mini|Aktie der Revere Motor Car Corp. vom 18. Oktober 1920 Die Revere Motor Car Corporation und ihr Nachfolgeunternehmen Revere Motor Company ist ein ehemaliger US-amerikanischer Automobilhersteller, der von 1918 bis 1926 in Logansport (Indiana) in Kleinserie einen Hochleistungs-Luxuswagen baute, dessen Design europäisch beeinflusst war. Der Markenname war Revere, wobei der Hersteller auch REVERE verwendete und ab 1920 die Schreibweise ReVere bevorzugte.

Adolph Monsen Adolph Monsen war die treibende Kraft hinter dem Unternehmen. Wie viele andere Automobilpioniere kam er als Radrennfahrer und Fahrradhersteller zur Automobilproduktion. Um 1900 begann er in Chicago mit der Herstellung von Dampfwagen der Marke Monsen. Nach einer Kesselexplosion an einem seiner Fahrzeuge, bei der er verletzt wurde, stellte er 1908 um auf benzingetriebene Fahrzeuge. Er bot ein breites Spektrum an und produzierte Roadster, Nutz- und Bestattungsfahrzeuge in allerdings eher kleiner Auflage. Danach führte er eine Automobilvertretung für Marion und Bergdoll. Rennsport betrieb er zwischen 1909 und 1912 sowohl auf Rund- wie auf Straßenkursen. 1909 nahm er mit einem Marion an den zu den Vanderbilt-Cup-Läufen gehörenden Wheatley Hills Sweepstakes teil. Über seinen Freund, den damaligen Marion-Werkleiter und Chefingenieur Harry C. Stutz, fand er später Aufnahme ins Werks-Rennteam von Marion.

Vorgeschichte mini|Gil Andersen im Stutz-Werksteam, 1915

Monsen gewann seine früheren Rennfahrerkollegen Tom Rooney (1881–1939) und Gil Andersen (1879–1935) für das Projekt. Rooney war für Premier gefahren. Der gebürtige Norweger Andersen war Monsens Teamkamerad bei Marion gewesen und gehörte danach dem Stutz-Werksteam White Squadron an, außerdem war er Werkleiter bei Stutz.

Wie Monsens Kontakt zu Newton E. Van Zandt zustande kam, ist nicht überliefert, auch nicht, warum ihm Monsen das Ruder im Unternehmen überließ. Van Zandt stammte aus Wilton (Iowa). Erfahrung im Automobilbau hatte er nicht; seine letzte Position vor Revere war die eines Vizepräsidenten der Hobart Cable Piano Company in LaPorte (Indiana). Dieses Unternehmen bestand von 1900 bis in die 1960er Jahre.

Revere Motor Car Corporation Führung Die Gründung der Revere Motor Car Corporation wurde Anfang 1917 angekündigt und gegen Jahresende in Logansport vollzogen. Der Ort wurde offenbar als Standort gewählt wegen seiner Lage zwischen den frühen Automobilzentren Indianapolis und Chicago. Sicher war für die Standortwahl auch hilfreich, dass der Greater Logansport Club – wahrscheinlich die örtliche Handelskammer – 22.000 US-Dollar an den Kauf einer leerstehenden Sägerei beisteuerte, in der das Werk eingerichtet wurde.

Van Zandt wurde Präsident und Geschäftsführer, A.A. Seagraves Vizepräsident, C.H. Wilson Finanzchef und E.R. Mattingly Vorstandssprecher. Für die Technik verantwortlich zeichneten Adolph Monsen, Tom Mooney, Gil Andersen und mit August S. Duesenberg hatte auch ein Vertreter des Motorenlieferanten Einsitz im Direktorium.

Die weitere Aufgabenteilung ist nicht eindeutig. Monsen scheint für den Antrieb zuständig gewesen zu sein und Andersen konstruierte wahrscheinlich das Fahrgestell. Rooneys Aufgaben als Mitglied des Entwicklungsteams sind unklar.

Organisation mini|Anzeige für den Biddle Modell D 4-pass. Touring (1917). Das Fahrzeug hatte wenig Ähnlichkeit mit dem Revere.

Die Beschaffung des Aktienkapital verlief unbefriedigend, was auch auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld zurückzuführen war: Seit dem 6. April 1917 befanden sich die Vereinigten Staaten im Krieg gegen die Mittelmächte im Ersten Weltkrieg. Dass es Van Zandt nur gelang, 50.000 USD statt der angestrebten 1,5 Mio. USD Aktienkapital zu akquirieren, lag auch am dürftigen Begleitmaterial und der wenig professionellen Präsentation. So wurde als Illustration eine angeblich von Van Zandt angefertigte, eher dilettantisch ausgeführte Durchzeichnung des Fotos eines Biddle verwendet, die wenig Ähnlichkeit mit dem tatsächlichen Produkt hatte.

Entwicklung Dabei wird dem Revere durchaus Potential zugestanden. Wie die meisten Fahrzeuge von ähnlich großen Herstellern war auch der Revere ein Assembled vehicle, das heißt, dass er aus Bestandteilen und Komponenten von Zulieferern zusammengestellt wurde. Das war eine weit verbreitete Methode, die auch solchen Autobauern eine rationelle und profitable Produktion ermöglichte.

Im August 1917 entstand das Fahrgestell eines ersten Prototyps, der später als Touring karossiert wurde.Daniel Stohl zitiert dazu aus einem Artikel, den L. Spencer Riggs für Automobile Quarterly verfasste. Dieser datiert den Prototyp auf den 25. August 1917. Der Artikel liegt nicht vor. Wie viele andere Autohersteller dieser Zeit unterhielt Revere keinen eigenen Karosseriebau.

Marketing Van Zandt steuerte den Markennamen samt der ungewöhnlichen Schreibweise bei, die offenbar erst ab 1920 verwendet wurde. Der Markenname bezieht sich auf eine herausragende Persönlichkeit des US-amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, Paul Revere. Dessen Porträt ziert auch die Kühlermaske. Die Schreibweise des Markennamens mit einem Großbuchstaben im Wort ist eine Eigenheit der Marke und findet sich ab 1920 nicht nur in der Werbung, sondern auch unter dem Markenemblem und am Werkstor.

Das Unternehmen warb mit den Slogans America's Uncomparable Car und The last word in classy design built by people who know, for people who want, the classiest....

„Cannon Ball“ Baker mini|Erwin „Cannon Ball“ Baker mit Indian-Motorrad (1912)

Noch vor den großen öffentlichen Auftritten des Revere organisierte Van Zandt eine zu dieser Zeit noch ungewöhnliche und stark beachtete Werbeaktion. Er gewann den ehemaligen Rennfahrer Erwin „Cannon Ball“ Baker (1882–1960) für die Durchführung einer Werbefahrt, die durch die 48 Hauptstädte der Conterminous United States führte. Dabei legte Baker zwischen Juni und September 1918 insgesamt zurück. Es scheint, dass er dafür den genannten ersten Prototyp verwendete, den er noch ohne Aufbau nach Racine, Wisconsin fuhr um ihn dort in der Racine Manufacturing Company erst karossieren zu lassen. Im folgenden Jahrzehnt organisierten zahlreiche Hersteller solche Touren dieser Art, was durch das schnell wachsende Straßennetz gefördert wurde. Für Baker sollte dies der Anfang einer neuen Karriere werden; als Spezialist für derartige Aufgaben führte er in den folgenden Jahren über 100 solche Fernfahrten durch.

Schleppender Start 1916 hatten die Duesenberg-Brüder ihren Rennstall vom verhältnismäßig kleinen Motorenwerk abgetrennt und letzteren mit einem ihrer Geschäftspartner fusioniert. Daraus entstand die Duesenberg Motors Corporation (DMC) mit Sitz in Elizabeth (New Jersey). Das Unternehmen produzierte hauptsächlich Motoren für Boote und kleinere Schiffe, aber auch für Flugzeuge und Artilleriezugmaschinen – und die Rennmotoren der Duesenbergs. Erst im Herbst 1917 stand eine für Personenwagen geeignete Version dieses längst angekündigten Motors bereit. Er war sehr teuer und für kleinere Hersteller von Oberklasse-Sportwagen gedacht. Neben Roamer und Biddle gehörte Revere zu den ersten Unternehmen, das Abnahmeverpflichtungen einging. Es war auch das einzige, das ganz auf diese Motoren setzte. Als die DMC, bedingt durch große Rüstungsaufträge, die Lieferung dieser Motoren erst einschränkte und 1918 auf Anordnung der Regierung ganz einstellen musste, legte dies die Revere-Produktion praktisch still noch ehe sie richtig angelaufen war. Eine Quelle nennt die Produktion von nur 6 Fahrzeugen für 1918 als Vorserie. Andere Experten bezweifeln, dass in diesem Jahr überhaupt ein Revere entstanden ist.Daniel Stohl zitiert auch dazu aus L. Spencer Riggs Artikel in Automobile Quarterly. Demnach entstand nach dem Touring nur ein weiterer Prototyp, der als Roadster aufgebaut war und ab Anfang 1918 auf Ausstellungen gezeigt wurde. Wirklich nachweisbar sind Anfang 1918 lediglich diese beiden Fahrzeuge, die auch an den großen nationalen Fachmessen gezeigt worden sind.

Van Zandt verhandelte mit der DMC wegen einer Nutzung des Motorenpatents. Es war 1914 auf die Brüder Duesenberg ausgestellt worden und wurde von der DMC genutzt. Man scheint dort geduldet zu haben, dass Monsen für den eigenen Bedarf eine modifizierte Version produzierte. Sie ist als Revere-Duesenberg oder Monsen-Duesenberg bekannt und nimmt Elemente des späteren Rochester-Duesenberg-Motors vorweg. Letztlich war dieser Motor einfacher in der Herstellung und dabei leistungsfähiger als das mäßig gedrosselte Rennwagentriebwerk Duesenberg Model G.

Diese Probleme kosteten viel Zeit und brachten die Revere Motor Car Corporation an den Rand des Zusammenbruchs. Erst Anfang 1919 lief die reguläre Produktion an. Dass die Anlagen nun wirklich „brummten“ darf bezweifelt werden. Noch immer erhielt Revere nicht genügend Motoren. Die bisherige Duesenberg-Organisation mit ihrer auf die Rüstung ausgerichteten Produktion wurde aufgelöst, und Monsen machte sich berechtigte Hoffnungen, dass Revere Rechte und Produktionsmittel am Walking Beam-Motor erwerben konnte. Es kam anders. Die Anlagen der DMC wurden von John North Willys für seine Willys Corporation übernommen. Die Verhandlungen mit Revere wurden abgebrochen und eine der Tochtergesellschaften dieses Konzerns, die Rochester Motors Company, Inc. in Rochester (New York), erhielt Anfang 1919 den Zuschlag. Bereits Ende 1919 erschienen die, mit Hilfe von Fred S. Duesenberg stark überarbeiteten, Motoren als Rochester-Duesenberg Model G auf dem Markt. Es gab sie in zwei Versionen: Als G oder G-3 mit 5 Litern Hubraum und 71 bhp Leistung und als G-1 mit 5,6 Litern und 81 bhp. Revere bezog letztere, war aber noch eine Zeitlang auf die hauseigenen Revere-Duesenberg angewiesen. Aus der Not heraus wurde die Praxis geboren, jeden verfügbaren Walking Beam-Motor in die bereitstehenden Fahrgestelle einzubauen damit überhaupt Fahrzeuge ausgeliefert werden konnten; allerdings ist kein Revere mit dem Fünfliter G-3 bekannt. Frühe Revere wurden demnach, je nach Verfügbarkeit, mit Duesenberg Model G (Walking Beam), Revere-Duesenberg und zunehmend mit dem neuen Rochester-Duesenberg Model G-1 ausgestattet.

Beachtliches Werbepotential hatte eine Bestellung des autobegeisterten Königs Alfonso XIII. von Spanien, der im Sommer 1919 seinen Fuhrpark um ein Revere Model A Victoria Touring zu 7800 USD erweiterte. Van Zandt ließ keine Gelegenheit ungenutzt, um die Öffentlichkeit auf den prominenten Kunden aufmerksam zu machen. Ein Revere-Händler ließ eine Kopie davon anfertigen, die 1920 auf der Automobilausstellung von Cleveland (Ohio) gezeigt wurde.

Illegale Manöver Es gab nicht viele solche Lichtblicke. Schon früh hatte sich gezeigt, dass zumindest Teile der Geschäftsleitung mehr an schnellen Aktiengewinnen als am Aufbau einer Verkaufsorganisation interessiert war. Leider gehörte auch Van Zandt dazu, der mit windigen Aktionen das Vertrauen möglicher Investoren verspielte.

Revere Motor Sales Corporation Auslöser war möglicherweise, dass sich nicht genug Investoren fanden. Van Zandt behauptete in einem Bericht an die Aktionäre im September 1919, dass ein „Syndikat im Osten“ [der USA] eine Anzahlung für 1000 Fahrzeuge geleistet habe und dafür innert fünf Jahren 45 Mio. USD aufbringen wolle; nach anderer Darstellung waren diese Informationen sogar in Revere Aktienprospekt enthalten. Dort soll auch ein – unrealistisch hoher – Gewinn von 500 USD pro Fahrzeug in Aussicht gestellt worden sein. Wenn diese Darstellung zutrifft, dann machte sich Van Zandt des Anlagebetrugs schuldig, denn nichts davon traf zu.