mini|Der deutschstämmige Albert Einstein als Mitarbeiter des Schweizer Patentamts (1905) Die in den 2000er-Jahren eingewanderten Deutschen in der Schweiz leben vor allem in der Deutschschweiz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Migrantengruppen handelt es sich bei Einwanderern aus Deutschland heute vornehmlich um Qualifizierte und Höherqualifizierte, auch Studenten.Ivo Marusczyk, Marion Leibrecht: Deutsche in der Schweiz: Wie die Schweiz tickt – Minister Steinbrück weiß es nicht. In Integrationskursen für Deutsche könnte er es lernen, Die Zeit 26. März 2009Marco Lauer: Integration: I ha di gärn! – Deutsche in der Schweiz, Tagesspiegel 24. Juni 2009 / auch als: Integration für Deutsche in der Schweiz: „Grüezi Gummihälse!“, TAZ 21. Oktober 2009Gordana Mijuk und Michael Furger: Bald leben zwei Millionen Ausländer in der Schweiz: Es wird eng, NZZ 17. April 2011Matthias Müller: Zufluchtsort Schweiz: Immer weniger deutsche Einwanderer, NZZ 13. Juni 2013Gunnar Heinsohn: Auswanderungsland Deutschland: Kompetente wandern ab, NZZ 7. Juli 2016Adrian Daub: Emigration: Deutschlands fehlende Kultur der Auswanderung, NZZ 11. Juli 2016 / NZZ-Podium Berlin, 4. Juli 2016Marc Helbling (2009-11) – siehe Literatur oben
Für die Deutschen ist die Schweiz das beliebteste Auswanderungsland.(ap): Schweiz weiterhin beliebtestes Ziel: Immer mehr Deutsche wandern aus – Immer mehr Deutsche kehren ihrem Land den Rücken: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Auswanderer auf 155'300 und damit den höchsten Stand seit 1954, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Das beliebteste Ziele war dabei mit 18'000 Auswanderern die Schweiz. Erst mit Abstand folgen die USA (13'800) und Österreich (10'300), NZZ 30. Oktober 2007Christoph Eisenring: 2005 bis 2014 beliebtestes Auswanderungsland: Die Schweiz bleibt bei Deutschen hoch im Kurs, NZZ 6. Januar 2016Christina Neuhaus: Zürich und die Zuwanderung: Fremd unter Freunden?: Die Willkommenskultur zeigt in Zürich mitunter leicht misstrauische Züge – Dabei hat der Zuzug hochqualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland dem Standort neuen Schwung verliehen, NZZ 16. März 2016 Die in den 2000er-Jahren beobachtete sprunghafte Zunahme der vor allem auch deutschen Einwanderung ist Folge der EU-15-ÖffnungEU-15 – genauer EU-15 / EU-17, EU-8 und EFTA – EU-15: die „alten“ EU-Mitgliedsstaaten, EU-17: plus Zypern und Malta, EU-8: zehn neue EU-Staaten minus Zypern und Malta – siehe: Personenfreizügigkeit Schweiz – EU/EFTA, SEM, auf sem.admin.ch wie auch, für Studenten, der Bologna-Reform.
Im Jahr 2017 lebten knapp 305'000 Deutsche in der Schweiz. Inklusive Doppelbürger beträgt ihre Zahl rund 450'000.
Geschichtliches Die Gebiete der heutigen Schweiz waren lange Zeit Teil des Heiligen Römischen Reiches, allerdings wurde im Jahre 1499 als Ergebnis des Schwabenkrieges im Frieden zu Basel implizit anerkannt, dass die Eidgenossenschaft von Reichssteuer und Reichskammergericht ausgenommen blieb, ohne jedoch aus dem Reich auszuscheiden. Die formelle Anerkennung der Schweizer Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich durch den Westfälischen Frieden datiert auf das Jahr 1648. Bedeutendere Einwanderungswellen fanden nach der napoleonischen Ära statt, speziell nach der Gründung der restaurierten Schweizer Eidgenossenschaft und des Deutschen Bundes im Jahre 1815.
Deutsche und in Deutschland lebende Menschen, die vor dem Militarismus des Deutschen Kaiserreiches und ab 1933 auch vor dem nationalsozialistischen Regime flüchteten oder von ihm vertrieben wurden, suchten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts Zuflucht auch in der Schweiz.
2002–2009, 1995–2015 Die Anzahl deutscher Staatsbürger in der Schweiz verdoppelte sich in der Periode von 2002 bis 2009. Von 1995 bis 2015 hat sie sich mehr als verdreifacht. Im Jahre 2007 überstieg die Zahl der Deutschen in der Schweiz – mit 203'000, 2,7 % der Einwohner, 12,7 % der AusländerBFS (bfs.admin.ch): Ständige Wohnbevölkerung am 31. Dezember 2007: Total 7'593'494, Schweizer 5'991'401, Ausländer 1'602'093 (26,7 % der Einwohner) – das historische Maximum von 200'000 Deutschen vor dem Ersten Weltkrieg. Da die Schweiz damals eine kleinere Bevölkerung hatte, machten aber damals die Deutschen 6 % der Gesamtbevölkerung aus.
Letzte Jahre +Anzahl deutscher Staatsbürger (in Tausend) in der Schweiz 1995–2017Absolute Zahlen, Quelle Bundesamt für Statistik: 1990–2010, Jahr 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014201520162017 Deutsche Bevölkerung 92 94 96 99 104 110 118 126 135 146 159 174 203 235 252 263 275 284 292 298301304305 2017 – Deutsche Staatsbürger mit ständigem Aufenthalt in den grösseren Kantonen der deutschsprachigen SchweizZürich: 89Aargau: 34Bern: 28Thurgau: 22Basel-Stadt: 16Luzern: 14Basel-Land: 12_____________________insgesamt ca. 214% der Einwohner / der Deutschen5,9 % / 29,1 %5,1 % / 11,2 %2,7 % / 9,1 %8,0 % / 7,2 %8,1 % / 5,2 %3,4 % / 4,6 %4,3 % / 4,0 %_____________________70,4 % von 305
EU-15-Öffnung 2002–2007 Der Grund des steilen Anstiegs der 2000er-Jahre liegt im 2002 in Kraft getretenen Teil der bilateralen Verträge (Staatsverträge Schweiz-EU), welcher die Personenfreizügigkeit für Arbeitskräfte aus der EU und EFTA gewährleistet und die 2007 vollim Prinzip – CH Umsetzung und Einwanderungskontrolle, siehe Bilaterale Verträge CH-EU umgesetzt wurde (für die EU-15 / EU-17, EU-8 und EFTA). Während das Freizügigkeitsabkommen im Prinzip für alle EFTA- und EU-Bürger gilt, waren deutsche und österreichische Staatsbürger die Hauptprofiteure, da ihre Kenntnisse in der deutschen Sprache es ihnen erlauben, ohne die zusätzlichen Schwierigkeiten einer Sprachbarriere qualifizierte Arbeitsplätze in der deutschsprachigen Schweiz zu erhalten.
2007 Aufgrund der ungleichen Grösse der beiden Länder haben deutsche Einwanderer in der Schweiz eine weitaus sichtbarere Präsenz als umgekehrt: Im Jahre 2007 lebten über 37'000 Schweizer Staatsbürger, oder einer von 180 Schweizer Bürgern, in Deutschland, was lediglich 0,05 % der deutschen Bevölkerung ausmachte. Zusammen mit den Personen doppelter schweizerisch-deutscher Staatsbürgerschaft wurden im Jahre 2007 etwa 75'000 Schweizer Bürger in Deutschland gezählt. Zur gleichen Zeit lebten knapp 224'000 deutsche Staatsbürger, oder einer von 350 deutschen Bürgern, in der Schweiz, was 3 % der Schweizer Bevölkerung ausmachte. Dieser Vergleich berücksichtigt jedoch nicht die doppelte Staatsbürgerschaft.
Die Rate der Einbürgerungen hat sich seit 2007 ebenfalls stufenweise erhöht.Pro Tag werden 10 Deutsche eingebürgert – Die Zahl der Einbürgerungen von Bürgern der Bundesrepublik hat sich seit 2007 fast vervierfacht. Hinter der Steigerung steht das in Deutschland eingeführte Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft, Bildstrecken, Tages-Anzeiger, 30. Mai 2010 Der Grund dafür war eine Veränderung im deutschen Staatsbürgerschaftsrecht, welche es deutschen Staatsbürgern erlaubte, eine doppelte schweizerisch-deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten – dies vor allem vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von qualifizierten Deutschen, die in der Schweiz seit über 12 Jahren leben, was vom Schweizer Staatsbürgerschaftsrecht gefordert wird. Vor 2007 mussten Deutsche, die in der Schweiz eingebürgert werden wollten, ihre deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben. – Auslandschweizer, welche die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, müssen ihren Schweizer Pass nicht mehr abgeben. Seit Dienstag ist das neue deutsche Ausländerrecht in Kraft, swissinfo 31. August 2007
2009 Im Jahre 2009 waren die Migranten aus Deutschland mit einer Gesamtzahl von 266'000 (oder knapp 3,4 % der Schweizer Gesamtbevölkerung) die zweitgrösste Einwanderergruppe in der Schweiz, direkt hinter den Italoschweizern mit 294'000 (3,7 % der Schweizer Gesamtbevölkerung). 22'000 von ihnen waren in der Schweiz geboren. Von diesen waren 18'000 Minderjährige – Kinder, die von in der Schweiz ansässigen Eltern geboren wurden. 19'000 Bundesdeutsche mit Schweizer Wohnsitz waren mit Schweizern verheiratet.
2013 Im Jahre 2013 lebten in der Schweiz 276'000 Deutsche (Ulrich Schmid, NZZ, gemäss BFS aber 292 Tsd.), 3,4 % der Schweizer Bevölkerung. Zum Vergleich – in Deutschland waren damals (gemäss U. Sd., NZZ) knapp 83'000 Schweizer angemeldet, 0,1 % der deutschen Gesamtbevölkerung, davon 53'000 Doppelbürger. Somit müssten in Deutschland 2,7 Millionen Schweizer leben – und Mundart sprechen – um auch so intensiv wahrgenommen zu werden wie Deutsche in der Schweiz.Ulrich Schmid: Schweizer in Deutschland: Wohlgelittene, zufriedene Gäste, NZZ 22. Januar 2014
2014 Im Jahre 2014 hatten 298'000 deutsche Staatsbürger einen permanenten Aufenthalt in der Schweiz, die meisten von ihnen in der Deutschschweiz, speziell im Mittelland, der Stadt Zürich, im Grossraum und Kanton Zürich.
2015 Von den knapp 301'000 in der Schweiz lebenden Deutschen sind rund 240'000 in Deutschland geboren, was einem Anteil von 80 % entspricht.
2017 Die knapp 305'000 Deutschen in der Schweiz stellen einen Anteil von 3,6 % der Bevölkerung in der Schweiz dar. Im Jahr 2017 lebten nahezu 15'000 deutsche Staatsbürger (ohne Doppelbürger) in den nicht-deutschsprachigen Kantonen Waadt, Genf, Tessin, Neuenburg und Jura. Diese stellten damit einen Anteil von nicht ganz 5 % aller Deutschen in der Schweiz dar. Im selben Jahr hatten mehr als zwei Drittel (67 %) der Deutschen in der Schweiz eine Niederlassungsbewilligung, das heisst sie waren im Besitz des Ausweises C EU/EFTA.
Aufgrund von Stichprobenerhebungen der Jahre 2015 bis 2017 konnten Daten zur religiösen Zusammensetzung der deutschen Staatsbürger in der Schweiz gewonnen werden. Gemäss diesen Erhebungen sind 50 % der Deutschen in der Schweiz konfessionslos, 22,6 % römisch-katholisch, 20,3 % evangelisch-reformiert, 4,1 % Mitglieder anderer christlichen Gemeinschaften, 1,4 % islamisch und die übrigen 1,6 % Angehörige anderer Religionsgemeinschaften oder hatten keine Angabe gemacht.
2018 Im Jahre 2018 haben sich 6'136 Deutsche in der Schweiz einbürgern lassen. Dies stellt den bisher höchsten Wert dar.
Deutschland ist der Geburtsstaat von rund 355'000 Einwohnern in der Schweiz. Von diesen besitzen 106'000 die Schweizer Staatsangehörigkeit, entweder bereits seit Geburt oder durch Einbürgerung.
Aufnahme und Rezeption in der Schweiz Fremdenfeindlichkeit und Überforderung Gemäss Medienberichten nahm seit etwa 2007, der vollständigen EU-15-Öffnung infolge des Freizügigkeitsabkommens mit der EU, die Schweizer Xenophobie gegenüber der deutschen Immigration (Germanophobie) zu.Der Spiegel: Januar 2007, NZZ: Oktober 2007, Schweizer Fernsehen: , Die Zeit: Februar 2014, 20 Minuten: Mai 2015, Blick: Mai 2015, Der Spiegel: Mai 2015, Focus: Mai 2015, Handelszeitung: Mai 2015, Tages-Anzeiger: Mai 2015, watson.ch: Mai 2015, web.de: – siehe auch weitere Artikel, Einzelnachweise
Gemäss Marc Helbling, der gestützt auf eine Umfrage in der Stadt Zürich aus den Jahren 1994–1995Soziologisches Institut der Universität Zürich, Oktober 1994 bis März 1995, 1'300 Befragte zwischen 18 und 65 Jahren, Rücklaufquote (response rate) 72 %, d. h. ca. 940 Befragte – Autor(en): Jörg Stolz (et al.?) / Quelle: Helbling (2009–2011) Bemerkung – die Bezeichnung der Einwanderungsgruppen in dieser Studie, die auch Helbling (2009–11) übernommen hat, wurde in den Wikipedia-Artikel übernommen, solange sich der Text auf diese Studie bezieht Ausmass und Gründe der Schweizer Ablehnung deutscher Zuzüger in seinem Forschungsprojekt und Berichten untersuchte, werden Deutsche „im Vergleich zu anderen Westeuropäern als weniger sympathisch angesehen“.