Der Krieg am Ende der Welt () ist der Titel eines 1981bei Plaza & Janes, Barcelona publizierten historischen Romans des peruanischen Literatur-Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa. Erzählt wird die Geschichte des charismatischen Wanderpredigers Antônio Vicente Mendes Maciel, der Ende des 19. Jhs. in der Region Bahia eine christliche Kommune der Ärmsten gründet und sich damit in Opposition zu den Autoritäten des Staates stellt, die ihn im Krieg von Canudos bekämpfen und seine Siedlung zerstören. Die deutsche Übersetzung von Anneliese Botond erschien 1982.im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main

Inhalt Überblick Der Protagonist von Vargas Llosas Roman ist eine historische Figur: Antônio Vicente Mendes Maciel, der wegen seiner apokalyptischen Prophezeiungen „Conselheiro“ (Ratgeber) genannt wird, zieht in den 1870er Jahren als christlicher Wanderprediger durch die Sertões in Brasilien. Seine Predigten sprechen v. a. die arme Bevölkerung der Region an und er findet zahlreiche Anhänger, die sich 1893 in Canudos im Hinterland von Bahia sammeln und eine sektenartige Gemeinschaft bilden.

Nach dem Sturz des Kaisers Pedro II. 1889 ist in Brasilien eine republikanische Staatsform installiert worden. Deren Reformen wie der Trennung von Staat und Kirche, der Einführung der zivilen Eheschließung, der Errichtung staatlicher Friedhöfe, einer Volkszählung, der Einführung des Dezimalsystems und neuer Steuergesetze werden von konservativen Gruppen, wie den Anhänger der Monarchie, kritisiert und verstärken auch den Zulauf zu Antônio Conselheiros religiöser Bewegung, die viele Gesetze der Regierung ablehnt und nicht befolgt. mini|Schlacht in Canudos zwischen den Regierungstruppen und den Anhängern von Antônio Conselheiro (Don Quijote, Nr. 82, 1897) Unter den Canudenses sind viele arme Bauern, Indianer und kürzlich freigelassene Sklaven, die sich eine egalitäre Gemeinschaft unter dem Schutz Gottes versprechen. Die Gemeinschaft, die auf dem alleinigen absoluten Kommando des Conselheiro basiert und die weltliche Autorität der Republik ablehnt, wird von der Regierung als Gefahr angesehen und dies führt zu vier Strafexpeditionen, für die mehr als zehntausend Soldaten aus 17 brasilianischen Bundesstaaten mobilisiert werden, um die reaktionäre theokratische Herrschaft zu beenden. Der Canudos-Krieg dauert fast ein Jahr und fordert ca. 25.000 Menschenleben.

Den letzten Feldzug, der mit der totalen Zerstörung der Kommune endet, beschreibt der die Strafexpedition begleitende Schriftsteller Euclides da Cunha in seinem 1902 erschienenen Buch Os Sertões.Os Sertões, deutsch Krieg im Sertao, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994, Neuauflage 2013. Vargas Llosas orientiert sich weitgehend an Cunhas Schilderungen, fügt jedoch eine große Zahl fiktiver Personen hinzu.

Antônio Conselheiro Vargas Llosa beschreibt den religiösen asketische Fanatiker Antônio, der wegen seiner apokalyptischen Prophezeiungen von seinen Anhängern „der Ratgeber“ oder „der Heilige“ genannt wird, als hochgewachsene, magere Erscheinung mit brennendem Blick. Er trägt ein violettes Gewand und Sandalen. Auf seinen Wanderungen während der 1870er und 1880er Jahre predigt er seine Botschaft und versammelt um sich eine Schar von Anhängern. 1893 besetzt er mit seinen Aposteln die wegen der Dürre verlassene Fazenda des Barons de Canabrava in dem Dorf Canudos am Fluss Vaza Barris und lässt einen Tempel als Zentrum der neuen Siedlung bauen. (Teil I, Kap. 4) mini|Canudos um 1895 Antônio verbindet seine Botschaft mit dem monarchistisch-messianischen Sebastianiten Er und seine Anhänger warten auf die Erscheinung des Königs. Dom Sebastião soll vom Meeresgrund wiederauferstehen und an der Seite der Gerechten in „Belo Monte“, wie sie jetzt Canudos nennen, als Reaktion auf die Trennung von Staat und Religion durch die republikanische Regierung (I, 1) für den Gottesstaat kämpfen. Wer in die Gemeinschaft aufgenommen werden will, muss sich zuvor gegen die Republik, von der man eine Wiedereinführung der Sklaverei befürchtet, sowie für die Einheit von Kirche und Staat aussprechen.

Vornehmlich die Ärmsten der Armen strömen aus allen Himmelsrichtungen zur Fazenda, die sich zu einer bunten christlichen Gemeinde entwickelt, und lassen sich von Antônio bekehren. Aber auch ein zuvor eigenständig wirtschaftender Kaufmann, Antônio Vilanova, fällt vor Antônio auf die Knie und schließt sich dem Prediger an. Antônio Beatinho, der Sohn eines Schusters, folgt ihm seit seinem vierzehnten Lebensjahr und wird in Canudo sein enger Vertrauter und Sekretär. In Monte Santoport. Monte Santo begegnet Antônio der 20-jährigen Maria Quadrado, die das Volk für eine Heilige hält, seit sie, ein schweres Holzkreuz schleppend, in die Stadt gekommen ist, wo sie in einer Grotte lebt. Der Prediger führt mit ihr geistliche Gespräche und sie folgt ihm auf seinen Wanderungen. Der Ratgeber rettet Felício, einem Mann mit deformiertem Körper, der lesen und schreiben kann und deshalb „Der Löwe von Natuba“ oder „der Schriftgelehrte“ genannt wird, das Leben und wählt ihn für die Gruppe der Apostel aus.

Fast alle Mitglieder der Kerngruppe haben eine sündige bzw. kriminelle Vergangenheit: Die Hellseherin Alexandrinha Corrêa lebte mit dem Pfarrer von Cumbe, Pater Joaquim, zusammen und ließ ihre drei gemeinsamen Kinder zurück. Die Priesterin Maria Quadrado erstickte als junge Frau ihr Neugeborenes. Der „Neger“ João Grande brachte als Sklave seine Herrin mit haarsträubender Brutalität um und war anschließend Bandit. In Canudos wird er Chef der „Katholischen Wachmannschaft“, der Leibgarde des Ratgebers. Der 30-jährige João Abade,Johann der Abt (Scheerer, S. 115, 7. Z.v.u.); alias João Satanás, war ein brutaler Räuber, der von dem Oberst Geraldo Macedo bis zum Ende des Krieges in der zerstörten Stadt vergeblich gesucht wird. Ein anderer Kämpfer der Canudenses ist der nasenlose Pajeú, ebenfalls ein Bandit, der die Farm des Barons von Canabrava abbrennt.

Die Anhänger des Propheten nennen sich „Katholiken“ und ihre republikanischen Gegner „Protestanten“. Von der Presse werden sie abwertend als Desperados, Conselheiros, Cangaceiros, Jagunços d. h. Diebe, Räuber, Rebellen, Milizionäre, bezeichnet.

Strafexpeditionen Die Republikaner sehen in der Kommune und ihren Aktionen im Umland eine Gefahr für die junge Demokratie und bekämpfen die als reaktionär Fanatiker bezeichneten Rebellen in verschiedenen Polizei- und Militär-Expeditionen: mini|Das Infanterie-Bataillon 1897 Zuerst gehen 30 Bahianer Polizisten gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Rebellen vor, werden von ihnen vertrieben. Anschließend, 1896, besiegen die Canudenses eine von Pires Ferreira geführte Kompanie Infanterie. Darauf nimmt man die Gegner ernster und Viana, der Gouverneur von Bahia, schickt 1897 eine mit Maschinengewehren und Kanonen ausgerüstete Truppe unter Major Febrônio de Brito (I, 6 und 7) nach Canudos. Die Soldaten werden von João Abades Cangaceiros mit großer Menschenverachtung zurückgeschlagen und zur Flucht gezwungen (II, 2). Eine der Taktiken der Jagunços ist es, die benachbarten Farmen auszurauben, die Kühe und Ziegen zur Versorgung nach Canudos zu treiben und die Nachschubtransporte der Truppen zu überfallen und für sich zu nutzen: „Es war eine Verrücktheit dieses Krieges, dass das Heer die eigenen Truppen und den Gegner ernährte“ (IV, 3).

Vom 3. Teil des Romans an steht die dritte Militär-Expedition, die von dem „kurzsichtigen Journalisten“ (Miope) begleitet wird, im Zentrum. Der Journalist kehrt nach Ende des vierten Kriegszugs und der Zerstörung der Kommune als einer der wenigen Überlebenden nach Salvador zurück und berichtet von seinen Ereignissen (IV). Den dritten Anlauf unternimmt das 1200 Mann starke Infanterieregiment unter Antônio Moreira César,port. Antônio Moreira César einem kleinen, fast rachitischen, aber sehr agilen Oberst, der in Calumbí wegen eines epileptischen Anfalls den Vormarsch unterbrechen muss. 1897 rückt die Truppe gegen Canudos vor. (III, 1) Um die potentiellen Unterstützer des Predigers abzuschrecken, lässt César bei seinem Vormarsch in die Caatinga Bewohnern, die trotz Aufforderung nicht ihre Waffen abliefern, als Verräter der Republik die Kehle durchschneiden. Im Februar greifen die Infanteristen die Stadt an, doch die Canudenses wehren sich. Als die Attacke in den Gassen von Canudos stockt, will der Oberst seine Soldaten ermuntern, verlässt den schützenden Befehlsstand und wird erschossen. Das ist der Wendepunkt des Gefechtes und die Soldaten flüchten und lassen ihre Waffen zurück. Die Sieger spießen Césars Kopf auf einen Ast und überlassen, wie zuvor, die Leichen der Feinde den Geiern, während Pater Joaquim die toten Canudenses beerdigt.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit stellt die Bundesregierung eine noch stärkere Truppe zusammen. Unter der Führung von General Arthur Oscar de Andrade Guimarãeseng. Arthur Oscar de Andrade Guimarães kesseln sie im Sommer 1897 die Aufständischen ein, zerstören ihre Häuser und töten die meisten Bewohner. Nur wenigen gelingt die Flucht, einer davon ist der Journalist.

Gonçalvez und Baron von Canabrava mini| Karikatur, die den Prediger mit seinem Narren-Gefolge zeigt, der die Republik am Weitergehen hindert.Revista Illustrada, ca. 1896. Bildunterschrift: „[Er wagt] es sogar, der Republik zu sagen: 'Haltet durch! Du sollst nicht vorübergehen...'“ Epaminondas Gonçalvez, Direktor der Zeitung „Jornal de Notícias“ und eine führende Persönlichkeit der Progressiven Republikanischen Partei in der Region, bekämpft die Anhänger der Monarchie von Bahia mit allen Mitteln. Monarchisten nennen ihn einen Jakobiner. Sein Gegner ist der Baron de Canabrava, der Gründer und Führer der regionalen monarchistischen Partei, , die das Parlament im Bundesstaat Bahia beherrscht. Um ihn unter Druck zu setzen, bedient sich Gonçalvez eines schottischen Revolutionärs:

Der unter dem Namen Galileo Gall in Brasilien untergetauchte und umherstreifende Phrenologe sieht in Canudos seine Ideale verwirklicht, für die er sein ganzes Leben lang gekämpft hat, und ist bereit, die Aufständischen zu unterstützen. Gonçalvez, verleitet ihn zu einem Waffentransport nach Canudos. Nach seinem Plan wird der Schotte auf dem Weg ermordet und die Waffen werden entdeckt. Somit soll der Anschein erweckt werden, die britische Krone habe die brasilianischen Royalisten mit Schusswaffen unterstützt. Damit möchte Gonçalvez den nationalistischen Volkszorn gegen die Engländer anfachen und die Monarchisten der Kollaboration anklagen. Er vermittelt Gall als ortskundigen Begleiter den Spurenleser Rufino. Dieser hat früher, wie auch seine Frau Jurema, auf der Fazenda des Barons de Canabrava gearbeitet und könnte den Baron in die Geheimaktion hineinziehen. Doch der Plan misslingt zuerst (III, 2). In Rufinos Haus kann sich Gall gegen die auftauchenden Mörder wehren und Jurema hilft ihm dabei, obwohl er sie, nach seiner zehnjährige sexuellen Abstinenz und Fokussierung auf anarchistische Ziele, zuvor vergewaltigt hat. Anschließend flieht sie mit ihm aus Furcht vor Rufinos Rache und begleitet ihn nach Canudo. Auf seinem Weg dorthin hilft ihm sogar Baron de Canabrava, indem er ihm nach der Aufnahme in seiner Farm einen Führer zur Verfügung stellt. Eigentlich hätte der Baron den Schotten als Beweis festsetzen müssen, denn nach dem Scheitern der Expedition de Britos und Galls Tod beschuldigen die Republikaner im Parlament Canabrava des Verrats (I, 2). Später erklärt der Baron den Grund für seine zunächst unverständliche Entscheidung: Er suchte einen Kompromiss mit den Republikanern.

Nach Galls und Juremas Flucht verfolgt sie Rufino. Er findet die beiden kurz vor Canudos zusammen mit einem versprengten Zirkus-Zwerg und sie geraten in die Gefechte der Expedition des Majors de Brito (I, 2). Die Situation eskaliert: Im tödlichen Messer-Zweikampf zerfleischen sich Rufino und Gall. Soldaten vergewaltigen Jurema und werden von Jagunços bestialisch umgebracht. Pajeú begleitet Jurema und den Zwerg nach Canudos.