Die Stadtwerke Bayreuth Holding GmbH ist ein kommunales Versorgungs- und Dienstleistungsunternehmen, zu hundert Prozent im Besitz der Stadt Bayreuth. Mit ihren Tochterunternehmen Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH und Stadtwerke Bayreuth Verkehr und Bäder GmbH sind die Stadtwerke Bayreuth zuständig für die Strom-, Erdgas-, Fernwärme- und Trinkwasserversorgung, den öffentlichen Nahverkehr, für mehrere Parkeinrichtungen und für den Betrieb von Bädern in Bayreuth. Außerdem bieten die Stadtwerke Bayreuth Telekommunikations- und Contracting-Dienstleistungen an.

Vorgeschichte mini|Die Herzogmühle um 1900 mini|Verwaltungsgebäude des zweiten städtischen Elektrizitätswerks von 1909

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die erste städtische Wasserleitung gebaut. Die Quellfassung wurde 1611 fertiggestellt, das Wasser floss in hölzernen Rohren vom Oberen Quellhof beim Röhrensee in zunächst vier Brunnen der Stadt. Erstmals Wasser aus dem Fichtelgebirge brachte eine 1908 in Betrieb genommene Leitung.

In den Jahren 1852/1853 wurde neben der Ziegelhütte südlich des Hofgartens von einer Aktiengesellschaft eine Gasfabrik errichtet. Sie verarbeitete zunächst Holz und ab 1864 Steinkohle. 1890 wurde die Anlage von der Stadt übernommen. Am 30. April 1853 wurden die ersten Gaslaternen der Stadt angezündet.

Die erste elektrische Straßenbeleuchtung wurde versuchsweise 1887 und dauerhaft 1893 installiert. Den Strom lieferte das Pumpwerk im C’est-bon-Tal am südlichen Ende des Röhrensees. Im Jahr 1900 ging in der Herzogmühle das erste städtische Elektrizitätswerk in Betrieb, 1901 verkaufte der letzte Müller das Anwesen an die Stadt Bayreuth.Helmut Haas: Von alten Bayreuther Mühlen in: Heimatkurier 2/2010 des Nordbayerischen Kuriers, S. 6. Am 20. Dezember 1909 wurde ein Elektrizitätswerk an der Herzstraße (heutige Eduard-Bayerlein-Straße) in Betrieb genommen, das statt mit Wasserkraft mit Dampfkesseln arbeitete. Den Strom lieferten zwei Dampfmaschinen der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg.Elektrizitätswerk Bayreuth bei albert-gieseler.de, abgerufen am 7. Januar 2025

Geschichte

Die Stadtwerke Bayreuth wurden 1939 als Zusammenschluss der bereits länger bestehenden Betriebe Elektrizitätswerk, Gaswerk, Wasserwerk und Verkehrsbetrieb gegründet. Während der Kriegsjahre ließ ihr Oberinspektor auftragsgemäß Pamphlete mit – häufig antisemitischer – Hetzpropaganda bei der wöchentlichen Lohnauszahlung in die Lohntüten legen.Bernd Mayer: Hetzpropaganda in der Lohntüte in: Heimatkurier 1/2009 des Nordbayerischen Kuriers, S. 7.

Im Jahr 1951 wurde mit der Fränkischen Presse der erste Kunde mit Fernwärme beliefert. 1954 wurde die Umstellung von Gleichstrom auf Drehstrom abgeschlossen. Im Mai 1964 wurde unter dem Namen „Neue Schwimmanstalt“ das Kreuzsteinbad eröffnet. Das damals mit Sandstein gefasste Becken wurde mit dem Wasser aus dem Sendelbach befüllt. Im selben Jahr wurde auch das Freiluftbad Bürgerreuth von den Stadtwerken Bayreuth übernommen. 1968 begannen der Abbruch des ehemaligen Gaswerks an der Birkenstraße und der Umbau des Geländes.Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 2. Dezember 2024, S. 10. Im Jahr darauf war dort das 2,2 Millionen Mark teure neue Verwaltungsgebäude bezugsfertig.Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 23. September 2019, S. 8. 1971 kamen das Werksgebäude und 1975 die Lagerhalle, in die das Elektrizitätswerk von der Eduard-Bayerlein-Straße verlagert wurde, hinzu.

1968 beglichen noch 56,8 Prozent der Bayreuther Haushalte ihre Rechnungen in bar. Damals gingen Inkassoboten der Stadtwerke von Haus zu Haus und kassierten die fälligen Beträge. Im Jahr darauf waren es bereits nur noch 42 Prozent, die auf diesem Weg zahlten. Der damalige Direktor der Stadtwerke Werner Spichal kündigte 1969 an, zum Jahresbeginn 1970 seien ausschließlich Überweisungen möglich.Vor 50 Jahren in: Nordbayerischer Kurier vom 1. Oktober 2019, S. 10.

1971 wurde die Gasversorgung von Stadtgas auf Erdgas umgestellt. Ende der 1970er Jahre wurde die Trinkwasserversorgung ausgebaut. Seit 1979 gehört zu den Stadtwerken Bayreuth auch der Bereich Parken. Ende Dezember 1991 wurde zwischen der Stadt und der Energieversorgung Oberfranken (EVO) ein Partnerschaftsvertrag besiegelt. Mit ihm wurde die Zuständigkeit für die Stromversorgung des gesamten Stadtgebiets bis 1997 auf die Stadtwerke übertragen.

1992 wurde die erste Photovoltaikanlage der Stadtwerke Bayreuth auf dem Schalthaus Mitte errichtet. 1996 wurden die Stadtwerke Bayreuth in eine privatrechtliche Rechtsform umgegründet: Die Stadtwerke Bayreuth Holding GmbH und deren Töchter BEW Bayreuther Energie- und Wasserversorgungs-GmbH und BVB Bayreuther Verkehrs- und Bäder-GmbH. 1996 wurde das Stadtbad Bayreuth nach der Sanierung wiedereröffnet. 1997 wurde die Gemeinde Heinersreuth an das Gasversorgungsnetz der Stadtwerke Bayreuth angeschlossen. 1999 wurde die Lohengrin Therme eingeweiht.

2007 eröffnete die neue ZOH (Zentrale Omnibushaltestelle) an der Kanalstraße mit fünfzehn Bussteigen für den Stadtverkehr und fünf für den Regionalverkehr sowie dem Kundencenter Verkehr. 2011 zog in das Gebäude an der ZOH auch das Kundencenter Energie & Wasser ein. 2014 wurde zusammen mit der Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & CO KG sowie der Bayernwerk Natur GmbH zehn Kilometer südlich von Bayreuth der Windpark Tannberg-Lindenhardt mit vier Windkraftanlagen und einer Gesamtleistung von zwölf Megawatt errichtet.

Seit 2015 treten alle Konzernbereiche wieder unter dem gemeinsamen Namen Stadtwerke Bayreuth auf. Die Tochtergesellschaften firmieren nun unter den Namen Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH, Stadtwerke Bayreuth Verkehr und Bäder GmbH und Stadtwerke Bayreuth Energiehandel GmbH.

Im Jahr 2025 soll die Verwaltung der Stadtwerke von der Birkenstraße in einen neuen Firmensitz an der Eduard-Bayerlein-Straße verlagert werden. Die vorgesehenen Baumaßnahmen sehen den Abbruch des alten Verwaltungsgebäudes des Elektrizitätswerks am Berliner Platz aus dem Jahr 1909 vor; das ehemalige Schalthaus an der Eduard-Bayerlein-Straße soll erhalten bleiben.Stadtwerke-Zentrale: Architekt steht fest in: Nordbayerischer Kurier vom 22. Dezember 2022, S. 8.

Produkte

Energie

Strom

Die Stadtwerke Bayreuth liefern über die Tochter Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH Strom an Kunden in Bayreuth und Umland. Seit 2015 erhalten alle Haushalts- und Gewerbekunden der Stadtwerke Bayreuth Ökostrom. Der Strom stammt ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen und ist zertifiziert vom TÜV NORD.

Die Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH ist Stromnetzbetreiber in der Stadt Bayreuth sowie den Gemeinden Eckersdorf, Heinersreuth, Gesees, Haag, Mistelbach und Mistelgau. In ihrem Netzgebiet ist die Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH als Grundversorger festgestellt.

Gas

Die Stadtwerke Bayreuth liefern über die Tochter Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH Erdgas an Kunden in Bayreuth und Umland. Ab 1. Mai 2016 erhalten alle Haushalts- und Gewerbekunden der Stadtwerke Bayreuth Ökogas. Die CO2-Emissionen, die bei der Gasverbrennung entstehen, werden vollständig ausgeglichen. Dies geschieht über die Finanzierung verschiedener Klimaschutzprojekte in Schwellenländern und Entwicklungsländern. Klimaschutzprojekte, die von den Stadtwerken Bayreuth unterstützt werden, sind unter anderem Windkraft in Indien als Ersatz für Energie aus fossilen Brennstoffen und Biomasse zur Wärmeerzeugung in Bulgarien.

Das Ökogas der Stadtwerke Bayreuth ist vom TÜV NORD mit dem Siegel „Klimaneutrale Verbrennung“ zertifiziert.

Die Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH ist Gasnetzbetreiber in der Stadt Bayreuth sowie der Gemeinde Heinersreuth. In ihrem Netzgebiet ist die Stadtwerke Bayreuth Energie und Wasser GmbH als Grundversorger festgestellt.

Fernwärme

In den Heizkraftwerken (HKW) der Stadtwerke Bayreuth wird mittels Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme erzeugt. Die Wärme wird über Dampf- oder Heißwasserrohre an Kunden im Netzgebiet der Stadtwerke Bayreuth geliefert. Diese Energie wird zum Heizen oder Erwärmen von Brauchwasser verwendet.

Contracting

Für Gebäudeeigentümer, Hausverwaltungen oder Unternehmen bieten die Stadtwerke Bayreuth Contracting-Verträge an. Hierbei werden alle Leistungen um die Heizwärme von den Stadtwerken übernommen: Sie finanzieren, bauen und betreiben die Heizanlagen in Gebäuden des Kunden. Bei Contracting-Verträgen kommen verschiedene Heiztechniken zum Einsatz, beispielsweise Erdgas-Brennwertheizungen, Blockheizkraftwerke, Pelletheizungen, Hackschnitzelheizungen oder die Kombination verschiedener Techniken.

Eigenerzeugung

Die Stadtwerke Bayreuth betreiben elf Blockheizkraftwerke in der Stadt Bayreuth und sind Anteilseigner des Windparks Tannberg-Lindenhardt südlich von Bayreuth. Außerdem unterhalten die Stadtwerke vier Photovoltaikanlagen. 2017 stellten die Anlagen der Stadtwerke Bayreuth rund 16.500 Megawattstunden Strom (+1.000 Prozent gegenüber 2010) her.

Wasser mini|Wasserwerk Eichelberg

Die Stadtwerke Bayreuth versorgen das gesamte Bayreuther Stadtgebiet mit Wasser. Darüber hinaus werden Gemeindeteile von Heinersreuth, Gesees, Warmensteinach und Haag beliefert. Rund fünf Milliarden Liter braucht die Stadt pro Jahr. Die stammen zu einem Teil aus der Ködeltalsperre der Fernwasserversorgung Oberfranken, aus Quellfassungen im Fichtelgebirge und aus insgesamt vier östlich von Bayreuth gelegenen Brunnenfeldern mit insgesamt zwölf Tiefbrunnen. In den Wasserwerken auf dem Eichelberg, das zwischen 2017 und 2019 erneuert wurde, und im Löchleinstal bereiten die Stadtwerke das Rohwasser auf, indem es gefiltert und überschüssige Kohlensäure entfernt wird, und leiten es zu insgesamt drei Hochbehältern. Sie liegen auf den Anhöhen der Hohen Warte und dem Eichelberg. Dort können die Stadtwerke gut 24 Millionen Liter Trinkwasser zwischenspeichern. Durch den Höhenunterschied entsteht ein natürlicher Druck, der das Wasser ohne weitere Pumpen zu den Menschen in der Stadt fließen lässt. Lediglich für die höheren Lagen Bayreuths benötigen die Stadtwerke Bayreuth Pumpstationen. Insgesamt betreut das Unternehmen ein Rohrleitungsnetz mit einer Länge von 340 Kilometern. Die Qualität des Trinkwassers überprüfen zum einen Experten der Stadtwerke und zum anderen externe und speziell hierfür zugelassene Labore. Zwischen 2010 und 2019 haben die Stadtwerke Bayreuth rund 50 Millionen Euro in die Wasserversorgung gesteckt.

95 % des Trinkwassers in Bayreuth haben den Härtegrad „weich“, 5 % den Härtegrad „mittel“. Wasserhärte entsteht durch die im Wasser gelösten Calcium- und Magnesiumsalze. Als weich gilt Wasser, das weniger als 1,5 Millimol Calciumcarbonat pro Liter Wasser aufweist.

Verkehr

Busverkehr mini|Mittelinsel der Zentralen Omnibushaltestelle (ZOH)

Die Stadtwerke Bayreuth Verkehr und Bäder GmbH betreibt den städtischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit 23 Buslinien, wofür 35 eigene Busse und 18 Fahrzeuge von Subunternehmen eingesetzt werden. Das Busliniennetz wird zu Zeiten schwacher Nachfrage mit Anruf-Linien-Taxen ergänzt. Seit dem Beitritt von Stadt und Landkreis Bayreuth in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg zum 1. Januar 2010 gilt in Bayreuth der VGN-Tarif. Die Stadtwerke Bayreuth Verkehr und Bäder GmbH sind seit 2010 Gesellschafter der Verbundgesellschaft. In den Jahren 2013 bis 2018 erwirtschaftete der städtische Busverkehr durchschnittlich ein jährliches Minus von 2,7 Millionen Euro.Einmal Busfahren für lau, bitte in: Nordbayerischer Kurier vom 9. Oktober 2019, S. 9.