Kerstenbruch ist ein bewohnter Gemeindeteil der amtsangehörigen Gemeinde Neulewin im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland und wird vom Amt Barnim-Oderbruch verwaltet. Bis zur Eingemeindung 1974 in die Gemeinde Neulewin war Kerstenbruch eine eigenständige Gemeinde.

Geographische Lage Das Dorf liegt zwei Kilometer nördlich von Neulewin, direkt nördlich der Alten Oder.

Geschichte Kerstenbruch entstand nach Trockenlegung des Oderbruches ab dem Jahr 1753. Namenspatron war nach dem Landbuch der Mark Brandenburg der Hofrat Kersten. Dem Gründer folgte kurzzeitig der Kammerrat und spätere Großgrundbesitzer Paul (von) Wolff-Haselberg (* 1744; † 1805). Er wurde 1786 nobilitiert, seine Söhne Karl und August machten nachfolgend eine Offizierskarriere. Des Weiteren hat der Offizier Carl von Vigny einen näheren Bezug zu Kerstenbruch, er ist 1777 hier geboren und starb 1846 in Koblenz als Generalmajor.Carl Magdalena von Vigny * 1777 in Kerstenbruch; † 1846 in Coblentz. (Generalmajor), in: Bogislav von Kleist: Die Generale der Chur-Brandenburgischen und Königlich Preußische Armee von 1840-1890, 2. Ausgabe, Zuckschwerdt & Möschke, Leipzig 1895, S. 69 f.

Es waren damals vier große Höfe und zwölf kleine Höfe im Ort vorhanden. Ort und Rittergut lagen auf dem Fundo des Ritterguts Alt-Wriezen, in alten Matrikel Alt-Wriezen I genannt. Im Jahr 1780 wurde ein Bethaus errichtet. Ein weiterer Besitzerwechsel folgte alsbald und die Familie Christiani wurde Grundbesitzer von Kerstenbruch. Von 1799 bis 1802 wurden unter anderem eine Brauerei, eine Brennerei, eine Schmiede und ein Schulhaus erbaut. Die Ziegelei wurde erweitert. Von der Ziegelei sind nur noch Reste eines Feldbrandofens vorhanden. 1822 brannte das Dorf fast vollständig nieder, es wurde mit massiven Häusern wieder aufgebaut. 1842 wurde ein neues Schul- und Bethaus errichtet. 1868 übernahm die Familie Christiani-Kerstenbruch die bereits bestehende Zuckerfabrik in Eigenregie. 1880 wird die Gemarkung als Wohnplatz tituliert. 1894 sind im Ort der Schmied Joh. Jaedicke und der Stellmacher Emil Ebener ansässig. 1900 wohnten hier 225 Menschen. Zu diesem Zeitpunkt war der Ritterschaftsrat für den Kreis Ober-Barnim Wilhelm Christiani der Gutsbesitzer.Wilhelm Christiani sen. Kgl. Ritterschaftsrat. Kerstenbruch. Kreis Ober-Barnim., in: Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg. 1907., in: Niekammer’s Güter-Adressbücher, Band VII, 1. Auflage, Hrsg. Paul Niekammer, Selbstverlag, Stettin 1907, S. 39. In seiner Funktion unterstand er dem Kur- und Neumärkisches Ritterschaftliches Kreditinstitut. Ihm folgte als Eigentümerin seine Witwe Frau Ritterschaftsrätin Christiani, respektive der Sohn Wilhelm Christiani jun. ab etwa 1914. Zum Rittergut Kerstenbruch gehörten samt Vorwerk Rüstenwerder 225 ha Fläche. Es wurde ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb mit Viehzucht und eine Zieglei betrieben. 1929, kurz vor Wirtschaftskrise, hatte das Rittergut 278 ha Größe. Bis 1938 fanden weitere Investitionen am Gutsbetrieb statt.2A I SW 2481; Darlehen für Wilhelm Christiani zum Bau von zwei Werkwohnungen in Kerstenbruch, Grundbuch Kerstenbruch - Gut Bd. 1 Bl. 1, Kerstenbruch Bd. 1 Bl. 4 und Rüsterwerder Bd. 1 Bl. 4; 1938-1940., in BLHA. Die Besitzgröße blieb konstant, letzte Eigentümerin des Gutsbetriebes war Agnes Christiani. An die Kerstenbrucher Gutsbesitzerfamilie erinnert heute ein Gedenkstein.Gedenkstaette der Familie Christiani. 2015.

1911 wurde die Oderbruchbahn gebaut, auch Kerstenbruch erhielt einen Bahnhof. Der Personenverkehr wurde 1966 eingestellt, die Bahnstrecke wurde abgebaut.Bahnstrecken in Brandenburg. Oderbruchbahn. auf www.bahnstrecken.de Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1953 die LPG „Philipp Müller“ gegründet, 1960 entstand eine weitere LPG.

Besondere Bauwerke Der ehemalige Feldbrandofen liegt östlich des Ortes auf freiem Feld. Er wurde wahrscheinlich um 1800 erbaut. Es ist der letzte Feldbrandofen in Brandenburg.

Der Speicher wurde wahrscheinlich von 1799 bis 1802 in der Nähe der Alten Oder als Teil des Gutes errichtet. Hier befand sich an der damals noch schiffbaren Alten Oder ein kleiner Hafen. Der Speicher diente zur Lagerung von landwirtschaftlichen Produkten. Die Anordnung der Luken deutet auf drei Ebenen im Speicher hin. Der Speicher hat ein Krüppelwalmdach, an jeder Traufseite befinden sich Tore.

Literatur

Ilona Rohowski, Ingetraud Senst: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg. Band 9.1: Landkreis Märkisch-Oderland. Teil 1: Städte Bad Freienwalde und Neulewin, Dörfer im Niederoderbruch. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein 2006, ISBN 3-88462-230-7, S. 312–313.

Weblinks Kerstenbruch. Aktenbestand Brandenburgisches Landeshauptarchiv. Stand 5. Juni 2023. Rittergut Kerstenbruch, in: Veikkos Archiv. Stand 15. November 2013.

Einzelnachweise Beitrag zur Statistik Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005 19.15 Landkreis Märkisch-Oderland PDF

Kategorie:Ort im Landkreis Märkisch-Oderland Kategorie:Neulewin Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Märkisch-Oderland)