Die Preise von Gütern und Dienstleistungen im Mittelalter sind sehr breit gefächert und auch nur sporadisch überliefert. Durch eine hohe Zahl an Münzen und Zahlungseinheiten (siehe hierzu: Münze#Das Mittelalter) wird ihre Kategorisierung zusätzlich erschwert.

Problematik

Im Frankenreich wurden über den Zeitraum des Mittelalters hinweg sehr viele unterschiedliche Münzformen sowie -werte geprägt und verwendet, die wieder verschwanden. Gewichte, Maße, Münzen und Preise waren von Land zu Land, von Region zu Region und von Stadt zu Stadt unterschiedlich und ein Reisender oder überregional tätiger Kaufmann musste ständig die Landeswährungen umrechnen. Zudem waren Preise und Löhne Schwankungen unterworfen, die auf Produktionsschwierigkeiten in der Landwirtschaft aufgrund von Wetter und anderen Einflüssen oder auch auf politischer Grundlage beruhten. Ereignisse wie Kriege, Hungersnöte und Epidemien beeinflussten die Preisschwankungen stark. Viel mehr als heute war der mittelalterliche Mensch dem Rhythmus der Jahreszeiten und der Ernteperioden unterworfen. Durch unterschiedliche Preisregulierungsmaßnahmen wurde von der Obrigkeit hauptsächlich in der Stadt, stellenweise aber auch ausgeweitet auf das Land Einfluss genommen, um Preise entsprechend den Umständen zu regulieren. Dies geschah auch in Bezug auf die Löhne, welche exemplarisch zur besseren Vergleichbarkeit des Geldwertes und der Kaufkraft zeitlich entsprechend mit aufgeführt, aber auch als Preise für Dienstleistungen anzusehen sind. Zudem ist eine exemplarische Bearbeitung der einzelnen Preise zur besseren Veranschaulichung der Lage vonnöten.

Entwicklung im 12.–16. Jahrhundert 12. Jahrhundert

Durch eine schlechte Erntelage der Jahre 1150 und 1151 stieg der Getreidepreis massiv an. In Sachsen, Flandern, im Gebiet des Oberrheins und aus Lothringen und angrenzenden Teilen Frankreichs und aus Süddeutschland sind Berichte zu finden, welche eine Hungersnot mit überregionalem Ausmaß annehmen lassen. Es ist ein Preis von 60 Solidi für ein Malter Weizen verzeichnet, welcher geradezu unbezahlbar ist. Durch eine fehlende Normalbasis ist eine prozentuale Steigerung nicht feststellbar, doch aus späteren ähnlichen Situationen ist abzulesen, dass ein Preisanstieg von 400 – 500 % nichts Außergewöhnliches warHans-Jürgen Schmitz: Faktoren der Preisbildung für Getreide und Wein in der Zeit von 800 bis 1350. Stuttgart 1968, S. 17..

13. Jahrhundert

Zwischen Stadt und Land gab es eine recht unterschiedliche Angebotslage, was sich auch auf die Preise auswirkte. So waren Stadtmieten stellenweise jährlich, aber vereinzelt auch monatlich fällig, im Gegensatz zum einmal jährlich zu bezahlenden Pachtzins der Bauern. In der Stadt wurde Brot als Laib und daher häufiger ge- und verkauft, während Bauern ihr Getreide scheffelweise erstanden oder verkauften und daher nur einmal im Jahr Bedarf hatten. Zudem kauften Städter Fleisch pfundweise, Bauern aber ganze Schlachttiere. Daher verbrauchte der Stadtbewohner sein Geld das ganze Jahr über in vielen kleinen Beträgen, der Landbewohner aber seltener, dafür aber in größeren Mengen. Im Rahmen von Dürre und Überschwemmungen berichtet die Colmarer Chronik im Jahre 1293 explizit von Korn- und Mehlpreisen, weil ein Engpass in der Mehlversorgung eingetreten war, trotz ausreichendem Getreidevorrat. Trockenheit und daraus resultierender Wassermangel legten die Wassermühlen lahm, die für die Mehlproduktion zuständig waren. Es folgte ein Anstieg der Brotpreise, der vor allem den ärmeren Teil der Bevölkerung zur Selbsthilfe veranlasste, indem Mehl mit Hilfe von Mörsern oder Gewürzmühlen selbst hergestellt wurde. 1256 erließ Herzog Heinrich von Niederbayern für die Dauer eines Jahres eine Markt- und Gewerbeordnung in Landshut, welche neben Bußgeldern bei einem Verstoß auch die Preise diverser Waren festlegte. Es ist dort angegeben, dass 2 ½ Pfund von Ochsenfleisch und allem anderen Fleisch 1 Denarius kosten darf, Ziegenfleisch allerdings je 1 Denar pro 3 Pfund. Für 2 gewöhnliche, gebackene Brote war ein Preis von 1 Denar festgesetzt. Ebenso durfte 1 Eimer Römerwein nicht für mehr als 5 Schilling verkauft werden, während Fremde für das gleiche Maß ½ Pfennig und 10 Denare bezahlten. Der beste Frankenwein hatte einen Preis von 75 Denaren, mittelmäßiger kostete 55 Denare. Zudem sollten Schuhmacher Sohlen und Absätze zu einem Preis von 1 Denar anfertigen, Absätze für 1 ObolusErnst Kelter: Die obrigkeitliche Preisregelung in der Zeit der mittelalterlichen Stadtwirtschaft. Jena 1935, S. 17..

14. Jahrhundert

Löhne und Preise in den Städten stiegen in diesem Jahrhundert an und es entstand eine verstärkte Migration vom Land in die Stadt, wo ein Mangel an Arbeitskräften herrschte. Durch eine vermehrte Produktion von Nahrungsmitteln der Bauern für die Stadtbevölkerung kam es zu einem Preisverfall und daraus resultierend wieder zu einer Landflucht. Im Rahmen der Gründung eines Münzvereins durch die Kurfürsten von Köln, Mainz und Trier sowie dem Pfalzgraf bei Rhein wurde der Rheinische Gulden geprägt, welcher sich zu einer Art Leitwährung im Reich entwickelte. Vor der Umstellung zum Rheinischen Gulden galt für Köln um 1300 folgendes Währungssystem:Eike Pies: Löhne und Preise von 1300 bis 2000. Wuppertal 2008, S. 8.

1 Mark = 16 Schilling = 48 Witten = 96 Blaffert = 192 Pfennige

Ein Pfund Butter kostete in der Stadt um diesen Zeitraum herum 24 Pfennige, ebenso 1 Pfund Reis, Lachse oder Karpfen. 100 Eier hatten einen Gegenwert von 132 Pfennigen (= 11 Schilling), 100 Äpfel dagegen kosteten nur 72 Pfennige (= 6 Schilling). 84 Pfennige (= 7 Schilling) war der Preis für 1 Paar Schuhe.

In Hamburg und Lübeck ist 1 Pfund Butter für 4 Pfennige zu erwerben, 100 kg Weizen oder 100 kg Roggen kosteten 6 Schillinge, 100 kg Hafer dagegen nur 4 Schillinge. 1 Paar Schuhe hatte einen Wert von 3 Schillingen, während ein Paar Stiefel mit 11 Schillingen Gegenwert weitaus teurer war. Als Luxusgut kann man sicherlich das Wirtschaftspferd bezeichnen, welches dem Händler 8 Mark einbrachte. Ein Ochse kostete dagegen 4 Mark und ein Schwein mit ca. 25 kg 15 Schillinge.

In Bamberg dagegen wurde wie folgt umgerechnet:Eike Pies: Löhne und Preise von 1300 bis 2000. Wuppertal 2008, S. 9. 1 Gulden = 20 Schillinge = 120 Pfennige = 240 Heller So ist unter den Zimmerleuten, Steinmetzen, Dachdeckern und Maurern als täglicher Lohn für 1328 für einen Meister ein Lohn von 22 Hellern (Sommer) oder 18 Hellern (Winter) überliefert. Ein Geselle dagegen verdient im Sommer 16 Heller und im Winter 14 Heller. Ein Handlanger wird mit 10 Hellern im Sommer und 8 Hellern im Winter bezahlt. Zudem konnte ein Bauherr einem Meister 2 und den anderen Handwerkern unterhalb des Meisterstandes 1 Heller Badegeld zahlen.

Mecklenburg hatte eine ähnliche Umrechnung. Für 1361 ist hier für einen Zimmermann am Tag 1 Schilling als Lohn angegeben, 1379 beträgt der Tageslohn für einen Zimmermann 1 Schilling und 1 Pfennig. Preislich lag 1304 ein Pfund Butter bei 3 Pfennigen (= 6 Heller), 15 Eier bei 1 Pfennig (= 2 Heller). 1325 kostete 1 Mantel 16 Pfennige (= 32 Heller) und 1379 1 Pfund Pfeffer 6 Schillinge (= 72 Heller).

Um 1367 wurden in Frankfurt am Main, England und Antwerpen Spitzenpreise für Getreide gezahlt. Dies lag vor allem an der schlechten Witterung im Sommer 1366, welche negativ die Ernte und damit auch die Menge des zu verkaufenden Getreides beeinflusste. Für Lübeck ist ein Preis von 5 oder gar 6 Schillingen für ein Scheffel Roggen bekannt.Wilhelm Abel: Strukturen und Krisen der spätmittelalterlichen Wirtschaft, Stuttgart 1980S, S. 69. 1367 fiel die Ernte reichlicher aus, so dass nun die Preise stürzten. 1368 herrscht in Köln Getreideknappheit, während Mitte des Jahres in Straßburg der Preis für Roggen von 20 Schillingen nach 4 Tagen auf 7 sank.Hans-Jürgen Schmitz: Faktoren der Preisbildung für Getreide und Wein in der Zeit von 800 bis 1350, Stuttgart 1968, S. 70. In Frankfurt am Main stiegen die Preise bis 1370 noch einmal kontinuierlich an, bevor sie bis 1373 einen starken Abfall erlitten. Um 1380 verdiente dort ein Maurer am Tag 40 Heller (Sommer) oder 32 Heller (Winter). Ein Handlanger dagegen brachte es auf 22 Heller im Sommer und 18 Heller im Winter. Jahreszeitenunabhängig wurden Ratsherren für eine Ratssitzung entlohnt. Sie erhielten 18 Heller. Die Tagesreise eines Ratsherren wurde mit 60 Hellern entschädigt. 1 Brot dagegen war mit einem Preis von 1 – 2 Hellern zu erwerben, 1 Fisch kostete ebenfalls 1 Heller. 1 Pfund Butter hatte einen Wert von 2 Hellern, 1 Pfund Rindfleisch einen Wert von 4 Hellern. Im Vergleich dazu kostete ein ganzes Rind 2 Gulden, 1 Pferd sogar 10 Gulden. Neben Kleidung und Nahrung ist zudem der Preis für einen Meisterbrief bekannt, der um 1380 2 Gulden betrug. Zudem ist überliefert, dass ein Baugrundstück mit Abbruchhaus 172 Gulden kosten konnte.Eike Pies: Löhne und Preise von 1300 bis 2000. Wuppertal 2008, S. 11. Ulman Stromer, Nürnberger Kaufmann und erster deutscher Papierfabrikant nördlich der Alpen, berichtet von einem Preis von 1825 Gulden für ein Haus am Marktplatz. Gebäude in dieser Wohnlage galten zu diesem Zeitraum als die teuersten und angesehensten der Stadt. Er musste für die Vermittlung 16 Heller Maklergebühr bezahlen. Handwerker und Bedienstete erhielten oftmals zu ihrem Lohn in Münzform auch eine Bezahlung in Naturalien. So ist für den Zeitraum um 1390 in Köln als Tageslohn für einen Handwerksmeister ein Lohn von 8 Schilling (= 96 Pfennige) überliefert, welcher aber mit Kost nur 48 Pfennige beträgt. Ebenso erhält ein Geselle am Tag 5 Schilling (= 60 Pfennige), mit Verpflegung aber nur 28 Pfennige. Ein Lehrling dagegen verdiente 3 Schilling (=36 Pfennige) und erhielt keinen Anteil an Kost.Eike Pies: Löhne und Preise von 1300 bis 2000. Wuppertal 2008, S. 12. Zum Vergleich der Höhe der Löhne mit Gütern des täglichen Lebens ist für den gleichen Zeitraum folgendes bekannt: 1 Pfund Reis oder Honig, aber auch 1 Pfund Hammelfleisch erhielt man zu einem Preis von 32 Pfennigen. Im Vergleich dazu war 1 Pfund Rindfleisch für 1 Schilling zu haben. 1 Karpfen dagegen kostete 8 Schillinge, ebenso 87 Eier. 1 Pfund Pfeffer hatte einen Gegenwert von 24 Schillingen, 1 Pfund Safran sogar den von 5 Gulden. Zur Bekleidung konnte man 1 Paar Schuhe oder einen Kittel zu einem Preis von 8 Schillinge erwerben. 1 Paar Hosen kostete 28 Schillinge. Aus der Toskana ist aus dem Jahr 1355 vom Goldschmied Bonaccorso de Vanni bekannt, dass er neben juwelenbesetzten Kruzifixen und einem Bildnis der Jungfrau Maria mit Krone auch eine juwelenbesetzte Bischofsmütze anbot, welche einen Preis von 280 Florins hatte. Das stellte zehn Jahreslöhne für einen Weber dar und immerhin noch eineinhalb Jahresgehälter für einen Ritter.Peter Spufford: Handel, Macht und Reichtum. Kaufleute im Mittelalter, Darmstadt 2004. S. 89.

15. Jahrhundert

Die durchschnittlichen Getreidepreise, welche für die Jahre 1403 bis 1485 überliefert sind, zeigen auf, dass die Preise in diesem Jahrhundert nicht unaufhaltsam anstiegen, sondern sich wetterabhängig je nach Ernteergebnis und Wirtschaftslage nach oben oder unten veränderten. Besonders markant ist die Höhe des Weizenpreises 1433 und der Abfall des Preises für Weizen und Hafer 1441. {| class="wikitable" |- | Jahr || Roggen || Weizen || Hafer || Gerste |- | 1403|| || || 20,78 || - |- | 1408 || || - || 27,20 || - |- | 1433 || - || 40,80 || - || - |- | 1435|| 17,37 || 20,40 || 12,01|| 17,74 |- | 1441 || - || 9,07 || 7,01 || - |- | 1468 || 14,65 || 20,40 || 18,01 || 13,30 |- | 1484 || 21,67 || 27,20 || 27,02 || - |- | 1485|| 14,45 || 23,80 || 21,02 || - |} Preisangaben in g FeinsilberEike Pies: Löhne und Preise von 1300 bis 2000. Wuppertal 2008, S. 13.