miniatur|Wandapparat, 1890 Die Geschichte der Telefonie in Österreich beschreibt die Einführung der Telefonie und deren Weiterentwicklung von ihren Anfängen bis heute bezogen auf Österreich.

Festnetztelefonie Erste Kontakte

1863 demonstrierte der deutsche Physiker und Erfinder Philipp Reis dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I. in Frankfurt am Main einen Apparat zur Übertragung von Tönen und Melodien.

Am 14. Februar 1876 meldete der in Boston lebende schottische Sprechtherapeut Alexander Graham Bell einen „Sprechtelegraphen“ zum Patent an. Dieser „Bell’sche Sprechtelegraph“ zählte zu den Attraktionen der Weltausstellung von Philadelphia. Am 9. Oktober 1876 wurde das erste Ferngespräch der Welt auf einer zwei englische Meilen langen Telefonleitung Boston–Cambridge (USA) geführt. Die in der Leipziger „Illustrirten Zeitung“ vom 30. Juni 1877 über Bells Versuche veröffentlichten Skizzen veranlassten Franz Nissl, einen Telefonapparat zu konstruieren, dessen Funktion er gemeinsam mit zwei Hochschulassistenten am 22. Dezember 1877 im Physikalischen Institut der Wiener Technischen Hochschule dem Professorenkollegium vorführte. Nissl gründete 1884 zusammen mit Karl August Czeija die „Telephon- und Telegraphenfabrik Czeija, Nissl & Co.“, die wesentlichen Anteil am Aufbau des österreichischen Telefonnetzes hatte. (PDF; 208 kB) 1877 führte auch Universitätsprofessor Pfaundler im Naturwissenschaftlichen Verein in Innsbruck den „Bell’schen Sprechtelegraphen“ vor.

Beginn der Nutzung

Mit Erlass vom 3. Juni 1881 wurde vom k.k. Handelsministerium die erste Konzession für den Betrieb von Telefonanlagen innerhalb eines um den Stephansdom als Mittelpunkt gedachten Kreises von 15 km Radius an die Wiener Privat-Telefongesellschaft erteilt.

miniatur|Telefonzentrale Czeija & Nissl, Linz ca. 1885

Die erste Fernsprechvermittlungsstelle befand sich im ersten Bezirk in der Friedrichstraße 6 und wurde am 1. Dezember 1881 mit 154 Teilnehmern in Betrieb genommen. Die Vermittlung der Gespräche geschah durch das „Fräulein vom Amt“, das die Anrufer durch das richtige Stecken von am Gürtel getragenen Metallstöpseln mit dem gewünschten Partner zu verbinden hatte. Wenn ein Teilnehmer ein Gespräch führen wollte, musste er zunächst die Vermittlungskraft auf sich aufmerksam machen. Anfangs geschah dies durch eine, neben dem Telefonapparat hängende Pfeife. Die Teilnehmer pfiffen in die Sprechmuschel und in der Vermittlungsstelle trat das Fräulein vom Amt in die Leitung ein, sobald sie das Signal akustisch wahrgenommen hatte. Doch schon bald wurden die Apparate mit so genannten Kurbelinduktoren ausgestattet. Mit diesen Einrichtungen wurde eine Rufspannung erzeugt, die in der Vermittlungsstelle optisch und akustisch signalisierte, dass ein bestimmter Teilnehmer das Eintreten einer Vermittlungskraft in seine Anschlussleitung wünschte. Sobald der Teilnehmer die Stimme der Vermittlungskraft in seiner Hörmuschel vernahm, teilte er ihr den gewünschten Gesprächspartner mit. Nach Ende des Gespräches musste der Teilnehmer wieder den Kurbelinduktor betätigen, um das Ende des Gespräches zu signalisieren.

1882 gab es schon fast 1000 Teilnehmer sowie eine öffentliche Sprechstelle in den Räumlichkeiten der Wiener Börse. Für die Benutzung dieser Sprechstelle war eine festgelegte Gebühr zu entrichten.

Auch die englische Gesellschaft „Consolidated Telephone Construction and Maintenance Comp. Limited“ in London, die spätere „Telephone Company of Austria Limited“, erwarb das Recht, in mehreren Städten der österreichischen Reichshälfte Telefonnetze zu errichten und zu betreiben. So wurde noch 1882 der Fernsprechbetrieb in Graz, Prag und Triest und 1883 in Lemberg, Bielitz-Biala, Czernowitz, Pilsen und Reichenberg aufgenommen. Die Wiener Privat-Telefongesellschaft wiederum errichtete 1884 in Brünn das erste Fernsprechnetz. Auch in Oberösterreich wurden die damals noch nicht vereinigten Städte Linz und Urfahr verkabelt und ab 1885 konnten 80 angeschlossene Teilnehmer miteinander telefonieren.

Vom Privat- zum Staatstelefon

miniatur|Tischapparat, ca. 1889

Trotz des fortschreitenden Ausbaus lag Österreich im internationalen Vergleich gesehen eher am unteren Ende der Skala. Entfiel in den Städten Paris, Berlin oder Rom Ende 1885 auf etwa 40 Einwohner ein Fernsprechteilnehmer, kam in Wien nur auf etwa 1050 Einwohner ein Fernsprechteilnehmer.

Als Ursache ortete das k.k. Handelsministerium, dass die mit Konzessionen bedachten Privatunternehmer nicht unbedingt den Wünschen der Kunden entsprachen, zu teuer waren und Einrichtungen verwendeten, die nicht dem letzten Stand der Technik entsprachen und daher dem ständig steigenden Verkehrsaufkommen nicht gewachsen waren. Der Staat wollte daher den Telefonbetrieb von nun an gänzlich selbst in die Hand nehmen und begann mit dem Rückkauf der erteilten Konzessionen. Mittlerweile gab es insgesamt elf Privatnetze, die alle ihre Vermittlungseinrichtungen, Apparate, die verlegten Leitungen, ihre Büroeinrichtungen etc. abgegolten haben wollten. Auch das Personal der Privatgesellschaften musste von der Staatsverwaltung übernommen werden.

Am 1. Jänner 1895, dem Datum der Übergabe des letzten Privatnetzes (dem Wiener Stadtnetz), befand sich das gesamte österreichische Fernsprechnetz im Besitz der Staatsverwaltung. Das Telefonnetz wurde nun von der österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung (ÖPTV) betreut. „Das unterirdische Kabelnetz umfasste eine Länge von 154 Kilometer, wovon 35.493 m beschaltet waren. Die Tracenlänge der oberirdischen Leitungen betrug 800 Kilometer, die verbaute Drahtlänge betrug rund 6000 Kilometer Draht. Zur oberirdischen Fortführung der Drahtleitungen dienten 15.600 Mauer- und Brückenträger und 3400 Holzsäulen, an denen rund 280.000 Porzellanglocken (Isolatoren) befestigt waren. An Personal waren damals 334 Telefonistinnen und 160 Telefonarbeiter beschäftigt.“

Weiterer Ausbau

miniatur|Verlegen von Telefonkabeln (Kabeleinziehen), 1898

Die Telefonzentrale in der Wiener Friedrichstrasse entsprach bald nicht mehr dem Stand der Technik und wurde daher im Februar 1899 aufgelassen und durch die neu erbaute, für 12.000 Anschlüsse konzipierte Zentrale in der Dreihufeisengasse (heutige Lehárgasse) ersetzt. Auch die Zentrale am Börseplatz wurde im Mai 1899 durch eine neu erbaute, für 3.000 Anschlüsse ausgelegte Zentrale in der Berggasse ersetzt. Zur Ergänzung dieser beiden Hauptzentralen, an die insgesamt 15.000 Teilnehmer angeschaltet werden konnten, wurden in Hietzing, Meidling, Floridsdorf, Simmering, Döbling sowie Ottakring so genannte Nebenzentralen errichtet. Doch auch die beiden Hauptzentralen mussten schon nach wenigen Jahren auf die volle Kapazität von 24.000 Teilnehmern erweitert werden.

Die Teilnehmerzahlen entwickelten sich rasant nach oben. Beim Start im Jahr 1881 waren 154 Teilnehmer registriert, zehn Jahre später waren es bereits 11.095 und 1901 nahmen 34.651 Abonnenten am nunmehr aus dem Geschäftsleben nicht mehr wegzudenkenden Dienst teil.

In der Zentrale in Meidling wurden 1905 die ersten Gesellschaftsleitungen für zwei oder vier Teilnehmer eingerichtet. Die Teilnehmer, die auf ein und derselben Leitung angeschaltet waren, konnten rufen oder gerufen werden, ohne dass sie sich gegenseitig stören oder die anderen Gespräche mithören konnten. Zunächst wurden 40 solcher Gesellschaftsleitungen zum Testen aufgebaut, bald jedoch war das so genannte „Ortsbatterie-Gesellschaftssystem“ in ganz Wien im Einsatz. Dadurch konnte etwa 18.000 Teilnehmern, die einen schwachen bis mittelmäßigen Verkehr pflegten, ein billiger Anschluss geboten werden.

Im Dezember 1906 wurden die vorher gültigen kostenaufwändigen und komplizierten Zahlungsmodalitäten für die Errichtungs-, Vermittlungs- und Sprechgebühren durch einheitlich festgesetzte Tarife abgelöst, was zu einer weiteren Popularisierung des Telefons in Österreich führte.

Die ersten Münzfernsprecher

Der erste „Telefonautomat“ Österreichs wurde am 17. August 1903 im Wiener Südbahnhof in Betrieb genommen. Es handelte sich um eine „Telephon-Station“, welche nach Einwurf von 20 Heller zum Führen eines aktiven Gespräches zur Verfügung stand.

Weitere standen bald im Nord- und Westbahnhof, im Café Central sowie in der Prater-Hauptallee. Der Wiener Magistrat und das Denkmalamt wollten in Wien zunächst die Aufstellung von Münzfernsprechern mit der Begründung, dass diese das Stadtbild verschandeln, verhindern. Erst als zum Stadtbild passende, vornehm wirkende Kioske entworfen wurden, gab es die Zustimmung zur Aufstellung an dafür geeigneten Standorten. Der erste Kiosk stand am Franzensring (heute Universitätsring).

Ende 1907 standen in Österreich 44 öffentliche Münzfernsprecher im Einsatz: 42 in Wien und 2 in Tirol in den Bahnhöfen Trient und Brixlegg. Zehn Jahre später waren in Wien 600 und in den Ländern 178 öffentliche Münzfernsprecher im Einsatz.

Beginn der Automatisierung

miniatur|Tischapparat mit Stellhebel-Nummernschalter

Der handvermittelte Betrieb war nicht nur sehr umständlich, sondern vor allem auch personalaufwendig. Die Einführung des automatischen Betriebes ging zunächst in Wien in einer kleinen Probezentrale vor sich. Sie wurde in der Telefonzentrale in der Berggasse am 1. April 1905 dem Verkehr übergeben und war zunächst für 200 Abonnenten eingerichtet. Als die Ergebnisse zufriedenstellend verliefen, wurde in Graz im Jahre 1910 eine vollautomatische Zentrale für 2000 Einzel- und 1200 Gesellschaftsanschlüsse in Betrieb genommen. Weitere Zentralen wurden automatisiert.

Bei diesem System erfolgte die Wahl der Teilnehmernummer allerdings nicht durch eine Wählscheibe, sondern durch eine in den Telefonapparat eingebaute Stellhebelvorrichtung. Am Telefonapparat wurde mit Stellhebeln die gewünschte Nummer eingestellt. Die Apparate für Wien hatten sechsstellige Stellhebel, die für Graz und Linz vorgesehenen Apparate hatten vier Stellhebel. Mittels der Stellhebel wurde am Apparat die Rufnummer eingestellt, dann hob man den Hörer ab, drückte den Rufknopf und drehte dann die seitlich angebrachte Kurbel. Dieses „Stellhebelsystem“ hatte jedoch den gravierenden Nachteil, dass die Rufnummernlänge beschränkt und ein Auslösen der Verbindung erst nach vollständig durchgeführter Wahl möglich war. Weiters waren diese Apparate sehr teuer und auch störanfällig. Aus diesem Grund erhielten die Telefonapparate ab 1928 eine Wählscheibe.

Fernverbindungen

miniatur|Freileitung, 1931

Gleich zu Beginn der Telefonie gab es bereits interurbane Verbindungen in die österreichischen Kronländer. Allerdings wurden diese Leitungen bis etwa 1920 ausnahmslos über Freileitungstrassen geführt. Dadurch kam es naturgemäß immer wieder zu Störungen durch Stürme, Eislasten im Winter, umgestürzte Bäume usw. Die naheliegende, in Ortsnetzen schon praktizierte Lösung, Kabeltrassen unterirdisch zu führen, schied für die Fernkabel zunächst aus, da auf derartigen Leitungen, der Dämpfung wegen, nur etwa 50 km weit telefoniert werden konnte. Erst die Erfindung des serbischen Physikers Michael Pupin, der an bestimmten Stellen der Fernkabel zum Ausgleich deren elektrischer Kapazität Selbstinduktionsspulen einsetzte (Pupin-Spulen), wodurch die Dämpfung herabgesetzt und eine Gesprächsweite bis maximal 200 km erreicht werden konnte, machte dies möglich. Eine noch größere Reichweite ergab sich erst, als es gelang, dem durch die große Entfernung geschwächten Sprechstrom wieder neue Energie zuzuführen, also den Sprechstrom zu verstärken. Dies gelang mit der vom österreichischen Erfinder Robert von Lieben entwickelten Verstärkerröhre. Beide Erfindungen zusammen boten nun die Möglichkeit, beliebig weite Entfernungen durch betriebssichere und wirtschaftliche Fernleitungen zu überwinden.