Goldenstedt ist eine Gemeinde im Landkreis Vechta in Niedersachsen und liegt im Oldenburger Münsterland.

Gemeindegliederung und Nachbargemeinden Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in die beiden Hauptorte Goldenstedt und Lutten sowie 13 zugehörige Bauerschaften. Bauerschaften der Altgemeinde Goldenstedt sind Ambergen, Arkeburg, Einen, Ellenstedt, Gastrup, Goldenstedt-Heide, Lahr und Varenesch. Bauerschaften der Altgemeinde Lutten sind Amerbusch, Höven, Osterende, Timpen und Westerlutten.Gemeinde Goldenstedt: Bauerschaften

Nachbargemeinden Nachbargemeinden der Gemeinde Goldenstedt sind im Uhrzeigersinn von Norden die Stadt Wildeshausen, die Gemeinde Colnrade, die Stadt Twistringen, die Gemeinden Barnstorf und Drebber, die Stadt Vechta und die Gemeinde Visbek.

Visbek (10 km) Wildeshausen (12 km) Colnrade (5 km) Vechta-Langförden (12 km) Datei:Windrose klein.svg Twistringen (14 km) Vechta-Kernstadt (13 km) Drebber (16 km) Barnstorf (10 km) Die Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung bis zum Ortszentrum.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Goldenstedt liegt rund zwölf Kilometer südlich von Wildeshausen im Süden des Naturparks Wildeshauser Geest. Sie wird nach Norden von der Visbeker Bauerschaft Bonrechtern, der Wildeshauser Bauerschaft Hanstedt und dem Denghauser Mühlbach begrenzt, nach Osten von der Hunte, nach Süden vom Naturschutzgebiet Goldenstedter Moor und nach Westen vom Vechtaer Moorbach und dem Waldgebiet Herrenholz.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete

Das Gemeindegebiet von Goldenstedt liegt hydrologisch im Flusssystem der Weser / Unterbereich Hunte, die über die Weser in die Nordsee entwässert.

Zentrales Fließgewässer ist der von West nach Ost verlaufende Goldenstedter Mühlenbach, der den Ortskern durchquert und in die Hunte mündet; sein Oberlauf steht unter Landschaftsschutz.

Weitere Oberflächengewässer sind der Lahrer Bach, die Schlochter Bäke, der Lutter Mühlenbach, die Ellenbäke, der Hartenbergsee sowie Teichanlagen in der Lahrer Heide.

Die Hunte verläuft entlang des östlichen Gemeindegebiets. Ihre Auen- und Überschwemmungsbereiche sind als ökologisch wertvolle Feuchtlandschaften mit naturnahen Ufern, Altarmen und Feuchtwiesen ausgeprägt.

Das Goldenstedter Moor ist ein Hochmoor innerhalb der Diepholzer Moorniederung und umfasst rund 640 Hektar und ist als Naturschutzgebiet (NSG WE 180) ausgewiesen. Es wurde durch frühere Eingriffe wie Torfabbau und Entwässerung stark verändert. Im Rahmen des Niedersächsischen Moorschutzprogramms werden Wiedervernässungs- und Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, um hochmoortypische Lebensräume und die Funktion als Wasserspeicher und Kohlenstoffsenke zu erhalten. Das Moor dient außerdem als Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Vogelarten, darunter Kraniche und Saatgänse.https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presse_und_offentlichkeitsarbeit/pressemitteilungen/-38931.html

Goldenstedt (Oldb.) steht insbesondere durch die historische Entwässerung und Nutzung der Moorlandschaften, vor allem des Goldenstedter Moores, vor ökologischen und hydrologischen Herausforderungen, da diese Eingriffe den natürlichen Wasserhaushalt und moortypische Lebensräume nachhaltig beeinträchtigt haben. Zusätzlich ist das Gewässersystem, insbesondere die Hunte und ihre Nebengewässer, durch Begradigungen, Stauanlagen und Wanderhindernisse ökologisch verändert, was die Durchgängigkeit und Artenvielfalt einschränkt. Klimawandel sowie intensive landwirtschaftliche Nutzung verstärken diese Problemlagen durch veränderte Niederschlagsmuster, Trockenperioden und erhöhte Nährstoffeinträge in Böden und Gewässer.

Teile des Gemeindegebiets wurden als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, um den vorbeugenden Hochwasserschutz zu gewährleisten. Ein bedeutender Bereich ist das Überschwemmungsgebiet der Hunte, das neu festgesetzt wurde. Es erstreckt sich unter anderem zwischen der Hengemühle und Goldenstedt sowie südlich der Landstraße L 342. Die Neufestlegung berücksichtigt veränderte Hochwasserrisiken durch frühere Gewässerausbauten und dient der Sicherung von Retentionsräumen. Zusätzlich sind auch Überschwemmungsgebiete bzw. gesicherte Überschwemmungsbereiche für den Lutter Mühlenbach und die Schlochter Bäke festgelegt worden.

Der Bau eines Fischpasses am Goldenstedter Wehr soll die ökologische Durchgängigkeit der Hunte für Fische und andere Wasserorganismen wiederherstellen.

An der Schlochter Bäke wurde im Jahr 2024 ein Fließgewässer begleitendes Kleingewässer angelegt. Die Maßnahme dient auch der Biotopvernetzung. Hier finden sich noch standorttypische Libellen oder z. B. auch der Laubfrosch als Schwerpunktart.

Untergrundverhältnisse

Goldenstedt liegt in einer während der Eiszeit entstandenen, leicht welligen Sandlandschaft. Die oberflächennahen Böden bestehen überwiegend aus sandigen, nährstoffarmen Ablagerungen; in Senken und feuchten Bereichen treten Moor- und Torfböden auf, darunter das Goldenstedter Moor.

Der geologische Untergrund wird vor allem von quartären Sand- und Kiesschichten geprägt, die gut durchlässige Grundwasserleiter (Aquifere) bilden und das Grundwasser speichern. Der Grundwasserstand liegt bei etwa 34 m über Normalnull, mit einem Flurabstand von rund 10 m in Teilen des Gemeindegebiets. Die natürliche Grundwasserströmung erfolgt west- und südwestwärts zur Hase sowie ostwärts zur Hunte.

In größerer Tiefe folgen festere Gesteinsschichten, darunter Sandsteine, in denen Erdgas gespeichert ist; entsprechend befindet sich in der Region ein Erdgasfeld. Diese tiefen geologischen Formationen gelten grundsätzlich auch als potenziell für die Nutzung von Erdwärme geeignet.

Klima In Goldenstedt herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt. Im Jahre 2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.

Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr. Im Zeitraum 2012–2021 betrug im Raum Goldenstedt die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 528 mm.https://www.timeanddate.de/wetter/@2919310/klima

Geschichte mini|Hügelgräberfeld im Wald bei Einen

Auf bronzezeitliche Besiedlung weist der Hortfund von Goldenstedt. In Einen und Lahr sind vorgeschichtliche Hügelgräber zu finden.Karl Willoh: Fränkische Gräber in Einen. In: Jahrbuch für die Geschichte des Herzogtums Oldenburg, Band 16 (1908), S. 352 f. (PDF; 90 MB). Sie wurden vermutlich im 6. vorchristlichen Jahrhundert angelegt.Hügelgräberfeld bei Einen. Goldenstedt-Einen, Gemeinde Goldenstedt. steinzeitreise.de.

mini|Äußerer (vorne) und innerer (hinten) Ringwall der Arkeburg, vor den Rekonstruktionsarbeiten aufgenommen Im frühen Mittelalter wurde die Arkeburg in der gleichnamigen heutigen Bauerschaft errichtet. Schriftliche Dokumente aus dem Mittelalter über die Burg existieren nicht. 2017 wurde eine Teilrekonstruktion der Burganlage mit Informationstafeln der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die erste Kirche in Goldenstedt wurde bereits gegen Ende des 8. Jahrhunderts unter Abt Gerbert Castus von der Missionszelle Visbek aus gegründet und ist eine Urkirche des nordwestlichen sächsischen Lerigaus.Werner Rösener: Das Kloster Corvey und die Christianisierung im westlichen Sachsen. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Jg. 87 (2015), S. 7–32, hier S. 20. Diese Kirche wurde zusammen mit dem Kloster (cellula) Visbek durch Ludwig den Deutschen 855 der Benediktinerabtei Corvey an der Weser geschenkt.Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Artikel „Gerbert“ (PDF; 7,7 MB). Isensee, Oldenburg 1992, S. 232.Theo Kölzer: Corvey, Reichsgut und konstruierte Missionszentren. In: Archiv für Diplomatik Band 65 (2019), S. 1–14, hier S. 6.

Die Gemeinde wurde 1080 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Einer von Carl Heinrich Nieberding erzählten Sage zufolge soll der Name des Ortes ebenso wie der der „Goldenen Brücke“ über die Hunte bei Goldenstedt auf eine Begebenheit im Jahr 1011 zurückzuführen sein.Carl Heinrich Nieberding: Graf Rudolph von Diepholz. In: Mitteilungen des Historischen Vereins zu Osnabrück. Jg. 3. 1853. S. 50 ff. Die 1974 im Zuge der niedersächsischen Gemeindegebietsreform wider den Willen der Bevölkerung eingemeindete Ortschaft Lutten wurde bereits 872 genannt.

Bekannt wurde Goldenstedt durch das Simultaneum mixtum.Katholische Kirchengemeinde Sankt Gorgonius Goldenstedt: Geschichte Es entstand in der Zeit von 1650 bis 1850. In dieser Zeit lag der Ort an der Grenze zweier Herrschaftsbereiche mit unterschiedlichen Konfessionen: dem katholischen Niederstift Münster und den protestantischen Gebieten Braunschweig-Lüneburg bzw. Hannover. 1817 endete die Zweiherrigkeit, und 1850, nach dem Bau der evangelischen Martin-Luther-Kirche in Goldenstedt, auch das Simultaneum mixtum. Über dieses Thema schrieb der Schriftsteller Bernd Kessens den Aufsehen erregenden Roman „… und an den Füßen eine goldene Uhr“.

Als die Nationalsozialisten 1938 die konfessionellen Volksschulen in Gemeinschaftsschulen umwandeln wollten, formierte sich in Goldenstedt Widerstand. Zahlreiche katholische und evangelische Christen boykottierten die NS-Feier am „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ (1. Mai) und versammelten sich stattdessen auf dem Hof Herbrügge in der Bauerschaft Osterende, wo ein Hofkreuz eingeweiht wurde.Franz-Josef Scheeben: Anstoß zum Aufruhr in der NS-Zeit. In: Kirche+Leben, 6. Januar 2019, S. 20. Am folgenden Tag wurde ein Aufruf angeschlagen:Maria Anna Zumholz: Der Kreuzkampf – Katholisches Milieu und Widerstand im Oldenburger Münsterland 1934–1938. In: Dies. (Hrsg.): Katholisches Milieu und Widerstand – Der Kreuzkampf im Oldenburger Land. LIT-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-643-11937-7, S. 17–78, hier S. 62.

Die Eltern weigerten sich, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und versammelten sich vor der St.-Gorgonius-Kirche. Darauf wurden Gestapo-Beamte und ein Zug Schutzpolizei aus Wilhelmshaven nach Goldenstedt entsandt.Maria Anna Zumholz: Der Kreuzkampf – Katholisches Milieu und Widerstand im Oldenburger Münsterland 1934–1938. In: Dies. (Hrsg.): Katholisches Milieu und Widerstand – Der Kreuzkampf im Oldenburger Land. LIT-Verlag, Berlin 2012, S. 17–78, hier S. 63. 14 Männer wurden verhaftet, 12 von ihnen in die Konzentrationslager Oranienburg und Buchenwald eingeliefert.Bernhard Brockmann, Winfried Rötepohl-Bahlmann: Der Goldenstedter Schulkampf 1938. Erinnerung an mutige Bürger in einer dunklen Zeit. Geest-Verlag Vechta-Langförden 2008, S. 112–144.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurde die Nachbargemeinde Lutten in die Gemeinde Goldenstedt eingegliedert.

Politik Rat

Der Rat der Gemeinde Goldenstedt besteht aus 24 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 9.001 und 10.000 Einwohnern. Die 24 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Stimmberechtigt im Gemeinderat ist außerdem der parteilose hauptamtliche Bürgermeister.

Die letzten Ratswahlen ergaben folgende Sitzverteilungen: Partei/Wählergruppe 2021 2016Ergebnisse der Kommunalwahl 2016, abgerufen am 2. Februar 2017 CDU 13 14 Interessengemeinschaft für eine sinnvolleGemeindegestaltung Goldenstedt (IGG) 4 4 FDP 3 2 SPD 2 2 GRÜNE 1 1 AfD 1 1

Bürgermeister