miniatur|hochkant=1.2|Der Große Hafen von Valletta mit Linienschiffen und Galeeren der Marine des Malteserordens, Gemälde aus dem Jahr 1801

Die Marine des Johanniterordens, später Malteserordens, war die erste Marine eines Ritterordens. Sie hatte ihre ersten Aufgaben im späten Mittelalter zu bewältigen und beteiligte sich seitdem über mehrere Jahrhunderte an Pilgerfahrten, Kreuzzügen, vielen Schlachten und Gefechten des Mittelalters und der Neuzeit und wurde mit der Einnahme Maltas durch Napoleon Bonaparte im Jahr 1798 faktisch aufgelöst.

Geschichte Anfänge im Mittelalter miniatur|Die Flagge des Malteserordens wurde auch von der Marine des Ordens genutzt miniatur|Zwei weitere Varianten der Flagge der Marine des Malteserordens Die Aufgabe vieler im Mittelalter vorhandener Ritterorden (Deutscher Orden, Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Orden vom Hospital des Heiligen Johannes zu JerusalemDer Orden wurde auch Johanniterorden, später dann Malteserorden genannt – siehe auch Geschichte des Johanniterordens sowie der Templerorden) bestand darin, den Schutz der Pilger sowie die Förderung der Wallfahrt ins Heilige Land,nach Hasecker die Unterstützung kranker Mitbürger sowie die Bekämpfung des Unglaubens zu gewährleisten.

Während Pilgerfahrten im 11. Jahrhundert meistens noch über den beschwerlichen Landweg führten, wurde später zunehmend der schnellere und vermeintlich sicherere Seeweg bevorzugt, der insbesondere von den Städten Venedig, Genua, Pisa und Marseille sowie weiteren italienischen und französischen Handelskommunen aus organisiert wurde und, bedingt durch eine erhebliche Nachfrage und eine regelmäßige Durchführung der Fahrten, regelrecht einem Linienverkehr glich.Nach Hasecker, S. 57.

So war es dann auch nicht verwunderlich, dass die damals bekannten Ritterorden Schiffstransporte unternahmen, um zwei ihrer damaligen Hauptziele – die Förderung der Wallfahrt und den Schutz der Pilger – verwirklichen zu können. Neben diesen Zielen spielten später auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle.

Erste Anfänge von beurkundeten Schiffaktivitäten im Dienste der Orden gehen auf das 12. Jahrhundert zurück.nach Upton-Ward Der Aufbau eigener Ordensflotten wurde bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts begonnen. Überliefert sind vom Johanniterorden vollzogene Charterungen von Schiffen aus Katalonien, der Provence und aus Italien. Für das Jahr 1299 wird erstmals ein Admiral aus den Unterlagen bekannt. So wie verschiedene Ämter einzelnen Zungen des Malteserordens (d. h. Sprachen) zugeordnet wurden, hatte die italienische Zunge das Amt des Admirals inne.Jürgen Sarnowsky: Die Johanniter. München 2011, S. 37.

Weitere überlieferte Aufzeichnungen zu Schiffsaktivitäten stammen aus dem 13. Jahrhundert, datiert auf 1216, die es dem Templerorden und dem Orden vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem erlaubten, ausgehend von Marseille uneingeschränkte Schiffsfahrten beladen mit Gütern, Pilgern und Händlern ins Heilige Land zu unternehmen.

Durch diese Regelung sahen sich jedoch die Marseiller Reeder benachteiligt, so dass die Überfahrten ins Heilige Land später vom Obersten Gericht des Königreichs Jerusalem auf zwei Schiffe pro Jahr und 1500 Pilger pro Schiff beschränkt wurden.Nach Upton-Ward, ebenfalls nach Hasecker, S. 58. Die recht hohe Anzahl von 1500 Pilgern pro Schiff wird von Fachleuten allerdings als übertrieben angesehen; jedoch leitet Hasecker hieraus ab, dass die Johanniter sich in diesen Pilgertransporten etabliert hatten.

Dem Seeweg kam dabei immer mehr an Bedeutung zu, da es durch die Eroberung von Gebieten auf dem Balkan, in Griechenland und Kleinasien durch die Osmanen kaum mehr Alternativen gab, die christlichen Pilgerziele unbeschadet auf dem Landweg zu erreichen. Der Seeweg führte dabei fast immer über die Insel Rhodos im Mittelmeer, auf der der Johanniterorden später seinen zentralen Sitz hatte.nach Hasecker, S. 58.

Neben der Beförderung von Händlern, Gütern und Pilgern auf den vorhandenen Schiffen kamen schließlich auch militärische Bedürfnisse auf. Die militärische Ausrichtung von Ordensarmeen war zunächst grundsätzlich nur auf den Landweg ausgelegt.Nach Upton-Ward, S. 41 ff., so z. B. Templerorden. Da erfolgreiche Militäraktionen aber auch die schonende und schnelle Verbringung von Streitkräften und Militärlogistik erforderlich machten, wurden im Mittelalter von den Ordensstreitkräften Transportschiffe (meist Händlerschiffe) eingesetzt.Nach heutigem Verständnis der Begrifflichkeit „Marine“ bzw. „Kriegsmarine“ fielen diese Schiffe nicht unter diese Definition, da die Schiffe auch als Händlerschiffe und für weitere zivile Zwecke genutzt wurden und zudem nicht ausschließlich für den navalen Truppentransport oder andere militärische Zwecke angeschafft und unterhalten wurden.

Der Orden vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem (dessen Mitglieder auch Hospitaler oder Hospitaliter genannt wurden), war gegen Ende des Mittelalters dann der erste Orden, der eine (Kriegs-)Marine,hier in Abgrenzung zur Handelsmarine wie sie sich nach heutigem Verständnis definiert, aufbaute.

War die Anzahl dieser Schiffe zunächst noch recht gering,Nach Upton-Ward konnten im Jahr 1300 die Orden der Templer, Johanniter und der König von Zypern zusammen nur 16 Galeeren aufbieten. erfolgte offenbar ein Ausbau der Flotten der verschiedenen Orden nach eigenen Bedürfnissen und Umständen.

Eroberung von Rhodos und dortige Etablierung des Ordens miniatur|links|Galeere des Ordens, Gemälde von Charles-François Grenier de Lacroix von 1765 miniatur|links|Kampf von Galeeren des Ordens vor Rhodos, Zeichnung/Kupferstich von Stefano della BellaFachliteratur geht davon aus, dass della Bella 1644/45 als eine Art zeichnender „Kriegsberichterstatter“ im Mittelmeer unterwegs war und das Gefecht von Galeeren des Ordens mit osmanischen Schiffen gezeichnet hat – so nach Divid Klemm, S. 9. miniatur|Der Galeerenhafen von Rhodos, Radierung von Albert Berg aus dem Jahr 1861 miniatur|Eine andere Ansicht des Galeerenhafens von Rhodos. Abgebildet ist hier auch der Damm des Heiligen Nicolas, Radierung von Albert Berg aus dem Jahr 1861

Nach Auseinandersetzungen des Ordens mit dem König von Zypern fasste der damalige Großmeister Foulques de Villaret 1306 den Plan, das von Byzanz nur schlecht verteidigte Rhodos zu erobern, was 1309 dann auch gelang. Der Orden errichtete hier einen zentralen Stützpunkt und begann damit, die vorhandenen Festungsanlagen auszubauen.

Die vorgehaltenen Schiffe des Johanniterordens wurden in dieser Zeit überwiegend zur Verteidigung der Insel Rhodos eingesetzt. Sie nahmen aber auch an entfernten Seeschlachten, so beispielsweise an der Seeschlacht bei Euböa im Jahr 1344, teil, bei der der Orden sechs der 25 teilnehmenden Schiffe unter die Führung eines päpstlichen Legaten stellte. Die Schiffe des Ordens wurden hier von Giovanni de Biandrate kommandiert.

miniatur|Schlacht um Tunis 1535 unter Beteiligung des Ordens miniatur|Seeschlacht von Lepanto 1571

Als Liegeplatz für die Marine des Ordens auf Rhodos wurde ein Hafenbecken von Rhodos-Stadt bestimmt: der Galeerenhafen. Die Hafeneinfahrt wurde durch zwei Festungswerke geschützt, einen Verteidigungsturm auf der einen und die Festung St. Elmo auf der gegenüberliegenden Seite.nach Hammer-Purgstall Die Zufahrt in den Haupthafen konnte zudem mit einer knapp über der Wasserlinie befindlichen Eisenkette gesichert werden, damit feindliche Schiffe in keinen der nachgelagerten Häfen fahren konnten. Neben dem Galeerenhafen in Rhodos-Stadt waren auf der gesamten Insel größere Naturhäfen vorhanden, die mit Verteidigungstürmen gesichert ebenfalls als Ersatzliegeplatz in Frage kamen.So z. B. in Lindos.

In den Jahrzehnten nach 1344 verringerte sich die Anzahl der Schiffe des Ordens. Auch die Teilnahme an Seeoperationen und Seegefechten nahm immer mehr ab, was 1420 schließlich sogar zu öffentlicher Kritik durch venezianische Händler auf Kreta führte, zumal der Orden versprochen hatte, nach der Eroberung von Rhodos zehn Galeeren vorzuhalten, was offenbar nicht eingehalten wurde.Nach Upton-Ward; überliefert ist u. a. die öffentliche Beklagung durch den venezianischen Händler Emmanuele Piloti.

Diese Umstände lagen nach Ansicht von Historikern darin begründet, dass es Probleme gab, Einheimische für den Militärdienst zu begeistern, so dass zusätzliche Schiffe gar nicht hätten besetzt werden können.Nach Upton-Ward. Für eine Galeere des Ordens waren pro Schiff ca. 200 bewaffnete Soldaten plus Schiffsbesatzung erforderlich. Der Orden soll Probleme gehabt, diese Anzahl überhaupt für die vorhandenen Schiffe zu erreichen.

Gesichert ist aber die Erkenntnis, dass stets eine begrenzte Anzahl an Schiffen auf Rhodos oder in relativer Nähe vom Ordensstützpunkt vorgehalten wurde, um den Schutz der Insel zu gewährleisten.Nach Upton-Ward ist dieser Vorhalt bei Rhodos wie folgt beispielhaft dokumentiert: 1461 gab es das sog. Großschiff des Ordens Galley of the Guard, das ständig auf Rhodos stationiert war. 1481 bis 1488 existierte ein weiteres Großschiff, die Navis Grossa (auch Grande Nef genannt), das ebenfalls hier stationiert wurde.

Als 1440 eine Flotte von Mamluken vor Rhodos auftauchte, mussten sich die vor Ort befindlichen sieben Galeeren und zehn kleineren Schiffe des Ordens einer Übermacht entgegenstellen, um die Einnahme wichtiger Teile der Insel zu unterbinden. Die Flotte des Ordens unter Marschall Pierre du Boys konnte 1440 unter hohen Verlusten die Flotte der Mamluken zum Rückzug bewegen. Diese zog dann Richtung türkische Küste, wo die Ordensschiffe wegen zu hohem Tiefgang die Verfolgung aufgeben mussten. Am nächsten Tag zog die Flotte der Mamluken Richtung Kos, zerstörte hier viele Anlagen des Ordens und versklavte die Einwohner.

Zeitweise wurde die Anzahl der Galeeren auf Rhodos auch verdreifacht, in der Regel befanden sich aber lediglich drei bis vier Galeeren sowie ergänzend einige Barken und kleinere Schiffe in den Häfen der Insel oder in umliegenden Gewässern.Nach Upton-Ward waren 1522 die Navis Grossa, die drei Barken Galiega, Barciotto und Marietta und 16 andere Schiffe für den Dienst in den Küstengewässern von Rhodos vorgesehen.

Unterstützung erhielt der Orden schließlich auch durch christliche Schiffe ohne Ordenszugehörigkeit, die mit Kaperbriefen ausgestattet muslimische Schiffe und deren Ladungen von Häfen des Ordens aus aufbringen durften.Nach Upton-Ward sind entsprechende corso-Verträge erstmals aus den Jahren 1413 und 1416 überliefert.

Die so organisierte Piraterie,Die Piraterie wird von der überwiegenden Literatur als Korsarentum bezeichnet die im Übrigen auch mit Schiffen der Marine ausgeübt wurde, brachte dem Orden beträchtliche Einnahmen.Nach Hasecker, S. 75, waren ab 1421 katalanische Piraten im Mittelmeer unterwegs, die ihre Operationen von Rhodos aus starteten und dem ägyptischen Handel erheblichen Schaden zufügten. In der zweihundertjährigen Verweilzeit auf Rhodos wurden schließlich gerade die Schiffe des Ordens zu den gefürchtetsten Korsaren im Mittelmeerraum.Nach Kramer und Reinkowski, S. 58.

Die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Mameluken und die starke Konkurrenz durch die venezianischen Pilgertransporte mit den sogenannten venezianischen Jaffa-GaleerenDie Republik Venedig unterhielt von Venedig aus regelmäßige gewinnbringende Pilgerfahrten zur Hafenstadt Jaffa. führten nun dazu, dass der Orden kaum noch Pilgertransporte durchführte.

Die Republik Venedig hatte sich nämlich entsprechende Schutzverträge mit den Mameluken und billige Liegegebühren in den Häfen von Jaffa gesichert, so dass die Pilger somit relativ gefahrlos und kostengünstig mit diesen Anbietern ins Heilige Land fahren konnten und somit vermehrt Jaffa-Galeeren in Anspruch nahmen.