Als Fitting (englisch für ‚Beschlag‘, ‚Verbindungsstück‘, ‚Kleinteil‘, ‚Armatur‘ In: Merriam-Webster. „Fitting [engl.] das, ↑ Formstück“. In: Meyers grosses Taschenlexikon. 1998; „Fitting [engl.] n. 9 Verbindungsstück (Gelenk u. Ä.) bei Rohrleitungen“. In: Die deutsche Rechtschreibung. Bellavista 2004. deutscher Plural die Fittings) oder Rohrverbinder werden Verbindungsstücke für Rohrleitungen in der Versorgungs- und Montagetechnik bezeichnet, die überwiegend zur Herstellung von Rohrleitungsverbindungen dienen.
Die Abmessungen vieler Fittings sind in Normen (EN, ANSI, GOST …) festgelegt, so dass Rohre und Fittings verschiedener Hersteller kombiniert werden können.
Rohrverbinder größeren Dimensionen bzw. bei geringerem Anspruch an die Passgenauigkeit werden sie auch als Formstücke bezeichnet, insbesondere solche aus Kunststoff.
mini|Sogenannte metallisch-dichtende Verschraubung mit Überwurfmutter mini|Klemmringverschraubung die etwa mit PVC- und mit Kupferrohren verwendet werden kann. mini|Verschraubung für Kunststoff- und Mehrschichtverbundrohre bei der zunächst das Rohrende (7) aufgeweitet und dann zwischen der Stützhülse (6) und der konischen Dichtfläche (5) eingeklemmt wird, indem die Überwurfmutter (4) auf das Gewinde des Doppelnippels (3) geschraubt wird. mini|Fittings dieser Größe werden auch als Formstücke bezeichnet. mini|Abwasserleitung aus Gusseisen (SML-Rohr)
Geschichte Das heute als Fitting verstandene Verbindungsstück im Rohrleitungsbau wurde bis zur Erfindung des Tempergusses geschmiedet. In Europa wurde die Technik des Tempergusses für Fittings – der sogenannte Tempergussfitting – 1864 von Georg Fischer II. eingeführt. Das Polytechnische Journal urteilte 1860: «Seit etwas länger als einem Jahr hat das durch ausgezeichnete Stahlfabrikate in der ganzen technischen Welt wohlbekannte Etablissement von Fischer in Schaffhausen auch die Fabrikation von hämmer- und schweissbarem Guss aufgenommen.» Gussfittings setzten sich schnell durch, da sie qualitativ und preislich überlegen waren.Der Wandel zur Industrie (1855–1887). Georg Fisch II. In: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Verein für wirtschaftshistorische Studien Meilen, 2002, ISBN 3-909059-24-4, S. 47.
Tempergussfittings wurden zu Beginn vor allem für Gasleitungen mit Dimensionen von ¼ bis 2 Zoll eingesetzt, doch auch für Wasser- und Dampfleitungen. In den 1870er Jahren taucht in Produktkatalogen der Firma Georg Fischer AG (GF) erstmals der Begriff Fitting auf.GF Piping Systems: 150 Jahre Rohrverbindungsteile aus Temperguss. Traisen, Januar 2014.
Kunststoff als Werkstoff für Fittings kam Mitte der 1950er Jahre auf, um die Anfang dieses Jahrzehnts auf den Markt gekommenen Kunststoffrohre miteinander zu verbinden. Seit 1953 wurden im Werk Schaffhausen der GF erste Versuche unternommen, 1955 konnten PVC-Fittings auf einer Fachmesse präsentiert werden und ab 1957 gingen diese in Serienproduktion.Franziska Eggimann: Lebendige Industrie. Blick in das Konzernarchiv der Georg Fischer AG. Hier und Jetzt, Baden 2018, ISBN 978-3-03919-427-8, S. 100.
mini|PVC-Fittings für Steck- und Flanschverbindungen
Rohrleitungsfittings Fittings bzw. Formteile dienen in Rohrleitungssystemen zur Verbindung der geraden und gebogenen Rohrstücke untereinander sowie mit Rohrleitungsarmaturen (Ventile, Reinigungsöffnungen, Dichtungen, Thermometer, Manometer usw.).
Der Anschluss kann durch Verschraubung, Flansch-, Löt-, Klemm-, Quetsch-, Steck-, Press- oder Klebeverbindung hergestellt werden. Der Begriff ist überall in der Rohrleitungsplanung und auch in der Haustechnik gebräuchlich.
Fittings werden für verschiedene Nennweiten und Nenndrücke angeboten.
Aufgrund der Zeitersparnis und einfacheren Anwendung hat der Einsatz von Fittings in der häuslichen Installationstechnik das handwerkliche Biegen, Aufweiten, Aushalsen und fittingslose Hartlöten von Kupferrohr sowie das Verschweißen sogenannter schwarzer Stahlrohre fast verdrängt.
Funktion Zur Herstellung von komplexen, verzweigten Rohrleitungsnetzen werden Verbindungsstücke unterschiedlicher Art und Dimensionen angeboten, die je nach Typ beispielsweise folgende Funktionen erfüllen: Gerade Verbindungen durch Lang- oder Kurzmuffen, Doppelnippel und Kupplungen Richtungswechsel durch Winkel (mit kleinem Radius) oder Bögen (mit größerem Radius) Durchmesserwechsel durch Reduzierungen (Reduzierstücke) Abzweige durch T-Stücke (3-armig) und Kreuzungen (4-armig) Verbindung zu Einbauteilen beispielsweise durch Flansche oder Verschraubungen (Nippel) Verbindung verschiedener Rohrmaterialien, zur Vermeidung von Korrosionselementen sollten bei der Verbindung unterschiedlicher Metalle Isolierstücke verwendet oder Kombinationsregeln beachtet werden. Zwischen Stahl- und Kupferrohren werden beispielsweise Messing- oder besser Rotgussfittings eingesetzt. Trennstellen sowie Reinigungs- und Inspektionsöffnungen für Montage und Wartungsarbeiten, z. B. durch Verschraubungen
Bezeichnungen
Im Anlagenbau werden vielfach auch die englischen Bezeichnungen verwendet: Fittings (engl. Fittings), Verbindungen (Joints u. unions), Flansche (flanges), Rohr (tube, pipe) und Ventile (valves). Im Deutschen existiert zudem der Oberbegriff Armaturen für alle in Rohrleitungen eingebauten Steuerungs- und Kontrollteile (Ventile (hand- oder motorbetrieben), Schaugläser, Siebe, Rückschlagklappen u. a. m., aber keine Mess- und Regelungsausrüstungen). Den Sammelbegriff Armatur kennt man im Englischen nicht und schlägt alles den valves zu.u. a. Perry, Chilton: Chemical Engineers' Handbook, div. Auflagen
Werkstoffe Fittings gibt es aus (schwarzem) Stahl, (schwarzem) Temperguss, rostfreiem Stahl („Edelstahl“), Messing, Rotguss, Kupfer und Kunststoffen.
Für Verschraubungen werden Fittings aus Kunststoff, Messing, Rotguss oder weißem Temperguss verwendet. Tempergussfittings werden einer speziellen Wärmebehandlung unterzogen, um die Zähigkeit des ursprünglich spröden Gusswerkstoffes zu erhöhen.
mini|Richtungswechsel, Versprung und Anpassung von Rohrachsabständen mittels Rohrbögen Standardisierung Form und Maße von Rohrleitungs-Fittings werden durch Normen (DIN, EN, ANSI) geregelt.
Die Durchmesser der Durchströmungsöffnungen werden meist als Nennweiten (DN, engl.: NB (nominal bore) oder NPS (nominal pipe size)) angegeben.
Alle Fittings, die für Wasser- und Gasinstallationen eingesetzt werden, sollten ebenso wie Rohre mit der Buchstabenkombination „DVGW“ gekennzeichnet sein.
Neue Verbindungstechniken Traditionell werden Rohre durch Verschrauben, Löten und Schweißen verbunden. Moderne Techniken sind Stecken, Klemmen, Pressen, Kleben und das Verschweißen von Kunststoffrohren. Im Gegensatz zu Schweiß- und Lötverbindungen können diese auch in brand- und explosionsgefährdeter Umgebung eingesetzt werden. Die Abdichtung der Verbindung wird bei Steck-, Klemm- und Pressverbindungen gewöhnlich durch einen Dichtring (O-Ring) hergestellt, der in eine Nut im Fitting eingelegt wird. Zum Ansetzen der Pressbacken beim Herstellen einer Pressverbindung wird etwas mehr Platz benötigt, als für das Drehen der Schraubfittings bei Gewinderohren. Auch die Geräte für das Heizelementmuffen- und Heizelementstumpfschweißen von Kunststoffrohren benötigen einen gewissen Arbeitsraum. Demgegenüber können insbesondere Löt-, Klebe-, Steck- und Klemmverbindungen sowie Heizelementschweißungen in der Regel auch unter beengten Verhältnissen ausgeführt werden.
mini|links|Fittings aus Kupfer zur Kapillar-Lötverbindung Kupfer-Lötfittings Fittings zur Kapillarlötung von Kupferrohr sind nach EN 1254 (ehemals DIN 2856) genormt. Die Formstücke werden durch eine Typennummer gekennzeichnet.
Typenserie 5000: Lötfittings aus Kupfer nach EN 1254 Nummer Bild Benennung5001A 53px Bogen 90° mit Innen- und Außenlötende5002A 53px Bogen 90° mit Innenlötenden5002 L Langer Bogen 90° mit Innenlötenden5040 53px Bogen 45° mit Innen- und Außenlötende5041 53px Bogen 45° mit Innenlötenden5060 Doppelbogen 180° mit Innenlötenden5085 Überspringbogen mit Innenlötenden5085 Überspringbogen mit Innenlötenden5086 Überspringbogen mit Innen- und Außenlötende5090 Winkel 90° mit Innenlötenden5090R Winkel 90° reduziert mit Innenlötenden5092 Winkel 90° mit Innen- und Außenlötende5130 53px T-Stück mit Innenlötenden5130 R T-Stück reduziert mit Innenlötenden5180 R Kreuzstück mit Innenlötenden5240 53px Reduziermuffe mit Innenlötenden5240G Halbe Verschraubung mit Innenlötende, Überwurfmutter, flach dichtend5243 Reduziernippel mit Innen- und Außenlötende5243G Reduziernippel mit Innenlötende und Außengewinde5246G Übergangs-Muffennippel mit Innengewinde und Außenlötende5270 53px Muffe mit Rohranschlag und Innenlötenden5270 G Übergangsmuffe mit Innenlötende und Innengewinde5270S Schiebemuffe ohne Rohranschlag mit Innenlötenden5280G Doppelnippel mit Innen- und Außenlötende5290 Stopfen5301 53px Kappe mit Innenlötende5340 Verschraubung, kegelig (metallisch) dichtend5340G Verschraubung, einerseits Innengewinde, kegelig (metallisch) dichtend5340G Verschraubung, einerseits Außengewinde, kegelig (metallisch) dichtend5359G Halbe Verschraubung, flach dichtend mit Überwurfmutter5870 Ausdehnungsbogen
Steckfittings mini|HT-Rohr mit Muffen zur Steckverbindung Steckverbindungen werden für Abwasserleitungen aus Keramik, Beton, sowie HT- und KG-Rohren verwendet.
Es sind auch Steckfittings für Kupfer- und Stahlrohre erhältlich, die ohne Werkzeugeinsatz verwendet und je nach System mit speziellen Zangen wieder gelöst werden können. Die zugfeste Verbindung wird meist durch einen dünnen, lamellierten Ring aus Federstahl hergestellt. Die scharfkantigen lamellenartigen Flügel des Rings erlauben das Einstecken des Rohrs und verkrallen sich beim Auftreten von Zugkräften wie Widerhaken auf dessen Außenseite. Aufgrund des hohen Preises werden diese druckfesten Steckfittings nur in besonderen Fällen eingesetzt. Ein bekannter Markenname ist Tectite.
Pressfittings mini|T-Stücke für Mehrschichtverbundrohr mini|Kupfer-Pressfitting mit 90°-Bogen in 15mm-Rohr
Das Pressen ist die im professionellen Bereich inzwischen vorherrschende Verbindungstechnik bei Heizungs- und Sanitärinstallationen.
Pressfittings werden mit handbetätigten Presszangen oder elektrischen Pressmaschinen auf Kupfer-, Stahl- oder Mehrschichtverbundrohr verpresst. Diese Fittings sind noch relativ teuer, Vorteile ergeben sich insbesondere aus der schnellen Montage. Presswerkzeuge lassen sich oft in Baumärkten und Fachunternehmen mieten.
Presswerkzeuge für die verschiedenen Systeme sind oft nicht miteinander kompatibel. Sie werden auch als Pressbacken oder Presszangen bezeichnet. Alternativ kommen Pressringe mit (Gelenk)Zugbacken zum Einsatz. Für größere Rohrdurchmesser gibt es Pressketten mit Zugbacken oder Pressschlingen., In: www.Viega.at Zum Verpressen von Gasinstallationen werden teilweise spezielle Presswerkzeuge gefordert. Die verschiedenen Prägemuster der Werkzeuge werden als Konturen bezeichnet.
Der Vorteil besteht in erster Linie in der einfachen und schnellen Verarbeitung: Außer dem Entgraten der Schnittkante und Markieren der Einstecktiefe sind keine weiteren Vorarbeiten nötig. Neben dem Pressgerät wird keine Zusatzausrüstung wie Gewindeschneidkluppen, Gasflaschen oder Schweißgeräte benötigt. Keine Brandgefahr oder Verschwelung der Umgebung durch Löt- und Schweißarbeiten. Sauberes Aussehen der Verbindungsstellen ohne Nachbearbeitung.
Nachteile: Fittings und Armaturen mit Pressverbindung sind vergleichsweise teuer An Engstellen ist das Heranführen des Presswerkzeuges schwer oder gar nicht möglich