Die Schächte und Grubenbaue der Kaliwerke Gewerkschaften Orlas und Nebra gehören zum Lagerstättenbereich des Roßlebener Sattels. Das Generalstreichen verläuft in Richtung NNW nach SSO; das Schichteinfallen variiert zwischen 5 und 12 Grad nach Osten. Die Salzlagerstätte zeigt starke Störungserscheinungen durch Faltungen und Verschiebungen. Abgebaut wurden hier Hartsalz, Carnallitit sowie in geringem Umfang auch Kainit und Sylvin. Schacht Orlas liegt ca. 2 km westlich der Ortslage Wippach auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei; Schacht Nebra befindet sich ca. 1,1 km nördlich des Orlas-Schachtes in einem Waldgebiet. Die Grubenbaue der „Gewerkschaften Orlas und Nebra“ erstrecken sich über eine Länge von rd. 2,5 km in streichender Richtung und einer Breite von ca. 700 m. Beide Schachtanlagen sind über die 467-m-Sohle miteinander verbunden. Als obere Abbaugrenze war das Niveau −180 m NN festgelegt. Das Fördergut wurde über Tage gemahlen und mittels einer Drahtseilbahn zur Verladeanlage in Kleinwangen gebracht. Von dort gingen die Salze über Schiene und Achse zur Weiterverarbeitung in die Fabrikanlage der Schachtanlage Roßleben. Als Versatzgut wurde Steinsalz von der Abteufhalde verwendet. Die Förderung wurde 1921 eingestellt. Bis dahin wurden ca. 53.000 Tonnen K2O abgesetzt. Sämtliche Übertageanlagen wurden 1934 abgebrochen. Auf dem Gelände beim Nebra-Schacht liegt nur noch ein kleiner Rest der Abteufhalde. 600px|links|Lage der Schächte Orlas und Nebra
Geologische und hydrogeologische Verhältnisse mini|Querschnitt durch den Schacht Orlas und das Hauptflache. mini|links|Querschnitt durch den Schacht Nebra und das Hauptflache.
Die geologischen Verhältnisse Die Schächte Orlas und Nebra wurden an der Nordostflanke des Roßlebener Sattels im Mittleren Buntsandstein angesetzt. Über die durchteuften Schichten geben die beidseits eingefügten Profile Auskunft. Die Schichtenfolge beider Schächte ist durch das Fehlen des Aller-Steinsalzes (Na 4) charakterisiert. Dieses fiel der vom Salzspiegel ausgehenden Ablaugung zum Opfer. Die horizontale Entfernung zur Ablaugungsgrenze des Kaliflözes Staßfurt wird mit rd. 600 m eingeschätzt. Die kürzeste Entfernung zwischen den Grubenbauen der Schachtanlage Orlas-Nebra zu denen der nächstgelegenen Schachtanlage Georg/Unstrut (vergl. obigen Lageplan) beträgt etwa 1.400 m.
In der Schachtanlage Orlas-Nebra erfolgte eine Gewinnung von Hartsalz und Carnallitit des Kaliflözes Staßfurt. Vom Schacht Nebra wurde das Kalilager in einer Teufe von 455,50 m und vom Schacht Orlas bei 458,50 m angetroffen. Das Einfallen der Lagerstätte beträgt rund 6 Grad bei einem Generalstreichen von 147 Grad. Die Lagerstätte wurde durch streichende Strecken, Flachen und Abbaue sowie durch über- und untertägige Bohrungen erkundet. Der durch Streckenaufschlüsse erfasste Bereich beträgt im Einfallen ca. 700 m und im Streichen ca. 2.500 m. Zwei relativ umfangreiche Hartsalzfelder, die mit großer Sicherheit zusammenhängen, wurden in der Nähe beider Schächte nachgewiesen. Die Hartsalzvorkommen sind unregelmäßig begrenzt, jedoch in Richtung des Streichens der Lagerstätte gestreckt. Eine Fortsetzung in südlicher wie auch in nördlicher Richtung ist wahrscheinlich. Intensive Faltungen an der Hartsalz-Carnallititgrenze (wie in den Schächten angetroffen) täuschen ein Doppellager vor. Die Intensität der Verfaltungen ist gegenüber der auf der Grube Roßleben größer. Sie scheint jedoch auf die Salzverteilungsgrenze beschränkt zu sein. Der Carnallitit ist rötlich bis silbergrau und fast überall kieseritisch. Hartsalz liegt in verschiedenen Varietäten mit häufig sehr hohen Sylvingehalten vor. Es tritt kieseritisch, anhydritisch und langbeinitisch auf. Kainit soll im Hauptflachen des Schachtes Nebra angereichert sein. Bemerkenswert sind die häufig geringen Hartsalzmächtigkeiten, die vermutlich ähnlich wie im Bereich der Grube Roßleben als Folge zechsteinzeitlicher Ablaugungen am Kopf des Kalilagers aufzufassen sind und hier besonders wirksam waren.
Die hydrogeologischen Verhältnisse Die quartären und tertiären Ablagerungen sind auf Grund des relativ hohen Anteils an Sand, Kies und Geschiebemergel sehr stark wasserführend. Der Grundwasserspiegel liegt in der Unstrut-Aue in 1–2 m Tiefe; sein generelles Niveau beträgt etwa 10 m unter Gelände. Der petrographischen Ausbildung sowie der tektonischen Lage des Oberen Buntsandsteins im Bereich der Grubenfelder nach ist dieser kaum wasserführend. Hingegen ist der Mittlere Buntsandstein ein sehr guter Wasserleiter (Trinkwasserbrunnen-Horizont). Nach den bisherigen Untersuchungen haben die größte Wasserergiebigkeit die im Mittleren und Unteren Buntsandstein auftretenden mittel- bis grobsandigen Sandsteineinlagerungen.
Auch der Untere Buntsandstein ist in bestimmten Bereichen sehr stark wasserführend, insbesondere in den Rogensteinzonen. Die Zuflussmengen werden stark von der tektonischen Lage beeinflusst. So wurden z. B. bei den der „Bottendorfer Störung“ nächstgelegenen Schachtanlagen Thüringen I / II Zuflüsse während des Abteufens dieser Schächte von bis zu 4 m3/min festgestellt. Im Schacht Nebra erfolgten während des Teufens im Unteren Buntsandstein (zwischen 119,5 und 166,3 m Teufe) Süßwasserzuflüsse mit ca. 0,5 m3/min und zwischen 250,0 m und 279,8 m mit ca. 1,5 m3/min. Als völlig wasserfrei können nur die tonigen untersten 40 m – 50 m des Buntsandsteins angesehen werden.
Die Schächte Orlas und Nebra liegen mit etwa 600 m gleich weit vom Ablaugungsrand des Kaliflözes Staßfurt entfernt. Von beiden Schächten wurde das Aller-Steinsalz nicht durchteuft, da es bereits der Ablaugung anheimfiel. Das Leine-Steinsalz wurde mit einer Mächtigkeit von 43 m bzw. 46 m angetroffen und dürfte von der Ablaugung noch unberührt sein. Der Hauptanhydrit erwies sich namentlich in seinem unteren Teil als sehr geklüftet. In ihm erfolgte bei rd. 425 m Teufe ein Salzlösungseinbruch, begleitet von Gasen, durch den mit einer Schüttung von ca. 0,7 m3/min etwa 60.000 m3 ausgeflossen sein sollen. Schacht Orlas, der die gleiche Lage zum Salzspiegel besitzt wie der Schacht Nebra, ist im Gegensatz zu diesem im Zechstein trocken geteuft worden. Es traten weder im Grauen Salzton noch im Hauptanhydrit Zuflüsse auf, obgleich letzterer auch stark geklüftet gewesen sein soll. Bekannt geworden sind geringe Salzlösungszutritte in Verbindung mit Gasen aus Bereichen des Grauen Salztons. In den von der Hauptsohle nach Westen ansteigend im Lagerhorizont getriebenen Bremsbergen I bis III sollen stellenweise nur schwache Durchfeuchtungen aufgetreten sein.
Such- und Erkundungsarbeiten In der Umgebung der ehemaligen Schachtanlage Orlas-Nebra wurden eine Reihe von Tiefbohrungen durchgeführt. Ein Teil dieser Tiefbohrungen wurden nur als sogenannte „Mutungsbohrungen“ niedergebracht.
Diese Bohrungen sind in der folgenden Tabelle nach Lage und Teufe sowie der Möglichkeit einer geologischen Aussage für die Grubenfelder dieser Schachtanlagen zusammengestellt: Suchbohrungen auf Zechstein-Salze allgemein sowie speziell auf das Vorhandensein und die Ausbildung des „Kaliflözes Staßfurt“ Name der Bohrung: Orlas II Orlas III Thüringen IV Thüringen VII Thüringen IX Sieg der Wahrheit Nebra XII Groß- wangen Nebra II Nebra V Groß- wangen I Bucha I Bucha II Bucha IV Bucha V Kalter Hase Bergwinkel 1E/61 Thüringen III Bad Bibra 1 Bad Bibra 2 Bad Bibra 4 Bad Bibra 6 Endteufe (Angaben in Meter) 364,20 357,70 448,60 386,70 406,20 567,50 276,80 267,35 266,60289,90412,20 309,30319,80478,10 345,00558,00744.20 505,301.023,00695,20784,10 701,00 Erreichter tiefster stratigraphischer Horizont Leine-Steinsalz Leine-Steinsalz Leine-Steinsalz Leine-Steinsalz Leine-Steinsalz Aller-Steinsalz Leine-Steinsalz Leine-Steinsalz ______________ Ergebnis der Kaliflöz-Suche _ _ _ _ _ _ _ _ Kaliflöz abgelaugt Carnallitit und Hartsalz Kaliflöz abgelaugt Kaliflöz abgelaugt Kaliflöz abgelaugt Carnallitit Kaliflöz abgelaugt Carnallitit Hartsalz Carnallitit Vertaubungs- zone angetroffen Vertaubungs- zone angetroffen Hartsalz Hartsalz
Der Betrieb des Kaliwerkes Die Unternehmensgründung mini|Aktien-Schein der Kaliwerke Salzdetfurth A.G. Von 1917 bis 1945 gehörten diese Kaliwerke dem „Salzdetfurth-Westeregeln-Konzern“ an. mini|Ansicht des Kaliwerkes „Gewerkschaft Nebra“ um 1920.
Die Gründung der „Gewerkschaft Orlas“ als Gewerkschaft nach preußischem Bergrecht*) erfolgte durch die Vereinigungen der einzelnen Gewerkschaften Orlas, Orlas II, Orlas III, Wennungen, „Der kalte Hase“, Bucha II, Bucha IV, Thüringen IV, V, VI, VII, IX, „Sieg der Wahrheit“ (sämtlich in Frankfurt am Main gegründet) sowie des dem Kaufmann Hermann Mommsen (Frankfurt/Main) gehörenden Salzbergwerkes Bucha. Die Gründungsurkunde datiert auf den 26. August 1909. Die Vielzahl der hier aufgeführten „Gewerkschaften“ mag heute erstaunen, seinerzeit war es „ein überaus einfacher Vorgang. Das liegt zum Teil daran, daß ein Bergbauunternehmen in früheren Zeiten als eine höchst persönliche Unternehmung betrachtet wurde. Zwei Personen brauchen nur den Antrag auf „Verleihung“ einer Gewerkschaft zu stellen, indem sie Mutung auf Grund ihrer Funde beim Bergamt einlegen, und sie erhalten ihre Gewerkschaft ohne weiteres“.digitalis.uni-koeln.de (PDF).
Die neue Gerechtsame hatte ursprünglich eine Gesamtgröße von 3.0645,5927 ha in den Gemarkungen Wippach, Nebra, Altenroda, Birkigt, Orlasheide, Großwangen, Wennungen, Bad Bibra, Bucha, Saubach, Steinbach, Pleißmar, Wallroda, Kalbitz und Memleben. Davon wurden 133,9405 ha zur Bildung des „Salzbergwerkes Nebra“ (durch Gründung der „Gewerkschaft Nebra“) abgezweigt, sodass für Orlas 293,06522 ha verblieben. Dieser Komplex wurde im März 1911 nach Genehmigung durch das Oberbergamt Halle in drei selbständige Bergwerke aufgeteilt: Bergwerk „Victor“ (445.108 m2), „Der kalte Hase“ (9.434.348 m2) und „Konsolidierte Orlas“ mit 19.427.066 m2. Letztere liegen in den Gemarkungen Wippach, Großwangen, Altenroda, Bibra, Orlasheide und Saubach.
Tagesanlagen: Schachtgebäude, Mühlenanlage mit zwei kompletten Mahlsystemen, elektrische Fördermaschine, Starkstromfernleitung, Verwaltungsgebäude, vier Beamtenwohnhäuser, Arbeiterkolonie. Grundstücksgröße: 22 ha 56 ar 50 m2.
Kalisyndikat: Die Verteilungsstelle hat dem Werk im Herbst 1911 eine provisorische Quote zugebilligt. Seit 1. Januar 1913 besaß das Werk eine definitive Quote, die Ende 1935 4,9402 Tausendstel betrug.
Letzte ordentliche Gewerkenversammlung: am 17. Mai 1935.
Hier einige Auszüge aus Statistischen Jahrbüchern (1910–1914):
1910: Vertreter: Bergassessor Mehl in Roßleben. Mit dem Abteufen des Schachtes ist im September 1909 begonnen worden.
1911: Vorstand: Bergrat Ebeling in Hannover. Technischer Direktor: Bergassessor H. Lohmann in Nebra. Kaufmännischer Direktor: Ebeling in Nebra. Betriebsführer: Dipl.-Bergingenieur Herrmann in Wippach. Das Abteufen ist in vollem Gange. Teufe etwa 300 m. Durchschnittliche Arbeiterzahl: 120 Mann.
1912: Vorstand: Bergrat Ebeling in Hannover. Technischer Direktor: Bergassessor H. Lohmann in Nebra. Kaufmännischer Direktor: Ebeling in Nebra. Berginspektor: Dipl.-Bergingenieur Herrmann in Wippach. Betriebsführer: Obersteiger Löttel in Wippach. Die Förderung bzw. Ausrichtung der Lagerstätte hat begonnen. Drahtseilbahn nach der Verladestation bei Klein-Wangen. Durchschnittliche Arbeiterzahl: 120 Mann. Der Schacht Nebra ist im Abteufen begriffen, durchschnittliche Arbeiterzahl ebenfalls 120 Mann.
1913: Vorstand: Bergrat Ebeling in Hannover, Vorsitzender. Technischer Direktor: Bergassessor Dr. H. Lohmann in Nebra. Kaufmännischer Direktor: Ebeling in Nebra. Berginspektor: Dipl.-Bergingenieur Herrmann in Wippach. Betriebsführer: Obersteiger Löttel in Wippach. Die Förderung bzw. Ausrichtung der Lagerstätte hat begonnen. Drahtseilbahn über Schacht Nebra nach der Verladestation Klein-Wangen, Salzmühle. Durchschnittliche Arbeiterzahl: 160 Mann. Der Schacht Nebra ist weiterhin im Abteufen begriffen, durchschnittliche Arbeiterzahl 120 Mann.