von César Gaviria mit dem Ausbau der Stromversorgung, des Fischereihafen von Tumaco und der Straße nach Pasto verbessert.

Am 26. August 2009 ermordeten Unbekannte zwölf Ureinwohner vom Volk der Awá, darunter vier Kinder.

Am 1. Februar 2012 explodierte vor einem Polizeirevier eine Motorradbombe, tötete sieben Menschen und verletzte mindestens 65. Polizeigeneral Rodolfo Palomino bezeichnete die FARC als Urheber des Anschlags.

Arco del Morro de Tumaco In den Morgenstunden des 12. November 2022 brach der „Morro-Bogen von Tumaco“ zusammen. Die Naturbrücke im Nordosten der historisch bedeutenden Insel Morro bildete mit Punta Cascajal in der Gemeinde Pizarro den Eingang zur Bucht von Tumaco. Er war ein heraldisches Wahrzeichen der Stadt und diente zur Inspiration für Dichter und Sänger.

Wirtschaft Die wichtigsten Wirtschaftszweige von Tumaco sind Landwirtschaft (insbesondere Ölpalme, Kakao und Kokosnüsse), Fischerei, Holzwirtschaft und Tourismus. Tumaco hat zudem den wichtigsten pazifischen Erdölhafen Kolumbiens, von dem vor allem ecuadorianisches Erdöl exportiert wird.

Fischereiwirtschaft Die Fischereiproduktion im Departement Nariño findet hauptsächlich in der Gemeinde Tumaco statt, die eine Nutzung von natürlichen Ressourcen durch ein großes fischbares Potenzial in den ozeanischen Gewässern keine hochentwickelte Verfahren erforderlich macht. Sie liefert nicht nur Nahrung, sondern ist auch eine Einkommensquelle für viele Menschen. Im Einflussbereich des Hafens von Tumaco wird der jährliche Fang von mehr als 5.000 Tonnen Thunfische, Marlin, Billfish, Pargo, Seehechte und anderen Arten gemeldet. Tumaco ist eine der Gemeinden mit der größten Garnelenproduktion im Departement Nariño, 2019 wurden in fünfzehn Garnelenfarmen auf 471,5 Hektar Aquakulturen eine Produktion von 860 Tonnen Garnelen pro Jahr gemeldet. Das Unternehmen Ecomar für die Vermarktung von 95 % der in Tumaco produzierten Garnelen zuständig. Die Garnelen werden nahezu ausschließlich an andere Städte des Landes, wie z. B. Bogotá, verkauft, es gibt keinen Export. Seit Mitte der 1990er Jahre wurde die Garnelenzucht in Tumaco von verschiedenen Krankheiten heimgesucht, unter anderem vom Taurasyndrom und dem Weißfleckensyndrom-Virus. Das hatte zu drastischen Produktionseinbrüchen geführt, die mit billigeren und qualitativ besseren Betriebsmitteln ecuadorianischen Ursprungs wieder gesteigert werden konnten. Im Durchschnitt kostet ein Kilo Garnelen, die in der Verarbeitungsanlage in Tumaco mit einem Aufwand in Höhe von 1,31 US-$/kg verarbeitet werden, auf dem Markt in Ecuador 4,53 US-$/kg und in den Supermärkten von Bogotá 50,00 US-$/kg.

Tourismus