Das Kloster der Brüder der seligen Jungfrau Maria vom Berg Karmel oder Schwarz-Kloster in Kreuznach (mittellateinisch Monasterium ordinis fratrum beatae Mariae virginis de Monte Carmelo in Crucenaco bzw. Coenobium nigrum) war ein Kloster der Karmeliten im heutigen Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz, das von 1281 bis 1564, von 1623 bis 1632 und von 1635/36 bis 1802 bestand.
Geschichte 1281 wurde von Graf Johann I. „dem Lahmen“ von Sponheim († 1290) und seiner Fau Adelheid von Leiningen-Landeck († 1301) in der Kreuznacher Neustadt ein Kloster der Karmeliten gestiftet. Dem Orden wurde die bereits in Bau befindlicheVgl. den gemeinsamen Ablassbrief für den Bau von Erzbischof Werner von Eppstein von Mainz, Bischof Raugraf Eberhard von Worms und Bischof Heinrich von Leiningen von Speyer, Mai 1266; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 125 Kreuznach, Karmeliterkloster, Urkunde 1). „Kapelle oder Basilika (= dreischiffige Kirche) St. Nikolaus mit allem Zubehör“ übertragen,Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 125 Kreuznach, Karmeliterkloster, Urkunde Nr. 2) = Fundatio Conventus Crucenacensis in Dioecesi Moguntina. In: Eliseo Monsignani (Hrsg.): Bullarium Carmelitanum plures continens summorum Pontificum litteras et constitutiones, Bd. II. Georgius Plachus, Rom 1718, S. 110f (Google-Books). die neben dem Jagdhaus1772 wurde dessen erhaltenes „Gemäuer … ohnweit dem neuen Amthauß“ von dem Baumeister (architectus) und Salineninspektor [Ambrosius Anton] Senger als Burglehenhaus bewohnt; 1393 Eltzer Hof, 1715 Blittersdorfisches Burghaus, heute Magister-Faust-Gasse 25; Urkunden vom 16. Oktober 1751 und 31. Januar 1763: „an das Sponheimer Amtshaus zu Kreuznach anstoßend“; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 33 Reichsgrafschaft Sponheim, Urkunden 17681 und 20598). lag, das die Sponheimer Grafen in dem Weidengehölz im Mündungsgebiet der Ellerbach hatten anlegen lassen.Vgl. Peter Immanuel Dahn: Gnädigst aufgegebene General Beschreibung des Churpfälzischen OberAmts Creuznach, Handschrift 1772, Blatt 27: „Jagdhauß … in einem vom Wasser verdorbenen Weidenfelde, das bald die Nohe, bald die Ellerbach überschwemmte“; vgl. Blatt 37: „die alte Kirche zum heiligen Kreuz in den Weiden“ und Blatt 40; Bayerische Staatsbibliothek München (Cgm 2654) (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München)Vgl. Johann Heinrich Andreae: Crvcenacvm Palatinvm Cvm Ipsivs Archisatrapia, Ex Historia, Potissimvm Politica & Litteraria, Johann Baptist Wiesen, Heidelberg (1781=) 1784, S. 126 und 147 (Digitalisat); Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine, Bd. IV. Frankfurt am Main / Leipzig 1788, S. 36 und 43; Eduard Schneegans: Kreuznach. Erinnerungen eines Kurgastes. Friedrich, Siegen / Wiesbaden 1844, S. 41f., u. a., die der Handschrift Angelus á S. Leopoldo: Nota Historiola von Xnach, 1761 (s. o.), bzw. Peter Immanuel Dahn: Gnädigst aufgegebene General Beschreibung des Churpfälzischen OberAmts Creuznach, Handschrift 1772, Blatt 27, folgen.Vgl. Winfried Dotzauer: Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Franz Steiner, Stuttgart 2001, S. 215. Vielleicht erfolgte die Stiftung des Klosters – nur zwei Jahre nach der Schlacht bei Sprendlingen – aus Dankbarkeit für die Errettung des Grafen vom sicher geglaubten Tod.Friedrich Back: Die evangelische Kirche im Lande zwischen Rhein, Mosel, Nahe und Glan bis zum Beginn des dreißigjährigen Krieges, Bd. I. Bonn 1872, S. 256 (Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln); Johann Jakob Wagner: Urkundliche Geschichte der Ortschaften, Klöster und Burgen des Kreises Kreuznach bis zum Jahre 1300. Cappallo, Kreuznach 1909, S. 187 (Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln).
Das Kloster erhielt als Reliquien vier Partikel vom Heiligen Kreuz aus dem Kloster Sponheim. Die Stiftung wurde 1290 durch Erzbischof Gerhard II. von Eppstein (um 1230 bis 1305) von Mainz bestätigt.Urkunde vom 4. Juli 1290, ausgestellt in Aschaffenburg (Abschrift des 18. Jahrhunderts); Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main (Karmeliter 24, Blatt 491) = Johann Friedrich Böhmer (Hrsg.), Friedrich Lau (Bearb.): Codex diplomaticus Mœnofrancofurtanus. Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt, Bd. I 794–1314. Josef Baer, Frankfurt am Main 1901, Nr. 575, S. 279 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). 1308 erlaubte Erzbischof Peter von Aspelt († 1320) dem Prior und Konvent des Karmeliterklosters in Kreuznach, drei Altäre und ihre Begräbnisstätte durch einen beliebigen Erzbischof oder Bischof weihen zu lassen.Urkunde vom 18. Februar 1308, Bingen; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 125 Kreuznach, Karmeliterkloster, Urkunde 3); vgl. Regest vom 14. (sic!) Februar 1308 bei Ernst Vogt (Bearb.): Regesten der Erzbischöfe von Mainz 1289-1396, Bd. I/1. Leipzig 1913, Nr. 1154, S. 201; dort: „Karmeliterkloster ‚S. Marien‘ in Kreuznach“ (Digitalisat bei Regesta Imperii Online). Generalprior Gerhard von Bologna (Gerardus Bononiensis) († 1317) gewährte 1308 Johann II. von Sponheim-Kreuznach († 1340) wegen der Wohltaten, die dieser dem Karmeliterorden erwiesen hatte, in einer in Kreuznach ausgestellten Urkunde Teilhabe an allen guten Werken des Ordens.Urkunde vom 26. Juli 1308; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (Grafschaft Sponheim, Urkunde 992).
Mittelalter 1316 vermachte Baldemar von Fürfeld dem Kloster eine Kornrente in Windesheim.Urkunde vom 17. Juli 1316, ausgestellt „in lapi“ (Stein); Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Bestand 22 Eberbach, Zisterzienser, Nr. 512). Am 8. September 1316 fand das Provinzialkapitel der deutschen Provinz des Karmeliterordens in Kreuznach statt, auf dem Daniel von Wichtrich († 1363) – der spätere (1318) Trierer Weihbischof und (1342) Bischof von Verden – zum Provinzialprior gewählt wurde.Vgl. Johann Heinrich Heister: Suffraganei Colonienses extraordinarii. Kirchheim, Schott & Thielmann, Mainz 1843, S. 51f (Google-Books). Zum „Definitor secundus“ wurde Petrus, der Prior von Haarlem gewählt. Provinzialprior Daniel stellte dem Rheingrafen Siegfried II. vom Stein (* um 1240; † vor 1327), seiner Frau Margarethe von Heinzenberg († nach 1330) und ihren Kindern an dem Kapiteltag eine Urkunde aus, in denen er ihnen Anteil an den verdienstlichen Werken des Ordens gewährte.Regest einer Urkunde vom 8. September 1316, ausgestellt in Kreuznach; vgl. Ludwig Schmitz-Kallenberg (Bearb.): Urkunden des fürstlich Salm-Horstmar’schen Archives in Coesfeld und der herzoglichen Croy’schen Domänenadministration in Dülmen. Aschendorff, Münster 1904, S. 198 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster). Auf dem Provinzialkapitel 1335 im Kreuznacher Kloster stellte Provinzialprior Johann Herzog Otto III. von Braunschweig-Lüneburg († 1352) und seiner Frau Mathilde von Mecklenburg (1293–1358) eine Urkunde aus, in der er ihnen Anteil an allen guten Werken des Ordens gewährte,Hauptstaatsarchiv Hannover (Urkundenbestände Auswärtige Sachen, Celle Or. 8 Nr. 77); Regest vom 24. Juni 1335, ausgestellt in Kreuznach; vgl. Hermann Sudendorf (Hrsg.): Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande, Bd. I. Carl Rümpler, Hannover 1859, Nr. 584, S. 301 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). am selben Tag auch der Wildgräfin Hedwig von Dhaun-Grumbach († um 1361/65), der Witwe des Rheingrafen Johann I. von Stein (* um 1270; † 1333), und ihren Kindern.Regest einer Urkunde vom 24. Juni 1335, ausgestellt in Kreuznach; vgl. Ludwig Schmitz-Kallenberg (Bearb.): Urkunden des fürstlich Salm-Horstmar’schen Archives in Coesfeld und der herzoglichen Croy’schen Domänenadministration in Dülmen. Aschendorff, Münster 1904, S. 216 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster). 1374 fand ein weiteres Provinzialkapitel in Kreuznach statt.
1385 stiftete Johann von Leyen d. Ä. ein Jahresgedächtnis für seine Familie im Karmeliterkloster, ebenso Edelknecht Conrad Fust zu Stromberg († 1395)Verheiratet mit Agnes von Appermont. in seinem Todesjahr mit einer Jahresrente von 4 Gulden aus einem Gut in Siefersheim.Regesten von 1385 und 1395; Wilhelm Günther (Bearb.): Codex diplomaticus Rheno-Mosellanus, Bd. III/2. Heriot / Hölscher, Koblenz 1825, Nr. 600 und 637, S. 859 und 911. Gräfin Elisabeth von Sponheim-Kreuznach und Vianden (1365–1417), mit der die vordere Linie des Hauses Sponheim ausstarb, hinterließ dem Kloster einen Teil ihrer fahrenden Habe und stiftete eine tägliche Gedächtnismesse für ihren Vater Simon III. und ihre Voreltern sowie jährlich am Freitag vor Mariä Geburt (8. September) 12 Armeneinkleidungen. Auf Anordnung von Graf Johann V. von Sponheim-Starkenburg († 1437), die von seinen Erben erneuert wurde, wurde diese Messe seit 1431 täglich von den Karmelitern in der Stadtpfarrkirche gelesen, in deren Chorraum sich die sponheimische Grablege befand.Vgl. Eberhard J. Nikitsch: Bad Kreuznach, Evang. Pauluskirche, Nr. 110†, DI 34, 1993 (Deutsche Inschriften Online bei www.inschriften.net).
Abordnung des Priors zum Konzil von Basel