Das Österreichische Wort des Jahres (oewort) wird seit 1999 gekürt. Die Trennung vom deutschen Wort des Jahres erfolgte, nachdem sich gezeigt hatte, dass bei der Wahl zum ursprünglich deutschsprachigen Wort und Unwort des Jahres immer mehr Wörter zur Auswahl standen, die von deutschen Politikern oder Medien geprägt wurden, zu Österreich dagegen keinen Bezug hatten.

Auswahlverfahren und Jury Initiiert wurde die Wahl von Rudolf Muhr, der 1996 die Forschungsstelle für Österreichisches Deutsch an der Karl-Franzens-Universität in Graz gegründet hatte. Wissenschaftlicher Wunsch war im Besonderen, die Entwicklung die Sprache im öffentlichen Raum zu verfolgen und zeitgeschichtlich zu dokumentieren.

Seither wird das Wort und Unwort des Jahres ermittelt, seit 2002 zusätzlich einen Spruch und seit 2006 einen Unspruch des Jahres. Seit 2010 wird auch ein Jugendwort des Jahres gekürt.

Anforderung an die Wörter bzw. Sprüche ist, dass diese im jeweiligen Jahr in Österreich nicht nur wichtig, häufig und von besonderer Bedeutung waren, sondern auch eine besondere sprachliche Qualität aufweisen.

Das Auswahlverfahren wird in mehreren Schritten durchgeführt. Anfang Herbst des laufenden Jahres kann die Öffentlichkeit über die Website des Wettbewerbs mehrere Vorschläge einsenden. Aus diesen Vorschlägen wählt die Jury Kandidatenwörter für die Kategorien aus. Diese werden einer öffentlichen Abstimmung unterzogen. Von den Ergebnissen der Abstimmung kann die Jury in Einzelfällen abweichen, wenn besondere Gründe vorliegen.

Im Jahr 2021 hatte die Jury elf Mitglieder, von denen sechs aus der Karl-Franzens-Universität und drei aus anderen Grazer Universitäten stammten. Die APA und der Public Relations Verband Austria stellten jeweils ein Mitglied.

Gesamtübersicht Jahr Wort des Jahres Unwort des Jahres Spruch des Jahres Unspruch des Jahres Jugendwort des Jahres 2025Elch EmilRabattpickerl„Nur wer innerlich brennt, kann leuchten“„Wir schieben ihn ab, wenn er aus seinen Klostermauern kommt.“6-7 (six, seven)2024RenaturierungVolkskanzler„Lugner ist immörtal“„Euer Wille geschehe“Heast2023KanzlermenüKlimaterroristen„Mit de Einmalzahlungen können s’ scheißen gehen.“ (Metallgewerkschafter Reinhold Binder)„Dann wäre Wien noch Wien.“ (niederösterreichischer Landesrat Gottfried Waldhäusl, FPÖ)Brakka2022InflationEnergiekrise„Das darf doch alles nicht wahr sein!“„Wenn wir jetzt so weitermachen, gibt es für euch nur zwei Entscheidungen nachher: Alkohol oder Psychopharmaka!“smash 2021 Schattenkanzler Querdenker „Eli, es ist vorbei!“ „Bitte. Kann ich ein Bundesland aufhetzen?“ Cringe 2020 Babyelefant Coronaparty „Schleich di, du Oaschloch!“ „Wir werden auch in Österreich bald die Situation haben, dass jeder irgendjemanden kennt, der an Corona verstorben ist.“ Boomer 2019 Ibiza b’soffene G’schicht „Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin“ „Zack, zack, zack“ brexiten 2018 Schweigekanzler Datenschutzgrundverordnung „Was ist mit Ihnen, Frau Minister?!“ „Man kann sicher von 150 Euro im Monat leben.“ Oida 2017 Vollholler alternative Fakten „Mei Wien is net deppat!“ „Ein Satz noch …“ Hallo, I bims! 2016 Bundespräsidenten­stichwahl­wiederholungs­verschiebung Öxit „Bundespräsidentenwahl 2016–2019: Ich war dabei!“ „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!“ Was ist das für 1 Life!Bezug zum gleichnamigen Buch des Autors, vgl. bei oedeutsch.at 2015 Willkommenskultur Besondere bauliche Maßnahmen „Frankreich, wir kommen!“ „Ich bin kein Rassist, aber …“ zach 2014 situationselastisch Negerkonglomerat „Jetzt hat uns die den Schaas gwonnen“ „Das ist nicht jeden Freitag!“ Selfie 2013 Frankschämen inländerfreundlich „Ich wähle die NSA, die interessieren sich wenigstens für mich!“ „Es gibt kein Budgetloch. Es gibt nur Einnahmen und Ausgaben, die auseinanderklaffen.“ whatsappen 2012 Rettungsgasse Unschuldsvermuteter „Ich trete nicht zurück, ich mache den Weg frei.“ „Das ist mir nicht erinnerlich!“ leider geil 2011 Euro-Rettungsschirm Töchtersöhne „Shortly, without von delay.“ „Wo woa mei Leistung?“ liken 2010 fremdschämen humane Abschiebung „Ich werde auf die Einhaltung des Defizits achten.“ „Es gilt die Unschuldsvermutung.“ Kabinenparty 2009 Audimaxismus Analogkäse „Reiche Eltern für alle!“ „Wer alt genug ist zum Stehlen, ist auch alt genug zum Sterben.“ 2008 Lebensmensch Gewinnwarnung „Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.“ „Es reicht!“ 2007 Bundestrojaner Komasaufen „The world in Vorarlberg is too small.“ „Wir säubern Graz.“ 2006 Penthouse-Sozialismus Ätschpeck „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl.“ „Daham statt Islam.“ 2005 Schweigekanzler Negativzuwanderung „Österreich ist frei!“ 2004 Pensions­harmonisierung Bubendummheiten 2003 Hacklerregelung Besitzstandswahrer „Kinder statt Partys.“ 2002 Teuro Rücktritt vom Rücktritt „Bin schon weg – bin schon wieder da!“ 2001 Nulldefizit nichtaufenthaltsverfestigt 2000 Sanktionen soziale Treffsicherheit 1999 Sondierungs­gespräche Schübling

Wort des Jahres Jahr Wort des Jahres Erklärung2025Elch Emil„Es wurde mit deutlicher Mehrheit gewählt, was sich durch die wochenlange nationale und internationale mediale Aufmerksamkeit erklärt, die dem Geweihträger auf seiner Wanderung durch Nieder- und Oberösterreich zuteil geworden ist. Schließlich wurde er in die Tschechische Republik zurücktransportiert, nachdem er sich einer Autobahn zu sehr genähert hatte. Seinen Namen bekam er von Internetnutzern, der sich angeblich auf den tschechischen Langstreckenläufer und vierfachen Olympiasieger Emil Zátopek bezieht.“2024Renaturierung„Eine Maßnahme, mit der die Rückführung vor allem von landwirtschaftlich oder industriell genutzten Flächen und Gewässern in einen naturnahen Zustand bezeichnet wird. Zum Wort des Jahres wurde es durch das Abstimmungsergebnis. Es handelt sich dabei um ein politisch stark aufgeladenes Wort. Dies wurde ersichtlich durch den Umstand, dass die österreichische Umweltschutzministerin entscheidend dazu beigetragen hat, dass das Renaturierungsgesetz der EU verabschiedet wurde. Das führte seitens des Koalitionspartners zu Strafanzeigen und zur Behauptung, dass ein Verfassungsbruch vorliegen würde. Die ÖVP-Anzeige wurde von der WKStA allerdings zurückgelegt.“2023Kanzlermenü„In prägnanter und ironischer Weise fasst dieses Wort den Inhalt einer Aussage des österreichischen Bundeskanzlers Karl Nehammer zusammen, der bei einem Treffen mit Parteikolleg:innen meinte, dass in Österreich die billigste warme Mahlzeit ein Hamburger bei McDonalds sei und sich das jeder leisten könne. Er verstand das als Empfehlung für arme Familien, ihren Kindern einen Hamburger von McDonalds als Standardessen zu geben, weil dieser so billig sei, was medial großes Aufsehen und Unverständnis erregte.“2022Inflation„Die Preissteigerungen von 10% und mehr sind für die meisten Menschen ein neues und ungewohntes Phänomen, das durch die hohen Energiepreise und den Ukraine-Krieg verursacht wird und den Lebensstandard vieler Menschen massiv senkt. Aufgrund dieser Umstände ist dieses Wort in aller Munde und erhielt auch bei Weitem die meisten Stimmen.“2021Schattenkanzler„Ironischer Ausdruck, der nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Kurz aufkam und unterstellt, dass Kurz als ÖVP-Parteiobmann weiterhin die Politik der Regierung bestimmen wird und nicht der neue Bundeskanzler Schallenberg. Zugleich drückt das Wort auch aus, dass über der derzeitigen Regierung ein Schatten liegt – bedingt durch die besonderen Umstände, unter denen der Kanzlerwechsel stattfand. Das Wort entstand in Anlehnung an die existierende Bezeichnung ‚Schattenkabinett‘.“ 2020 Babyelefant Während der Corona-Pandemie wurde in einer durch die Werbeagentur Jung von Matt entwickelten Kampagne der Bundesregierung und des Roten Kreuzes als Maß für den Abstand, den Personen untereinander einhalten sollen (1–2 Meter), die Länge eines Elefantenbabys definiert. Als Muster diente das Jungtier Kibali aus dem Tiergarten Schönbrunn. 2019 Ibiza „Der Name der spanischen Ferieninsel wurde durch die vom ‚Ibiza-Video‘ ausgelösten politischen Ereignisse zum zentralen politischen Schlüsselwort, das seit Mai 2019 das politisch-öffentliche Leben in Österreich dominiert hat und voraussichtlich weiter dominieren wird. Es ist angesichts dieser Ereignisse ein überaus treffendes Wort des Jahres, wobei ein geographischer Name durch politische Vorkommnisse eine spezifische Bedeutung für das öffentliche Leben Österreichs bekommen hat.“ 2018 Schweigekanzler Bezugnehmend auf die wiederholte Vermeidung jedweder Reaktion auf politisch unangenehm erscheinende Themen bzw. auf Handlungen und Äußerungen von Politikern des Koalitionspartners FPÖ durch Sebastian Kurz. Siehe auch Schweigekanzler → 2005 2017 Vollholler Reaktion von Bundeskanzler Christian Kern auf die Ankündigung von Außenminister Sebastian Kurz, die Mittelmeer-Fluchtroute zu schließen 2016 Bundespräsidenten­stichwahl­wiederholungs­verschiebung satirische Darstellung des Dilemmas der Bundespräsidentenwahl 2016 2015 Willkommenskultur Einstellungen und Handlungen, die angesichts des Leids von Kriegsflüchtlingen helfen, dass diese wieder ein Leben in Sicherheit und Freiheit führen könnendiepresse.com – Wörter des Jahres: „Willkommenskultur“ und „zach“ 2014 situationselastisch mini|Gerald Klug Erklärung von Minister Gerald Klug zum möglichen Fernbleiben oder Erscheinen von Kanzler und Vizekanzler bei künftigen Pressefoyers nach dem Ministerrat im Februar 2014derStandard.at – Klug-Aussage „situationselastisch“ sorgte für lebhafte Diskussion. Artikel vom 18. Februar 2014, abgerufen am 3. Dezember 2014. 2013 Frankschämen Es beschreibt das Befremden vieler Bürger über das Verhalten des spätberufenen Parteigründers Frank Stronach bei seinen öffentlichen Auftritten. Abgeleitet von Fremdschämen (→ 2010). 2012 Rettungsgasse Neueinführung eines Fahrwegs für Rettungskräfte auf mehrspurigen Straßen 2011 Euro-Rettungsschirm Maßnahmen der Europäischen Union und der Euro-Zone zur finanziellen Stabilität nach der Finanzkrise ab 2007 und insbesondere der Schuldenkrise 2010 fremdschämen 2009 Audimaxismus Entstand im Umfeld der Studierendenproteste in Österreich 2009 mit der Besetzung des Auditorium maximum der Universität Wien. 2008 Lebensmensch Stefan Petzner über das Verhältnis zum tödlich verunglückten Jörg Haider 2007 Bundestrojaner 2006 Penthouse-Sozialismus Geprägt durch die BAWAG-Affäre 2005 Schweigekanzler Besonders in den Medien verwendeter Beiname des damaligen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel 2004 Pensions­harmonisierung Angleichung der unterschiedlichen Pensionssysteme von Angestellten, Selbständigen und Bauern 2003 Hacklerregelung Ostösterreichisch Hackler für Schwerarbeiter, eine Pensionsregelung für Langzeitversicherte für Schwerarbeiter 2002 Teuro Preissteigerungen infolge der Euro-Umstellung 2001 Nulldefizit Budgetziel der Sparpakete unter Schüssel 2000 Sanktionen Als Folge der Regierungsbildung nach der Nationalratswahl 1999 Sondierungs­gespräche Bislang nicht übliche Vorverhandlungen bei der Regierungsbildung nach einer Nationalratswahl

Unwort des Jahres In Österreich wird das Unwort des Jahres seit 1999 ermittelt.