miniatur|hochkant=1.3|Hl. Dreifaltigkeit Hochaltar von Mathias Högenwald geschaffen 1681 für die Franziskanerkirche in Passau Heiligste Dreifaltigkeit ist eine in den Jahren von 1747 bis 1756 erbaute Pfarrkirche in Grainet im Landkreis Freyung-Grafenau in Niederbayern.
Geschichte mini|hochkant|links|Stadtpfarrkirche St. Paul (Passau), Epitaph des Lukas Kern, DetailPassau, Stadtpfarrkirche St. Paul, Epitaph des Lukas Kern, Detail, Text: Gestiffte Pfarr Graineth. Ich will meinem Haubt keine Ruhe gonnen, biß ich eine Stadt für den Herrn finde, ein(?) Tempel für den Gott Jacobs. Ps. 131 V. 5.
Das Dorf Grainet gehörte bis 1750 zur Pfarrei Freyung. Vier- bis fünfmal im Jahr feierte ein Freyunger Geistlicher Gottesdienst in der alten um 1500 erbauten Nikolauskirche, die aber durch den Bevölkerungszuwachs in der Gemeinde viel zu klein war, zudem wollte man eine eigene Pfarrei. Man wandte sich an Fürstbischof Joseph Dominikus von Lamberg in Passau um eine eigene Pfarrei. Der Passauer Wirt und Schiffsmeister Lukas Kern (1681–1749), bereits als Stifter und Wohltäter bekannt, half den Grainetern. So konnten sie mit einem Grundstock von 10.000 Gulden mit dem Bau einer neuen Kirche beginnen. Hiermit wurde der junge Geistliche Franz Xaver Schmid beauftragt; seine Aufgaben waren vielseitig, aber die Unterstützung seitens des Ordinariats wurde ihm verwehrt. So war es Lukas Kern, der beim Fürstbischof die Genehmigung des Stiftungsbriefes anmahnte, über die Zustände in Grainet berichtete und inständig bat, dem Seelsorger in Grainet mehr Hilfe zu gewähren.Diözesanarchiv Passau
Am 2. Dezember 1748 wurde Franz Xaver Schmid zum Vikar und am 4. Juni 1750 zum Pfarrer von Grainet ernannt. miniatur|hochkant=0.7|Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit, erbaut 1747–1756 miniatur|hochkant=0.7|Altarfresko von Johann Georg Unruhe (1753) miniatur|hochkant=0.7|Hochaltarblatt „Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit“ von Franz Ignaz Pendl miniatur|hochkant=0.5|links|Seitenaltar von Matthias Schmidt (1826) Das neue Pfarrgebiet war riesig; im Nordosten reichte es bis zur böhmischen Grenze, die dortigen Nachbarpfarreien Kuschwarda und Böhmisch-Röhren gehörten zum Bistum Budweis. Auch die mit 1111 m höchstgelegene Kirche des Bistums Passau, „St. Johann von Nepomuk bey denen Sandhäusern“, Leopoldsreut musste vom Graineter Pfarrer pastorisiert werden. Mit Fürholz„Vor dem Holz“, 1256 Säumerprivileg, Grainet, GschwendetGroße Schanze (Schwedenschanze) 1619 von Leopold I. Erzherzog von Österreich, 61. Fürstbischof von Passau (1598–1625), Hochstein, Hobelsbergvor 1449–1672 Wanderglashütte am HobleinsbergPaul Friedl „Der Baumsteftenlenz“ (1902–1989) – Glasmachergeschichten, Mitterling, Obergrainet, Ohmühle, Rehberg, Ober- und Unterseilberg und Vorderfreundorf, mit AuersbergsreutWaldhäuser gegr. Joseph Franz Anton Graf von Auersperg, 71. Fürstbischof von Passau (1783–1795), BischofsreutNeuhäuser, 1706 von Johann Philipp Graf von Lamberg, 66. Fürstbischof von Passau (1689–1712), Haberau, Langreut, Marchhäuservon Leopold Ernst Graf von Firmian, 70. Fürstbischof von Passau (1763–1783), Raumreut, SchnellnzipfBayerisches Häusel (1869 Expositur, 1880 Pfarrei Bischofsreut), mit Frauenberg, HaidhäuserHaid – Firmianshaid von Leopold Ernst Graf von Firmian, 70. Fürstbischof von Passau (1763–1783), LudwigsreutVierhäuser nach Ludwig I., König von Bayern (19. Jahrhundert), TheresienreutZwölfhäuser nach Therese von Hildburghausen, Königin von Bayern (19. Jahrhundert), (heute Pfarrei Haidmühle) mit Duschlberg1677–1758 Duschelberger Hütten LeopoldsreutSandhäuser 1618 von Leopold I. Erzherzog von Österreich, 61. Fürstbischof (1598–1625), Ostermühle, SchwendreutGlashäuser, 1680 Markward von Schwendi, fürst. pass.Administrator, hatte der Pfarrer im Jahr 1867 über 3000 Katholiken seelsorgerisch zu versorgen. Ab 1794 standen ihm Hilfspriester (Kooperatoren) zur Seite.
Heute im Pfarrverband Grainet – HerzogsreutHolzhäuser, 1627 von Leopold II. Wilhelm Erzherzog von Österreich, 62. Fürstbischof (1625–1662), – Hinterschmiding sind fast 4000 Katholiken und Feriengäste zu betreuen.
Kirchenbau Im Eingang Bildnisse des Stifterehepaars Lukas und Anna Theresia Kern, alte Grabsteine. Das Kirchengebäude 1747 bis 1756 von Severin Goldberger (Passauer Baumeister) mit eingezogenem Chor, quadratisch, außen gerade geschlossen im Innern zentralistisch gestaltet, Chorbogen, gekuppelte toskanische Pilaster. Das Kirchenschiff, 3 Joche mit überhöhten Quertonnen gewölbt, im Westjoch eine doppelte massive Empore. Rundbogenfenster, der Turm wurde 1887/88 hinzugebaut (4 Glocken). Der Passauer Maler Johann Georg Unruhe (1724–1801) schuf 1753 den ursprünglichen Hochaltar mit dem Altarbild Maria Himmelfahrt, aufgenommen von der heiligen Dreifaltigkeit al fresco, das heißt, auf frischem Putz gemalt.
Der Hochaltar wurde 1823 aus der profanierten ehemaligen Franziskanerkirche in Passau erworben. Der Altar 1681 von dem Passauer Bildhauer Mathias Högenwald; er schrieb in einem Brief: Hoffe auch jetzt den Hochaldar zu den Franzischganern von Holz zu bekommen, hab gleich die Visierung (Modell) gemacht und ist nach München ihro Kurfürstl. Durchleicht iberschickt worden, welche das Versprechen schon gedan.Joseph Maria Ritz: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Niederbayern, XXIII Bezirksamt Wolfstein, Verlag R. Oldenbourg, München 1931.
Der mächtige Holzaufbau mit gestuften Säulen, verkröpftem Segmentbogen im Aufzug je 3 Säulen, geschweifte Giebelstücke und Mittelkartusche IHS geschlossen. Das Ovalbild, eine Mariendarstellung umgeben von Engelsköpfen (Putten). Das Altarbild flankieren „Franziskanerheiligen“ (überlebensgroß, der Hl. Ludwig, Bischof von Toulouse und Hl. Bonaventura), darüber (Hl. Elzearius, Hl. Pacificus). Außen weiße Engelsfiguren mit Weihrauchfässern; am in schwarz gehaltene Barockaltar verstreut goldener Arkanthusschmuck.
Das Altarbild zeigt die Krönung Mariens durch die Hl. Dreifaltigkeit und trägt die Signatur Pendl, (Franz Ignaz Bendl) auch Pendel, diese wurde bei Restaurierungen übermalt.
Die Seitenaltäre, schlichte Säulenanlagen mit geschweiftem Auszug 1826 geschaffen von dem Hutthurmer Tischlermeister Matthias Schmidt.
Altarbilder: früher Stifterbilder (Hl. Lukas, und Hl. Anna), heute Szenen aus der Passion (Geißelung/Verspottung und Kreuzigung).
Figurenschmuck – Seitenaltäre: Pieta (Maria mit totem Sohn auf dem Schoß) (um 1750) Wies-Heiland (Christus an der Geiselsäule) mit natürlichem Haar, Bart und einem roten Stoffumhang bekleidet, die von einem Wallfahrer aus dem Gemeindeteil Fürholz aus Steingaden mitgebrachte Kopie des Gnadenbildes; war ab 1795 Ziel kleiner Wallfahrten aus dem nahen Böhmerwald.
Chorbogen-Kruzifix (um 1750)
Südseite, Franz Xaver (18. Jahrhundert), Madonna mit Kind (zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts)
Nordseite: Hl. Barbara (Mitte 18. Jahrhundert), über dem alten Taufbecken neue Fatima-Madonna
Orgelempore: Hl. Korbinian (um 1500) Attribute neu, Hl. Florian (18. Jahrhundert)
Südl. Seiteneingang: Ölberg mit Holzfiguren (ländlicher Barock)
Kanzel: Schlichter Barock, Kanzelkorb, durch Pilaster gegliedert, mit Muschelwerk. Bildliche Darstellung der vier Evangelisten; Schalldeckel Muschelwerk, Rückwand, Bild des guten Hirten. Geschweifte Stiege mit biblischen Szenen (Moses am Berg Sinai, barmherziger Samariter).
1965/66 Dach und Turmsanierung. 1975 Aufstellung ein Volksaltars mit Ambo, geschaffen von Leopold Hafner. 1992 letzte Außenrenovierung und 1999 letzte Innenrenovierung der PfarrkircheFestschrift 250 Jahre Pfarrei Grainet s. o.
Pfarrer mini|hochkant=0.7|Egger-Epitaph unter der Kanzel mini|hochkant=0.7|Peer-Epitaph am Chorbogen, rechts mini|hochkant=0.7|Philipp Graminger, Grabstätte unter dem Friedhofskreuz 1748–1758: Franz Xaver Schmitt, * 1717; † 3. Januar 1794 in Hutthurm, Erbauer der Kirche 1758–1763: Gregor Rannabauer, * 1708; † 7. April 1790 in Wegscheid 1763–1782: Franz Borgias Egger, * 1712; † 17. Juni 1782 in Grainet, beigesetzt in der Pfarrkirche, vor dem Hochaltar 1782–1790: Andreas Ertl, * 1732; † 27. September 1808 in Untergriesbach 1782–1801: Martin Peer, * 1749; † 14. Februar 1801 in Grainet, Kooperator 1790–1794: Franz Josef Maximilian Schletter, * 1748; † 4. Juni 1812 in Kellberg 1794–1805: Josef Kannamüller, * 1737; † 22. Juli 1815 in Passau 1806–1809: Philipp Graminger, * 1757; † 10. November 1809 in Grainet, beigesetzt unter dem Friedhofskreuz im Graineter Friedhof 1810–1812: Florian Koller, * 1724; † 30. April 1863 in Atting, von 1805 bis 1809 Sekretär und Hofkaplan des Fürstbischofs Leopold Leonhard von Thun und Hohenstein 1813–1823: Johann Baptist Wiegenfeld, * 1757; † 10. Januar 1836 in Neukirchen 1823–1827: Matthias Schmid, * 1774; † 11. Januar 1861 in Perlesreut 1827–1832: Georg Petzi, * 1782; † 2. April 1856 in Passau 1832–1836: Jakob Habner, * 1793; † 4. Dezember 1874 in Rinchnach 1836–1839: Michael Hausbäck, * 1802; † 21. November 1846 in Tiefenbach 1839–1844: Joseph Scheibelberger, * 1804; † 27. März 1866 in Röhrnbach 1844–1851: Joseph Donaubauer, * 1807; † 16. Dezember 1891 in Hutthurm 1851–1856: Joseph Weber, * 1807; † 23. März 1871 in Pleiskirchen 1852–1856: Joseph Fisch, Kooperator, Verfasser der Pfarrchronik 1856–1861: Johann Bauer, * 1821; † 6. Oktober 1892 in Neuötting 1861–1869: Andreas Habereder, * 1823; † 3. März 1887 in Regen, löste die unrentable Landwirtschaft des Pfarrhofes auf und ermöglichte neuen Baugrund, als Hobby-Holzschnitzer schuf er einen Fronleichnamsaltar, der Statio vor dem Pfarrhaus war.Pfarrarchiv Grainet 1869–1882: Johann Nepomuk Bierínger, * 1826; † 17. Dezember 1903 in Passau 1882–1893: Simon Forsthofer, * 1838; † 23. November 1923 in Landau an der Isar, Ehrenbürger der Gemeinde Grainet und Gründer des Darlehenskassenvereins, Erbauer des Kirchturms (1887/88)siehe Grainet – Ehrenbürger. 1893–1901: Joseph Kämmerer, * 1838; † 3. Mai 1921 in Triftern 1902–1906: Franz Xaver Huber, * 1838; † 24. April 1943 in Neuötting, verhinderte religiösen „Kitsch“ im Kirchenraum, was seinen Beliebtheitsgrad in der Bevölkerung minderte 1906–1934: Johann Baptist Moosherr, * 1867; † 2. Dezember 1964 in Waldkirchen 1926–1953: Franz Xaver Moser, Kooperator, später Pfarrer und Ehrenbürger von Breitenberg 1934–1946: Franz Xaver Söllner, * 1888; † 29. April 1938 in Altötting 1946–1952: Johann Evangelist. Spannbauer, * 1888; † 22. November 1952 in Grafenau, Monsignore, Ehrenkämmerer Sr. Heiligkeit 1950–1952: Ferdinand Siebeneicher, Kooperator 1952–1964: Josef Maier, * 1912; † 12. Dezember 1971 in Mettenhausen 1964–1984: Josef Herkner, * 1908; † 29. September 1986 in Grainet, Ehrenbürger mit Ehrengrab im Graineter Friedhof 1984–1997: Hermann Füßl, * 1935; † 1. Mai 1998 in Linz (Österreich) 1997–2003: Witold Kuman, * 1961 in Rzeszów (Polen), seit 2003 Pfarrer in Aldersbach seit 2003: Dr. Michael Gnan
Franz Seraph von Pichler, Reichstagsabgeordneter, war als Kaplan in Grainet tätig.
Literatur Festschrift 250 Jahre Pfarrei Grainet – 18. Juni 2000 – Katholisches Pfarramt Grainet
Einzelnachweise
Weblinks
Gemeinde Grainet – Kirche
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