Der Landkreis Lingen war bis 1977 ein Landkreis im südwestlichen Niedersachsen.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzte Anfang 1977 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Meppen und Bersenbrück (beide in Niedersachsen), an den Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen sowie an den Landkreis Grafschaft Bentheim (wiederum in Niedersachsen).

Geschichte mini|300px|Gemeindegliederung vor der Gemeindereform 1974 mini|300px|Landkreis Lingen nach 1974 Kaum ein anderes niedersächsisches Gebiet hatte eine so wechselvolle Geschichte und ein so starkes Eigenleben geführt wie große Teile des Landkreises Lingen. Jahrhunderte hindurch war die Grafschaft Lingen, Vorläufer des Kreises, ein selbständiges Territorium gewesen, das zeitweise nicht einmal zum Reichsverband gehörte. Der Kreis Lingen wurde 1885 aus den hannoverschen Ämtern Lingen und Freren sowie der Stadt Lingen gebildet.Kreis- und Provinzial-Ordnung vom 6./7. Mai 1884. Die Selbstverwaltungsgesetze für die Provinz Hannover, Berlin 1887. Das Amt Lingen ging weitgehend auf die 1498 entstandene Niedergrafschaft Lingen zurück, die durch den Wiener Kongress von 1815 zum Königreich Hannover gekommen war.

Der Kreis Lingen setzte sich anfänglich aus 58 Gemeinden zusammen, von denen Freren und Lingen Städte waren. Diese sind hier in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt:

Ahlde, Altenlingen, Altenlünne, Andervenne (Niederdorf), Andervenne (Oberdorf), Baccum, Bawinkel, Beesten, Berge, Bernte, Bexten-Listrup, Biene, Bramsche-Wesel, Brockhausen, Brögbern, Brümsel, Clusorth-Bramhar, Darme, Duisenburg, Elbergen, Emsbüren, Estringen (hieß ursprünglich Polle-Estringen-Rottum), Freren, Geringhusen, Gersten, Gleesen, Handrup, Heitel, Holsten, Holthausen, Hummeldorf, Hüvede-Sommeringen, Langen, Laxten, Dorf Lengerich, Bauerschaft Lengerich, Leschede, Lingen (Ems), Lohe-Venslage, Mehringen, Messingen, Mundersum, Münnigbüren, Ostwie, Plankorth, Plantlünne, Ramsel, Salzbergen, Schapen, Schepsdorf-Lohne, Setlage, Spelle, Steide, Suttrup, Talge-Wilsten, Thuine, Varenrode, Venhaus, Wettrup

Außerdem bestanden im Kreis Lingen bis zu ihrer Auflösung in den 1920er Jahren die beiden Gutsbezirke Herzford und Stovern.

Die Gemeinden Ostwie und Geringhusen wurden am Ende der 1920er Jahre in die Stadt Freren eingemeindet. Am 1. Oktober 1934 wurden die beiden Gemeinden Schwartenpohl und Wachendorf aus dem Landkreis Meppen in den Landkreis Lingen umgegliedert.

Die Gemeinden Bauerschaft Lengerich und Dorf Lengerich wurden am 1. Oktober 1960 zur Gemeinde Lengerich zusammengeschlossen.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Bauerschaft Lengerich und Dorf Lengerich vom 30. September 1960 Die Gemeinden Altenlünne und Plantlünne wurden am 6. Juli 1965 zur neuen Gemeinde Lünne zusammengeschlossen.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Altenlünne und Plantlünne vom 5. Juli 1965 Gleichzeitig wurde die Gemeinde Talge-Wilsten in die Gemeinde Beesten eingegliedert.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Beesten und Talge-Wilsten vom 5. Juli 1965 Am 1. Januar 1970 wurden Biene und Holthausen zur Gemeinde Holthausen-Biene zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurden die Gemeinden Brockhausen, Darme und Laxten in die Stadt Lingen eingemeindet.Gesetz über Gebietsänderungen im Raum Lingen (Ems) vom 25. November 1969 Die beiden Gemeinden Varenrode und Venhaus wurden am 1. Januar 1971 in die Gemeinde Spelle eingegliedert.Gesetz über den Zusammenschluß der Gemeinden Spelle, Varenrode und Venhaus vom 4. November 1970

Eine umfassende Gebietsreform erfolgte durch das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Grafschaft Bentheim/Lingen am 1. März 1974:Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Grafschaft Bentheim/Lingen vom 3. Juli 1973

Andervenne, Niederdorf und Andervenne, Oberdorf wurden zur Gemeinde Andervenne zusammengeschlossen. Bawinkel, Duisenburg und Plankorth wurden zur Gemeinde Bawinkel zusammengeschlossen. Ahlde, Berge, Bernte, Bexten-Listrup (ohne Bexten), Elbergen, Emsbüren, Gleesen, Leschede und Mehringen wurden zur Gemeinde Emsbüren zusammengeschlossen. Lohe-Venslage, Setlage und Suttrup wurden in die Stadt Freren eingegliedert. Altenlingen, Baccum, Bramsche-Wesel, Brögbern, Clusorth-Bramhar, Estringen, Holthausen-Biene, Hüvede-Sommeringen, Münnigbüren, Mundersum, Ramsel und der Ort Schepsdorf der Gemeinde Schepsdorf-Lohne wurden in die Stadt Lingen (Ems) eingegliedert. Heitel wurde in die Gemeinde Lünne eingegliedert. Brümsel wurde in die Gemeinde Messingen eingegliedert. Holsten, Hummeldorf, Steide und der Gemeindeteil Bexten von Bexten-Listrup wurden in die Gemeinde Salzbergen eingegliedert. Wietmarschen aus dem Landkreis Grafschaft Bentheim wurde mit Schepsdorf-Lohne (ohne Schepsdorf), Schwartenpohl und Wachendorf zur Gemeinde Wietmarschen zusammengeschlossen und in den Landkreis Lingen eingegliedert.

Im Landkreis Lingen bestanden seitdem neben den vier Einheitsgemeinden Emsbüren, Lingen (Ems), Salzbergen und Wietmarschen 14 weitere Gemeinden, die zu drei Samtgemeinden zusammengefasst waren: Samtgemeinde Freren, bestehend aus Andervenne, Beesten, der Stadt Freren, Messingen und Thuine Samtgemeinde Lengerich, bestehend aus Bawinkel, Gersten, Handrup, Langen, Lengerich und Wettrup Samtgemeinde Spelle, bestehend aus Lünne, Spelle und Schapen

Bei der niedersächsischen Kreisreform wurde der größte Teil des Landkreises Lingen am 1. August 1977 zusammen mit den nördlich angrenzenden Landkreisen Meppen und Aschendorf-Hümmling ein Teil des neuen Landkreises Emsland. Die Gemeinde Wietmarschen wurde in den Landkreis Grafschaft Bentheim eingegliedert. Die Orte Wachendorf und Herzford wurden 1978 von der Gemeinde Wietmarschen in die Stadt Lingen umgegliedert.

Wappen

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1890 30.192 1900 32.859 1910 36.646 1925 42.853 1933 45.131 1939 47.118 1950 66.953 1960 69.800 1970 80.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1977 87.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1978

Landräte/Oberkreisdirektoren

Landräte 1885–1894: Carl Georg Lindemann (bereits seit 1878 Lingener Amtmann), gouvernemental 1895–1904: Georg Franke, regierungsfreundlich 1904–1917: Wilhelm von Lympius, regierungsfreundlich 1918–1933: Albert Pantenburg, rechts, ab 1933 NSDAP 1933: kommissarisch: Werner Zimmermann 1933–1938: August Kerp 1938: Paul Wege 1945–1946: Emanuel von Galen, von der britischen Militärregierung ernannt 1946–1949: Clemens Hesemann, Zentrum 1949: Heinrich Meyer (Zentrum) 1949–1950: Clemens Hesemann, Zentrum, mit Übertritt zur CDU Abwahl 1950–1955: Hans Richter, Zentrum 1955–1957: Clemens Hesemann, CDU 1957–1968: Gerhard Hölscher, CDU

Oberkreisdirektoren 1948–1961: Ernst Kribben 1961–1977: Werner Franke, CDU

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen LIN zugewiesen. Es wurde bis zum 15. Mai 1978 ausgegeben.

Literatur Werner Franke / Jósef Grave / Heiner Schüpp / Gerd Steinwascher (Hrsg.): Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Meppen 2002, ISBN 3-930365-13-8. Clemens Kirsch: Von der Volksschule zum Schulzentrum – Schulgeschichte im Altkreis Lingen 1964 – 1985. Eine Bestandsaufnahme unter Mitwirkung eines Zeitzeugen, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.): Emsländische Geschichte 16, Haselünne 2009, S. 12–71. Karl-Eberhard Nauhaus: Das Emsland im Ablauf der Geschichte. Sögel 1984, ISBN 3-925034-00-5.

Weblinks Geschichte des Landkreises Emsland

Einzelnachweise

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