miniatur|Der Kernbereich der Ashanti-Nation (grüne Markierung) und die angrenzenden Regionen der Brong-Konföderation (rote Markierung) zu Beginn der 1890er Jahre. Die Brong-Konföderation war ein politischer Zusammenschluss mehrerer Staaten und lokaler Regionen im Gebiet des heutigen Ghana, der von Mai 1881 an bis Mitte der 1890er existiert hat. Dieser Zusammenschluss war in erster Linie ein militärisches Verteidigungsbündnis mit dem Zweck, eventuellen Rückeroberungsversuchen eines wiedererstarkenden Aschantireiches besser entgegentreten zu können. Die Brong-Konföderation ist im Wesentlichen aus den Staaten der sogenannten „Nordost-Allianz“ hervorgegangen, die 1875 nach der Niederlage Asantes im Angloaschantischen Krieg 1869–1874 als Verteidigungsbündnis der früheren Nordostprovinzen Asantes entstanden war.
Als „Brong“ werden in der Twi-Sprache alle „nicht-waldlandbewohnenden“ Akan bezeichnet. Dabei bezieht sich dieser Begriff jedoch nur auf die Akan in den Savannengegenden nördlich des Regenwaldgürtels. Für Akan-Völker an der Meeresküste wird dieser Begriff nicht verwendet. Die Bezeichnung Brong-Konföderation rührt daher, dass die Bevölkerung in den meisten Gegenden der nördlichen und nordöstlichen Peripherie zum aschantischen Kernland mehrheitlich von Akan gebildet wird.
Mitglieder der Brong-Konföderation waren anfänglich Atebubu, Abeasi, Kete-Kratschi, Buëm und einige Fraktionen aus Kwahu, sowie die weiter nördlich gelegenen Bereiche um Gwandijiowa, Yeji und Salaga. Später kam Nkoranza dazu. Die politische Führung der Konföderation lag in den Händen des „Dente Bosomfo“Der „Dente Bosomfo“ war der Hohepriester des berühmten Dente-Orakels, das sich in einer Höhle am linken Volta-Ufer in der Nähe der Stadt Kete-Kratschi (hieß bis 1877 Kratschikrom) befand. Der Ort mit dem Orakel hieß Dentemanso. Dente ist der traditionelle Hauptgott der hier lebenden Kratschi, aber nicht nur hier, er wird auch bei den Aschanti und einigen westlichen Ewe-Völkern verehrt. Daher besitzt das Orakel eine Berühmtheit, die weit über die Grenzen des Landes hinausreicht. Da die Kratschi nie zu einem gemeinsamen staatlichen Gemeinwesen zusammengefunden haben, war der „Dente Bosomfo“ in der Vergangenheit auch die wichtigste politische Person im Kratschiland. Heute ist das Areal des Dente-Orakels vom Volta-Stausee überflutet. und des Königs von Atebubu.
Vorgeschichte Nordost-Allianz Mit der Zerstörung des Aschanti-Reiches, der Entthronung des Aschanti-Königs und dem Niederbrennen von Kumasi durch die Briten im Jahre 1874, begann auch Dwabenauch Dwabin, Juaben oder in ähnlichen Schreibweisen unter der Führung des „Dwabenhene“Dwabenhene ist der Titel des Königs von Dwaben. mit einer offenen antiaschantischen Rebellion, vornehmlich um sich der Kontrolle seitens der nunmehrigen probritischen Aschanti-Regierung aus Kumasi für die Zukunft dauerhaft zu entziehen. Der Dwabenhene erklärte kurzerhand die Unabhängigkeit seines Einflussgebietes gegenüber der bisherigen aschantischen Konföderation. Der Aufstand erfasste schnell die gesamte Region. Auch die Kratschis und zahlreiche andere Gruppen der nordöstlichen Peripherie des früheren Aschanti-Reiches, einschließlich Salaga, Atebubu, Yeji, Buëm und auch einige Fraktionen aus Nsuta und Kwahu schlossen sich den Dwabens an, mit denen man sich zu einer gemeinsamen „nordöstlichen Allianz“ zusammenschloss. Aschantische Beamte, welche in den nordöstlichen Provinzstädten des früheren Aschantireiches im offiziellen staatlichen Auftrag stationiert waren, wie z. B. zur Steuereintreibung, zur Grenzkontrolle oder zu politischen Zwecken, wurden kurzerhand ermordet. Das gleiche Schicksal ereilte aber auch ganz normale Händler und Handwerker, deren Herkunft nach Kumasi oder in das Stammland von Asante wies.
Um die Rebellion niederzuschlagen, marschierte daraufhin eine Aschanti-Armee am 12. September 1875 in Dwaben ein. Der Sieg war schnell errungen und die Rebellenführer in die Flucht getrieben. Sie flüchteten vornehmlich nach Süden ins britische Protektoratsgebiet, da hier nach ihrer Ansicht eine größtmögliche Sicherheit vor aschantische Übergriffe gegeben war. Der Dwabenhene selbst war jedoch bei dieser Aktion gefangen genommen worden und wurde nach Kumasi gebracht. Zahlreiche Einwohner von Dwaben verließen jedoch im Zuge der Ereignisse das Land in südöstlicher Richtung, um zu ihren Landsleuten und Verwandten nach „Neu-Dwaben“ zu stoßen. „Neu-Dwaben“ war einst im Jahre 1832 als aschantische Enklave an der Grenze zwischen Akim-Abuakwa, Akwapim und dem Krobo-Land gegründet worden, nachdem man die alte Heimat um Dwaben infolge damaliger Bürgerkriegsereignisse verlassen hatte. Der Hauptort von „Neu-Dwaben“ ist Koforidua (Koforodua, Komfrodua). Nach der Verschleppung des Königs übernahm der König von Obodomase die politische Führung des Dwaben-Landes.
Was Nsuta anbelangte, so unternahm man nach der Niederlage von Dwaben einige Anstrengungen, die offizielle Gefolgschaft zu Asante wiederherzustellen. Die anderen Völker der Nordost-Allianz verweigerten jedoch ein solches. Aschantische Botschafter, die daraufhin ausgesandt wurden, um die politischen Führer dieser Regionen zu einer friedlichen Rückkehr in die aschantische Konföderation zu überreden, wurden alle bei verschiedenen Gelegenheiten ermordet, bis schließlich Kumasi keine mehr entsandte.
Mit der Errichtung der „Nordost-Allianz“ von 1875 war allerdings Asante von jenen Karawanenrouten abgeschnitten, welche über Salaga in Richtung Niger liefen. Bereits im Jahre 1874 hatte der König von Atebubu, Gyan Kwaku, es sämtlichen Händlern aus Städten, welche sich loyal zu Kumasi erklärten, bei Androhung der Todesstrafe verboten, sein Land zu durchqueren, um mit Salaga und von hier aus mit dem Inneren von Afrika Handel zu treiben. Auch war seitens des „Dente Bosomfo“ in Kete-Kratschie 1875 ein Waffenembargo gegen Asante organisiert worden. Dies zielte insbesondere auf europäische Firmen, die von Accra aus mit Hilfe von Accras und Adas über den Volta das nunmehrige probritische Asante mit Waffen und Munition belieferten.Offiziell belieferten natürlich Accra- und Ada-Händler bestimmte Haussa-Händler, die am Volta ansässig waren. Insgeheim waren dies jedoch verdeckte Waffenlieferungen der Europäer an den aschantischen König. Dies wusste man allerdings auch in den Reihen der Brong-Konföderation. Auch nördlich vom Kratschi-Land kontrollierten die Ntwumuru die Handelswege und durchsuchten jede Kiste und jeden Sack der reisenden Händler nach Schmuggelware für Asante „auf Befehl von Dente“, wie sie sagten.Opoku erwähnt, dass zuvor ein entsprechendes Gesetz, was die Durchsuchung nach Waffen, Schießpulver und dgl. rechtfertigte, beim britischen Gouvernement erwirkt worden war. Die einzige intakte Handelsverbindung zum Transsaharahandel im Norden, die Asante nach 1874 noch geblieben war, war jene über Kintampo. Alle anderen Handelswege waren von Feinden blockiert.
Britischer Vorstoß ins Landesinnere Die Briten schufen mit Wirkung vom 2. September 1880 ihren „Volta River District“ und errichteten damit die britische Jurisdiktion über Krobo, Akwapim, Shai und Krepi und andere Staaten. Damit kamen zunächst auch Kete-Kratschi und Buëm unter britischen Einfluss. Die Briten übten in ihrem „Volta River District“ jedoch lediglich die Jurisdiktion aus, die übrige staatliche Oberhoheit verblieb auch weiterhin in den Händen der bisherigen einheimischen Autoritäten. Seitens der Einheimischen versprach man sich dadurch einen besseren Schutz gegenüber künftigen aschantischen Eroberungsversuchen. Ein gleichzeitiges Ersuchen der Kwahu-Nation hinsichtlich einer Aufnahme in das britische Protektoratsgebiet wurde jedoch abgelehnt.
Gründung der Brong-Konföderation Trotz der blockierten Handelsrouten erstarkte Asante nach 1874 langsam wieder zu jener Prosperität und Stärke, die einst das Bild des Vorkriegs-Asantes geprägt hatten. So fühlte sich im Jahre 1880 der Asantehene Mensah Bonsu politisch stark genug, hinsichtlich einer Wiedereröffnung der östlichen Handelsrouten aktiv zu werden und Stärke zu zeigen und gleichzeitig eine Wiedergewinnung der verlorenen Nordost-Provinzen ins Auge zu fassen. So ließ der Asantehene eine Botschaft an den „Dente Bosomfo“, Kwasi Gyantrubi, gehen, in welcher er die Rückkehr eines in Kratschi lebenden Nsuta-Prinzen forderte.In der Tat waren zahlreiche Nsutas im Zusammenhang mit den Ereignissen von 1875 nach Kete-Kratschi geflohen, wo man sogar in einem eigenen Stadtquartier lebte. Unter ihnen war auch die Schwester des regierenden Nsutahene, Gyama Poku, nebst einem der Nsuta-Prinzen, sowie Abena Siabura, die Königinmutter des damaligen Nsutahene. Aus den heute zur Verfügung stehenden Quellen wird nicht ganz klar, ob es auch der wirkliche Wunsch der benannten Person war, in das zum damaligen Zeitpunkt proaschantische Nsuta zurückzukehren oder ob dies nur ein propagandistischer Schachzug des Aschantikönigs war. Aber dass der übermächtige „Dente Bosomfo“ den Nsuta-Leuten die Rückkehr verweigerte, ist auch bei späterer Gelegenheit mehrfach von aschantischer Seite als Beschwerde vorgebracht worden.
Die Botschaft des Aschanti-Königs alarmierte sämtliche Führungspersönlichkeiten der früheren Nordost-Allianz. Wie es schien, stand eine Aschanti-Invasion unmittelbar bevor, für deren Rechtfertigung man nur nach einem Grund suchte. Das Ergebnis war, dass bei einer Zusammenkunft der wichtigsten Häuptlinge und Könige der Nordost-Allianz in Dentemanso im Mai 1881 mit einem gemeinsamen heiligen Eid vor dem Gott Dente eine neue antiaschantische Defensivallianz gegründet wurde, d. h. man erneuerte die alte Allianz auf der Grundlage eines gemeinsamen Eides mit gleichzeitiger göttlicher Bestätigung. Die „Brong-Konföderation“ war geboren.
Umwälzungen in Asante Volksaufstand Anfang 1883 kommt es in Asante zu einer öffentlichen Empörung, die sich schnell im gesamten Aschanti-Land zu einem allgemeinen Aufstand gegen die Regierung in Kumasi ausweitete. Auslöser der Empörung war eine erhebliche Anhebung der Steuern durch den Asantehene sowie die von ihm veranlasste Ahndung von geringfügigen Vergehen mittels exzessiv hoher Geldstrafen. Eine führende Rolle bei dem Aufstand spielte die „Kumasi Nkwankwaa“Bei der „Nkwankwaa“ handelte es sich um eine in den späten 1860ern entstandene politische Anti-Kriegs- oder Kriegsdienstverweigerer-Aktionsbewegung. Sie setzte sich überwiegend aus den jugendlichen Söhnen alteingesessener und wohletablierter Familien zusammen, deren Aussichten auf die Erlangung eines öffentlichen Amtes oder einfach nur die Aussicht, in Positionen zu gelangen, welche den Erwerb von übermäßigem Reichtum zuließen, auf Grund der erblichen Nachfolgeregelungen für die meisten der öffentlichen Ämter eher gering waren. Da sie sich als von Ämtern und Reichtum ausgeschlossen ansahen, waren sie auch nicht bereit, für die Mächtigen dieses Landes in den Krieg zu ziehen und organisierten sich schließlich zu einer politischen Gegenbewegung zum herrschenden System.. Der „Nkwankwaa“ gelang es dabei nicht nur, die breite Masse der „Ahiafo“„Ahiafo“ steht als Allgemeinbegriff für die Gemeinschaft aller armen und unterprivilegierten Mitglieder der aschantischen Gesellschaft. für den Aufstand zu mobilisieren, ihnen war es auch gelungen, ein Bündnis mit der aschantischen „Asikafo“„Asikafo“ (Plural; Singular: „Osikani“) ist bei den Akan der Goldküste der allgemeine Begriff für reiche Menschen. (abgeleitet von „sika“ = Gold) Dabei handelte es sich um die Klasse wohlhabender Händler. im Kampf gegen die Regierung zu bilden.