Ludwig Friedrich Dexheimer (* 6. August 1891 in Nürnberg; † 7. Oktober 1966 in Offenbach am Main) war ein deutscher Chemie-Ingenieur und Schriftsteller.

Leben

Dexheimer, Sohn eines Nürnberger Kaufmanns, besuchte nach dem Abitur von 1909 bis 1911 für ein viersemestriges Studium der Chemietechnik das Königlich Bayerische Technikum (heute: Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm). (PDF; 2,3 MB). (PDF; 2,49 MB). Von 1911 bis zum Übergang des Werkes an die I.G. Farbenindustrie AG im Jahre 1926 arbeitete und forschte Dexheimer im analytischen Labor der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron, Werk Offenbach. Während des Ersten Weltkriegs war er im selben Werk als vereidigter Chemiker für Munitionsuntersuchungen tätig, weshalb er vom Militärdienst freigestellt war. Wegen Stilllegung mehrerer Betriebsteile verlor er 1929 seinen Arbeitsplatz und betätigte sich anschließend als Autor von Fachartikeln.Exemplarisch: In: Deutsche-Bergwerks-Zeitung, vom 1. November 1934. Auf: epilog.de. Im Jahre 1937 konnte er in seinen erlernten Beruf zurückkehren. In den 1950er Jahren arbeitete er in einem Chemielabor der US Army.

Von 1949 an war er Schatzmeister der in Frankfurt am Main ansässigen Südwestdeutschen Gesellschaft für Weltraumforschung.Ri Tokko: Das Automatenzeitalter. Mit Wilhelm Ostwald ins Jahr 2500. (PDF; 2,2 MB); Vortrag von Ralf Bülow. Auf: fksfl.de, vom 19. November 2004, abgerufen am 5. Dezember 2013.

Dexheimer blieb unverheiratet.

Wirken als Schriftsteller Unter dem Pseudonym Ri Tokko veröffentlichte Dexheimer sein einzig bekanntes literarisches Werk Das Automatenzeitalter – ein prognostischer Roman. Das Buch erschien im November 1930 im Amalthea-Verlag, Wien, vordatiert auf 1931. Die Ideenfülle und die Treffsicherheit seiner Prognosen machen den Roman zu einer der faszinierendsten Utopien des 20. Jahrhunderts. So beschreibt er zum Beispiel die von Papier losgelöste Wissensvermittlung über ferntechnische Apparate aus Zentralbibliotheken, gleichzeitig nutzbar von unzähligen Lesern. Hierbei handelt es sich um eine der ersten Formulierungen der Idee des Internets. Auch die Wiedererschaffung ausgestorbener Arten (im Roman konkret: Dinosaurier) durch die Kunst der Biologen skizziert er als Zukunftstraum. Hormonelle Empfängnisverhütung, Recycling und geklonte Menschen sind neben vielem anderen ebenfalls Gegenstand seiner Visionen.Made in Franken. Radiofeature von Bayern 2, dort 9:40–15:50 min. Auf: br-online.de, vom 8. Januar 2012, abgerufen am 11. Dezember 2013. (MP3; 48,96 MB).

Das Automatenzeitalter stellt zudem wegen Dexheimers pazifistisch-liberaler Einstellung eine Rarität in der deutschen Science-Fiction der Vorkriegszeit dar:

Das Buch wurde zum 31. Dezember 1938 von der nationalsozialistischen Reichsschrifttumskammer wegen pazifistischer Stellen in die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ aufgenommen und damit faktisch verboten.Online-Veröffentlichung der Liste der von den Nationalsozialisten verbotenen Schriften. Auf: berlin.de, abgerufen am 5. Dezember 2013.

Sonstiges

Das Pseudonym Tokko kommt vermutlich aus dem buddhistischen Sprachraum und bezeichnet ein Zauberinstrument, auch Dokko genannt, das der Priester Kūkai einsetzte, um einem Felsen warmes Wasser zur Heilung eines Kranken zu entlocken.

In Offenbach existiert ein Ludwig-Dexheimer-Kreis, der sich unter anderem dafür einsetzt, dass eine Straße nach dem Autor benannt wird. Auf: fr-online.de, vom 3. Dezember 2013, abgerufen am 5. Dezember 2013.

Werke

Das Automatenzeitalter: Ein prognostischer Roman. Amalthea-Verlag, Wien 1930, Das Automatenzeitalter: Ein prognostischer Roman. Erste vollständige Ausgabe herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Rolf Bülow. Shayol Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-926126-37-X.

Weblinks

Leseprobe Das Automatenzeitalter, Seiten 1–56. Auf: shayol.cms.corneredchicken.com, abgerufen am 7. Dezember 2013 Besprechung und Rezension zu: Das Automatenzeitalter. Abgerufen am 5. Dezember 2013 Bericht über eine Lesung des Autors. Aus: Offenbacher Zeitung, 23. Mai 1932. Auf: epilog.de, abgerufen am 11. Dezember 2013. Mona Jaeger: Ein Visionär aus Offenbach. Auf: faz.net, vom 22. Februar 2014, abgerufen am 22. Januar 2015.

Einzelnachweise

Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Science-Fiction-Literatur Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Person (Offenbach am Main) Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1966 Kategorie:Mann Kategorie:Deutscher