Die Division 1 1969/70 war die 32. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde zum vierten Mal in Folge die AS Saint-Étienne, die damit ihren sechsten Titel seit 1957 gewann.
Erster Spieltag war der 5. August 1969, letzter Spieltag der 23. Juni 1970. Eine „Winterpause“ gab es zwischen 22. Dezember und 24. Januar.
Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 16. Platz abgeschlossen hatten, dazu ein direkter Aufsteiger aus der zweiten Division sowie der Gewinner der Relegation, in der sich ebenfalls ein Zweitligist durchgesetzt hatte. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: zwei Klubs aus der nördlichen Grenzregion (US Valenciennes-Anzin, CS Sedan), einer aus der Île-de-France (Red Star FC), drei aus dem Nordosten (FC Sochaux, Racing Strasbourg, FC Metz), vier aus dem Nordwesten (FC Rouen, Stade Rennes UC, Aufsteiger SCO Angers, FC Nantes), zwei aus dem Südwesten (Girondins Bordeaux, Relegationssieger AS Angoulême), vier aus dem Südosten (Titelverteidiger AS Saint-Étienne, Olympique Lyon, Olympique Nîmes, Olympique Marseille), zwei aus Korsika (AC Ajaccio, SEC Bastia).
Saisonverlauf Mit Beginn dieser Saison trat eine wesentliche Neuregelung in Kraft: Spielerverträge wurden ab dem 1. Juli 1969 nicht mehr „auf (nahezu) Lebenszeit“, sondern nur noch befristet (contrat à temps, anfangs für mindestens vier Jahre) abgeschlossen.Guillet/Laforge, S. 169 Für diesen Erfolg hatte die Spielergewerkschaft UNFP bzw. deren frühe Protagonisten mehr als ein Jahrzehnt lang gekämpft.
Für Rethacker lässt „der Meisterschaftsverlauf sich an einem einzigen Spiel veranschaulichen“, nämlich dem Match zwischen Marseille und Saint-Étienne am 27. August 1969.Rethacker, S. 118 In einem überfüllten Stade Vélodrome mit Zuschauern, die bis an die Seitenlinie vorgerückt waren, lagen die Gäste zur Halbzeit mit 0:2 zurück, hatten das Spiel aber – gestärkt durch das Selbstbewusstsein, das auch aus einem 8:2 über Rennes in der Vorwoche erwachsen war – in der Schlussviertelstunde gedreht. Als der Schiedsrichter kurz vor dem Abpfiff einen Treffer Marseilles nicht anerkannte und ein Teil des Publikums auf den Rasen stürmte, brach der Referee die Begegnung ab; sie wurde vom Verband FFF anschließend mit dem Ergebnis zu diesem Zeitpunkt (2:3) gewertet,Beaudet, S. 100 und wenige Tage später erteilten die Verts – als „Grüne“ werden die Spieler der ASSE bis heute bezeichnet – auch dem Lokalrivalen Lyon, der nach dem 2. Spieltag sogar Tabellenführer gewesen war, auf dessen Geläuf eine deftige Lektion (7:1). Nach der Hinrunde besaß Saint-Étienne neun Punkte Vorsprung auf den Zweiten, Bordeaux, und hatte noch kein Spiel verloren. Dass sie sich in der Rückserie noch drei Niederlagen, davon zwei zuhause, leisteten, verhinderte nicht, dass es am Ende sogar elf Punkte vor Vizemeister Marseille waren. Die Verts hatten zudem auch den Pokal gewonnen, damit ihren zweiten Doublé nach 1968, und sich für den Europapokal der Landesmeister 1970/71 qualifiziert.
Darüber hinaus prägten zwei starke Aufsteiger, Angoulême als Vierter und Angers als Siebter, das Bild dieser Saison; ein noch stärkeres Echo rief allerdings das hervor, was sich nach dem 34. Spieltag ereignete. In den Barrages um Aufstieg bzw. Klassenverbleib hatten sich Bastia und die AS Nancy gegen Ajaccio und Olympique Avignon sportlich durchgesetzt, während Zweitligameister OGC Nizza sich direkt qualifiziert hatte; dann trat der FC Rouen aus finanziellen Gründen den Rückzug aus dem professionellen Betrieb an.Beaudet, S. 102 In der Sommerpause beschloss der Verband daraufhin kurzfristig die Ligaaufstockung auf 20 Teilnehmer, wodurch auch Ajaccio und Schlusslicht Valenciennes weiterhin der Division 1 angehören durften – nicht jedoch Avignon. An dessen statt bescherte die zuständige FFF-Untergliederung dem Zweitliga-Vierten Stade Reims den Aufstieg, zur allgemeinen Überraschung, aber angesichts dessen großer Vergangenheit durchaus auch zur Freude der Öffentlichkeit: eine große Tageszeitung bezeichnete Stades Rückkehr in die erste Division damals als „Rückgabe des schönsten Ausstellungsstückes an das Museum des französischen Fußballs“.zitiert nach Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims - une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5, S. 143
Abschlusstabelle
(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1968/69 (R) Relegationssieger
Kreuztabelle ACAjaSCOAgeASAgoSECBasGi.BorOl.LyoOl.MarFCMetFCNanOl.NîmFCRStSUCRenFCRouASStÉCSSedFCSocRCStrUSVal AC Ajaccio0:10:02:01:12:02:40:02:11:02:24:21:01:20:11:01:03:1 SCO Angers3:22:25:03:13:22:10:00:31:05:11:01:10:01:32:24:10:1 AS Angoulême2:11:15:13:21:11:32:12:21:01:13:01:10:12:14:01:16:1 SEC Bastia2:03:11:12:22:43:22:23:22:53:04:00:20:12:32:02:13:1 Girondins Bordeaux2:11:05:11:03:02:21:03:01:00:11:11:11:44:13:04:20:2 Olympique Lyon2:12:11:22:11:31:02:42:53:02:04:43:01:74:22:20:11:0 Olympique Marseille1:05:21:13:33:14:13:24:24:04:01:02:02:32:00:02:03:1 FC Metz1:02:13:23:04:14:02:12:23:12:12:02:01:20:21:22:23:0 FC Nantes5:01:01:12:11:15:22:11:01:01:16:10:22:22:21:20:11:2 Olympique Nîmes2:01:12:24:13:05:21:12:14:21:32:36:11:35:12:03:22:1 Red Star FC4:13:40:02:11:11:51:63:13:03:02:42:01:50:21:02:11:1 Stade Rennes UC0:11:02:03:10:04:31:12:01:21:12:21:11:03:32:44:51:1 FC Rouen2:05:00:23:00:01:01:11:11:01:12:04:00:20:01:31:13:3 AS Saint-Étienne3:11:21:14:22:06:02:12:02:32:10:08:25:03:12:03:01:0 CS Sedan2:02:22:00:21:11:00:00:04:01:03:03:21:01:23:02:10:0 FC Sochaux0:21:11:02:13:20:22:24:10:32:20:32:21:13:31:02:06:1 Racing Strasbourg2:04:13:14:03:12:12:32:02:14:15:01:13:21:12:32:24:2 US Valenciennes2:10:20:12:01:41:10:20:02:10:22:00:11:30:31:30:12:0
Relegationsrunde Die beiden Vereine der Division 1 trugen je zwei Relegationsspiele gegen die Zweitdivisionäre aus. Begegnungen zwischen Mannschaften aus der gleichen Liga gab es nicht. Durch die Aufstockung auf 20 Vereine für die folgende Spielzeit qualifizierten sich die drei besten Teams für die Division 1. TabelleKreuztabelle BAS NAN AJA AVI SEC Bastia 0:0 – 4:2 AS Nancy 2:0 3:1 – AC Ajaccio – 3:0 4:0 Olympique Avignon 1:4 – 2:0
Die Meistermannschaft AS Saint-Étienne 1. AS Saint-Étienne70px|zentriert Tor: Georges Carnus (30/-), Gérard Migeon (4/-) Abwehr: Bernard Bosquier (34/2), Georges Polny (28/2), Vladimir Durković (24/-), Francis Camerini 22/-), Roland Mitoraj (19/-), Gérard Farison (10/-), José Pelletier (2/-), Pierre Repellini (1/-) Mittelfeld: Georges Bereta (32/9), Jean-Michel Larqué (28/9), Aimé Jacquet (23/4), Robert Herbin (18/4), José Broissart (15/2) Angriff: Salif Keïta (32/21), Hervé Revelli (30/26), Spasoje Samardžić (14/3), Patrick Parizon (10/-), Patrick Revelli (2/2), Christian Sarramagna (1/-) Trainer: Albert Batteux Dazu kamen zwei Eigentore.Guillet/Laforge, S. 169, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d’une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004, ISBN 2-911698-31-2, S. 293
Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Hervé Revelli AS Saint-Étienne 282 Joseph Yegba Maya Olympique Marseille 243 Salif Keïta AS Saint-Étienne 214 Wolfgang Kaniber Racing Strasbourg 20 Philippe Piat Racing Straßburg 20 Adolf Scherer Olympique Nîmes 207 Bernard Blanchet FC Nantes 17 André Guy Olympique Lyon 17 Charly Loubet Olympique Marseille 17 Marc Molitor Racing Straßburg 1711 Selemir Milošević Red Star FC 16 Daniel Rodighiéro Stade Rennes UC 1613 Marc-Kanyan Case SEC Bastia 15 Gérard Grizzetti AS Angoulême 1515 Jacques Bonnet Olympique Nîmes 14 Serge Dellamore CS Sedan 14 Philippe Gondet FC Nantes 14
Siehe auch Division 2 1969/70 Coupe de France 1969/70
Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X
Weblinks Statistiken auf lfp.fr
Anmerkungen und Nachweise
#1969/70 Kategorie:Fußballsaison 1969/70