Kyriarchat ist eine Wortschöpfung, geprägt von Elisabeth Schüssler Fiorenza, um miteinander verbundene, interagierende, multiplikative Systeme von Herrschaft und Unterwerfung zu beschreiben, in denen dieselbe Person in einem Kontext unterdrückt und in einem anderen Kontext privilegiert sein kann. Es ist eine intersektionale Festlegung des Begriffs des Patriarchats, es erweitert die Analyse der Unterdrückung jenseits geschlechtsspezifischer Diskriminierungen um die Dynamik des Rassismus, Heterosexismus, Klassismus, Ethnozentrismus, der Altersdiskriminierung und anderer Formen der internalisierten und institutionellen Diskriminierung.Elisabeth Schussler Fiorenza: Transforming Vision: Explorations in Feminist The*logy. Fortress Press, Minneapolis 2013, ISBN 978-0-8006-9806-5, S. 26.Caroline Vander Stichele und Todd C. Penner (Hrsg.): Her Master's Tools?: Feminist And Postcolonial Engagements of Historical-critical Discourse. Society of Biblical Literature, Atlanta 2005, ISBN 978-1-58983-119-3, S. 272.
Strukturelle Positionen Schüssler Fiorenza (2009) beschreibt voneinander abhängige „Schichten von Geschlecht, Rasse, Klasse, Religion, Heterosexualität und Alter“ als strukturelle Positionen, die bei der Geburt zugewiesen werden. Sie meint, dass Menschen mehrere Positionen innehaben und dass die Positionen mit Privileg Knotenpunkte werden, durch die die anderen Positionen erlebt werden. Zum Beispiel, in einem Kontext, in dem das Geschlecht die primäre privilegierte Position ist (z. B. Patriarchat), wird das Geschlecht zum Knotenpunkt, durch den Sexualität, Rasse und Klasse erfahren werden. In einem Kontext, in dem die Klasse die primäre privilegierte Position bedeutet (Klassismus), werden Geschlecht und Race durch die Klassendynamik erlebt. Schüssler Fiorenza schreibt über die Wechselwirkung zwischen Kyriarchat und Kritische Theorie als solche:Wisdom Ways: Introducing Feminist Biblical Interpretation(en) abgerufen am 18. Januar 2012.
Tēraudkalns (2003) legt nahe, dass diese Strukturen der Unterdrückung selbsttragend sind durch verinnerlichte Unterdrückung; jene mit relativer Macht neigen dazu, an der Macht zu bleiben, während jene ohne Macht dazu tendieren, entrechtet zu bleiben.
Etymologie Der Begriff wurde von Elisabeth Schüssler Fiorenza als eine Erweiterung des Patriarchats geprägt, abgeleitet aus den griechischen Wörtern („Herr, Gebieter“) und („der Erste sein, anführen“). Der Begriff wurde geprägt in: But She Said: Feminist Practices of Biblical Interpretation (deutsch: „Aber sie sagte: Feministische Praxis biblischer Interpretation“), 1992.
Literatur
Artikel im Journal of Feminist Studies in Religion, abgerufen am 18. Januar 2012.
Siehe auch Feminismus Ableism
Einzelnachweise
Kategorie:Rassismus Kategorie:Feminismus Kategorie:Kofferwort Kategorie:Befreiungstheologie