Der Kreis Jülich war bis zur kommunalen Neugliederung 1972 ein Kreis in Nordrhein-Westfalen, der zum ebenfalls durch das Aachen-Gesetz aufgelösten Regierungsbezirk Aachen gehörte. Die Kreisstadt war das namensgebende Jülich.
Kreiswappen war ein Löwe mit roter Ähre oben rechts.
Geographie Nachbarkreise Der Kreis Jülich grenzte 1971 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Erkelenz, Bergheim (Erft), Düren und Aachen sowie an den Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg.
Geschichte miniatur|Der Kreis Jülich auf einer Karte aus dem Jahr 1905
Entstanden war der Kreis Jülich, nachdem das Linke Rheinufer 1815 im Anschluss an den Wiener Kongress an Preußen gefallen war. Er konstituierte sich am 24. April 1816 unter Landrat Johann Karl von Bülow und gehörte zunächst der Provinz Großherzogtum Niederrhein und von 1822 an der Rheinprovinz an. Der Kreis Jülich war zunächst in die 19 Bürgermeistereien Aldenhoven, Barmen, Coslar, Dürwiß, Ederen, Frey-Aldenhoven, Hambach, Hottorf, Inden, Jülich, Kirchberg, Linnich, Rödingen, Roerdorf, Setterich, Siersdorf, Steinstraß, Titz und Welz gegliedert.Friedrich von Restorff: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinzen, Nicolai, 1830, Seite 787 Mit der Einführung der Gemeindeordnung für die Rheinprovinz von 1845 wurden die meisten Bürgermeistereien des Kreises in mehrere Gemeinden untergliedert. Linnich erhielt 1864 und Jülich 1867 die Rheinische Städteordnung. Außerdem wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Bürgermeistereien Setterich und Steinstraß aufgehoben und die Bürgermeisterei Mersch neu eingerichtet. Im Kreis Jülich bestanden seitdem auf einer Fläche von 318 km² zwei Städte und 47 weitere Gemeinden:
Bürgermeisterei Gemeinden Aldenhoven Aldenhoven, Engelsdorf, Langweiler, Niedermerz, Pattern bei Aldenhoven Barmen Barmen, Floßdorf, Merzenhausen Dürwiß Dürwiß, Laurenzberg, Lohn Ederen Ederen, Gereonsweiler Freialdenhoven Dürboslar, Freialdenhoven Hambach Hambach, Krauthausen, Selgersdorf, Stetternich Hottorf Boslar, Gevelsdorf, Hasselsweiler, Hompesch, Hottorf, Müntz, Ralshoven, TetzInden Inden Jülich Jülich (Stadt)Kirchberg Altdorf, KirchbergKoslar Bourheim, KoslarLinnich Linnich (Stadt)Mersch Broich, Güsten, Mersch, Pattern bei Jülich, WelldorfRödingen Rödingen, SteinstraßRoerdorf RoerdorfSiersdorf Bettendorf, Schaufenberg, Schleiden, Setterich, SiersdorfTitz TitzWelz Welz
Die Gemeinde Selgersdorf wurde 1916 in die Stadt Jülich eingegliedert. Wie in der gesamten Rheinprovinz wurden seit dem 1. Januar 1928 die Bürgermeistereien des Kreises als Ämter bezeichnet. Die Gemeinde Schaufenberg schied 1932 aus dem Kreis Jülich aus und wurde nach Alsdorf im Landkreis Aachen eingemeindet. Am 1. Januar 1935 wechselte die Gemeinde Setterich aus dem Kreis Jülich in den Kreis Geilenkirchen-Heinsberg.territorial.de: Kreis Geilenkirchen-Heinsberg Am 1. April 1936 wechselte das Amt Körrenzig mit den drei Gemeinden Körrenzig, Gevenich und Glimbach aus dem Kreis Erkelenz in den Kreis Jülich. Gleichzeitig verloren drei der kleineren Gemeinden im Kreis Jülich ihre Eigenständigkeit:
Hompesch wurde in die Gemeinde Müntz eingegliedert. Krauthausen wurde in die Stadt Jülich eingegliedert. Ralshoven wurde in die Gemeinde Gevelsdorf eingegliedert. Roerdorf wurde seit 1938 amtlich Rurdorf genannt. Der Kreis Jülich gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg seit 1946 zum Land Nordrhein-Westfalen. Einen Großteil der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war Wilhelm Johnen Landrat des Kreises. Die Ämterstruktur wurde schrittweise vereinfacht, so dass der Kreis 1968 noch sieben Ämter besaß. Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform trat zunächst am 1. Juli das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Jülich in Kraft: Boslar, Ederen, Gereonsweiler, Gevenich, Glimbach, Hottorf, Körrenzig, Rurdorf, Tetz und Welz wurden in die Stadt Linnich eingegliedert. Langweiler und Niedermerz wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Niedermerz zusammengeschlossen. Gevelsdorf, Hasselsweiler, Müntz und Titz wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Titz zusammengeschlossen. Güsten und Welldorf wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Welldorf zusammengeschlossen. Das Amt Linnich wurde aufgelöst. Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Jülich.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff. Durch das Aachen-Gesetz wurden am 1. Januar 1972 weitere Gemeinden zusammengeschlossen und der Kreis, dem zuletzt noch 31 Städte und Gemeinden angehörten, aufgelöst: Bettendorf wurde in die Stadt Alsdorf im Kreis Aachen eingegliedert. Dürwiß, Laurenzberg und Lohn wurden in die Stadt Eschweiler im Kreis Aachen eingegliedert. Altdorf und Inden gingen in der neuen, größeren Gemeinde Inden auf. Niederzier, Hambach und Steinstraß gingen in der neuen, größeren Gemeinde Niederzier auf. Außerdem wurde die ehemalige Gemeinde Krauthausen aus der Stadt Jülich in die Gemeinde Niederzier umgemeindet. Kirchberg, Barmen, Bourheim, Broich, Koslar, Merzenhausen, Mersch, Pattern bei Mersch, Stetternich und Welldorf wurden in die Stadt Jülich eingegliedert. Aldenhoven, Dürboslar, Freialdenhoven, Niedermerz, Siersdorf, Schleiden, Pattern bei Aldenhoven und Engelsdorf wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Aldenhoven zusammengeschlossen. Floßdorf wurde in die Stadt Linnich eingegliedert. Titz und Rödingen wurden zu einer neuen, größeren Gemeinde Titz zusammengeschlossen. Der Kreis Jülich sowie seine Ämter Aldenhoven, Dürwiß, Inden, Koslar, Stetternich und Titz wurden aufgelöst Aldenhoven, Inden, Jülich, Linnich, Niederzier und Titz wurden Teil des neuen Kreises Düren und bilden seitdem dessen Nordteil (näherungsweise nördlich der Bundesautobahn 4 mit Ausnahme der Gemeinde Niederzier).
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1816 29.765 1825 32.518 1852 39.075 1871 41.432Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885, S. 244 1880 42.007 1890 41.357 1900 42.670 1910 45.954 1925 49.465 1939 51.974 1950 53.784 1960 68.400 1971 78.200Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973
Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.
Stimmenanteile der Parteien in Prozent
Jahr CDU SPD FDP DUWG DZP KPD 1946 65,6 25,4 6,0 1948 52,1 37,8 4,1 4,4 19521 48,7 32,2 11,9 4,5 2,3 1956 51,6 35,4 7,4 5,6 1961 56,8 30,6 8,1 4,5 1964 51,8 36,7 6,7 4,8 1969 54,7 39,7 5,6
Fußnote
1 1952: zusätzlich: FVP: 8,8 %
Landräte Jahre Landräte 1816–1848 Carl von Bülow 1848–1850 Eberhard von Mylius (auftragsweise) 1849–1850 Matthias Claessen (auftragsweise) 1850–1868 Philipp von Hilgers der Jüngere 1868 Otto Naumann (auftragsweise) 1868–1871 Philipp von Hilgers der Jüngere 1871–1872 Otto Naumann (auftragsweise) 1872–1875 Ludolf von Wenge-Wulffen (auftragsweise) 1875–1880 Karl von Hollen 1880–1892 Werner von Trott zu Solz 1892–1923 Fritz Vüllers 1923–1924 Peter Fischer 1924–1925 Paul Pomp (vertretungsweise) 1925–1933 Joseph Burggraef 1933–1945 Ulrich von Mylius 1945 Matthias Förster 1945–1946 Wilhelm Johnen 1946 Josef Peters 1946–1971 Wilhelm Johnen
Oberkreisdirektoren Jahre Oberkreisdirektoren 1946 Carl Fesenfeld 1946–1959 Franz Grobben 1959–1971 Gustav Innecken
Gemeinden
Der Kreis umfasste am 30. Juni 1969 die folgenden Gemeinden:Sachverständigen-Kommission für die kommunale Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen, Die kommunale und staatliche Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen, Abschnitt B, Die Neugliederung der Städte und Gemeinden in den Ballungszonen und die Reform der Kreise, Siegburg 1968, Kartenanlage 1
Gemeinde Amt eingegliedert in eingegliedert am Jülich, Stadt amtsfrei Jülich Aldenhoven Aldenhoven Aldenhoven Bettendorf Aldenhoven Alsdorf 01.01.1972 Dürboslar Aldenhoven Aldenhoven 01.01.1972 Freialdenhoven Aldenhoven Aldenhoven 01.01.1972 Langweiler Aldenhoven NiedermerzAldenhoven 01.07.196901.01.1972 Niedermerz Aldenhoven Aldenhoven 01.01.1972 Schleiden Aldenhoven Aldenhoven 01.01.1972 Siersdorf Aldenhoven Aldenhoven 01.01.1972 Dürwiß Dürwiß Eschweiler 01.01.1972 Laurenzberg Dürwiß Eschweiler 01.01.1972 Lohn Dürwiß Eschweiler 01.01.1972 Altdorf Inden Inden 01.01.1972 Inden Inden Inden Kirchberg Inden Jülich 01.01.1972 Pattern bei Aldenhoven Inden Aldenhoven 01.01.1972 Barmen Koslar Jülich 01.01.1972 Bourheim Koslar Jülich 01.01.1972 Broich Koslar Jülich 01.01.1972 Engelsdorf Koslar Aldenhoven 01.01.1972 Floßdorf Koslar Linnich 01.01.1972 Koslar Koslar Jülich 01.01.1972 Merzenhausen Koslar Jülich 01.01.1972 Boslar Linnich Linnich 01.07.1969 Ederen Linnich Linnich 01.07.1969 Gereonsweiler Linnich Linnich 01.07.1969 Gevenich Linnich Linnich 01.07.1969 Glimbach Linnich Linnich 01.07.1969 Hottorf Linnich Linnich 01.07.1969 Körrenzig Linnich Linnich 01.07.1969 Linnich, Stadt Linnich Linnich Rurdorf Linnich Linnich 01.07.1969 Tetz Linnich Linnich 01.07.1969 Welz Linnich Linnich 01.07.1969 Güsten Stetternich WelldorfJülich 01.07.196901.01.1972 Hambach Stetternich Niederzier 01.01.1972 Mersch Stetternich Jülich 01.01.1972 Pattern bei Mersch Stetternich Jülich 01.01.1972 Steinstraß Stetternich Niederzier 01.01.1972 Stetternich Stetternich Jülich 01.01.1972 Welldorf Stetternich Jülich 01.01.1972 Gevelsdorf Titz Titz 01.07.1969 Hasselsweiler Titz Titz 01.07.1969 Müntz Titz Titz 01.07.1969 Rödingen Titz Titz 01.01.1972 Titz Titz Titz
Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen JÜL zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1971 ausgegeben. Seit dem 17. November 2012 ist es aufgrund der Kennzeichenliberalisierung im Kreis Düren erhältlich.
Literatur Karl Franck-Oberaspach und Edmund Renard: Die Kunstdenkmäler des Kreises Jülich. 1902 (siehe auch Liste der Baudenkmäler in Jülich)
Weblinks
Einzelnachweise
Julich Julich Kategorie:Organisation (Jülich) Kategorie:Ehemalige Verwaltungseinheit (Kreis Düren) Julich Kategorie:Aufgelöst 1972