Die Pazifische Taifunsaison 2012 ist ein andauerndes Wetterereignis, unter dem die sich während des gesamten Kalenderjahres bildenden tropischen Wirbelstürme zusammengefasst sind. Die meisten tropischen Wirbelstürme bilden sich im Pazifischen Ozean westlich der Datumsgrenze und nördlich des Äquators jedoch zwischen Mai und November. Solche tropischen Wirbelstürme nennt man Taifune. Die sich östlich des 180. Längengrades bildenden Stürme sind Gegenstand der Pazifischen Hurrikansaison 2012.
Innerhalb des nordwestlichen Pazifiks gibt es zwei meteorologische Organisationen, die den Stürmen Namen vergeben. Dies führt dazu, dass derselbe Sturm häufig zwei verschiedene Namen erhält. Die offizielle Bezeichnung durch die Japan Meteorological Agency (JMA) erhält ein tropischer Sturm, sobald er an einer beliebigen Stelle im nordwestlichen Pazifik andauernde zehnminütige Windgeschwindigkeiten von 35 Knoten (rund 65 km/h) erreicht. Die Philippine Atmospheric, Geophysical and Astronomical Services Administration (PAGASA) hingegen weist tropischen Tiefdruckgebieten Namen zu, die sich innerhalb des nationalen Verantwortungsbereiches bilden oder dorthin ziehen; dieser Verantwortungsbereich liegt grob umgrenzt zwischen 115° und 135° östlicher Länge und zwischen 5° und 25° nördlicher Breite. PAGASA weist auch dann einen lokalen Namen zu, wenn das System bereits durch die Japan Meteorological Agency benannt wurde. Tropische Tiefdruckgebiete, die vom US-amerikanischen Joint Typhoon Warning Center beobachtet werden, erhalten eine Nummer mit dem Suffix W.
Stürme
Tropische Depression
Am 1. Januar begann die JMA Warnungen zu einer schwachen tropischen Depression herauszugeben, die sich 75 km nordwestlich von Kuala Terengganu befand. Im Laufe des Tages zog die Depression langsam Richtung Südosten, bevor sie sich noch am selben Tag weit nordwestlich des Sultanats Brunei auflöste.
Tropische Depression
Am 13. Januar stufte die JMA ein Tiefdruckgebiet ostnordöstlich von Singapur zu einer tropischen Depression hoch, doch starke Windscherung führte dazu, dass sich das System am 14. Januar auflöste. In Malaysia verursachte das System einige Erdrutsche, sonst wurden allerdings keine wesentlichen Sachschäden im Zusammenhang mit dem Sturm gemeldet.
Tropische Depression 01W
Am 15. Februar entstand südwestlich der Marianen eine tropische Störung. Am nächsten Tag driftete die Störung und zog Richtung Westen zu den Philippinen. Nachdem sie am 17. Februar in das Südchinesische Meer zog, wurde sie sowohl von der JMA als auch vom JTWC zu einer tropischen Depression aktualisiert und bekam die Identifikation 01W. Als am 18. Februar moderate vertikale Windscherung einsetzte, schwächte sich die Depression ein wenig ab. 01W blieb noch 2 Tage bestehen, bis am 21. Februar starke Windscherung einsetzte und sich das System in ein Resttief abschwächte. Später am selben Tag gingen die Reste von 01W über Vietnam an Land und lösten sich komplett auf.
Das Tiefdruckgebiet sorgte in Teilen der westlichen Philippinen für starke Regenfälle und Überschwemmungen. Mindestens 2 Menschen wurden getötet und eine Person als vermisst gemeldet. Drei Häuser wurden zerstört und fünf andere beschädigt.
Tropischer Sturm Pakhar
Am 17. März bildete sich eine tropische Störung nordwestlich von Palau. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Störung in einem Gebiet moderater vertikaler Windscherung und ungünstigen Wasseroberflächentemperaturen. Aufgrund eines Hochdruckgebiets, das sich nordöstlich der Störung befand, war das System gezwungen Richtung Westen zu ziehen. Im Laufe der nächsten Tage zog die Störung langsam über Visayas und Palawan, bis die JMA sie am 24. März zu einem tropischen Tiefdruckgebiet aktualisierte. Am nächsten Tag stufte die JMA das Tiefdruckgebiet jedoch zu einer Störung zurück, da seine äußeren Regenbänder sowie sein Zirkulationszentrum zusammenbrachen. Aufgrund der niedrigen Windscherung und sehr günstiger Wasseroberflächentemperaturen wurde die Störung am nächsten Tag im Südchinesischen Meer bereits wieder zu einem tropischen Tiefdruckgebiet aktualisiert. Diese Bedingungen ließen das Tiefdruckgebiet rasch weiter verstärken, sodass es sich am 29. März in einen tropischen Sturm verstärkte und den Namen Pakhar bekam. Früh am 30. März stufte das JTWC Pakhar zu einem Kategorie-1-Taifun hoch, da der Sturm bereits ein Auge zu bilden begann. Wegen kalter Wasseroberflächentemperaturen nahe dem Festland stufte das JTWC Pakhar früh am 31. März zu einem tropischen Sturm herab. Am folgenden Tag macht der Sturm Landfall über Vũng Tàu, Vietnam und begann sich abzuschwächen. Früh am 2. April stufte die JMA Pakhar zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herab. Die Reste des Sturms zogen in den nächsten Tagen über Vietnam, Kambodscha und Laos. Am 5. April löste sich Pakhar vollständig auf.
Tropische Depression
Am 4. April entwickelte sich ein Cluster von Gewittern nordwestlich von Hawaii zu einem Tiefdruckgebiet, als es langsam Richtung Südwesten driftete. Am 6. April war das System einem großen Bereich vertikaler Windscherung ausgesetzt, als es weiter nach Westen zog. Später zeigte das System subtropische Eigenschaften und es verstärkte sich wieder. Am 8. April überquerte das Tiefdruckgebiet die Internationale Datumsgrenze und zog in den Nordwestpazifik. Daraufhin aktualisierte die JMA das System zu einer tropischen Depression. Zwei Tage später, am 10. April verursachte Windscherung die Abschwächung des Tiefdruckgebiets. Spät am nächsten Tag wurde das System von einer Kaltfront nordöstlich von Wake Island absorbiert.
Tropische Depression
Am 23. April entstand südöstlich von Palau eine tropische Störung. Das System begann langsam nach Westen zu ziehen und sich zu verstärken. Am 28. April organisierte es sich in der Nähe von Mindanao immer mehr und die JMA stufte das System zu einer tropischen Depression hoch. Am 30. April erreichte der Sturm Mindanao und sorgte für sintflutartigen Regen und starken Wind. Im Laufe dieses Tages zog das Tiefdruckgebiet weiter ins Land hinein und schwächte sich zu einem Gebiet niedrigen Luftdruckes ab. Am 1. Mai löste sich das System komplett auf.
Schwerer Tropischer Sturm Sanvu
Am 20. Mai berichtete die JMA, dass sich 525 km südöstlich von Guam eine tropische Depression gebildet hatte. Im Laufe des 21. Mai aktualisierte das JTWC das System ebenfalls zu einer tropischen Depression. Früh am 22. Mai stufte die JMA die Depression zu einem tropischen Sturm herauf und vergab den Namen Sanvu. Als Sanvu spät am 23. Mai begann ein Auge zu entwickeln, aktualisierte das JTWC den Sturm zu einem Taifun der Kategorie 1. Nachdem die JMA Sanvu spät am 24. Mai zu einem schweren tropischen Sturm hochstufte, zog sein Auge am 25. Mai direkt über Iwo Jima hinweg. Am 26. Mai sorgte starke vertikale Windscherung für eine rasante Abschwächung Sanvus und sein Auge löste sich auf. Daraufhin stufte das JTWC den Taifun spät am 26. Mai zu einem tropischen Sturm herab. Die JMA folgte am 27. Mai mit der Abstufung zu einem außertropischen Tief. Die Reste von Sanvu lösten sich am 30. Mai vollständig auf.
Taifun Mawar (Ambo)
Am 29. Mai bildete sich nordwestlich von Palau eine tropische Störung. Am 30. Mai begann die Störung Richtung Nordwesten zu ziehen und sich langsam zu verstärken. Als sich am nächsten Tag die Konvektion des Systems stark organisierte, veröffentlichte das JTWC einen Tropical Cyclone Formation Alert. Später am 31. Mai aktualisierten sowohl PAGASA als auch das JTWC die Störung zu einer tropischen Depression. Darum vergab PAGASA den lokalen Namen Ambo. Die Depression führte ihre Intensivierung fort und verstärkte sich am 1. Juni in einen tropischen Sturm, der den internationalen Namen Mawar erhielt. Als sich am 2. Juni Mawars Konvektion weiter organisierte, stufte die JMA den Sturm zu einem schweren tropischen Sturm hoch. Das JTWC folgte kurz darauf und aktualisierte Mawar zu einem Kategorie-1-Taifun. Am 3. Juni stufte die JMA den Sturm zu einem Taifun hoch. Das JTWC folgte später am selben Tag und aktualisierte Mawar zu einem Taifun der Kategorie 2. Früh am 4. Juni erreichte Mawar seinen Höhepunkt mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 185 km/h als ein Kategorie-3-Taifun. Diesen Status konnte Mawar allerdings nur kurz halten, denn nur 6 Stunden später war er nur noch ein Kategorie-2-Taifun. Grund dafür war starke vertikale Windscherung. Am 5. Juni hatte sich Mawar soweit abgeschwächt, sodass er nur noch ein schwerer tropischer Sturm war. Einen Tag später wurde der Sturm vollständig außertropisch.
Taifun Guchol (Butchoy)
Spät am 7. Juni entstand südsüdöstlich von Pohnpei eine tropische Störung. Die Störung wurde am 10. Juni von der JMA als tropische Depression klassifiziert und nur einen Tag darauf zum tropischen Sturm Guchol hochgestuft. Guchol intensivierte sich früh am 14. Juni zu einem schweren tropischen Sturm und erhielt von PAGASA den lokalen Namen Butchoy, als das System in den philippinischen Verantwortungsbereich zog. Später am 14. Juni stufte das JTWC Guchol zu einem Kategorie-1-Taifun hoch. Am 15. Juni organisierte sich Guchol weiter, und das JTWC stufte das System zu einem Kategorie-2-Taifun herauf. Früh am nächsten Tag erreichte Guchol auch nach den Kriterien der JMA die Stärke eines Taifuns. Guchol intensivierte sich weiter, zunächst zu einem Kategorie-3-Taifun und dann zu einem Kategorie-4-Taifun der von den Meteorologen der US-Navy verwendeten, für den westlichen Nordpazifik inoffiziellen Saffir-Simpson-Skala. Guchol wurde später sogar zu einem Supertaifun. Am 18. Juni verursachte vertikale Windscherung eine Abschwächung Guchols zu einem Kategorie-3-Taifun, wenig später auch zu einem Kategorie-2-Taifun. Als sich Guchol immer weiter Richtung Norden bewegte und schließlich über der Kii-Halbinsel, Japan an Land geht, schwächte sich der Taifun in einen schweren tropischen Sturm ab. Am Morgen des 20. Juni wurde Guchol außertropisch.
Schwerer Tropischer Sturm Talim (Carina)
Am 13. Juni entstand über dem Südchinesischen Meer ein Monsuntrog. Einen Tag später formte sich ein Gebiet tiefen Luftdruckes innerhalb dieses Monsuntroges. Das Gebiet befand sich zu diesem Zeitpunkt östlich von Hainan, China. Am 16. Juni begann das System sich von dem Monsuntrog zu trennen und die JMA aktualisierte das Gebiet zu einem tropischen Tiefdruckgebiet. Einen Tag später befand sich das Tiefdruckgebiet 470 km entfernt von Hongkong. Spät am 17. Juni verstärkte sich das Tiefdruckgebiet zu einem tropischen Sturm und erhielt den Namen Talim. Am folgenden Tag blieb Talim fast stationär östlich von Hainan. Am 19. Juni stufte die JMA den Sturm zu einem Schweren tropischen Sturm hoch. Einen Tag später, am 20. Juni wurde Talim von der JMA zu einem tropischen Sturm heruntergestuft. Gleichzeitig zog der Sturm in den philippinischen Verantwortungsbereich und PAGASA vergab den lokalen Namen Carina, den er aber kurz darauf auch schon wieder verließ. Als der Sturm später an diesem Tag in die Formosastraße zog, stufte die JMA Talim zu einer tropischen Depression herunter. Am späten Abend des 20. Juni wurde das System schließlich wieder von dem Monsuntrog absorbiert, aus dem es geschaffen wurde.
Tropischer Sturm Doksuri (Dindo)