Raymond Louis Heenan (* 1. November 1944 in Chicago; † 17. September 2017 in Largo, Florida) war ein US-amerikanischer Wrestling-Manager, Fernsehkommentator und Wrestler. Bekannt wurde er unter den Ringnamen Bobby „The Brain“ Heenan und Bobby „The Weasel“ Heenan. Als legendär gelten seine Rede-Duelle mit Gorilla Monsoon in den US-amerikanischen Wrestlingshows.
Während seiner aktiven Karriere war er hauptsächlich für AWA, World Championship Wrestling und die damalige World Wrestling Federation tätig. Heenan wurde 2004 von Blackjack Lanza in die WWE Hall of Fame eingeführt.
Karriere Die Anfänge Heenans Mutter besaß in Indianapolis einige Apartments. Einer ihrer Mieter war der regionale Wrestler Zack Melkof. Heenan selbst war schon immer vom Wrestling begeistert und betrieb mit einigen Freunden das sogenannte Backyard Wrestling, eine laienhafte Form Jugendlicher, die den Profis nacheifern. Als 12-Jähriger ließ sich Heenan von Melkof die ersten professionellen Griffe und Aktionen zeigen. Melkof brachte den jungen Heenan mit regionalen Wrestlingligen in Kontakt und so begann er noch 1956 für die Promotor als Verkäufer, Kofferträger und in der Ringcrew zu arbeiten.411mania-Profil von Bobby Heenan (englisch)NWA Wrestling – The Magazine, Ausgabe 11/1979, S. 15
Die Zeit als aktiver Wrestler Als 17-Jähriger gab er 1960 sein Debüt als Wrestler, als er maskiert unter dem Namen Avenger auftrat. Sein damaliger Gegner war der ehemalige Bodybuilder Calvin „Prinz“ Pullins. Da er jedoch noch minderjährig war und das Regelwerk des amerikanischen Dachverbands National Wrestling Alliance besagte, dass aktive Wrestler erst mit 21 Jahren antreten durften, gab es Probleme. Um eine Sonderregel aufzugreifen, die 18-Jährigen regional begrenzte Auftritte als Wrestler erlaubte, machte er sich ein Jahr älter, indem er 1943 als sein Geburtstag angab. Zum anderen verbarg er sein jugendlich wirkendes Gesicht unter einer Maske. Seine ersten Matches waren durch ihre blutigen Ausführungen geprägt, und Heenan trat in ihnen als Brawler an. Einige Zeit später bemerkte Heenan selbst, dass seine ringerischen Fähigkeiten begrenzt waren. Er entdeckte aber, dass seine Fähigkeiten am Mikrofon denen seiner Kollegen weit überlegen waren. So beschloss Heenan mit seinen Promotoren, sein Gimmick dahin zu ändern, dass er verstärkt als Manager eingesetzt wurde.
Ab 1965 trat Heenan unter dem Namen „Pretty Boy“ Bobby Heenan auf, nachdem er sich bei einer Show den Nacken gebrochen hatte.Biografie Bobby Heenan auf Genickbruch.com, abgerufen am 4. Februar 2012Biografie Bobby Heenan auf Online World of Wrestling, abgerufen am 4. Februar 2012 Sein neues Gimmick war das eines feigen Wrestlers und hinterhältigen Wrestling-Managers. Er rannte als Wrestler aus dem Ring oder versteckte sich hinter seinen Schützlingen, wenn es für den „Wrestler“ Bobby Heenan eng wurde. Zum anderen baute er in späterer Zeit als „Manager“ einige der bedeutendsten Wrestler und Stables auf, deren rednerische Mängel durch seine logischen und durchstrukturierten Promos wettgemacht wurden.
Durchbruch als Manager in der AWA und NWA Ende der 1960er Jahre verlangten die Promoter, die selbst diese Vorgabe von Fernsehsendern und Sponsoren bekamen, immer mehr Redetexte von den Wrestlern, da sich das Wrestlinggeschäft nun langsam auf Fernsehübertragungen verlagerte. Die monatlichen Live-Veranstaltungen wurden immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Aus dem ursprünglichen, sportlastigen Wrestling wurde langsam Show Entertainment. So stellte man rednerisch schwachen Wrestlern lautstarke und wortgewandte Manager zur Seite, die deren Redepart auf ein Minimum reduzierten. Heenans Rolle fiel genau in diese Sparte und veränderte sich seitdem kaum. Er wurde nun landesweit als Manager von Wrestlern bekannt und trat in der Folge vor allem in der American Wrestling Association auf. Dort wurde er ab 1969 so etwas wie ein Aushängeschild der Liga, dass die Hallen zu füllen vermochte. Er betreute zunächst ein Tag Team, das von Nick Bockwinkel und Ray „The Crippler“ Stevens gebildet wurde und mehrfach die AWA Tag Team Titel erhielt. In diese Zeit fiel auch die Gründung der Gruppierung Heenan Family, die in erster Besetzung aus den Wrestlern Bockwinkel, Stevens, Bobby Duncum Sr. und Blackjack Lanza gebildet wurde.
1976 stand Bobby Heenan so zeitgleich dem AWA World Champion (Bockwinkel) und den AWA Tag Team Champions (Lanza und Duncum) zur Seite. In dieser Phase seiner Karriere erhielt „The Brain“ auch den Spottnamen „Weasel“, den ihm Dick The Bruiser gab und der von Face-Wrestlern und -Fans aufgenommen wurde.Heenan, Bobby: „Bobby The Brain: Wrestling's Bad Boy Tells All.“, S. 32, Triumph Books, 2002
Nach einem etwa halbjährigen Abstecher zu der NWA gehörenden Liga Georgia Championship Wrestling kehrte Heenan im Spätjahr 1979 zur AWA zurück, um seinem Schützling Nick Bockwinkel zu einem erneuten längeren Meisterschaftserfolg zu verhelfen. Einer der Gegner Bockwinkels war ein Newcomer namens Hulk Hogan. Ab 1982 wurde die WWF auf den rednerisch begabten Heenan aufmerksam, als dieser bei einem Match des amtierenden AWA-Champions Bockwinkel gegen Hogan einen verbotenen Gegenstand (engl. foreign object) in Form eines Schlagringes in den Ring schob, mit dem der Bockwinkel seinen Herausforderer verletzen sollte; dies war jedoch nicht Teil der Storyline. Allerdings gelang es Hogan, Bockwinkel den Schlagring zu entwenden und ihn damit niederzuschlagen. Hogan wurde zum neuen Champion erklärt, da dem Ringrichter der verbotene Gegenstand entgangen war. Auf Betreiben Heenans wurde Hogan der Titel jedoch wieder aberkannt, da sich der Schlagring noch in seinem Besitz befand.Profil Hulk Hogans auf Online World of Wrestling Hulk Hogans auf Genickbruch
Die Zeit in der World Wrestling Federation Heenan wurde schließlich als Bobby „The Brain“ Heenan von der damaligen World Wrestling Federation angestellt. Er debütierte dort am 26. November 1984, als er den Belgier Sal Bellomo besiegte. Nach dem Willen von Vince McMahon sollte Heenan den Wrestler Jesse „The Body“ Ventura managen. Nachdem aber Ventura seine aktive Karriere aufgrund von Blutgerinnseln in der Lunge beenden musste, übernahm Heenan Big John Studd als Schützling, welcher gegen André the Giant fehden sollte. Kurz darauf belebte man die Heenan Family wieder, welcher in ihrem über 20-jährigen Bestehen neben Studd auch Ken Patera, Paul Orndorff, King Kong Bundy, André the Giant sowie einige andere Wrestler angehörten. Heenan selbst lehnte den Begriff „Stable“ (dt. Stall) immer ab, mit der Begründung, dies sei etwas, in das man Pferde stelle. links|mini|hochkant=1.2|Heenan als Manager von André the Giant in der WWF Heenan war einer der, wenn nicht sogar der meistgehasste Manager der WWF. Seine bekannteste Fehde hatte er, als er André the Giant herausforderte, gegen Studd in einer Body-Slam-Challenge um 15.000 USD anzutreten. Diese Herausforderung, welche bei der ersten WrestleMania stattfand, besagte zudem, dass André, sollte er verlieren, seine Karriere beenden müsse.WrestleMania 1 Results - wwe.com
Die Heenan Family hatte während der 1980er Jahre eine aufsehenerregende Fehde gegen Wrestlinglegende Hulk Hogan. Zwei Mitglieder, King Kong Bundy (1986) und André the Giant (1987), traten bei WrestleMania jeweils gegen Hogan an, durften dessen Titel jedoch nicht gewinnen. Ein weiteres beachtetes Fehdenprogramm führte Heenan gegen den Ultimate Warrior. Man reinitiierte die Weasel Suit Matches, nach denen der Verlierer in ein Wieselkostüm steigen musste. Selbige kannte Heenan bereits aus der AWA, wo sie erstmals bestritten wurden.
Nachdem Heenan in seinen ersten fünf Jahren bei der WWF keinen Titelhalter managen konnte, worüber sich die Kommentatoren lustig machten, kam seine Stunde bei WrestleMania V 1989. „Ravishing“ Rick Rude konnte dem Warrior dessen Intercontinental-Championship-Titel abnehmen. Kurze Zeit später erhielten die Brain Busters die Tag-Team-Titel, womit Heenan nicht nur zwei Titelträger zur gleichen Zeit managte, sondern auch einen Rekord einstellte, den zwei Jahre zuvor Jimmy Hart aufgestellt hatte. Ein Jahr später hatte er diesen überboten, nachdem er in der Zwischenzeit nicht nur die Colossal Connection (Andre und Haku) zum Tag-Team-Titel, sondern auch Mr. Perfect zum Intercontinental-Titel führen durfte.
Ab 1991 war es „The Brain“, bedingt durch eine Nackenverletzung, nicht mehr möglich, während seiner Auftritte am Ring Schläge einzustecken. So trat er als Manager kürzer, um Kommentator zu werden. Als Ric Flair bei der WWF unterschrieb, lobte ihn Heenan – aufgrund Flairs Nicht-Antritts-Klausel mit der WCW – wochenlang als den „Real World Heavyweight Champion“ (dt.: wahrer Schwergewichtschampion), da dieser noch die NWA World Heavyweight Championship hielt. Obwohl er, laut geskripteter Handlung, selbst gerne Flairs Manager geworden wäre, begleite Heenans ehemaliger Schützling Mr. Perfect den „Nature Boy“. Beim Royal Rumble des Jahres 1993 stellte er, als „Revanche“ an Mr. Perfect, „The Narcissist“ Lex Luger in der Federation vor.
Zeit als Kommentator mini|hochkant|Heenan als Kommentator 1986 ersetzte Heenan Jesse Ventura als Kommentatorenpartner von Gorilla Monsoon. Dabei übernahm er das gleiche Profil, das er schon als Manager verkörpert hatte. Die in der Regel improvisierten Gespräche der beiden sorgten vielfach für Aufsehen und unterhaltende Momente. Heenan bezeichnete sich selbst als „Nachrichtenjournalist“ und begeisterte sich offen für die Bösewichte, die im Ring betrogen. Er bezeichnete die Guten, insbesondere Jobber, im Gegenzug als „Weicheier“. Ein Running Gag der beiden war, dass sich Heenan nahezu jedes Mal in einen Lobesrausch für einen Heel steigerte, bis Monsoon ihm mit einem „Will you stop!“ (dt.: Hör endlich auf!) Einhalt gebot.
Heenan, der immer noch unter der zehn Jahre zuvor zugezogenen Nackenverletzung litt, entschied sich Ende 1993, die WWF zu verlassen, da er die engen Zeitpläne dort nicht mehr schaffte. Er bekam eine passende On-Air-Verabschiedung bei der Monday-Night-Raw-Ausgabe vom 6. Dezember 1993. Gorilla Monsoon, Heenans ständiger (Kayfabe)-Fehltritte und Lästerungen „überdrüssig“, warf ihn und seine Habseligkeiten aus dem Westchester County Center auf die Straßen New Yorks. Heenans Aussage nach, war dies eine gemeinsame Idee von ihm und Monsoon. Später hätten er und Monsoon sich im Hotel umarmt und stundenlang geweint.Heenan, Bobby: „Bobby The Brain: Wrestling's Bad Boy Tells All.“, S. 90, Triumph Books, 2002. In einem späteren Interview äußerte Heenan, er habe sich dazu entschieden, dass Monsoon ihn herauswerfe, da es passend schien. Außerdem stichelte er in Richtung Monsoon, er habe die Bananen, die dieser ihm als Abschiedsgeschenk überreicht hatte, gegessen.
Ursprünglich wollte Bobby Heenan zu dieser Zeit das Wrestlinggeschäft aufgeben, entspannen und sich um seine Familie kümmern. Doch wurde er nicht lange nach seinem Abschied aus der WWF von der WCW kontaktiert. Erst zögerte er, doch als er erfuhr, dass diese bessere Arbeitszeiten und eine Krankenversicherung hatte, sagte er zu. Außerdem ging seine Tochter in Alabama zur Schule, und da die Zentrale der WCW in Atlanta lag, bedeutete dies nur einige Stunden Fahrt.Heenan, Bobby: Bobby The Brain: Wrestling’s Bad Boy Tells All., S. 94, Triumph Books, 2002.
Die Zeit bei World Championship Wrestling 1994 wechselte Heenan als Vollzeitkommentator zur WCW, wo er sein Gimmick des Fieslings weiterführte. Eingesetzt wurde er in den Hauptshows der Liga, Monday Nitro und Thunder, sowie den Clash of the Champions Specials und vielen Pay-per-Views. Heenans Zeit bei der WCW war sehr unglücklich. Er selbst beschreibt den Unterschied zwischen den Arbeitsverhältnissen bei WCW und WWF „wie Nacht und Tag“, unter anderem wegen seiner Meinungsverschiedenheiten mit Eric Bischoff und Tony Schiavone.Heenan, Bobby: „Bobby The Brain: Wrestling's Bad Boy Tells All.“, S. 97, Triumph Books, 2002.