Poll ist ein am Rhein, südöstlich der Innenstadt, liegender rechtsrheinischer Stadtteil von Köln, der zusammen mit Deutz 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Seit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 bildet Poll den einzigen Stadtteil aus dem älteren Kölner Stadtgebiet, der seitdem vom Stadtbezirk Porz verwaltet wird. Der Stadtbezirk Porz war zeitgleich weitgehend aus dem Gebiet der ehemaligen Stadt Porz geschaffen worden.
Lage mini|Luftaufnahme des Ortskernes von Poll mit Rheinwiesen aus dem Jahr 1953
Poll grenzt im Norden entlang des Eisenbahndammes von der Südbrücke nach Kalk an Deutz, südlich begrenzt die A 4 mit der Rodenkirchener Autobahnbrücke den Stadtteil zu Westhoven. Der auf Westhovener Gebiet liegende Teil des Weidenwegs bis einschließlich des Campingplatzes Wiesenhaus gehört mit der PLZ 51105 postalisch zu Poll. Östlich wird der Ort mit Ausnahme des Gremberger Wäldchens von der A 559 zu Humboldt/Gremberg begrenzt und westlich verläuft der Rhein, der die Grenze zu den linksrheinischen Stadtteilen Bayenthal und Marienburg bildet.
Geschichte Der Name Die Herleitung des Namens „Poll“ ist unklar. Erstmals erwähnt wurde der Ort in einer Schenkungsurkunde des Kölner Erzbischofs Heribert vom 1. April 1003 in der Form Polla. Eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1913 enthält die Vermutung, dass sich der Name von holländisch Poel, für Polder (eingedeichtes oder angeschwemmtes Land) oder von Pöhl (Wassertümpel, Pfuhl) herleitet. Für Pöhl spricht, dass sich am Rhein und östlich von Poll wassergefüllte Tümpel befanden. Ebenso kann er sich von Boll (Hügel) ableiten, denn bei Hochwasserkatastrophen ragte der Hügel Auf dem Sandberg aus den Fluten hervor, selbst wenn das Umland im weiten Umkreis überschwemmt war.
Die Anfänge Die erste historisch nachweisbare Besiedlung der Gegend um Poll und Rolshoven scheint in der Jungsteinzeit um 4000 bis 2000 vor Christus erfolgt zu sein. Dies wird aus dem Fund von „Scherben mit Tiefstichverzierung“ in Porz-Westhoven hergeleitet. Der älteste Fund unmittelbar in Poll lässt sich in die Bronzezeit (2000–1000 v. Chr.) datieren.Ursula van Broek, Die Geschichte von Köln-Poll, Herausgeber St. Hubertus Schützenbruderschaft 1878 eV und Raiffeisenbank Köln-Poll – Ensen EG von 1879, 1978, S. 15 ff. „Die Bodenfunde als Quellen“.
In römischer Zeit vertrieben die Römer die Germanen in einem breiten Streifen vom rechten Rheinufer und betrachteten dies als Sicherheitszone. Nachdem von den Römern um 310 das Kastell Deutz gegründet worden war, begann von dort aus auch wieder eine Wiederbesiedlung des rechten Rheinufers, wahrscheinlich auch im Bereich von Poll. Die Franken stürmten 454 Köln und siedelten auch in Poll. Hiervon zeugen fränkische Gräber.
Im Jahr 1003 wurde Poll erstmals urkundlich erwähnt, als Poller Fischer vom Kölner Erzstift die Fischereigerechtsame (Nutzungsrecht an einem bestimmten Gewässerabschnitt) von Poll bis zur Deutzer Pfarrkirche pachteten. Später wurden die Fischereirechte von dem Stift St. Maria im Kapitol zu Köln, der Abtei Deutz und dem Deutzer Amtmann wahrgenommen. Den Einwohnern Polls war der Fang mit dem Hehnetz zugestanden. Die Poller waren über Jahrhunderte hinweg Lieferanten für landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Milch und Fisch. Besonders bekannt war der Poller Maifisch, eine Heringsart, die in den Monaten April und Mai zur Eiablage rheinaufwärts schwamm. Auch wurden gute Fangergebnisse mit Salm erzielt. Den „besten Fang seit Menschengedenken“ machten die Poller am 23. April 1878 „mit 183 Maifischen in einem Netzzug“. Ab und zu wurde auch ein Stör gefangen (z. B. 1876 435 Pfund schwer) und dann eine Woche lang gegen Entgelt am Rhein ausgestellt. Die Poller Fischerfrauen waren bekannt für ihren Marktschrei: „Freesche Maifeesch, Freesche Maifeesch“. Die berufsmäßige Fischerei wurde 1938 in Poll eingestellt.Maigeloog, Fischerei in Poll, abgerufen am 8. November 2010.
Zumindest auf einem Rheinhang an der Weingartengasse wurde – wie an vielen Stellen im Kölner Raum – bereits 1326 Wein angebaut, im Laufe der Jahrhunderte aber eingestellt.
Auf den Wiesen am Rhein unmittelbar unterhalb Polls wurde im nördlichen Teil Viehhaltung betrieben, während der südliche Teil unter den Einwohnern aufgeteilt wurde. Auf den Poller Wiesen im heutigen Gebiet des Stadtteils Deutz wurde Holznutzung mit Weiden und Pappeln betrieben. Die Poller Milchmädchen lieferten die Produkte bis 1880 überwiegend mit Nachen über den Rhein bzw. später mit Karren und Fuhrwerken, die von Eseln, Mauleseln, Pferden und zeitweise auch Hunden gezogen wurden, in die Stadt. Ähnlich wurden auch die Fische nach Köln transportiert und sowohl auf den Märkten als auch in den Veedeln direkt verkauft. Die Fischer in Poll waren in sogenannten „Gezauen“ (von zehen, ziehen) organisiert, d. h. Gruppen zu je 8 Mann, die sich täglich im Fang abwechselten. Es gab bis zu 10 Gezaue in Poll, ab 1900 nur noch 2 bis 3.
Bedeutung für Köln Poll war aufgrund seiner Lage bedeutsam für Köln. Hier bestand über Jahrhunderte hinweg die Gefahr eines Rheindurchbruchs mit einer wahrscheinlichen Verlagerung des Flussbetts nach Osten. Die Dämme, die den Strom in seinem Bett halten sollten, wurden ab ca. 1200 systematisch angelegt, aber immer wieder durch die Rheinfluten zerstört. Von 1400 an wurden sie erheblich verstärkt, da die Stadt Köln das Recht der Pflege erhielt. Als erneut die Gefahr eines Durchbruchs bestand, nahm die Stadt das Ufergelände in Erbpacht und baute die Anlagen (die sogenannten Poller Köpfe), nach der großen Überschwemmung von 1477 im Jahre 1479 aus. Ohne die Poller Köpfe hätte Köln möglicherweise seine Bedeutung als wichtige Hafenstadt am Rhein verloren. Daher gab es auch außerhalb Kölns Interessen, den Rhein umzuleiten, z. B. im Jahr 1479 durch Zerstörung der Poller Köpfe.
Poller Wappen mini|hochkant|Wappen Poll aus Glasbild rekonstruiert mini|„Wappen“ (nicht-amtlich) von Köln-Poll, rekonstruiert und vervollständigt nach einem Wappen auf einem historischen Glasbild von 1914
In Poll sind mehrere wappenartige Abbildungen im Gebrauch. Geschichtlich ist allerdings bislang kein offizielles „Poller Wappen“ bekannt. Als kleines Bauern- und Fischerdorf, das zu Deutz gehörte, gab es nie eine offizielle Institution in Poll, die berechtigt gewesen sein könnte, ein Ortswappen zu kreieren und zu führen.Poller Heimatmuseum, Poll, Wappen.
Als potentielle Wappenträger für Poll kommen hauptsächlich die Pächter der Bauernhöfe in Betracht, beginnend im Jahre 1364. Insbesondere gab es ein Geschlecht „von Poll“, das seit 1326 immer wieder erwähnt wird. Diese führten zwar Siegel und demnach auch ein Wappen, aber über ein Wappen mit einem Maifisch ist nichts bekannt – dies war auch angesichts gesellschaftlicher Regeln im Kölner Raum zum damaligen Zeitpunkt nicht standesgemäß. Das Siegel von Johannes von Poll (Joh. de Poll), einem Priester von St. Maria im Kapitol, wird erstmals am 6. Juli 1340 erwähnt; Heinrich van Polle wird als wepelink (Wappenträger) ab 1404 erwähnt. Infolge des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs sind Dokumente über diese Siegel zurzeit nicht verfügbar.
2008 wurde in einem Foto eines Glasbildes des Jägerhofs aus dem Jahr 1914 ein Wappen identifiziert. Der Erbauer des Jägerhofs, Joseph Bietmé–Bartholomé, kann anhand der sonstigen Ausstattung des Jägerhofes nicht als Erfinder Poller Insignien angesehen werden, allerdings versuchte er sich seinerzeit bereits als Gestalter eines Poller Heimatmuseums. Das ehemals in einer Tür als Glasmalerei eingebaute Wappen besteht aus dem eigentlichen Wappen(schild) mit dem gekrümmten Maifisch. Der Wappenschild wird zum sog. Vollwappen durch die oberen und seitlichen Ergänzungen, dem Helm mit Helmzier und den Helmdecken. Oben auf dem Helm ist das Wappenmotiv, der Maifisch, wieder aufgenommen, allerdings in räumlicher Darstellung. In der Schrift des rheinischen Kunsthistorikers Johannes Krudewig Jägerhof, das Heimatmuseum Polls wurde es 1930 erstmals erwähnt.Jägerhof, das Heimatmuseum Polls, bearbeitet von Dr. Johannes Krudewig, Archivar, 23. Februar 1930, Seinen Gästen gewidmet von Joseph Bietmé-Bartholomé, Eigenverlag. Erstaunlich ist, dass es bis zum Zweiten Weltkrieg keine anderen bekannten Wappen mit Poller Motiven gegeben zu haben scheint. Dies spricht für die Relevanz des in den Kriegswirren verschollenen Wappens im Jägerhof. Der Betreiber des Poller Heimatmuseums, Hans Burgwinkel, ließ das historische Wappen von einem Wappenkundler und in Absprache mit dem Kölner Stadtarchiv farbig rekonstruieren und als neuzeitliches Wappen gestalten. Daraus entstanden u. a. Aufkleber und Poll-Fahnen.
Neuzeitliche Wappen 1952 sind im Königsbanner der St. Hubertusbruderschaft ein Fischer und ein Milchmädchen zu sehen, die das Kölner Wappen halten. Der Fischer hält einen symbolischen Trätschhahmen, eine bestimmte Art von Senknetz, ins Wasser. Auf einem Heimatbuch von 1978 sind ebenfalls ein Poller Fischer und ein Milchmädchen zu sehen, die sich auf das Kölner Stadtwappen stützen, wobei der Fischer den Trätschhamen aufrecht hält. Ein ähnliches Wappen benutzt die SPD Poll, wobei sich der Trätschhamen zu einem runden Korb gewandelt hat.Homepage Poll-de, Poller Wappen 2003 kreierte Dieter Heinecke, Vorsitzender des Bürgervereins Poll, privat ein sog. Poller Bürgerwappen „unter heraldischen Gesichtspunkten“ mit Kölner Stadtwappen, Milchmädchen, Esel, Fischer mit sackartigem Netz an einer Stange und einem Boot im Rhein sowie dem kurkölnischen Wappenkreuz.Wappenherkunft
Bevölkerungsstatistik Struktur der Bevölkerung von Köln-Poll (2024):
Durchschnittsalter der Bevölkerung: 44,7 Jahre (Kölner Durchschnitt: 42,5 Jahre) Ausländeranteil: 15,9 % (Kölner Durchschnitt: 21,2 %) Arbeitslosenquote: 7,9 % (Kölner Durchschnitt: 8,8 %)
Infrastruktur Verkehr Poll ist über drei Autobahnanschlüsse an die Bundesautobahn 4 bzw. Bundesautobahn 559 angebunden. Die Stadtbahnlinie der KVB 7 hat in Poll 4 Haltestellen (Baumschulenweg, Poll Salmstraße, Raiffeisenstraße, Poller Kirchweg), ebenso verkehrt die Buslinie 159 durch Poll. Sie fährt vom Schüttewerk über Poll Salmstraße in Richtung Kalk. Das Gewerbegebiet „Am Grauen Stein“ mit der TÜV-Akademie wird durch die Linie 196 angeschlossen. Zu Messezeiten fahren Pendelbusse zwischen Messeparkplatz 13/Verkehrsübungsplatz und Messe.
Linie Verlauf / Anmerkungen Takt
Zum Deutzer Hafen besteht über den Rangierbahnhof in Poll eine Eisenbahnverbindung der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK), die zudem auch das Gewerbegebiet Poller Kirchweg anbindet. Nach dem Verkauf der Grundstücke der HGK im Deutzer Hafen an die Stadtentwicklungsgesellschaft moderne stadt wird diese Strecke nicht mehr genutzt. Haupterschließungsstraßen sind Siegburger Straße und Rolshover Straße / Auf dem Sandberg. Die Siegburger Straße ist zugleich Haupterschließungsstraße für den Verkehr nach Porz.
In den nächsten Jahren wird Poll, gemäß der Planungen zum Ausbau der S-Bahn Köln, einen S-Bahnhof „Köln-Poll“ erhalten.
In der Diskussion befinden sich ebenfalls regelmäßig eine Busverbindung über die Autobahn auf die andere Rheinseite bzw. die Einrichtung einer Schifffahrtslinie Porz-Köln über Poll.
Brücken und Fähren Die erste dokumentierte festere Verbindung über den Rhein in Poll scheint die Fliegende Brücke aus Deutz zu sein, die vom 3. März 1791 bis zum 29. Juli 1793 im Streit aus Deutzer Gebiet verlegt worden war. Sie führte dann vom linksrheinischen Bayenturm rechtsrheinisch unter Umgehung von Deutz auf die andere Rheinseite auf das Poller Gebiet, die Poller Wiesen.
Es gab mehrere Fähren in Poll, zeitweise sogar zwei gleichzeitig: eine in Höhe der heutigen Autobahnbrücke nach Rodenkirchen/Marienburg, die andere in Verlängerung der Maifischgasse nach Bayenthal. Weiterhin bestanden regelmäßige Verbindungen mit Ruderbooten von Westhoven nach Poll und von Poll nach Köln.