Lindenthal ist ein linksrheinischer Stadtteil von Köln. Er liegt im gleichnamigen Stadtbezirk Lindenthal im Westen der Stadt.

Lage Der Stadtteil Lindenthal liegt südwestlich der Kölner Innenstadt, zwischen dem Inneren- und dem Äußeren Grüngürtel. Lindenthal grenzt im Osten an den Stadtteil Neustadt-Süd, im Süden an Sülz und am Übergang der „Grenzstraße“ Gleueler Straße über die Bundesautobahn 4 an die Stadt Hürth, im Westen an Junkersdorf und im Norden an Müngersdorf, Braunsfeld und Ehrenfeld.

mini|links|Luftbild Köln-Lindenthal

Geschichte des Stadtteils Der Stadtteil gehört seit 1888 zur Stadt Köln. Ein Großteil des Gebietes gehörte bis dahin zur Bürgermeisterei Efferen. Seine Geschichte ist geprägt von der Vielzahl der Hofgüter, Dörfer und Weiler (Kriel, Lind, Deckstein, Hohenlind, Melaten), die sich einst auf seinem Gebiet befanden.

Die Gründung Die Einwohner der Bürgermeisterei Efferen auf dem heutigen Kölner Stadtgebiet verteilten sich im Jahr 1831 wie folgt:Clemens Klug: Hürth wie es war, wie es wurde. Heimatverein der Gemeinde Hürth, Hürth 1961.

Orte Charakteristik Kath. Evang. Jüd. Insg. Feuerstellen Deckstein Hofanlage mit Wassermühle 27 — — 27 2 Kitschburg Landhaus 11 11 2 Kriel Hofanlage mit Pfarrhaus und Küsterei 19 — — 19 3 Lind Weiler mit Wassermühle 125 — — 125 17 Lindenburg Landhaus und Hofanlage 10 — — 10 2 Neuenhof Hofanlage 13 — — 13 1 insg. — 205 — — 205 27 Die Kölner Bürger Thelen und Fühling, die sich als Gründer eines Kölner Stadtviertels einen Namen machen wollten, entwarfen 1843 einen Plan zur Errichtung einer Wohnkolonie. An der Landstraße nach Düren, im Bereich der heutigen Dürener, Falkenburg-, Herder- und Theresienstraße, erwarben sie etwa zehn Hektar Land, unterteilten es in Parzellen und legten Wege an. Die einzelnen Grundstücke verkauften sie zu erschwinglichen Preisen an Angestellte und Beamte. Mit der gewählten Ortsbezeichnung wurde Bezug auf die mit Linden bestandene Landstraße nach Düren und die Tallage der Neugründung zwischen der Linder Höhe und Hohenlind genommen.

Die offizielle Gründung Lindenthals fand 1846 mit dem Bau eines ersten Hauses an der Dürener Straße statt. In der folgenden Zeit wurde der neu geschaffene Vorort schnell zu einem der begehrtesten Wohnviertel Kölns. Zwar entwickelten sich auch andere Vororte überall jenseits der Ringmauern im für eine Bebauung neu zur Verfügung stehenden Umland, jedoch anders als diese blieben neben den rechtsrheinischen Orten Thielenbruch, Refrath und Frankenforst linksrheinisch nur Marienburg und Lindenthal industriefreie und mit viel Grün durchzogene reine Wohnviertel. Die Gebiete um den Bereich Weyertal/Bachemer Straße sowie um den Kölner Stadtwald und Stadtwaldgürtel entwickelten sich seit den 1880er Jahren zu reinen Villenvierteln.

Schon wenige Jahre nach seiner Gründung waren in Lindenthal 2662 Personen, das Vielfache der Einwohner des benachbarten Kriel, gemeldet. Der Vorort wuchs weiter, 1864 wurde das Bürgermeisteramt der Bürgermeisterei Efferen in die an der Ecke Krieler Straße/Falkenburgstraße stehende Falkenburg verlegt. Dennoch gehörte Lindenthal bis zur Eingemeindung nach Köln im Jahre 1888 (zusammen mit Lind, Lindenburg, Linderhöhe, Deckstein, Neuenhof und Kitschburg) zur Landgemeinde Kriel.

Mobilität der Bürger Individualverkehr und Transportmöglichkeiten zur damaligen Zeit waren denkbar schlecht. Zwar bestand die Lindenthaler Bevölkerung zum großen Teil aus in der Innenstadt tätigen Angestellten und Beamten, doch hatte die Stadt bis zur Eingemeindung 1888 kein Interesse an der Einrichtung öffentlicher Verkehrslinien in die nichtstädtischen Außenbezirke. Erst die 1877 errichteten privaten Pferdebahnlinien (die Lizenzen hierzu wurden vom preußischen Staat, nicht von der Stadt erteilt) brachten Lindenthal erneut größere Bevölkerungszuwächse. Um die Jahrhundertwende konnten in Köln 63 km Strecke befahren werden. Die Pferdebahn verfügte mittlerweile über 1.000 Bedienstete, 834 Pferde und annähernd 350 Wagen. Pro Jahr wurden etwa 30 Mio. Fahrgäste befördert.

mini|Postkarte der Falkenburg Köln–Lindenthal, 1930er Jahre

In der Zeit zwischen 1890 und 1895 kommt ergänzend durch die Notwendigkeit des Abtransportes der Frechener Braunkohle die Dampfeisenbahn ins Spiel. Auch hiervon profitiert Lindenthal, 1904 geht die Personenbahn der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn in Kölner Besitz über. Die Linie F, von den Kölnern liebevoll „Finchen“ genannt, wird später zur Linie 20, dann zur 2 und Stand 2022 ist es die Linie 7.

Die Eingemeindung April 1888 Im Zuge der Eingemeindungsverhandlungen zwischen der Bürgermeisterei Efferen und der Stadt Köln im Jahr 1888 wurden die Orte der Landgemeinde Kriel und Teile der Bürgermeisterei Müngersdorf (Melaten, Weyertal und Linder Höhe) zum neuen Vorort Köln-Lindenthal zusammengefasst.

Um eine einheitliche Verwaltung auch in den neuen Stadtgebieten zu gewährleisten, folgte Lindenthal dem Beispiel der anderen Ortsteile und wurde in die Bezirke 60, 61 und 62 gegliedert.

Anlage des Stadtwaldes mini|links|Waldschenke, um 1900

Viele der im Umfeld Kriels und Lindenthals vorhandenen Güter und Höfe hatten sich wie auch die Kitschburg im Besitz geistlicher Korporationen befunden und wurden in französischer Zeit säkularisiert. 1894 erwarb die Stadt Köln die Kitschburg mit ihrem englischen Landschaftspark und angrenzenden Ländereien im Gebiet zwischen Dürener- und Aachener Straße; insgesamt 412 Morgen Land.

Am 4. Juli 1895 beschloss der Rat der Stadt Köln auf der Basis des von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek vorgelegten Entwurfes, das riesige Gelände (damals 150 Hektar) in eine vom Stil des Historismus geprägte Parkanlage, den Kölner Stadtwald, mit Sport- und Spielplätzen, dichtem Baumbestand, Teichen und Kanälen nebst gastronomischen Einrichtungen, wie der „Cöln Lindenthal Waldschenke“ und dem Stadtwaldrestaurant im Gebäude der Kitschburg, umzuwandeln.

Um die Jahrhundertwende war das kostspielige Vorhaben (2,5 Millionen Goldmark) verwirklicht, jedoch wurden noch bis 1910 Umgestaltungen und Erweiterungen vorgenommen. Die heutige Fläche des Stadtwaldes, in dem sich auch der Lindenthaler Tierpark befindet, beträgt 205,3 Hektar.

Zu dieser Zeit hatten sich die ehemaligen Freiräume zwischen den Ortschaften verdichtet, Kriel, Lindenthal, Linderhöhe und Weyertal waren mehr oder weniger zu einem geschlossenen Siedlungsbereich verwachsen. Lediglich Lind und Hohenlind waren durch Parkanlagen und den landwirtschaftlichen Komplex der Kitschburg vom neuen Siedlungsbereich getrennt. Die Besiedlung weiter Teile Decksteins wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein durch die dort befindlichen Anlagen des Festungsrayons des Kölner Festungsrings verhindert.

Kleingartenanlagen und Grüngürtel In Deckstein entstand in den Jahren 1927/28 im Zusammenhang mit der Anlage des Abschnitts des äußeren Grüngürtels um den Decksteiner Weiher in Höhe der Decksteiner Mühle am Aquarienweg eine Kleingartenanlage nach einem Entwurf des Gartenarchitekten und Leiters der Planungsabteilung des Kölner Gartenamtes, Theodor Nußbaum. Sie entsprach in ihrer städtebaulichen Einbindung ganz der Idee Fritz Schumachers. Dieser begleitete von 1920 bis 1923 als Stadtplaner unter Oberbürgermeister Konrad Adenauer auch die Schleifung der Festungsringe von Köln, dessen Planung Pachtgärten als Bindeglied zwischen Wohnbebauung und landschaftlich gestaltetem Grün vorsah. Die erhaltene Anlage umfasst 578 Einzelgärten und steht unter Denkmalschutz.

Weitere Gartenanlagen, zumeist im Lindenthaler Gartenverein von 1920 e. V. organisiert, an der Freiligrathstraße (6.678 m²), Decksteiner Straße (6.366 m²), Schlegelstraße (2.829 m²) Werthmannstraße (1.140 m²) und Dürener Straße (3.000 m²) wurden bis 1957, spätestens 1965 stillgelegt und als Bauland freigegeben.

Architektur und Bebauung Hofgut Kitschburg 1971 wurde das neu errichtete „Esso Motor Hotel“ eröffnet, das anschließend von der Holiday Inn-Kette geführt wurde und nach einer Übernahme zur Kette der Leonardo Hotels gehört. Bis zum Bau dieser modernen Hotelanlage Ende der sechziger Jahre stand an dessen Stelle das hochherrschaftliche klassizistische Landhaus des Hofgutes Kitschburg. Errichtet wurde es in den Jahren 1814/1815 und diente später als Stadtwald-Restaurant. 1969 wurde das Gebäude gesprengt. Zum Komplex der Kitschburg gehörte auch ein kleines Gehöft (Stand 2023: Dürener Straße 285), dessen barockes 1759 erbautes Wohnhaus als einzig verbliebenes Relikt des damaligen Hofgutes erhalten ist.

Städtebauliche Entwicklung 1917–1933 Der öffentlich geförderte Wohnungsbau in Köln war ein 1913 unter dem Namen GAG geschaffener Verbund von Stadt, Unternehmen, Genossenschaften und Einzelpersonen. An dieser Gesellschaft war die Stadt mit etwa der Hälfte am Gründungskapital beteiligt, Vorsitzender des Aufsichtsrats war der Oberbürgermeister der Stadt, Konrad Adenauer. So richtig aufwärts ging es mit dieser Neugründung jedoch erst zum Ende der Inflationszeit um 1924.

mini|hochkant|Ehemaliges Wohnhaus Adenauers, Max-Bruch-Straße mini|hochkant|Ehemaliges Wohnhaus Adenauers, Info

Der Siedlungsbau erlebte im Köln der zwanziger Jahre einen regelrechten Boom: Ganze Stadtteile wurden von Wohnungsbaugenossenschaften zumeist nach den städtebaulichen Idealen der Zeit und oft nach den Prinzipien der Gartenstadt errichtet.

Adenauers Konzeption als GAG-Vorsitzender sorgte dafür, dass Köln eine der effizientesten Wohnungsbaupolitiken aller Städte in der Weimarer Republik betrieb. Relativ zur Zahl der Einwohner wurden besonders viele qualitativ hochwertige Wohnungen gebaut, was auch dazu führte, dass man dem sozialen Wohnungsbau in Köln die Kennzeichen „Licht, Luft und Bäumchen“ zuschrieb. Adenauer gelang es, dafür besonders viele Kräfte zu mobilisieren.

Charakteristisch für den Baustil der dreißiger Jahre sind die noch weitgehend erhaltenen Bauten Wilhelm Riphahns in der Birresborner und der Bitburger Straße. Mit planmäßigem Ausbau noch vorhandener Freiflächen wurden nach dem Geschmack der Baugesellschaften typische Häuserzeilen errichtet, so zum Beispiel in der Kerpener, der Mommsen- und Krieler Straße. Auch mehrstöckige Drei- und Vierfensterhäuser wie in der Kölner Innenstadt oder ganz typisch für Ehrenfeld, entstanden in der Bachemer, Theresien- oder Wittgensteinstraße. Überwiegend blieb man aber der Vorliebe zum Wohnen im Grünen treu. Schöne Vorgärten, prachtvolle in Parks eingebettete Villen, Weiher und künstlich geschaffene Kanäle, all das mochte man und konnte es sich leisten.

1925 wurde entlang der Rautenstrauch- und Clarenbachstraße mit Wasserflächen und Spielplätzen der Lindenthaler Kanal, eine Verbindung vom inneren Grüngürtel am Aachener Weiher zum Stadtwaldgelände im äußeren Kölner Grüngürtel geschaffen. Darüber hinaus hatte und hat Lindenthal eine Fülle von Grünanlagen durch die Parks der Klöster sowie die teilweise recht großen Gärten der Krankenhäuser.

mini|links|Universität zu Köln, Eingang Hauptgebäude

Ein Beispiel für den Baustil der Neuen Sachlichkeit war auch die neue Universität, sie wurde im Stil des Werkbundes errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte 1929, im November 1934 konnte die Universität in einen vom Architekten und Stadtbaudirektor in Köln Adolf Abel errichteten funktional schlichten Neubau im Inneren Grüngürtel nahe der Medizinischen Fakultät einziehen. Bis zum Jahr 1953 blieb sie eine städtische Universität und ging dann in die Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen über. Im Jahr 2023 ist sie mit mehr als 43.000 Studenten eine der größten Universitäten Deutschlands.

Schulwesen