Die Evangelische Gesellschaft Zürich ist eine Stiftung mit vorrangig diakonischer Ausrichtung.

Geschichte Die Ursprünge der Evangelischen Gesellschaft gehen zurück auf einen Kreis von Freunden der Herrnhuter Brüdergemeine um Georg Gessner Anfang des 19. Jahrhunderts.Eric Flury-Dasen: Zwischen theologischem Anspruch und pädagogischer Wirklichkeit - Evangelische Lehrerbildung in Muristalden, Zürich-Unterstrass und Schiers im Spannungsfeld zwischen Familie und Kirche, protestantischem Milieu und staatlicher Bildungspolitik 1918-1975, Dissertation Freiburg/Schweiz 2023, S. 280 Sogenannte «Erbauungskränzchen» hatte es bereits um Johann Caspar Lavater (1741–1801), Gessners Schwiegervater, gegeben.

Als Gründungsdatum der Gesellschaft wird in einer heimatkundlichen Publikation das Jahr 1831 genannt, als Bestimmung die "Hebung des religiösen Lebens im Volke".Zürich und Umgebung: Heimatskunde. Schweiz: Schulthess 1883, S. 211

Innerhalb der Zürcher Landeskirche verstand sie sich als konservative, pietistisch geprägte Reformbewegung gegen den Liberalismus mit pädagogischem und diakonischem Anliegen.Frieder Furler: Diakonie - eine praktische Perspektive: vom Wesensmerkmal zum sichtbaren Zeichen der Kirche. Theologischer Verlag Zürich 2012. ISBN 9783290176419. S. 43. Konkreter Anlass war die Reaktion von biblisch-konservativen Christen auf die Berufung des liberalen Theologen David Friedrich Strauss an die Zürcher Universität 1839, die zum Züriputsch führte.Claude-Alain Humbert: Religionsführer Zürich. 370 Kirchen, religiös-spirituelle Gruppierungen, Zentren und weltanschauliche Bewegungen der Stadt Zürich. Orell Füssli, Zürich 2004, ISBN 3-280-05086-3.

In den ersten Jahrzehnten erlebte die Evangelische Gesellschaft jeweils in den Phasen Auftrieb, in denen sie sich als konservative Kraft gegen liberale Theologien oder liberale Regierungen positionieren konnte. 1847 hatte sie sich so weit konsolidiert, dass neue Statuten verfasst wurden.Eric Flury-Dasen: Zwischen theologischem Anspruch und pädagogischer Wirklichkeit - Evangelische Lehrerbildung in Muristalden, Zürich-Unterstrass und Schiers im Spannungsfeld zwischen Familie und Kirche, protestantischem Milieu und staatlicher Bildungspolitik 1918-1975, Dissertation Freiburg/Schweiz 2023, S. 280f.

Zu den ersten Aktivitäten der Gesellschaft Ende der 1840er-Jahre gehörten die Gründung der YMCA (heute CEVI) sowie die Einrichtung von Lesesälen für Jugendliche und Lesezirkeln für Erwachsene. Auch die Landmission wurde 1874 aus dieser Idee heraus geboren.

Das angespannte Verhältnis zur liberaler geprägten Landeskirche verbesserte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg zu einer kooperativen Zusammenarbeit.Eric Flury-Dasen: Zwischen theologischem Anspruch und pädagogischer Wirklichkeit - Evangelische Lehrerbildung in Muristalden, Zürich-Unterstrass und Schiers im Spannungsfeld zwischen Familie und Kirche, protestantischem Milieu und staatlicher Bildungspolitik 1918-1975, Dissertation Freiburg/Schweiz 2023, S. 281.

Ab Ende der 1920er Jahre wurde die Evangelische Gesellschaft von einer schweren Finanzkrise erschüttert, die um das hundertjährige Jubiläum der Gesellschaft Mitte der 1940er Jahre zu einer Neuorientierung führte.Eric Flury-Dasen: Zwischen theologischem Anspruch und pädagogischer Wirklichkeit - Evangelische Lehrerbildung in Muristalden, Zürich-Unterstrass und Schiers im Spannungsfeld zwischen Familie und Kirche, protestantischem Milieu und staatlicher Bildungspolitik 1918-1975, Dissertation Freiburg/Schweiz 2023, S. 281.

Aus der Verbreitung religiöser Schriften entstand 1934 der Zwingli-Verlag, heute Teil des Theologischen Verlags Zürich. Das Bildungsanliegen der Evangelischen Gesellschaft schlug sich darüber hinaus in der Gründung des Gymnasiums Unterstrass (gegr. 1869), der Freien Evangelischen Schule (gegr. 1874) sowie des Freien Gymnasiums (gegr. 1888) nieder, die bis heute unter den Namen Freie Schule, Freies Gymnasium Zürich sowie unterstrass.edu weiterleben.

Die missionarische Schwerpunktsetzung wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugunsten der diakonischen aufgegeben und 1973 aus den Statuten gestrichen, was einerseits zu einer größeren Annäherung an die Landeskirche, andererseits aber auch zu einer Umorientierung der konservativeren Mitglieder in Richtung Freikirchen führte.Eric Flury-Dasen: Zwischen theologischem Anspruch und pädagogischer Wirklichkeit - Evangelische Lehrerbildung in Muristalden, Zürich-Unterstrass und Schiers im Spannungsfeld zwischen Familie und Kirche, protestantischem Milieu und staatlicher Bildungspolitik 1918-1975, Dissertation Freiburg/Schweiz 2023, S. 282.

1993 wurde der Verein zu einer Stiftung umgewandelt.

Der genaue Name der Körperschaft wechselte über die Jahre mehrfach geringfügig. Von 1846 bis 1903 lautete er "Evangelische Gesellschaft in Zürich",GND von 1903 bis 1992 "Evangelische Gesellschaft des Kantons Zürich"GND und seit 1993 "Stiftung der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Zürich".GND

Stiftungszweck Die Evangelische Gesellschaft hat laut Satzung missionarische und diakonische Aufgaben zum Ziel. Sie ist unabhängig von der Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich, arbeitet aber mit dieser zusammen.Evangelische Gesellschaft hat neuen Geschäftsführer, auf: ref.ch vom 24. November 2021. Die finanziellen Mittel stammen nach Eigenangaben überwiegend aus den Mieterträgen der sieben stiftungseigenen Liegenschaften. Die Stiftung verfolgt satzungsgemäß keine kommerziellen Zwecke und erwirtschaftet keinen Gewinn.

Projekte Die Stiftung betreibt aktuell drei eigene Projekte. Darüber hinaus unterstützt sie ausgewählte externe Projekte, die dem eigenen Stiftungszweck entsprechen. Sankt Anna Forum Das Sankt Anna Forum richtet Veranstaltungen für junge Erwachsene aus. Herberge zur Heimat Die Herberge zur Heimat in der Zürcher Altstadt ist ein betreutes Wohnangebot für Männer, die zur Bewältigung ihres Alltags auf Hilfe angewiesen sind. Ziel ist es, den Bewohnern ein Zuhause zu bieten, sie bei persönlichen Krisen zu unterstützen und ihre Kompetenzen zu fördern. Die Betreuung wird durch medizinische, psychologische, psychiatrische und seelsorgerliche Fachpersonen ergänzt – auch im Pflege- oder Krankheitsfall, wenn nötig bis ans Lebensende. Waschsalon Nach einem anfänglichen Pilotprojekt wurde 2021 der Waschsalon «Bubbles of Happiness» im Zürcher Niederdorf fest installiert. Er bietet Menschen in schwierigen Lebenssituationen die Möglichkeit, ihre Wäsche waschen, sich zu duschen oder ihr Hab und Gut in einem Schliessfach verstauen.Moira Jurt: Die letzten Orte für saubere Alltagswäsche, in: Tagesanzeiger Zürich vom 23. Januar 2023. Ehemalige Projekte 1862 gründete die Gesellschaft die Zürcher Stadtmission, die 2016 unabhängig wurde und unter dem Namen "Solidara Zürich" in ökumenischer bzw. interreligiöser Trägerschaft mehrerer Kirchengemeinden und der israelitischen Kultusgemeinde geführt wird.Sandra Hohendahl-Tesch: Das Ende der finanziellen Solidarität mit Solidara, auf: reformiert.info vom 11. Januar 2024

Weitere inzwischen in die Selbstständigkeit entlassene Gründungen waren die Telefonseelsorge "Die Dargebotene Hand", die ehemalige Diakonissenanstalt Neumünster (das heutige Spital Zollikerberg), die Evangelischen Schulen Zürich (heute Freie Schule und Freies Gymnasium Zürich) sowie der Theologische Verlag.

Literatur Thomas C. Bolliger: Minderheiten der evangelisch-reformierten Landeskirchen der Schweiz: staatskirchenrechtliche und kirchenrechtliche Aspekte, Theologischer Verlag Zürich 1984 Helmut Meyer und Bernhard Schneider: Mission und Diakonie, Die Geschichte der Evangelischen Gesellschaft Zürich. Chronos Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-0340-1060-3.

Weblinks Offizielle Website

Einzelnachweise

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