mini|Gabrowo – Bulgarien – Nachbarorte: Trojan, Karlowo, Panagjurischte, Tschirpan, Stara Sagora, Kasanlak, Weliko Tarnowo, Gorna Orjachowiza, Bjala, Lewski, Plewen, Dolni Dabnik, Lowetsch

Gabrowo [] () ist eine Stadt in Bulgarien mit Einwohnern (Stand ) , im Tal der Jantra und ihrer Zuflüsse, Industrie- und Kulturzentrum des Landes mit Universität, Freilichtmuseum Etar sowie Festival des Humors und der Satire. Sie ist Verwaltungssitz der Oblast Gabrowo.

Geografie Lage Die Stadt liegt am Nordhang des Balkan-Gebirges am Fluss Jantra und fast in der geografischen Mitte des Landes auf einer Höhe von 390 Metern über dem Meeresspiegel. Die Entfernungen betragen im Südwesten zur Hauptstadt Sofia 220 Kilometer und nach Plowdiw 150 Kilometer, im Nordosten nach Warna 274 Kilometer und nach Weliko Tarnowo 46 Kilometer, im Süden nach Kasanlak 48 Kilometer und im Nordwesten nach Sewliewo 28 Kilometer.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Gabrowo ist in folgende 19 Stadtteile unterteilt: Zentrum Schiwarow Most Palausowo Freilichtmuseum Etar Nowo machala Jabalka Tscharkowo Djado Djanko Chadschizonew most Borowo Sirmani Mladost Rusewzi Trendafil 1 Trendafil 2 Lakata Garata Koleloto Wojnowo

Geschichte Die Legende besagt, dass die Stadt vom Schmied Ratscho Kowatscha gegründet wurde. Gesicherte Beweise dafür gibt es nicht. Die Stadt entstand im 12. Jahrhundert aus einer Siedlung mit Festung. Die Festung war im Zweiten Bulgarenreich von Bedeutung. Sie schützte die Straße die von Süden aus Thrakien kommend über die Pässe des Balkangebirges zur bulgarischen Hauptstadt Tarnowo führte.

Die Stadt wurde um 1390 von den osmanischen Türken erobert. Im osmanischen Reich wurde die Bevölkerung weiter als Bewacher der Pässe im Balkangebirge eingesetzt (Derwendschi). Dafür war sie von einigen Steuern befreit (Blutzoll, Zehnt), hatte das Recht Waffen zu tragen und genoss eine gewisse Religionsfreiheit. Im Jahre 1479 wurde die Stadt unter dem Namen Gabrova erstmals erwähnt. Hier lebten zu diesem Zeitpunkt 96 Familien. Bis 1545 stieg die Anzahl der hier lebenden Familien um 500.

Im 17. Jahrhundert ist Gabrowo bereits als Zentrum des Handwerks bekannt und hatte ca. 3000 Einwohner. Im späten 18. Jahrhundert wurden hier 26 Handwerke praktiziert, darunter waren Schmiede, Messerhersteller, Drechsler, Kürschner, Töpfer, Seidenraupenzüchter. Jedes Handwerk war in einer Zunft (Efnafi) vereinigt.

Die Kaufleute von Gabrowo hatten ihre Kontore von Odessa bis Wien. Dank ihres Reichtums wurde 1835 hier mit der Gründung der Gesamtgrundschule Gabrowo die erste weltliche neubulgarische Schule durch den Pädagogen und Schulreformer Neofit Rilski gegründet. Finanziert und ins Leben gerufen wurde sie von Kaufleuten wie Wasil Aprilow (1789–1847), dessen Namen sie bis heute trägt. Die Schule war Vorbild für weitere Bildungsstätten, die in den Städten und Dörfern Bulgariens entstanden sind. 1872 wurde die Schule zur Klassenschule (Gymnasium) ausgebaut. Seit 1889 trägt sie den Namen Aprilow-Gymnasium.Website des Aprilow-Gymnasiums (bulg.)

1860 bekam Gabrowo die Stadtrechte verliehen. In den 1870er-Jahren besuchte der österreichische Gelehrte Felix Kanitz die Stadt und berichtete Gabrowo sei eine einzige große Werkstatt gewesen. 1882 gründete hier der Kaufmann Iwan Kalpasanow die erste Textilfabrik Bulgariens. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Textilzentrum und erhielt deshalb den Beinamen „Bulgarisches Manchester“.

Der am 1. April 1976 entdeckte Asteroid des äußeren Hauptgürtels (2206) Gabrova wurde nach der Stadt benannt.

Die Stadt hatte 2007 noch 67.012 EinwohnernStand 31. Dezember 2007 und ist Namensgeber für den Gabrovo Knoll, einen Berg auf der Livingston-Insel in der Antarktis.

Politik Städtepartnerschaften Gabrowo listet folgende dreizehn Partnerstädte auf: StadtLandseitAalst2010Kumanovo2009Mahiljou1967Mittweida2000Mytischtschi2002Nowy Sącz2005Panevėžys2004Petach Tikwa2016Prešov2004Şəki2004Sisak2004Thun1998Tschernihiw2007

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft

Die Stadt ist ein großes Industriezentrum des Landes mit Textil-, Leder-, elektronischer und chemischer Industrie sowie Maschinenbau.

In der Stadt wurden 2009 und 2010 zwei große Shopping Malls eröffnet.

Verkehr Gabrowo ist Endstation der Bahnlinie Zarewa liwada–Gabrowo, einer Nebenstrecke der Hauptstrecke Russe–Gorna Orjachowiza–Stara Sagora–Podkowa. Die Republikstraße 1. Ordnung, die I-5 von Russe nach Orliua, durchquert die Stadt und bietet damit Anschluss an das überregionale Straßennetz. Zur Entlastung des innerstädtischen Verkehrs wurde Anfang der 2010er Jahre die 12,5 Kilometer lange Ortsumgehung III-5004 gebaut.

Bildung

Die Stadt ist Sitz der Technischen Universität Gabrowo (Технически университет Габрово).

Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater mini|Das Freilichtmuseum Etar

Gabrowo besitzt drei Theater – das Dramatische Theater „Ratscho Stojanow“, ein Puppentheater und ein Experimentaltheater für Satire und Varieté.

Museen

In der Stadtmitte befinden sich das Historische Museumhttps://www.h-museum-gabrovo.bg/, das Postmuseum und das Nationale Bildungsmuseum. Die Kunstgalerie „Christo Zokew“ beherbergt zahlreiche in- und ausländische Werke.

Das Haus des Humors und der Satire in der Brijanska-Str. 64 stellt auf einer Fläche von 800 m2 verschiedene Formen des Humors von Künstlern aus 153 Ländern aus.

Acht Kilometer südlich der Stadt befindet sich das Ethnografische Freilichtmuseum Etar, ein Komplex historisch wertvoller alter Häuser, die man 1963 aus der Umgebung Gabrowos hierherversetzte, mit kopfsteingepflasterter Straße und über 20 Werkstätten, in denen Handwerksmeister wie im 19. Jahrhundert arbeiten. In der Nähe befindet sich auch das Freilichtmuseum Boschenzi.

Bauwerke mini|Denkmal von Ratscho Kowatscha

Wichtige Bauwerke sind der Uhrturm von 1835, die Baiow-Brücke von 1855, die Marienkirche mit meisterhaft geschnitzter Ikonostase und das Aprilow-Gymnasium in der Stadtmitte.

Ein Denkmal mitten im Fluss Jantra erinnert an den legendären Gründer von Gabrowo, den Schmied Ratscho (Ratscho Kowatscha = Ratscho der Schmied).

Fünf Kilometer südlich des Freilichtmuseums Etar liegt das im Jahre 1832 erbaute Kloster Sokolski (Sokolski manastir), Schlupfwinkel bulgarischer Freiheitskämpfer, wie Wassil Lewski (1837–1873), Djado Nikola und Zanko Djustabanow.

Regelmäßige Veranstaltungen Internationale Biennale für Satire in der Kunst September Kulturtage Internationale Handwerksmesse

Sport Gabrowo ist Heimat des Volleyballklubs KWK Gabrowo.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt

Josif Sokolski (1786–1879), Gründer des Sokolski-Kloster Wasil Aprilow (1789–1847), Aufklärer Chariton Chalatschew (1835–1876), Freiheitskämpfer Zanko Djustabanow (1844–1876), Freiheitskämpfer Christo Zokew (1847–1883), Maler Lazar Pajakow (1860–1910), Finanzmann, Minister Christo Burmow (1869–1936), Offizier Ran Bosilek (1886–1958), Schriftsteller Anani Jawaschew (1932–2022), Schauspieler Christo Jawaschew (1935–2020), Künstler Iwan Wuzow (* 1939), Fußballspieler und -trainer Boschidar Petkow (1940–2015), Komponist Stanislaw Stanilow (* 1943), Archäologe und Politiker Mintscho Mintschew (* 1950), Musiker Plamen Timtschew (* 1951), Radrennfahrer Michail Petrow (1965–1993), Gewichtheber Zenka Dianowa (* 1971), Pianistin Tomislaw Dontschew (* 1973), Politiker, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Christijana Gutewa (* 1990), Fußballschiedsrichterin Ariana Atanasova (* 1992), Frauen-Bodybuilderin Nikolai Kazakow (* 20. Jh.), Architekturfotograf

Einzelnachweise

Weblinks

Informationen über Gabrowo (deutsch) Haus des Humors und der Satire

Kategorie:Ort in der Oblast Gabrowo Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Bulgarien Kategorie:Stadt als Namensgeber für einen Asteroiden