mini|Die Bamberger Symphoniker im Kursaal Donostia San Sebastián unter der Leitung von Jonathan Nott (2012)|350x350px Die Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie sind ein deutsches Symphonieorchester, das seit seiner Gründung 1946 in Bamberg beheimatet ist und weltweit als Tourneeorchester konzertiert. Das Orchester hat seit seiner Gründung über 7700 Konzerte in 64 Ländern und über 500 Städten gegeben (Stand 2025) und arbeitete bislang mit mehr als 500 Gastdirigenten zusammen. Seit 2004 hat es den Rang eines Staatsorchesters. Von 1950 bis 1993 war der sogenannte „Kulturraum“, die ehemalige Dominikanerkirche mit angrenzendem Kloster, Domizil des Orchesters. Seit 1993 treten die Bamberger Symphoniker in der für sie errichteten Konzerthalle Bamberg auf. Seit 2016 wird das Orchester von seinem Chefdirigenten Jakub Hrůša geleitet.
Gründungsgeschichte Bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs gab es in Bamberg Bestrebungen für eine Orchestergründung. Die Gründung des Orchesters ging maßgeblich auf das Engagement eines Bürgerkomitees zurück, zu dessen Gründungsmitgliedern unter anderem der Politiker Hermann Etzel gehörte. Er setzte sich im August 1945 dafür ein, ein eigenes Symphonieorchester in Bamberg zu formieren.nach Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 17.
Gegründet wurde das Orchester im Jahr 1946. Es setzte sich zu einem großen Teil aus Musikern zusammen, die in der Nachkriegszeit im Zuge der Vertreibung auf Grund der Beneš-Dekrete von Böhmen, Mähren, dem Sudetenland und aus deutschen Städten nach Bamberg gelangten, darunter viele ehemalige Mitglieder des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag,Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 20. das am 1. Mai 1945 unter seinem Generalmusikdirektor Joseph Keilberth im unmittelbaren zeitlichen Vorfeld des Prager Aufstands und des Endes des Zweiten Weltkriegs sein letztes Konzert gab.
Das erste Konzert des neu gegründeten Klangkörpers – damals zunächst noch unter dem Namen Bamberger Tonkünstlerorchester – fand am 20. März 1946 im Bamberger Zentralsaal unter der Leitung von Bertil Wetzelsberger, dem Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München, statt. Auf dem Programm standen im Rahmen eines Beethoven-Abends die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, das Violinkonzert mit Konzertmeister Otto Büchner als Solist und die Sinfonie Nr. 7. Das Konzert hatte zunächst am 16. März 1946 stattfinden sollen, wurde jedoch auf den 20. März 1946 verlegt, da die ursprünglich im Programm geplante Sinfonie Eroica, die als Anknüpfung an den 1. Mai 1945 gedacht war, von der US-Militärregierung nicht genehmigt worden war.nach Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 26. Schließlich wurde das Premierenkonzert in der Presse überwältigend besprochen: „Einen Klangkörper von solch hohen Qualitäten konnte man dann und wann nur als Gast in Bamberg begrüßen. Ihn nunmehr als ‚künstlerisches Eigentum‘ ständig hier zu haben, mutet fast wie ein Geschenk der Musen an… Ein Orchester von Großstadtrang […] ist nun den Musikfreunden unserer Stadt überantwortet. Es liegt jetzt an ihnen, sich dieser einzigartigen Tatsache würdig zu erweisen und die Existenz des Orchesters zu sichern.“Zit. nach Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 27.Als erster ständiger Dirigent des Orchesters wirkte Hans Schneider vom 10. März bis 31. Juli 1946, gefolgt von Konrad Lechner, der vom Mozarteum Salzburg nach Bamberg kam. Im Juli 1946 erfolgte die Umbenennung des Orchesters in Bamberger Symphoniker. Am 22. Januar 1947 spielte das Orchester erstmals unter der Leitung von Hans Knappertsbusch im Rahmen einer „Schubertfeier“Bamberger Symphoniker. Chronik eines Orchesters 1946–1993. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg. 1993, S. 16. und wurde mit diesem Konzert auch in München bekannt.Fränkischer Tag, Bamberg, 25. Januar 1947 Mit dem größer werdenden Orchesterkorpus von nunmehr 65 Mitgliedern und der Erweiterung des Repertoires wuchs auch das Bedürfnis, erstklassige Gastdirigenten zu gewinnen. Auf Lechner, der sein Engagement im April 1947 beendet hatte, folgten mit jeweils kurzen Verpflichtungszeiträumen Herbert Albertz (zugleich Leiter des Gewandhausorchesters Leipzig) und Georg Ludwig Jochum (zugleich Chefdirigent des Orchesters der Städtischen Bühnen Duisburg), der bis September 1949 am Pult der Bamberger Symphoniker stand.
Eine bedeutende Entwicklung bahnte sich seit Jahresbeginn 1949 an: Die Verbindung zu Joseph Keilberth wurde wieder aufgenommen und Keilberth dirigierte am 9. März 1949 sein erstes Konzert in Bamberg.nachzulesen in einem Brief der Bamberger Symphoniker vom 11. März 1945 an Joseph Keilberth, in: Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 59.
Internationale Konzerttätigkeit Mit Ausnahme Australiens bereiste das Orchester in seiner Geschichte alle Kontinente. Seit seiner Gründung gab es etwa 7500 Konzerte in 64 Ländern und in über 500 Städten der Welt (Stand 2025). Alleine 1200 Konzerte spielte das Orchester im Ausland.
Seit ihren Anfängen gelten die Bamberger Symphoniker als eines der reisefreudigsten Orchester Deutschlands. Sie begleiteten als erste nach dem Zweiten Weltkrieg offizielle Staatsdelegationen ins Ausland und waren 1949 das erste deutsche Orchester, das seinerzeit in Frankreich gastierte. 1950 folgte eine Reise nach Spanien und Portugal, 1954 trat das Orchester auf seiner ersten Südamerika-Tournee in Mexiko und Havanna auf. Eine sechswöchige Tournee durch Südamerika mit 26 Konzerten absolvierte das Orchester 1962. Im Jahr 1968 ging die Reise erstmals nach Japan, 1969 in den Iran und nach Ägypten.
1971 gastierten die Bamberger Symphoniker als erstes deutsches Orchester nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der New Yorker Carnegie Hall. 1982 besuchten sie erstmals Hongkong, 1986 China, wo sie seither regelmäßig zu Gast sind. Bald nach dem Fall des Eisernen Vorhangs folgten Konzertreisen in die baltischen Staaten und nach Albanien sowie nach Tschechien.
Ab 2021 entwickelte das Orchester eine Nachhaltigkeitsstrategie. So wurde zum Beispiel beschlossen, für Reisen in Zentraleuropa ausschließlich den Zug zu nutzen und bei nötigen Flügen Direktflüge zu buchen.
Entwicklung unter den Chefdirigenten mini|Die Konzerthalle Bamberg, Heimstatt der Bamberger Symphoniker Joseph Keilberth Eine Schlüsselfigur in der Geschichte der Bamberger Symphoniker, war Joseph Keilberth. Als Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatsoper in Dresden und Musikalischer Leiter der Berliner Staatsoper dirigierte er am 9. März 1949 sein erstes Konzert mit den Bamberger Symphonikern. Auf dem Programm standen Werke von Christoph Willibald Gluck, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Chefdirigent des Deutschen Philharmonischen Orchesters Prag kannte er bereits einen Großteil der Musiker: „Ergreifendes Wiedersehen mit den Pragern (eben den vertriebenen Deutschen). Sehr gutes Orchester“, notierte er in seinem Dirigiertagebuch über das erste von ihm geleitete Konzert, das Signalwirkung für die weitere Entwicklung des Orchesters besaß und entsprechend in der Presse kommentiert wurde: „Was bei diesem Wiedersehen (der aus der Beneš-Tschechoslowakei Vertriebenen) in den Herzen aufbrach, wurde zum Klang. Die Größe dieser Stunde riß die Bamberger Symphoniker über sich selbst hinaus … Mit dem in allen Teilen des Klangkörpers unvergleichlich spielenden Orchester (samt Koeckert-Quartett) teilte sich J. Keilberth, sichtlich tief bewegt, [in] einen Beifall ohne Beispiel.“Zit. nach Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 62.
Im Januar 1950 trat Keilberth offiziell das Chefamt in Bamberg an. Seine künstlerische Arbeit, sein Renommee und seine konsequente Programmgestaltung waren von kaum zu überschätzender Bedeutung für die Konsolidierung und nationale wie internationale Profilierung der Bamberger Symphoniker, deren Historie untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Mit ihm knüpfte das Orchester nicht nur an die alte deutsche Prager Tradition an, auch die namhaften Gastdirigenten und Solisten, die den Einladungen der Bamberger Symphoniker folgten, belegen den wachsenden Ruhm des Klangkörpers, dessen Ruf rasch auch über Bamberg und Franken hinaus ausstrahlte. „‘Blind‘ würde er die Bamberger Symphoniker sogleich erkennen, an ihrem unverwechselbaren, runden Klang, der weichen Fülle der Streicher und der Wärme des Bläsertons, beteuerte Joseph Keilberth“, wie von Karl Schumann in der Chronik der Bamberger Symphoniker von 1993 nachzulesen ist.Christian Schmölder, Peter Gartiser, Susanne Krabusch: Bamberger Symphoniker. Chronik eines Orchesters 1946–1993. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1993, S. 8.
Keilberths Zielsetzung war es von Anfang an, die Anzahl der Rundfunkaufnahmen mit den Symphonikern zu erhöhen und eine Deutschland- und eine Auslandsreise mit dem Orchester zu unternehmen (Fränkischer Tag, Bamberg, 26. August 1950).Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 69. Die erste Deutschlandtournee fand noch vor Keilberths offizieller Verpflichtung von 3. bis 15. November 1949 ins Rheinland statt. Es folgten weitere Reisen. Unter Keilberth waren die Bamberger Symphoniker 1949 das erste deutsche Orchester, das nach Kriegsende nach Frankreich eingeladen wurde. Die offizielle Bindung Keilberths an das Orchester erfolgte mit dem am 1. August 1950 unterzeichneten Vertrag, in dem er die Verpflichtung von mindestens 30 in Deutschland zu dirigierenden Konzerten pro Jahr eingeht und sich Orchesterreisen vorbehielt.
Auf der Rheinland-Tournee 1949 wurden auch die ersten Rundfunkaufnahmen vorgenommen, was den Einstieg der „Bamberger“ ins Mediengeschäft markiert. Im Mai 1950 wurde im Rahmen eines Förderzuspruchs durch den Freistaat Bayern, den Regierungsbezirk Oberfranken und die Stadt Bamberg auch ein Werkvertrag mit dem Bayerischen Rundfunk geschlossen,Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 86. der eine feste Anzahl von Produktionen vorsah – der Beginn einer bis heute andauernden Medienpartnerschaft. Die damaligen Aufnahmen wurden rasch zu einer unverzichtbaren Existenzgrundlage für das Orchester und halfen, seinen Ruf als Orchester von Rang auch jenseits der Konzertsäle zu befördern.
Zeit seines Amts war Keilberth neben der künstlerischen und programmatischen Entwicklung auch mit der Grundabsicherung des Orchesters befasst, das auf Zuschüsse angewiesen war und dessen Kosten mit der Verpflichtung namhafter Solisten und Dirigenten, aber auch durch die sich häufenden Reisen fortlaufend anstiegen. Im Jahr 1960 war es Keilberth gelungen, seinen fortwährenden Wunsch, die Zahl der Orchestermitglieder an die anderer bedeutender Klangkörper anzugleichen, zu realisieren (Brief von Joseph Keilberth vom 7. Juni 1958).Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 112. Zum 1. Oktober 1960 fasste das Orchester 94 Musiker mit 16 ersten und 14 zweiten Geigen, 12 Bratschen, 10 Celli und 9 Kontrabässen.