mini|Blick von der Szyndzielnia mini|Theater und Post mini|Marktplatz von Bielitz mini|Chrobry-Platz in Bielitz mini|Sulkowski-Schloss in Bielitz mini|Das Rathaus in Biala mini|Froschhaus im Jugendstil in Biala mini|Fußgängerzone in der Ulica 11 Listopada, ehemalige Kaiser-Chaussee mini|Das 1890 eröffnete „Deutsche Theater“ in Bielitz heute Teatr Polski w Bielsku-Białej mini|Postamt mini|Hauptbahnhof mini|Kathedrale St. Nikolaus mini|Kirche der göttlichen Vorsehung mini|Lutherische Erlöserkirche in Bielitz mini|Holzkirche von Mikuszowice mini|Weberhaus mini|Lutherdenkmal vor der Erlöserkirche in Bielitz, das einzige Lutherdenkmal Polens mini|Bolek-und-Lolek-Denkmal Bielsko-Biała [] (deutsch Bielitz-Biala, , ) ist eine kreisfreie Stadt in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Sie entstand 1951 durch den Zusammenschluss der (ehemals österreichisch-)schlesischen Stadt Bielsko (Bielitz) und der kleinpolnischen bzw. galizischen Stadt Biała (Biala), die in polnischer Zeit zum Kreis Schlesien (1564–1792) gehört hatte. Die Stadt wurde zum wirtschaftlich-kommerziellen, kulturellen Zentrum eines Gebiets, das oft informell als Beskidenland benannt wurde. Sie ist Polens Kulturhauptstadt 2026.
Geographie Die Stadt Bielsko-Biała liegt im Schlesischen Vorgebirge südlich des Oberschlesischen Industriegebiets, beidseitig der Bialka, eines rechten Nebenflusses der Weichsel. Die Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien, Kattowitz, liegt ca. 60 km nördlich der Stadt. Die tschechische Grenze befindet sich ca. 40 km westlich der Stadt in Teschen.
Südlich von Bielsko-Biała erstrecken sich die Schlesischen Beskiden sowie östlich der Stadt die Kleinen Beskiden.
Geschichte
Bielsko Aus dem 12. Jahrhundert stammt die slawische Wallburg in Stare Bielsko (Alt-Bielitz) und im frühen 13. Jahrhundert gab es möglicherweise eine Siedlung an der Stelle des heutigen Marktplatzes in Bielitz, nahe der Furt am Fluss Biała (Bialka), auf dem Weg zwischen Skoczów (Skotschau) und Kęty (Kenty), die damals wahrscheinlich schon der Grenze zwischen den Bistümern Breslau (Teschener Kastellanei im Westen) sowie Krakau (Auschwitzer Kastellanei mit Pless im Osten und Norden) war. Im Jahr 1290 entstand das Herzogtum Teschen-Auschwitz, dessen zum großen Teil Gebirgsgegend bis 1281 eher die Peripherie des Herzogtums Oppeln-Ratibor war. Der erste Piastenherzog Mieszko I. initiierte eine starke deutschrechtliche Kolonisation, einschließlich des Biala-Tals direkt auf dem Weg zwischen den zwei wichtigsten herzöglichen Residenzen. Damals entstanden zwischen den Flüssen Ostravice im Westen und Skawinka im Osten einige deutsche Sprachinseln, aber um Bielitz war die Teilnahme der deutschen Siedler wahrscheinlich am stärksten und die Bielitz-Bialaer Sprachinsel blieb als einzige bis nach dem 17. Jahrhundert bestehen.
Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Orts Belsko stammen aus der Zeit um 1300. Etwa nach der Aufstellung des Dokuments Liber fundationis episcopatus Vratislaviensis (wo Bielsko nicht erwähnt worden war) und vor 1312 erhielt Bilitz das Stadtrecht. Zu dieser Zeit bestand es aus lediglich 56 Häusern.
Als 1315 das Herzogtum Auschwitz von Teschen abgespalten wurde, verlief die Grenze durch das Bielitzer Land und die Bialka wurde zum Grenzfluss. Seit 1327 standen beide unter der Lehnsherrschaft des Königreichs Böhmen, was 1335 mit dem Vertrag von Trentschin politisch bestätigt wurde. Mit dem Übergang des Herzogtums Auschwitz an den polnischen König war Bielitz ab 1475 de facto Grenzstadt zu Polen.
Nachdem 1526 die Habsburger die böhmische Königswürde erlangten, gehörte Bielitz zum Habsburger Reich. 1553 wurde das Bielitzer Gebiet eine eigene Herrschaft, die dann 1572 dem Herzogtum Teschen abgekauft wurde und als Minderstandesherrschaft dem Oberamt Breslau unterstand. In ihr lebten etwa 2500 Einwohner, davon waren drei Viertel Deutsche. Im Gegensatz zum Rest Teschener Schlesiens wurde in Bielitz im Jahr 1565 die Amtssprache Deutsch, während im Rest des Gebiets Tschechisch lang die Hauptamtssprache blieb.
Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt zu einem Zentrum des Handwerks. Vor allem die Tuchmacherei wurde dort ansässig. Der Tuchmacherzunft, die seit 1548 bestand, gehörten 1571 17 Meister an. Bielitz war auf 179 Häuser angewachsen und gelangte zu einem gewissen Reichtum, der es ermöglichte, im Jahre 1570 dem Herzog von Teschen das Dorf Nikelsdorf und einen großen Stadtwald abzukaufen.
Die Reformation setzte sich in Bielitz recht schnell durch; auch die 1628 und 1654 durchgeführten Rekatholisierungen zeigten wenig Erfolg. Zwar wurden sämtliche Kirchen wieder katholisch, doch die Bielitzer besuchten sie nicht. Mit Unterstützung der evangelischen Herrschaft wurden in den Wäldern heimlich Gottesdienste abgehalten; in der Stadt bestanden an geheimen Orten evangelische Winkelschulen.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort von den Schweden geplündert und das Schloss niedergebrannt. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Tuchweberei zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der Stadt. Im Polnischen Thronfolgekrieg eroberten die Russen 1734 Bielitz, im Ersten Schlesischen Krieg, 1741 die Preußen. Diese verloren die Stadt nur ein Jahr später wieder an Österreich. Bielitz war die einzige evangelische Stadt in ganz Österreich.
1751 wurde die Minderstandesherrschaft Bielitz zur Freien Standesherrschaft, 1752 zum Fürstentum und 1754 durch Maria Theresia in ihrer Eigenschaft als Königin von Böhmen zum Herzogtum Bielitz erhoben.
Durch das 1781 von Kaiser Joseph II. erlassene Toleranzpatent entstanden 1782 in Bielitz wie auch in Biala evangelische Kirchgemeinden.
Um 1800 hatte Bielitz 4200 Einwohner und verschmolz mit Biala zu einem Ballungszentrum, das 1815 mit 8000 Einwohnern nach Troppau das zweitgrößte in Österreichisch-Oberschlesien war. Die Industrialisierung in beiden Städten schritt schnell voran. 1806 wurde die erste Wollspinnmaschine in Betrieb genommen und 1811 entstand die erste Textilfabrik, die nicht mehr dem Zunftzwang der Tuchmacher unterlag.
1808 und 1836 wüteten Brände in Bielitz und zerstörten den Ort zu großen Teilen.
1848 wurde der evangelische Pastor Karl Samuel Schneider in den Wiener Reichstag gewählt, der sich dort als der einzige protestantische Abgeordnete für die Rechte der Protestanten in der neuen Verfassung einsetzte.
Die evangelische Gemeinde Bielitz gründete bis 1881 zusammen mit der Stadt u. a. eine Realschule, ein Gymnasium und eine Ingenieurschule. Besondere Verdienste erwarb sich dabei der evangelische Superintendent Theodor Karl Haase, der auch Abgeordneter des Reichsrates war.
In dem 1867 gegründeten evangelischen Lehrerseminar lehrte Professor Karl Volkmar Stoy aus Heidelberg erstmals in Österreich die Herbartsche Pädagogik und bildete Lehrer aus dem ganzen Lande, von Kärnten bis zur Bukowina, aus. 1890 erhielt die Stadt ein deutsches Theater.
Bielitz war die Stadt der Wollindustrie in Schlesien geworden, aber auch der Textilmaschinenbau spielte eine gewichtige Rolle.
Nach 1900 waren in den Industriebetrieben von Bielitz 20.000 Arbeiter beschäftigt, die aber größtenteils in den Dörfern der deutschen Sprachinsel wohnten. Ungelernte Arbeiter kamen vielfach als Pendler aus den armen polnischen Beskidendörfern. Das hatte zur Folge, dass die Einwohnerzahl von Bielitz nur wenig stieg, während andere Nachbarstädte Oberschlesiens in dieser Zeit einen enormen Zuzug verzeichneten.
1910 lebten 17.970 Menschen in Bielitz, davon 15.144 Deutschsprachige (84,2 %). Ähnlich verhielt es sich in den umliegenden Dörfern: dort lebten 13.839 Einwohner, von denen 11.573 (83,6 %) deutschsprachig waren. Allgemein stieg die Prozentzahl der Deutschsprachigen im Bezirk Bielitz von 16,1 % im Jahr 1880 auf 21,5 % im Jahr 1910. Im Jahr 1910 war die Verteilung der Konfessionen in Bielitz wie folgt (hierbei wurden 598 nicht dauerhaft hier Wohnhafte mitgezählt): 10.278 Römische Katholiken (55,3 %), 4942 Lutheraner (26,6 %), 13 Reformierte (0,1 %), 3024 Juden (16,3 %) und 211 Andere (1,1 %). 7598 Personen waren in Bielitz selbst heimatberechtigt, 3497 Personen stammten aus anderen Orten Österreichisch-Schlesiens und 6875 aus anderen Gebieten der Monarchie.
Bielitz wurde 1920 Bestandteil des wiedererrichteten Polen und nach der Volksabstimmung in Oberschlesien zusammen mit den Gebieten Ostoberschlesiens 1922 in der Autonomen Woiwodschaft Schlesien vereinigt. Die Stadt blieb auch innerhalb Polens mehrheitlich von Deutschen (Juden machten um 20 % der Bewohner aus und waren überwiegend deutschsprachig) bewohnt. Auch bedingt durch die 600-jährige Geschichte als deutsche Sprachinsel war die Abwanderung der deutschen Bevölkerung hier nur sehr gering. Das deutsche Lehrerseminar wurde nun auch zur Unterrichtsstätte deutschsprachiger Lehrer aus den ehemals preußischen oder russischen Teilen Polens.
Am 18. September 1937, am Vorabend des jüdischen Sukkoth-Festes, kam es zu einem Pogrom, der als „Pogrom nach Programm“ schon die „Reichskristallnacht“ ein Jahr später vorwegnahm. In der Zeitung „Jüdische Presse“ wurden die Ereignisse geschildert: „Am 18. September dringt eine Gruppe von Antisemiten in ein jüdisches Restaurant in Bielitz ein, lässt sich Spirituosen ausfolgen und weigert sich, zu zahlen. Der Besitzer holt die Polizei, die Stören-friede werden abgeführt, am Kommissariat aber sofort wieder freigelassen. Sie kehren ins Restaurant zurück und demolieren die gesamte Einrichtung. Plötzlich fällt ein Schuss – einer der Eindringlinge ist auf der Stelle tot. Ohne Beweise wird ein jüdischer Angestellter der Tat beschuldigt. Als sich das Gerücht verbreitet, dass ein Jude einen Christen getötet habe, werden an mehreren Punkten der Stadt Fensterscheiben jüdischer Wohnungen eingeschlagen, Läden demoliert, Waren geraubt. Auch die Synagoge der Schwesternstadt Biala wird angegriffen. Am nächsten Tag nehmen über 10.000 Menschen am Begräbnis des getöteten Arbeiters teil, im Anschluss stürmen die aufgeheizten Massen in die von Juden bewohnten Straßen, schlagen Passanten nieder, demolieren Wohnungen und Läden. Juden werden durch Steinwürfe und Schläge verletzt. Die Polizei ist machtlos. Erst in den Abendstunden trifft aus Krakau und Kattowitz Verstärkung ein, die wieder Ruhe herstellt.“
Am 24. September 1937 wurde Bielitz erneut Schauplatz eines Pogroms, dem vierten in einer Woche, der alle drei bisherigen an Grausamkeit und Zerstörungswut übertraf. Nach einer Protestversammlung zogen die Teilnehmer durch die Straßen und zertrümmerten in sämtlichen jüdischen Geschäften die Auslagen. Dienstboten und Hausmeister zeigten dem Mob bereitwillig die jüdischen Wohnungen, das Plündern dauerte bis 1 Uhr früh. Bald griffen die gewalttätigen Ausschreitungen auch auf Warschau und andere polnische Städte über.
Beim Überfall auf Polen wurde die Stadt am 3. September 1939 durch deutsche Truppen besetzt, wobei es zu keinen Gefechten kam. Aus dem polnischen Landkreis Bielsko und Teilen des Kreises Biala wurde völkerrechtswidrig der Landkreis Bielitz mit Bielitz als Sitzgemeinde gebildet, mit der am 1. Juli 1941 die Stadt Biala vereinigt wurde.
Am 13. und 14. September 1939 wurden durch die Einsatzgruppe I der SS unter der Führung von Bruno Streckenbach die Synagoge Bielitz und die Synagoge (Biala) gesprengt. Bis Ende November 1939 wurden die jüdischen Einwohner in Biala ghettoisiert und später zum Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Die meisten jüdischen Einwohner wurden bis 1944 umgebracht.