mini|hochkant=1.1|Katholische Pfarrkirche St. Stephan in Gratkorn Die Pfarrkirche Gratkorn ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarre Gratkorn St. Stefan. Gratkorn ist eine Marktgemeinde in der Steiermark. Die Pfarre gehört zum Seelsorgeraum GU-Nord (Graz-Umgebung-Nord) der Region Steiermark Mitte in der Diözese Graz-Seckau. Patron der Kirche ist der heilige Stephanus.

Die Ursprünge der Kirche sind unklar. Sie dürften aber bis in das 11. Jahrhundert zurückreichen, als sie als Eigenkirche der Velgauer errichtet wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Pfarre und damit auch indirekt die Kirche allerdings erst im Jahr 1373. Ab 1607 war sie dem Stift Rein unterstellt. Seit 2022 stellt die Diözese Graz-Seckau die Pfarrer in Gratkorn.

Die Pfarrkirche von Gratkorn ist eine spätgotische und nachträglich barockisierte Saalkirche. Möglicherweise haben sich Reste eines romanischen Vorgängerbaus erhalten. Sie hat einen im Westen in das Langhaus eingestellten Kirchturm mit Spitzhelm mit Anbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten. Rund um die Kirche befand sich der alte Friedhof der Pfarre, von dem zahlreiche Grabsteine in die Kirchenmauer eingelassen sind. Ein Großteil der Kirchenausstattung, so etwa die Altäre und die Orgel, stammt aus dem 19. Jahrhundert. Zu den ältesten Objekten in der Kirche zählen das 1678 gemalte Altarbild des Hochaltars sowie das Taufbecken aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Das gesamte Bauwerk steht zusammen mit dem Kirchhof und seiner Ummauerung sowie dem dort aufgestellten alten Friedhofskreuz unter Denkmalschutz ().

Lage mini|Lage der Pfarrkirche Gratkorn im Nordosten der Ortschaft Die Kirche steht zentral im Dorf Sankt Stefan im Nordosten des Ortsgebietes von Gratkorn, Am Kirchplatz 3, auf einer Seehöhe von 394 Metern. Zur Straße Zum Kirchplatz südlich der Kirche führen aus westlicher Richtung die Doktor-Karl-Renner-Straße, von Süden die St. Stefaner Straße, aus dem Osten der Raiffeisenweg und von Norden her die Felberstraße. Südwestlich der Kirche befindet sich der Pfarrhof; circa 80 Meter westlich liegt das Gemeindeamt von Gratkorn. Der Friedhof der Pfarre liegt etwa 130 Meter südwestlich der Kirche.

Geschichte Vorgeschichte und Kirchenbau Das mittlere Murtal und damit auch die Gegend um den heutigen Ort Gratkorn waren spätestens ab der Urnenfelderzeit dauerhaft besiedelt. Zur Römerzeit verlief durch das Gratkorner Becken eine Römerstraße, die von Flavia Solva entlang der Mur nordwärts führte. Am Standort der heutigen Kirche wurden 2017 bei Renovierungsarbeiten die Reste einer Villa rustica entdeckt. Christianisiert wurde die Gegend vermutlich erst ab dem 9. Jahrhundert, als 860 die in einem Majestätsbrief von König Ludwig dem Deutschen erwähnten duo loca ad Strazinolum, also zwei bei Straßengel gelegene Gegenden, darunter auch das Gebiet um Brunn und Dult, an das Erzbistum Salzburg gingen, das vermutlich kurz danach mit der Einrichtung von kirchlichen Strukturen und Organisationen in der Umgebung begann. Es ist anzunehmen, dass das Erzbistum noch im 9. Jahrhundert die Pfarre Gratwein als Mutterpfarre gründen ließ, der erste urkundliche Nachweis dieser Pfarre stammt aber erst aus dem Jahr 1188.

Wann die erste Kirche bei Gratkorn errichtet wurde, ist nicht bekannt. Beeinflusst durch den Neubau des Doms St. Stephan in Passau gegen Ende des 10. Jahrhunderts entstanden zahlreiche dem heiligen Stephanus gewidmete Eigenkirchen im heutigen Österreich. Das lässt die Annahme zu, dass zu jener Zeit auch bei Gratkorn ein erster romanischer Sakralbau errichtet wurde. Als Hinweise für einen romanischen Bau aus dem 11. Jahrhundert sah der Priester und Heimatforscher Clemens Brandtner unter anderem eine im Obergeschoß des Kirchturms erhaltene romanische Laibung eines Fensters sowie mehrere Löcher in der Mauer über dem Altarraum an, die er als Balkenlöcher einer romanischen Holzdecke deutete. Bei Nachforschungen im Mai 2023 wurde ein beim Einzug des Gewölbes eingemauerter Holzbalken in einem der Löcher gefunden, dieser dürfte vermutlich als Teil eines Gerüstes in der Kirche verblieben sein und konnte dendrochronologisch und mittels Radikarbonmessung auf das Jahr 1340 datiert werden. Als Bauherren der Kirche könnten die hier ansässigen Herren von Velgau in Frage kommen, da der Kirchenweiler bis in das 14. Jahrhundert hinein Velgau hieß. Nach der Aufhebung des Eigenkirchenwesens im Jahr 1179 kam die Kirche vermutlich als Filiale zur Pfarre St. Veit im heutigen Graz. Wann dieser erste Kirchenbau durch einen gotischen Bau ersetzt oder erweitert wurde, ist nicht bekannt.

Der Historiker Ingo Mirsch dagegen vertritt die Ansicht, die Grafen von Montfort seien die Bauherren der Kirche gewesen, da die Montforter in einem 1544/45 ausgestellten Visitationsprotokoll neben den Lenghaimern oder Herren von Weißeneck als Stifter der Pfarre genannt werden. Die Lenghaimer dürften nach dem Aussterben der Velgauer in den Besitz der Kirche gekommen sein. Die Montforter kamen erst 1373 in den Besitz des Gebiets, als Margarethe von Pfannberg den Grafen Wilhelm III. von Montfort und gleichzeitig ihre gleichnamige Tochter dessen Sohn Hugo von Montfort heirateten und die Grafen dadurch in den Besitz der Burg Peggau kamen. Margarethe die Jüngere ließ bereits vor 1389 die Margarethenkirche in Peggau errichten. Die erste urkundliche Erwähnung der damals bereits eigenständigen Pfarre Sankt Stefan findet sich 1373 in einem Zehntverzeichnis als in sand Stephans Pfarr. Ungefähr zu jener Zeit verdrängte auch der Name des Pfarrpatrons den bisherigen Namen Velgau für den Kirchweiler. Ein der Pfarrkirche St. Ägid, dem späteren Grazer Dom, unterstellter Kirchenbau wird erstmals im Marchfutterverzeichnis (Abgabenverzeichnis) des Landesfürsten von 1390 als sannd Steffan ob Endrics, also oberhalb von Andritz, erwähnt mit dem Salzburger Erzbischof als Kirchenpatron.

Ab dem 15. Jahrhundert In der Pfarre Sankt Stefan wurde um 1450 ein sogenanntes ewiges Vikariat eingerichtet. Der Archidiakon von Gratwein hatte in seiner Funktion als Erzpriester der Niederen Steiermark nach 1449 möglicherweise das Vogteirecht im Pfarrgebiet, da er neue Pfarrer dem Salzburger Erzbischof melden und von diesem bestätigen lassen musste. Als am 28. April 1607 das Stift Rein durch einen Tausch in den Besitz der Pfarre Gratwein gelangte, wurde auch die Kirche in Sankt Stefan in das Stift inkorporiert. Sankt Stefan war aber nicht von Gratwein abhängig, weshalb davon auszugehen ist, dass das Stift die Pfarre zusätzlich vom Salzburger Bischof gefordert hatte. Die Pfarre war aber bereits seit 1605 von den Ordensgeistlichen seelsorgerisch versorgt worden.

Um 1650 wurde das Kirchenschiff vergrößert, indem die Außenmauern um je ein Klafter, etwas unter 1,9 Meter, nach außen versetzt wurden. Vermutlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die heutige Beichtkapelle an den Turm angebaut und 1856 renoviert. Um 1880 löste der südwestlich der Kirche neu angelegte Friedhof die bisherigen Grablegungen im Kirchhof ab. Dem Turm wurde wahrscheinlich 1890, andere Quellen nennen anhand einer gefundenen Inschrift das Jahr 1845, ein neuer Spitzhelm aufgesetzt. Wie eine Karte des Pfarrgebietes von 1782 zeigt, hatte der Turm aber schon früher einen Spitzhelm. 1885 wurde auch der Treppenaufstieg an die Nordseite des Turmes angebaut.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die nördliche Sakristei vergrößert und 1905 der Zugang zum Beinhaus unter dem Chor vermauert. Eine Restaurierung des Bauwerks fand 1974 statt. 2017 erfolgten weitere Renovierungsarbeiten, wobei auch die Reste einer römerzeitlichen Villa rustica freigelegt wurden. Von 2016 bis 2018 gab es mehrere Sanierungsarbeiten am Gebäude, so wurde etwa die Außenseite der Nordmauer instand gesetzt und im Sommer 2019 der Innenraum neu verputzt und ausgemalt.

Architektur Das Gebäude ist eine einschiffige Saalkirche mit einem hohen Kirchturm. Es ist nach Südosten ausgerichtet und hat zwei im Norden und im Süden an den Chor angebaute Sakristeien. Im Süden ist an den Kirchturm eine Beichtkapelle angebaut.

Kirchenäußeres

Die Außenwände der Kirche sind einfach gehalten, glatt verputzt und werden durch Fenster und Türen mit gemalten Rahmen gegliedert. Das Kirchenschiff hat ein Schopfwalmdach, das wie die Walmdächer des Chors und der beiden Sakristeien mit Ziegeln gedeckt ist. Auf die Dachfläche des Kirchenschiffes sind an der Südseite zwei Dachfenster und an der Nordseite drei Dachgauben aufgesetzt. Auch die östliche Dachfläche der nördlichen Sakristei hat ein Dachfenster. An den Dachgraten im Osten des Langhauses und über dem Chor steht je ein Kreuz. Durch ein Portal an der Südseite des Langhauses gelangt man in das Kircheninnere. Durch insgesamt drei rechteckige Fenster an der Südseite fällt Licht in das Langhaus. Zwei kleine rechteckige Öffnungen in der westlichen Langhausmauer, auf jeder Seite des Turmes eine, bringen Licht auf den Dachboden. Der Chor hat vier Rundbogenfenster, je eines an der Nord- und Südseite sowie zwei im Chorschluss. In das Innere beider Sakristeien führt je ein Portal an der Westseite. Das Kielbogenportal der südlichen Sakristei ist gotisch gestaltet. Die südliche Sakristei hat an der Ostwand je ein vergittertes Rechteckfenster im Erd- und Obergeschoß sowie ein weiteres ebenfalls vergittertes Fenster in der Südwand des Obergeschoßes. Die Sakristei im Norden des Chores hat je ein rechteckiges Fenster an der West- und Nordseite sowie je zwei Fenster im Erd- und Obergeschoß an der Ostseite.

Der Kirchturm ist in die Westfassade der Kirche eingestellt. Er hat einen gotischen Kern und dürfte im 14. Jahrhundert errichtet worden sein. Der wie auch das Kirchenschiff einfach gehaltene und glatt verputzte Turm hat einen mit Blech gedeckten achteckigen neugotischen Spitzhelm. Das Dach endet in einer Turmkugel mit einem Kreuz und darauf aufgesetztem Wetterhahn. Durch ein Portal an der Westseite des Turms kommt man in die Turmhalle. Über dem Portal bietet ein Pultdach aus Glas Schutz vor der Witterung. Licht gelangt an der Westseite durch drei übereinander angeordnete Rundfenster sowie durch ein einzelnes Rundfenster an der Südseite in den Turm. An der Mauer zwischen Langhaus und Turm ist ein romanisches Fenster des alten Langhauses erhalten. An der Nord- und der Südseite hat der Turm ein Ziffernblatt der Turmuhr und darüber im obersten Geschoß auf der West-, Süd- und Ostseite gekuppelte Schallfenster. An der Nordseite befindet sich auf Höhe der Schallfenster ein Rundbogenfenster. Im Giebelbereich des Spitzhelms ist auf allen vier Turmseiten eine kreuzförmige Öffnung. Im Norden schließt ein Zubau mit ziegelgedecktem Schleppdach an den Turm an. Er wurde spätestens mit dem Bau der Orgel im Jahr 1885 errichtet, um eine Treppe für den Aufstieg in die Turmstube und von dort auf die Orgelempore anzulegen. An seiner Westseite hat der Zubau eine und an der Nordseite zwei kleine rechteckige Fensteröffnungen. Unter einem der Fenster an der Nordseite befindet sich eine kleine rechteckige Maueröffnung. An die Südseite des Turmes wurde wahrscheinlich zwischen 1745 und 1749 eine Donatuskapelle, die heutige Beichtkapelle angebaut. Diese Kapelle hat ein mit Ziegeln gedecktes Walmdach und ein halbrundes Fenster an der Südseite.

In die Außenmauer der Kirche sind zahlreiche Grabsteine eingelassen. Sie sind ein regionalgeschichtliches Zeitzeugnis und erinnern so etwa an das Fährunglück auf der Mur, bei dem am 18. Mai 1875 über 90 Wallfahrer ertranken.